Kleinwagenkram


So, Freunde des Fieberthermometers, jetzt wird hier mal 38 Sekunden geballt zugesehen und dann erklärt Tante Stilhäschen eben kurz die Welt. Und wehe, jemand spickt unten ohne den Film angesehen zu haben!

Parallel Parking, ein wundervolles Filmchen von Agile Films.


Genau so isses nämlich. Da konzentriert man sich ’nen Wolf und dann kommt eh alles ganz anders.
Ich könnte jetzt ein bißchen erzählen von Mutterhormonen und wie hart man um einen Krippenplatz kämpfen muß (und das eigentlich am besten schon vor der Geburt, aber mir hatte das ja wieder niemand gesagt) und daß, wenn ein Dreivierteljahr später dann die sogenannte „Eingewöhnung” ansteht, Dir (also Dir, Du weibliches Wesen, die Du eh schon seit einiger Zeit von Dir in der dritten Person und als „Mama” sprichst, aber pah, dem Nachwuchs ist das schnuppe, der brabbelt wenn’s hochkommt mal ein „Pa” oder ein „Wauwau”) von einem Tag auf den anderen klar wird: Eingewöhnung, das sagen die nur wegen Dir Großen. Die Kleine steckt das eh weg, die ist scharf auf das Spielzeug und die anderen Kinder und das Essen am großen Tisch, der könntest Du jetzt gestohlen bleiben, aber Du Große, Du solltest mal besser langsam tun, Dich langsam entwöhnen von diesem kleinen grinsenden Gesicht, von Umarmungen und Liebkosungen, Du mußt Dich jetzt auch wieder verabschieden vom Selbständigkeitstraum, Du gehst jetzt einfach wieder ins Büro, beißen und funktionieren und Geld verdienen. Spaß haben jetzt wieder die anderen, wochentags von 8 bis 16 Uhr, während Du dasitzt und Dich ärgerst, daß die Kollegen nicht grüßen.

Aber nein, es wird nicht geheult, jedenfalls jetzt nicht mehr, so isses eben und irgendwie muß ja und Du wolltest ja unbedingt emanzipiert sein, dann nimmst Du den fehlenden Guten Morgen einfach mal nicht persönlich und gibst Dich hart und verhandelst und verkaufst und telefonierst und funktionierst und neu ist halt dieser spießige Bilderrahmen auf dem Schreibtisch. Man könnte meinen Du gehörtest ins neueste Emmanagermagazin, aber immerhin ist da immernoch das Loch im Konto und der frauentypische Kleinwagen, jetzt auch mit festinstalliertem Kindersitz, Extra-Innenspiegel und 360-Grad-Bebröselung.
Nur das mit dem Verkehrsteilnehmer-Beschimpfen solltest Du Dir schleunigst abgewöhnen, die Rakete schnappt da Wortschätze auf, von denen Berliner Möchtegernmusiker nur träumen.

Aber um nochmal einen Bogen zurück zum Filmchen zu schlagen: abends, zuhause, bollert ja gerne mal ein blaues Plastikauto gegen den Küchenschrank, gefolgt von wildem Hupen, wütendem Getrampel und zornigem Geheule. So, wie das gerade aussieht mit der Rakete und dem Bobbycar: der Führerschein wird teuer.


4 Näschen reingesteckt bei “Kleinwagenkram”

  1. _rain sagt:

    Ach, dann ist’s ja gut!

    Ich dachte schon, die geschätzte Hauptvertriebsstelle für
    iCebein & Co. wäre darselbst beim Ausparken gefilmt worden.
    Nachdem Du ja selbst das thematische Minenfeld „Mutterhormone” angeschnittren hattest, dünkte mir so.

    Aber, zum Glück, es ist nur die Sorge um den Nachwuchs.
    „Nur” – der war gut, oder?
    Aber zum Glück (!) hast Du ja endlich (!) wieder deine Kollegen onthejob, die Dir die nun zunehmend ausbleibende Zuneigung der Rakete erseten mögen, in dem sie Dich nicht grüßen und auch ansonsten allerlei Unbill angedeihen lassen.

    Tröste Dich: Sie brauchen noch zeit, um in ihre Rolle als Sohn-Ersatz hineinzuwachsen.

    Zeige Verständnis, lobe sie für Kleinigkeiten (zB. in der Kantine: „Braver Junge, hast Du das ALLES aufgegessen, na DA ist die MAMA aber MÄCHTIG stolz auf Dich” – kommt primär gut an bei Vorgesetzten am Nebentisch).

    Da fällt mir was auf:
    Wieso eigentlich haben ALLE Mütter, die ich beruflich kenne, …

    a) Bilder von ihrem Nachwuchs (nicht Mann!) auf dem Tisch?
    b) Bilder von ihrem Nachwuchs aus Zeiten, als dieser noch
    DEUTLICH kleiner war als HEUTE auf dem Tisch?

    Hmm. Nicht Loslassen-können vermute ich.
    Ich werde Sie beobachten, Frau Stillhäschen ;-).
    Hach, würden Sie nur öfter bloggen, ein Platz an meiner Seite (blogroll) wäre Ihnen gewiss!

    Und zum grande finale noch ein Zitat aus des Teufels Wörterbuch von 1911:

    Kind, das – Unfall, für dessen Eintreten
    alle Kräfte und Vorrichtungen der Natur besonders entworfen und bestens eingerichtet sind.”

    • stilhäschen sagt:

      Jahaa, nur, der war gut! Die Frage mit den Fotos, äh, ich würde mich ertappt fühlen, aber immerhin ist das auf meinem Schreibtisch erst vier Monate alt. Der Schreibtisch ist jünger.
      Und danke für die dezente Blogroll-Erpressung. Schmeichelt, aber hilft Ihrem Begehr nicht. Ich bin ja neuerdings sowas von konsequent! Auch und gerade im Nicht-Tun.

  2. creezy sagt:

    Und denke daran, die Entwöhnung auch nur deswegen, damit ihr dem Mädel bald bald schicke Vespas und zwei Jahre später das Vierräderzertifikat finanzieren könnt. ;-)

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