Pausenzeichen

28.7.2014
10:39 Uhr

Hier ist alles gut. Nur reichen Zeit und Lust so selten zum Bloggen.
pause
Demnächst mehr, eines Tages wird ja doch leider wieder Herbst oder Winter sein. Bis dahin: raus an die Sonne, Leute!


Glücksmoment, drastisch

28.5.2014
07:17 Uhr

Gestern, als ich mal wieder ein paar Tonnen Lebensmittel für die gefrässige Brut die unzähligen Treppen ins Häschenhaus hochwuchtete, drosch auf einmal eine riesige Welle Glück auf mich ein.
Ich hielt inne und erkannte den Ursprung: unten im Treppenhaus jammerte ein kleines Baby und ES WAR NICHT MEINS!


Die schönsten Gerüche der Welt (für eine Mutter)

8.4.2014
20:05 Uhr

Gemeinhin wird ja immer der Geruch von Babys als das olfaktorische Nonplusultra gefeiert; auch mir hatte die Geburtsvorbereitungskurshebamme eingetrichtert, doch ja nicht in all der Geburtsaufregung das Köpfchenschnuppern zu vergessen. Brav zog ich also das Näschen kraus, und: naja. Daß das kleine Wesen lebt und Fingerchen und Füßchen und ein Schnütchen hat, hat mich mehr überzeugt von diesem Wunderdingens.
Danach kamen ein paar Wochen, da roch das Kind tatsächlich am Kopf ganz angenehm, aber in der Gesamtheit gesehen: was nutzt das schon, wenn es unten stinkt? Nullsummenspiel.
Risiko ist jetzt kurz nach zwei und das Töpfchen juckt ihn wenig. Am Schädel trägt er mittlerweile eine veritable Matte, auf die Gottschalk bereits in dessen besten Jahren neidisch gewesen wäre. In der Matte trägt er meist eine veritable Menge Essensreste spazieren. Dementsprechend riecht er oben.
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Was untenrum an Gerüchen herausdringt und entsorgt werden will, möchte ich nicht weiter ausführen, am Ende kriegt er später deswegen keine Lehrstelle. Das Internet vergisst ja nix. Nur soviel: am Anfang dachte ich, die Umstellung von Muttermilch auf Gläschen sei schlimm gewesen. Dann kam das erste Mal Fleisch dazu und auch nach Tausenden Wickelungen schockt mich die Duftwelle täglich neu ob ihrer Intensität.
Jedenfalls, um es kurz zu machen: meine Nase kann inzwischen einiges ab. Aber dann überrascht sie mich auf einmal doch: die riecht ja auch noch schönes! Aus aktuellem Anlass (und weil immer nur motzen auf Dauer ja auch langweilt) daher meine aktuelle TOP 3 der schönsten Gerüche der Welt:

3. Wenn der Windeleimer ausnahmsweise nicht stinkt wie ein Biogastank, sondern den Duft von Raketes Bastelattacken verströmt: Spitzdreck. Welch wunderbarer Kindheitsflash. (In room-scent-Kreisen heißt das bestimmt „bunte Zeder”.)

2. Wenn das patschnasse Kissen mitten in der Nacht nicht riecht und nur aus der Wasserflasche kam.

1. Wir Eltern sind ja schmerzfrei. Ohne Kinder schockt einen der Anblick von Müttern/Vätern, die beherzt ihr Kleinkind schnappen, um ihre Nase in deren Hosenboden zu bohren, ich weiß. Dennoch tue ich das mittlerweile reflexhaft selbst, denn ich weiß, wie wenig meinem Sohn zu trauen ist, wenn ich ihn frage, ob Wickeln angebracht sei. Platz eins belegt daher:
Nach einem langen Winter im Garten sein, zum Inspektionszwecke des Windelstandes am Kindspo zu schnuppern und dann riechen: Nichts, oder noch besser: frisches Gras auf Jeans.

Annähernd gleich gut riecht höchstens ein frisches, kühles Bier, wenn die Kinder endlich schlafen.

