Wickeltischweisheiten, Teil 1

26.3.2012
13:01 Uhr

Ich glaube, es war Charlie Chaplin, der gesagt haben soll „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.”
Ich aber sage Euch: „Jeder Tag nach dem Tag, an dem dein Baby keinen Stuhlgang hatte, ist ein verlorener Tag.”

(Am frühen Nachmittag schon den vierten Body an. Rekord. Gefühlt erst zwei Minuten ohne den kleinen Mann auf Arm oder Wickeltisch verbracht; und da war ich selber pinkeln. )


Last-Minute-Faschingskostüm für Kleinkinder

20.2.2012
11:42 Uhr

Man nehme:
- ein Stuhlpolster für Gartenstühle
- ein Stirnband
- zwei Meßlöffel (z.B. aus den Babybreipackungen)
- Nadel und Faden
- Zehn Minuten Zeit

Für draußen prima: Stuhlpolster an viel zu großem T-Shirt (z.B. von Mama) festnähen und über den Schneeanzug ziehen. Zusätzliche Schmetterlinge auf den Wangen helfen auch den Döööfsten, das Kostüm zu erkennen.

Und jetzt raus und laut „Helau!” gebrüllt. Oder wie das bei Ihnen so heißt. Viel Spaß!

PS: Der Wurm an der Sache: ist mir nicht selbst eingefallen, sondern dem Möhrchenprinzen. Gnarf. Grmbl.

PPS: Was kann man eigentlich aus den Tonnen von Faschingszugsbonbons machen? Im Mixer wieder zu Zucker und dann Kuchen?


Max und Ali und der Kita-Platz

10.2.2012
11:52 Uhr

[Achtung, wirr in Wut hinuntergeschrieben, außerdem durchaus als Jammerei aufzufassen, alles kein Spaß.]

Kinder mit Migrationshintergrund werden vor Schuleintritt seltener fremdbetreut. Soso. Dabei hat sogar Frau Schröder schon erkannt: „Je früher Max und Ali miteinander im Sandkasten spielen, umso besser für die Integration und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.”

Da bin ich sogar mal Ihrer Meinung, Frau Schröder. Jetzt aber möchte ich Ihnen erzählen, wie die Wirklichkeit bei uns zuhause aussieht:

Wir wohnen in einem „multikulturellen” Stadtviertel und das haben wir uns ja auch so ausgesucht. „Gostenhof ist bunt”, rühmt sich das Quartier, wir schätzen die kleinen Lebensmittelläden und die vielen Kneipen und Restaurants. (Wir schätzen nicht: den Vandalismus, die Hundescheiße und die Parkplatzsituation, v.a. wenn abends die Horden aus den „besseren Vierteln” einfallen zum Ausgehen und sich zu fein für die U-Bahn sind. Aber das ist ein anderes Kapitel.) Mit uns im Haus wohnen Griechen, Türken und Deutsche, das Zusammenleben läuft reibungslos, beim Sommerfest im Hof gibt’s Falaffel, Moussaka und Bratwürste. Multikulti-Bilderbuch.

Die Rakete wird im September 3 und braucht einen Kindergartenplatz. In unmittelbarer Laufnähe unserer Wohnung gibt es:
- 5 städtische Kindergärten
- 2 kirchliche Kindergärten (einen evangelischen, einen katholischen)
- 1 freien Kinderladen (teurer, mit Elternmitarbeit und natürlich gut alternativ angehaucht)
Macht zusammen 17 „Kindergartengruppen” á 25 Kinder, also rechnerisch 425 Kindergartenplätze. Das sollte reichen, möchte man meinen – kein Grund, auf den weiteren Umkreis auszuweichen. Ganz ehrlich: das Kind jeden Tag mit Auto oder U-Bahn durch die Stadt zu kutschieren, damit es dort mit Kindern spielt, die es außerhalb der Kita nur unter organisatorischen Schwierigkeiten treffen kann, das ist doch albern. Reicht, daß wir das für Raketes Krippe so machen müssen. Warum? Weil im Umkreis kein Krippenplatz ergatterbar war; es gibt nämlich hier nur zwei Krippen (jeweils eingruppig, also insgesamt: 24 Plätze). Bis zu den Dreijährigen also dürfte hier noch alles statistikkonform zugehen.