In diesem Sinne: auf den Frühling!


Fußballfetzen

24.3.2014
13:15 Uhr

Wenn Eltern von früher sprechen, dann meinen sie dieses alte Leben. Ohne Kinder. Früher waren der Möhrchenprinz und ich gerne mal im Stadion und notfalls wenigstens in der Kneipe, um uns wochenends das Clubspiel anzusehen (romantische Erinnerung: wir waren schon nach dem ersten gemeinsamen Monat verheiratet – auf dem Papier des Mitgliedsausweises der Fußballkneipe. War ein Bier billiger als zwei Singlebeiträge.).
Das Leben ist kein Ponyhof. Jetzt sind die Kinder zwei und vier und können ruhig langsam mal rangeführt werden ans Fansein. Langsam heißt: mit weniger Dezibel, vorhersehbarerem Klima und kürzeren Schlangen an Verpflegungsstand und Klo. In der Kneipe also, nicht im Stadion.
Risiko war schon zweimal mit uns dort, als seine große Schwester auswärts spielte. Gestern war sie mit dabei. Und stellte eine Menge kluger Fragen:
„Mama, warum spielen die Fußball und nicht zum Beispiel Ballett?”
„Weil sie das besser können.”
„Und wenn man gut Tore schießen kann, dann soll man Fußball spielen. Dann kann man das nämlich gut.”
„Das stimmt.”
„Und wenn man was richtig gut kann, dann macht das auch mehr Spaß. Das stimmt nämlich auch.”
Sagt’s und malt weiter.

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Jetzt hab’ ich schon insgesamt fast fünf Jahre Wickelerfahrung (auf Knien, Klodeckeln, zu hoch und zu niedrig montierten Wickeltischen…) und gestern dann doch noch ein erweckendes Erstes-Mal-Erlebnis gehabt: So ein Flipper im Klovorraum ist ja ergonomisch die allergroßartigste Unterlage! Wenn das ein Tor für den Club geholt hätte, ich hätte geschworen, bei jedem Spiel freiwillig fünfmal zu wickeln. Mindestens. Half aber nix.

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Ein Witz, den einem gestern nur ein Fürther (oder Münchner, natürlich) erzählen konnte: Die Kassierin im Supermarkt fragt den Kunden: „Sammeln Sie Punkte?” – „Nein, ich bin Clubfan.”

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Nach ungefähr einer halben Stunde Spielzeit lässt Rakete den Stift mal wieder sinken und sieht der Übertragung zu. Lange.
„Papa, macht denen das wirklich Spaß? Oder warum spielen die dann nochmal Fußball?”
”?”
„Wenn die das gar nicht können?”
”?”
„Die schießen doch nämlich ja gar keine Tore!”

Ich hatte auch keine Antwort. Nach dem Spiel habe ich nur mal wieder an Hannes, den Nachbarsjungen meiner Kindheit, gedacht.
Er reiße sich zusammen, der Depp, zefix.


Für Sie probiert (Ostertip für Übermuttis)

24.3.2014
11:39 Uhr

Jaja, Bioeier gibt’s nicht in weiß. Das wissen wir jetzt.
Wenn die Kinder fürs Basteln im Kindergarten aber drei ausgeblasene weiße mitbringen sollen, dann mach’ ich das natürlich brav. Und weil mir heute nach Übertreiben ist (und ich nach dem Einkauf Wartezeit zu überbrücken hatte & das Werkzeug der Fingernägel wegen eh immer im Geldbeutel dabei): unsere sind knalleweiß und ohne Stempel!
Der Trick: 100er Schleifpapier – vor dem Ausblasen. So sieht keiner mehr gar nix – kein Stempel, keine Schublade („Aha, aus NL. Die Stilhäschens haben’s natürlich wieder nur zum Discounter geschafft.”).

Jetzt muß ich Rakete nur noch schnell von unserer neuen Tante Agathe mit den eigenen Hühnern überzeugen. Mehr Fleißsternchen gehen ja wohl nicht.


Frühlingsfetzen

13.3.2014
09:51 Uhr

Elternabend im Kindergarten. Angeblich gibt’s da schon Bücher über die Grundsatzdiskussionen, die man auf viel zu kleinen Stühlen führen muss. Kein Buch könnte mir so helfen wie die Ansage des Mitvaters, der den Zettel „bitte was zum Knabbern/Naschen mitbringen” kurzerhand mit einem Sixpack Bier beantwortete. Seither sind Elternabende erträglicher.
Gestern entgleiste mein Gesicht aber wohl doch kurz. Eine Erzieherin wies aufs kommende Osterfest hin, die Kinder dürfen wieder Eier zum Aufhängen gestalten, für jedes Kind solle man doch in den nächsten Tagen mal drei ausgeblasene weiße Eier mitbringen, bitte. Und die Mutter, die mir bislang ganz sympathisch war, warf ein: „Aber Bio-Eier gibt es nicht in weiß!” (Die anschließende Diskussion habe ich nicht mitgekriegt, ich musste mich so konzentrieren auf meine Atmung.)
Ich glaube, ich fahre die Woche mal in die Metro und kaufe drei Paletten weiße Eier, puste die aus (geht das auch mit Druckluft?) und bring sie in den Kindergarten. Damit die anderen Kinder „Ausgrenzung” erst in der Grundschule erfahren müssen.

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Wie gesagt, die genaue Diskussion dazu habe ich nicht mitgekriegt, aber sie war kurz, wenn überhaupt.
Das Feiern des Osterfestes immerhin muss man ja in einem kirchlichen Kindergarten nicht diskutieren… aber erstaunlich eigentlich, daß da keiner aufstand und Eier generell in Frage stellte. Werdet vegan, Euren Kindern zuliebe und so. (Ein fantastischer Artikel zu Missionierung und Toleranz drüben bei nutriculinary, übrigens. Leider zu lange fürs T-Shirt.)
Eine Freundin von mir hat ihre Kinder in einem alternativeren Kindergarten, da wäre das sicher passiert. Beim nächsten Elternabend aber hat sie ein Ass im Ärmel: bei einem Mädelsabend fielen wir letztens nach Mitternacht noch in eine Currywurstbude. Dort begrüsste sie herzlich und breit grinsend einen Mann, der genüsslich kaute. Keine Pommes. „Die ganze Familie lebt vegan, übrigens”, raunte sie mir zu.
Sie wird sicher nichts sagen beim nächsten Elternabend. Nur still lächeln.

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Still lächeln durfte auch ich, unlängst in unserem Schrebergarten. Da war ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr und über den Winter habe ich ein paar Kilo und ordentlich Haarlänge verloren. Die Gartennachbarin grüßte freundlich zurück und krähte dann zu ihrem Mann, bei uns im Garten sei eine Fremde, „a jungs Maadla!” (=ein junges Mädchen). Dem war’s wurscht.
Mein Mann übrigens reagierte auf den praktischen Kurzhaarschnitt (ich nenn’s beim Namen, wozu drumrumeiern a la „moderne Trendfrisur”?) ganz lapidar mit „jetzt siehst Du wirklich aus wie eine Kindergartenmutti”. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen, gell, Frau Nachbarin?

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Apropos Selbstwahrnehmung:
Ich komme ins Bad, um Rakete noch die Zähne zu putzen; sie hat schon selbst angefangen und mit der Zahnbürste im Mund beginnt sie ihren heutigen Philosophie-Exkurs. „Mama, ich bin gar nichts zum Putzen.” (Meine Tochter!) – „Soso, was bist du denn dann?” – „Was zum Sitzen.” – „Aha.” – „Ach nein, ich glaube, ich bin einfach der liebe Gott.” – „Das glaube ich nicht, den gibt’s nämlich nur einmal.” – „Aber ein Drache kann ich ja nicht sein. Die sind alle schon tot. Wie die Dinosaurier. Also: lieber Gott. Völlig klar.”
Total klar. Ich bin ja auch nichts zum Putzen. In diesem Sinne: fröhliches Frühjahr!