425 Kindergartenplätze geteilt durch drei Jahrgänge – rechnerisch also sollten im September 140 Plätze frei werden. Gegenüber den 12 Krippenplätzen je Jahrgang also ein bombastisches Angebot. Wofür soll man sich da entscheiden? Ein kurzer Blick aufs pädagogische Konzept der einzelnen Einrichtungen zeigt:
- Ein Kindergarten (der evangelische) legt v.a. Wert auf Erwerb vielseitiger, auch sozialer, Kompetenzen und bietet sehr viele unterschiedliche Beschäftigungen für die Kinder an. Ganz „normal” also, in meinen Augen.
- Der Kinderladen ist erwartungsgemäß „freigeistig”, alles ist Bio, er hat einen riesigen Garten. Dafür ist er teurer und die Eltern müssen mithelfen.
- alle anderen, also der katholische sowie alle städtischen Einrichtungen haben als pädagogisches Konzept „Sprachförderung und Integration” und sind wahre Multikulti-Oasen. Kinder aus unzähligen Nationen spielen hier miteinander – aber Deutsche bzw. deutschsprachige sind „pro Gruppe vielleicht ein, zwei” dabei, das sagten mir alle gefragten Kindergärtnerinnen. Und die Gruppen sind hier keine 25 Kinder stark, sondern wegen des erhöhten Förderbedarfs (schließlich gibt es Klagen der Grundschulen, viele Kinder könnten nicht richtig deutsch – also muß das der Kindergarten erledigen) um ein, zwei, fünf Kinder kleiner. Bei der Anmeldung wird nach Sprachförderbedarf, Behinderungen, erschwerten Lebensbedingungen, zerrütteten Familienverhältnissen gefragt: bei uns alles negativ, also rutschen wir nach ganz hinten auf die Warteliste.
Und hier, Frau Schröder, sagen Sie mir mal bitte: wenn im Kindergarten Ali und Sergej miteinander spielen, Max aber in ein anderes Viertel muß, um einen Kindergartenplatz zu kriegen, läuft da nicht etwas falsch? Integration und Förderung schön und gut (ich vermute ja stark, daß die Bevorzugung von zu fördernden Kindern Einfluß auf den Stellenschlüssel und die Bezuschussung hat…), aber wäre es nicht sinnvoller, wenn deutsche Kinder ihren Sandkastenkollegen sprachlich helfen würden anstelle von Spezial-Erziehern und Logopäden? Wenn die Zusammensetzung der Nationalitäten den Stadtteil wenigstens annähernd widerspiegeln würde (durch alle Altersgruppen ca. 42% Deutsche und 18% Deutsche mit Migrationshintergrund, möglicherweise ist das nicht 1:1 auf das Verhältnis unter Kindern herunterzubrechen, aber weniger als 10% deutsch(sprachig)e, das kann nicht sein) und nicht künstliche babylonische Sprachghettos geschaffen würden?
Zugegeben: ganz wohl fühle ich mich nicht bei dem Gedanken, daß meine Tochter eine von zweien – oder gar die einzige – mit deutscher Muttersprache in einer Gruppe sein soll (beim evangelischen Kindergarten z.B. beträgt der Anteil von Kindern „aus anderen Kulturen” 35%). Aber es sind hier nicht wir, die aussuchen, welche Einrichtung wohl die beste für unsere Rakete ist – wir müssen am Ende wohl froh sein, überhaupt irgendwo einen Platz zu bekommen.

Und nein, ich glaube nicht, daß viele deutsche Eltern wegen der gleichen Bedenken ihr Kind lieber woanders in den Kindergarten geben. Woher ich das wissen will? Ganz einfach: Wir haben die Rakete in allen oben genannten Kindergärten angemeldet. Bislang haben wir Absagen aller städtischen Kindergärten (deren pädagogischer Ansatz für die Rakete ohnehin nicht unpassender sein könnte… – die quatscht uns bereits jetzt die Ohren zu) sowie vom katholischen (s.o.). Durch die (vermutlich amtlich geforderte) Gewichtung der „Dringlichkeits-Argumente” (Sprachförderbedarf usw., s.o. ) haben Familien wie wir (übrigens, nur um das gleich zu entkräften: wir sind beide berufstätig und auf Kinderbetreuung angewiesen) schlicht und einfach keine Chance auf einen Platz in einem städtischen Kindergarten.