Endspurt!

4.3.2014
09:28 Uhr

Zur Not geht’s auch mit Wasserbomben. Hauptsache, man erkennt die Zähne.
faschingshasen
Püh, zum Glück ist der Kindergarten morgen wieder offen.


Helau! Alaaf! Ahaaa! (Faschingsfetzen, damit überhaupt mal was passiert hier)

26.2.2014
10:14 Uhr

Hier laufen das ganze Jahr lang IdiotenNarren auf der Straße rum*, da fällt kaum auf, daß bald Fasching ist. Genaugenommen merke ich es vor allem daran, daß die Rakete auf einmal von 14 rückwärts zählen kann: „heute nur noch dreimal schlafen, dann ist Fasching im Kindergarten!”.
Sie geht dieses Mal als Fee oder Elfe (weiß der Geier, was der Unterschied ist, mir jedenfalls ist es eindeutig zu rosa), ich setz’ mir eine Kinderstrumpfhose auf und Risiko ist der Schmetterling. Muss ja nicht immer alles neu sein. Und der Möhrchenprinz darf sein Becks-T-Shirt tragen, dazu eine Tarteform als Kronkorken auf den Kopf, fertig. Fasching ist genau unsere Welt.
faschingskatze

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Und die Insider mit dem Ultra-Ohrwurm erkennen sich beim Faschingszug an der hellblauen Mütze, Lutscher hinterm Ohr. Kann auch nach Aschermittwoch noch in Endlosschleife laufen. Ich bin begeistert. Was für ein großartiges Video zu einem wundervollen Lied!

„Hängt im Foyer rum”, ich könnt’ mich jedesmal wegschmeißen!

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Apropos Video: In Risikos Kita hat jemand ein paar kurze Filmaufnahmen aus dem Alltag gemacht. Nach zehn Minuten Sichtung wuchs mein Respekt vorm ErzieherInnen-Job nochmal ins Unermesslichere. Diese Geduld!
Allein der Morgenkreis! Ein Kind trägt eine Triangel von Kind zu Kind, jedes darf einmal triangeln, dann sagen alle zusammen „Guten Morgen, Triangelkind!” und das nächste ist dran. Es sind 2-3 Erzieherinnen und ca.15 Kinder. Das Triangel-Trage-Kind vergisst immer wieder seine Aufgabe. Die anderen Kinder interessieren sich für ungefähr alles außer den Morgenkreis. So bekommt man den Vormittag auch rum…
Nach einem ganzen Tag stumpfer Wiederholung und wenig ergebnisreichen „Gesprächen” mit Kleinkindern wäre mir ja abends sehr nach ein wenig Raketentechnik-Studium. Solange es das nicht in der Volkshochschule gibt, wird das aber sicher nix mit mir und der Umschulung zur Erzieherin.

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* Und noch ganz schnell die Wut rausgeschrieben: Just gestern wieder die leidige Diskussion auf dem Spielplatz gehabt: junges, hippes Pärchen mit kleinem Hund lässt letzteren nicht nur in den Sandkasten(!) und dort Kinder anspringen – zugegeben, für mich sah es „spielerisch” aus, Kinder mögen das aber anders sehen – sondern bringt auf die sehr gequält höflich vorgebrachte Bitte, ihn an die Leine zu nehmen, die obligatorische Dummbratzenantwort „der ist ganz lieb, der will nur spielen!”. Fehlte nur noch das Argument mit der Hundesteuer… Ich hab’ mich sehr zusammenreissen müssen, die Sache mit der Leinenpflicht im gesamten Park halbwegs freundlich zu erklären. Die hatten nicht mal ne Leine. Manchmal möchte ich hexen können. Nein, ich würde es gar nicht mal Scheiße regnen lassen oder Schlafmangel. Ich glaube, 5-6 IQ-Punkte könnten oft schon helfen „was du nicht willst das man dir tu” zu verstehen und zu verinnerlichen. (Und damit ist der Bogen geschlagen zum letzten Fetzen: ich will nicht Erzieherin sein, aber manchmal muß das.)