Im evangelischen hätte man sich bereits zwei Jahre vorher vormerken lassen müssen, wäre aber auch nicht zum Zuge gekommen, da Geschwisterkinder stets Vorrang haben. Wer da einmal ein Kind einen Fuß in der Tür hat, überlegt also bei der Familienplanung nicht lange… Trotzdem haben wir hier eine Zusage für Frühjahr 2013 (hieße: sie muß als einzige Dreijährige ein halbes Jahr länger in der Krippe mit sehr viel kleineren Kindern bleiben – denen sie ja auch einen Platz „wegnimmt”. Ganz abgesehen davon, daß die Krippe das dreifache des Kindergartens kostet…).

Als letztes – vor der Fahrerei in andere Stadtteile (wo die städtischen Einrichtungen natürlich bereits fertig vergeben haben) – bleibt die Hoffnung auf einen Platz im Kinderladen (privater Verein; dort wenigstens sind die Eingangsvorraussetzungen undogmatisch: hier zählt angeblich Elternengagement, Wohnortnähe und durchaus auch Sympathie…). Hier kamen zum Infoabend 30 Eltern, 6 Plätze gibt es, entschieden wird erst im April.

Seit Jahresbeginn renne ich von einem Kindergarten zum nächsten. Vom Krippenplatz für Risiko will ich gar nicht anfangen, haben wir hier doch immerhin den unschätzbaren Fuß-in-der-Tür-Vorteil von Raketes Krippe, auch wenn die tägliches Hin-und-Her-Fahren bedeutet.

Ich werde dann wohl mal Vollkornmehl und Rohrohrzucker kaufen und eine siebenstöckige Möhrentorte backen. Die bringe ich dann im Kinderladen vorbei. Wöchentlich, wenn es sein muß.


Frisch gepresst

5.2.2012
16:41 Uhr

Danke für die rege Beteiligung an der Namenssuche – das Rennen ist vorbei. Die elterninternen Verhandlungen mussten wegen vorgezogenen Liefertermins (drei Wochen und zwei Tage hätten sonst sicher locker gereicht) intensiviert und verkürzt werden – aber am dritten Tag stand dann endlich nicht mehr „Säugling, ♂” am Bettchen. Die einzigen Namen übrigens, auf die der Möhrchenprinz und ich uns einigen konnten: die, die nicht ganz perfekt zum Nachnamen passen. Aber es kann ja nicht alles perfekt sein. Ist ja sonst soweit alles gesund und das Kind das schönste Baby der Welt.

Und hier ist er eh nur „Risiko”. Auch seine Schwester Rakete ist glücklich.


Vorteilsname, verzweifelt gesucht

12.1.2012
09:29 Uhr

Auf dem Papier waren es am Montag noch genau sechs Wochen, bis wir zu viert sind.
Offiziell wäre jetzt Mutterschutz, in Wirklichkeit ist doch noch einiges liegengeblieben, und damit meine ich Arbeit und noch lange nicht die fünf Millionen Stellen, denen ich meinen neuen Nachnamen noch melden muß oder die Kisten mit den Miniklamotten, die herausgesucht und gewaschen werden wollen. Immerhin kam ich die letzen beiden Wochen mal zu annähernd so etwas wie die Beine hochlegen – dank Feiertagen und Magen-Alarm. Yeah.
Jetzt also Endspurt, und dann hoffentlich doch noch ein paar Tage „Ausspannen”, oder wie das halt heißt mit dauerplappernder Zweijähriger, hyperaktivem Mann und einer Wohnung voller Baustellen. Wird schon, alles, irgendwann, mit der Zeit.

Das einzige, was wirklich drängt (jedenfalls bis acht Tage nach der Geburt wirklich erledigt sein muss), ist die Sache mit dem Namen. Da zeichnet sich noch immer keine Einigung* ab und mir wird langsam etwas mulmig. Die Kriterien sind aber auch hart:

- brülloptimiert: zwei Silben, keinesfalls weniger (dann wird aus Lars nämlich Larsi und solcher Unfug) und nur dann mehr, wenn es eine sinnige zweisilbige Abkürzung gibt
- Klassik schlägt Ethnopop: den Namen sollte man in unserem Kulturkreis schonmal gehört haben. Ich kann mir wenig schlimmeres vorstellen als seinen Namen (und damit sich) ständig erklären zu müssen.
- Idealerweise sollte der Namen unmißverständlich zu schreiben sein – „wie man’s spricht” (Also kein „Christian mit K” oder „Christopher, aber mit Doppel-F”. Schon Phillip/Philipp/Phillipp ist leider grenzwertig.). Ich hoffe ja, daß die Kids jetzt in der Grundschule nicht deswegen schreiben dürfen wie sie wollen, weil sonst niemand auch nur seinen Namen schaffen würde…
- Und dann ist da noch der dreisilbige Nachname, der mit R anfängt. Damit fallen alle Namen weg, die mit R enden: Oskar, Peter, Viktor usw.
- Abbrobo Beder: mir sinn Frangn. Also wir haben das natürlich sprachlich im Griff, unsere Mitmenschen nicht immer. Man muß also damit rechnen, daß harte Buchstaben verweichlicht und Ls herausgewürgt werden. Da ist Beder noch gut bedient gegen Baddrigg, Gonsdandin und Gillijan.
- Hatte ich’s schon gesagt? Es geht hier nur noch um Jungennamen. Der fürs Mädchen steht.

So, und jetzt bitte (nochmal) zahlreich helfen. Familie dankt.

(* Favoriten bislang, jedoch immer mit Haken: Gustav, Henri/y, Anton, Oskar, Richard, Robert. Nur, um mal grob die Richtung abzustecken. Cool auch einer aus der unsäglichen Sammlung von Vorschlägen im am Standesamt überreichten Familienstammbuch: Zackes. Yeah. Hab’ ich das da oben geschrieben mit „sollte man schon mal gehört haben”?)


Weil.

23.12.2011
11:33 Uhr

Mit ewig Vorlaufzeit jeder kann. (Und hey! Ebay, dawanda, etsy und Internetschuhläden sind das neue „something old, something new, something borrowed, something blue”. Ein Hoch auch auf alle erdenklichen Paketdienste.)

Wir jetzt immer vier Tage durchfeiern können. Alle Jahre wieder.

„Es ja eigentlich egal ist, auf welches Amt wir gehen.” (statt Jugendamt wegen Sorgerechtserklärung dann eben gleich „richtig”…)

Es eh für immer ist.

Liebe. Hach!


Süß, diese Medizin, oder?

1.12.2011
21:55 Uhr

Achtung, Verschwörungstheorien, vermutlich nicht mal für Schwangere wirklich interessant. Aber ich muß das mal runterschreiben, zu sehr beschäftigt mich das.
Vorab: ich hab’ nix gegen die moderne Medizin, aber ich habe im Laufe der Zeit wenigstens halbwegs gelernt, auf meinen Körper zu hören. Ich denke, bis zu einem gewissen Punkt können Globuli und Hausmittel genauso helfen wie Medikamente der Pharmaindustrie. Ich würde mich selbst einfach nur als kritisch bezeichnen. Vielleicht mit einer wönzigen Tendenz zur Paranoia. Geschenkt.

Und noch was: als ich mit der Rakete (also zum ersten Mal) schwanger war, war ich extrem interessiert daran, was just in dieser oder jener Schwangerschaftswoche gerade passiert, was generell passieren kann und was ich so alles für oder gegen alles mögliche tun kann – Yoga, Ernährung, Tralala.
Jetzt aber habe ich für all diese Recherche schlicht keine Zeit mehr, aber auch fast gar keine Angst mehr (oder wenigstens keine, die ein „alles okay” von Arzt oder Hebamme nicht lindern könnte); ich bin einfach wesentlich entspannter. Ich brauche nicht mehr bei jedem Arztbesuch ein unscharfes Ultraschallbild, um zu merken, daß da etwas in meinem Bauch strampelt, mir reicht eine erfahrene Hand auf dem Bauch und mein Bauchgefühl.

Habe ich eben behauptet, ich sei entspannt? Vergessen! Ich bin auf hundertachtzig, mindestens. Es ist nämlich so, daß mir bei den Vorsorgeuntersuchungen routinemäßig auch ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes (die durch die Hormonumstellung gerne so ab der 22. Woche auftritt und rechtzeitig erkannt gar kein Problem darstellen muß, soweit noch alles easy) ans Herz gelegt wurde. Gut, das habe ich bei der Rakete auch gemacht, ist ja doch ganz nett, zwischendurch ein „alles okay” mehr zu hören. Ich kam also nüchtern in die Praxis, bekam den Blutzuckerwert mit einem Tropfen aus dem Finger gemessen, trank eine ultrasüße Plörre und gab nach ein und zwei Stunden noch mal einen Blutstropfen ab. Alles easy. Die Werte waren nüchtern und nach einer Stunde relativ knapp am Grenzwert, beim dritten („dem wichtigsten” laut der Arzthelferin) aber weit drunter.
Genau wie damals bei der Rakete. Alles prima also.