Best of Rakete & Risiko (nein, hier ist noch lange nicht Schluß)

15.1.2014
22:06 Uhr

Weil ich’s überall sonst verlege, ich kenn’ mich doch – soll das Internet doch bitte archivieren, was die Kinder so von sich geben. Stilblütenalarm!
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Risiko ist ganz kurz vor zwei. Sein Wortschatz explodiert täglich – seine Artikulation beschränkt den Kreis der Verstehenden jedoch noch extrem. Seine wichtigste Vokabel: „auch”. „Igo (=Risiko) auch!”, damit füllt er jedes Audioloch. Eine große Schwester legt die Latte einfach reichlich hoch, was das eigene Könnenwollen angeht. Rakete konnte sich noch alles alleine erobern – Risiko will alles können, was sie kann (ganz klar unterscheidend, was ein Kind können kann und was ein Erwachsener; den Unterschied von zweieinhalb Jahren Kindsein sieht er nicht. Was bin ich froh um die kurze Distanz zur nächsten Notaufnahme!).
Risikos verbale Highlights der letzten Zeit:
- die Pogo-Version von Kinderliedern. „Vogel! Floge! Nieder! Fuß! / Zettel! Nabel! Mutter! Duß!” wäre, von H.P.Baxter intoniert, schon lange ein Hit. (Weihnachtshit im Häschenhause: „Oh Baum.” Und jeder Schneemann wird freudig begrüßt mit „Bäckerei!”, vermutlich weil in der Krippe zu diesem Bild die Weihnachtsbäckerei gehört.)
- Rakete rezitiert gerne die Weihnachtsgeschichte. Risiko hört zu, im Kopf rattert es, er rennt los zur Playmobil-Krippe, drückt Maria und Josef zusammen und ruft „Bussi!”. Ein Wunder eigentlich, daß ich noch nicht erschmolzen bin.
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Rakete ist vier und spricht – abgesehen von Ihrer eigenartigen Aussprache diverser Zischlaute (die Kindergarten-Erzieherinnen finden das bedenklich, die befreundete Logopädin bleibt noch cool) – wie eine Große. Im Grunde überragt Ihre hochkomplexe Ausdrucksweise die ihrer Eltern oft um Längen. Ich staune immer wieder über grammatikalisch korrekte Sätze wie „Wenn man keine Tasse aussuchen will, dann nimmt man halt mal die, die der dem gibt.” Ich könnte nicht mehr Artikel hintereinanderpacken, außer am Supermarktkassenband.
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Und dann war da noch das Abendessen, für das sich Rakete Pfannkuchen gewünscht hat. Der erste schmurgelt in der Pfanne. Obwohl sie weiß, daß ich das nicht möchte, planscht sie mit der Kelle in der Teigschüssel herum. Und weil sie weiß, daß ich das nicht möchte, hat sie gleich einen ordentlichen Grund für ihr Tun parat: „Ich rühr das mal da noch um, damit das überall schmeckt.”
Hiermit schütze ich das. Sollte ich je ein Kochbuch rausbringen, das wird das der Titel.
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In diesem Sinne: kommen Sie wieder hier vorbei, wannimmer Sie Zeit und Bier genug dafür finden. Eines Tages werde ich noch anfangen mit Rezepten. Sie lachen!?


Elternurlaub – ein Plädoyer

11.12.2013
12:15 Uhr

Und ich will essen
und ich will nicht mehr „möchte” sagen.
Ja ich will rauchen und neben dir laufen,
ohne ein Kind zu tragen.
Ich weiß, dass ich bleich bin
und dass du nichts mehr riechst.
Und was ich schön an dir fand,
find ich jetzt ziemlich häßlich.
Du lächelst nie.

Moritz Krämer: Für die Kinder (Ein Song aus der Perspektive eines Noch-nicht-Vaters, der sich vorstellt, was ihm mit dem Kinderkriegen/Kinderhaben blüht)

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Der letzte Beitrag ließ es ahnen: eine Auszeit aus dem Elternsein kann echt nötig sein. Und heißa, ich sage Euch: sie ist auch möglich! Zum scheißverfickten Glück, alte Axt noch eins. Verzeihen Sie den Ton, aber Fluchen unterstreicht schöner als Blinkebuchstaben.

„Alles was Sie brauchen: eine Oma und zwei E-Tickets. Der Ausbruch ist möglich!” habe ich geschrieben und ja, ich bin mir des Luxus’ bewusst, den wir da haben: die Oma, die bereitwillig Buggy bei Fuß steht und die Kinder für vier Tage (immerhin: zwei davon tagsüber mit Kindergarten) bespaßt. Die Familienkasse, die diesen Ausbruch erlaubte. Und den Möhrchenprinzen, der das alles organisiert und gebucht und mich damit mal kurz überrascht hat. Wir haben’s gut und ich weiß das. Ich weiß auch: Wegfahren ist kein Patentrezept bei Zahnfleischbluten. Das war für genau uns genau jetzt genau das Richtige. Für alle anderen gilt Anderes. Und ich weiß auch noch: klar wollten wir diese Kinder und unser Leben so und würden natürlich auch nicht tauschen wollen – aber wir wollen auch: mal wieder wir sein. Und mal wieder durchschlafen. Und mal wieder etwas Neues sehen jenseits von abseitigen Kinderstuhlfarben (ich meine nicht die Möbel!) oder dem dreihundertachtundneunzigsten Pixibuch.

Frei sein wie ein Vogel und diese ganzen Bilder...

Und so brachten wir eines Donnerstags im November die Kinder in den Kindergarten, gingen wieder nachhause, warfen ein paar Klamotten in einen großen Rucksack und fuhren mit der U-Bahn (zugegeben: mit Umweg über zwei Flughäfen) nach Istanbul. Eine andere Welt in nur drei Stunden Flugzeit. Manchmal braucht man einfach die Erinnerung daran, daß es noch soviel anderes auf der Erde gibt als… Sie wissen schon: Stuhlfarben und Bilderbücher. Waschladungen und Kinderturnen. Frühstück und Abendessen. Lego und Playmobil.

Andere Eltern hatten uns zu diesem Kurzausbruch vorher schon gratuliert und prophezeit: „Am ersten Tag wollt Ihr noch halbstündlich anrufen, ob zuhause alles okay ist. Am zweiten Tag kommt Ihr auf den Geschmack. Drei Telefonate früh, mittags, abends, würden reichen. Irgendwas fehlt dazwischen immernoch. Der dritte Tag ist wie früher ohne Kinder: nur Ihr beide. Aber am vierten, spätestens abends, bricht Euch das Herz, wenn Ihr die Blagen nicht sofort wieder sehen könnt.”
Das kann ich so nicht unterschreiben. Im Gegenteil, ich war erstaunt bis schockiert, wie schnell wir uns beide in unserem alten Leben gefunden haben: sich treiben lassen durch den Tag, ohne die permanente Angst, irgendetwas wichtiges vergessen zu haben (Windeln, Fläschchen, Gummibärchen. Mütze, Schal, Handschuhe. Schnuller, Feuchttücher, Taschentücher, Ersatzklamotten. Ach Scheiße, wo steht eigentlich der Buggy? Und hatten wir nicht noch vorhin noch ein quengelndes Kind dabei? Verdammte Axt, waren das nicht sogar zwei?!) – das geht. Aber sowas von! Irgendwo irgendwas aus der Hand essen, wenn einem SELBST danach ist: das geht ja! Irgendwo einen Kaffee trinken ohne nocheinmal dasselbe auszugeben für zwei Gläser, die voll wieder zurückgehen (oder kaputt und noch teurer): das geht ja! Sich in Ruhe irgendetwas ansehen, ohne permanent die Umgebung abzuscannen nach Toiletten, Wickelmöglichkeiten, Getränkeständen: das geht ja!
Wir waren sehr schnell wieder in dem Leben, in dem wir vor den Kindern waren. Es ging um den Moment und endlich mal wieder UM UNS. Wir gingen Hand in Hand in eigentlich unfassbarem Tempo (mehrere Kilometer! pro Stunde!) durch eine fremde Stadt und kümmerten uns nur unsere eigenen Bedürfnisse. Fast waren wir keine Eltern. Wahnsinn.

Aber die Momente, die uns bewiesen, daß wir keine Zeitreise gemacht hatten, die kamen. Unverhofft und erschreckend deutlich.

Wir sind erschlagen von der Hagia Sophia: so groß, so viel Geschichte, so viel Kultur. hagia sophia
Und vor dem berühmten Mosaik der Mutter Gottes fällt mir als allererstes ein:
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Um Himmels Willen! Die trägt nicht wirklich das Kind mit dem Gesicht nach vorne! MEIN GOTT!

Ich bin jetzt also Mutter und denke auch wie eine. Erschütternd.

Eine andere Situation, die ich vor fünf Jahren noch ganz anders wahrgenommen hätte: bettelnde Kinder auf der Straße. Wenn abends die Geschäfte schlossen, wuchsen aus den Gehwegen die Decken der Strickomas und der Straßenhändler, auf einmal saßen überall Frauen mit schlafenden Kleinkindern auf dem Schoß und einer leeren Schale vor sich. Und einzelne Kinder im Vor- oder Grundschulalter, die Melodika spielten oder Taschentuchpackungen anboten oder sich an eine Hauswand kauerten und traurig schauten. Wir haben mehrfach beobachtet, daß die Kinder untereinander ganz fröhlich waren, miteinander scherzten und die Plätze tauschten – um alleine wieder den traurigen Blick nach oben aufzusetzen. Diese Beobachtung macht die Sache für mich nicht einfacher – denn seit ich Mutter bin, berührt mich ein bettelndes Kind noch viel mehr als vorher. Die Vorstellung, meine Kinder müssten betteln gehen, ich würde meine Kinder zum Betteln schicken, macht mir Gänsehaut. Und mich unheimlich dankbar, daß ich mir darüber eigentlich gar keine Gedanken machen muß (Gedanken mache ich mir aber darüber, ob ich nicht gerade dadurch, daß ich mich berühren lasse und Geld gebe, das System am Laufen halte. Teufelskreis.). Mein Souvenir ist Demut.

Und dann war da noch der letzte Abend in der Stadt. Der letzte Abend ohne Kinder. Der letzte Abend ohne Winterjacke. Wie die Abende zuvor liessen wir uns durch die Stadt spülen, aßen, liefen, tranken, gingen weiter, saugten auf und kurz vorm Hotel wurde uns ein weiteres Mal unfaßbar klar, wie sehr sich unser Leben in den letzten Jahren verändert hatte: Früher wären wir noch einmal umgedreht, hätten noch drei Lokale unsicher gemacht und gerufen „Schlafen können wir auch zuhause!”. Diesmal legten wir uns brav aufs Ohr und genossen es, die paar Stunden wenigstens durchzuschlafen.

am meer
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PS: Die Kinder fanden’s auch toll. Vier Tage bei Oma und Opa! Und auch Oma und Opa haben sich gefreut. Klassische Win-Win-Win-Situation.

PPS: Heimkommen ist schon auch sehr schön. Vielleicht sogar schöner als früher.

PPPS: Wenn’s denn ein Fazit sein soll: Vielleicht ist Istanbul gar nicht so sehr verschieden von unserem deutschen Alltag wie es uns vorkam (Größe, Lärm, Leben…). Vielleicht reicht schon der fehlende Kleinanhang, um eine Reise „allein” zum unglaublichen Erlebnis zu machen.
In diesem Sinne: Liebe Eltern, nehmt Euch mal einen Babysitter und fahrt mit den Öffentlichen in die Nachbarstadt, wenn möglich über Nacht. Ohne Kinder ist alles eine neue Welt!