Es geht immer weiter. Hier hier »


Freitag geht’s weitag.

30.11.2011
20:43 Uhr

Es fällt mir diesmal echt schwer, aus den eingegangenen Kommentaren zum Freitagstexter den „besten” herauszulosen. Danke für die rege und hochqualifizierte Beteiligung!
Machen wir’s also kurz: den Sonderpreis Wortspiel teilen sich bees „Moto Puzzi” und der Alten Säckin „Wels Anglers”. Der Sonderpreis Generationenvertrag geht an Herrn Welding, der Pokal für subversives Einparken an die Walfischbucht.



Und am Freitag möge bitte Herr Bebal den Wettbewerb ausrichten (und noch Bescheid geben wo zwar hier!), denn „Meins ist aber rot.” ist vermutlich genau das, was in diesem Kinderhirn vor sich geht. Punktlandung also. Gratulation!


Freitags, Texter…

25.11.2011
07:28 Uhr

…wird’s wahas geben, freitags wollen wir uns freu’n. Und während sich das Nürnberger Christkind vermutlich schon fix und fertig macht wegen der Markteröffnung, habe ich einfach die kleine Rede schon vorgeschrieben. Hihi. Danke, wordpress, für die „Planen”-Funktion!
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Und ab jetzt kurz: ich hab’ doch tatsächlich am Mittwoch drüben bei Malte Welding den Freitagstexter gewonnen. Danke, Herr Welding!

Und weil hier schließlich Muttialarm ist und Katzeninderbilder immer gehen (weil alles andere ist ja politisch inkorrekt, ihr Dinkies!), hier also das erstbeste Foto von der zerschossenen Festplatte – mit der Bitte um die passende Bildunter- oder -überschrift. Nächsten Freitag Mittwoch dann ist Jurysitzung und Pokalweiterreichung. Personen ohne Blog dürfen natürlich teilnehmen, solange sie im Gewinnfalle einen Blogger zum Unterschlupfen finden.

[Für netzgeschichtlich Interessierte: dieser Wanderpokal des wöchentlichen Witzes kursiert schon eine ganze Weile. Wenigstens die letzten vier Jahre sind drüben bei Markus dokumentiert.]


Übrigens: alles ist immer ganz anders.

18.11.2011
22:05 Uhr

(gewidmet allen frischgebackenen Eltern)

Die Rakete wurde vor zwei Monaten zwei. Und jetzt rufen wir alle zusammen: „wie die Zeit vergeht!”.

Ja, das tut sie, und ja, bei jedem Anblick eines Neugeborenen sind wir uns sicher: so klein war unsere nieeee.
Gerade kann sie unheimlich niedlich sein (wenn sie morgens im Bett auf die Frage „was machen wir heute?” begeistert antwortet: „essen!”), aber, und jetzt ist’s vorbei mit dem Harmoniegeschwalle und dem Muttersein-Idyll: sie kann einen auch in den Wahnsinn treiben. Wenn man Einkäufe in den dritten Stock schleppt und sie sich weigert, selbst hochzulaufen, obwohl sie das längst locker kann. Wenn sie abendessen will, die Nudeln aber noch kochen müssen. Wenn Zähneputzen angesagt ist. Und bei zig Gelegenheiten mehr.

Nein, es ist nicht immer Sonnenschein, beileibe nicht. Natürlich haben wir das auch nicht erwartet, ganz bekloppt ist man ja auch nicht. Aber ein paar Dinge sind in echt einfach schlimmer als als Vorstellung und müssen jetzt doch mal raus. Solange sie noch warm sind, quasi – denn spätestens in ein paar Jahren werde ich doch wieder alles verklären und auf einmal war alles superprima. Gegen das Vergessen also!

Da ist zum Beispiel die Sache mit der Krippe. Seit sie ein Jahr alt ist, wird unsere Rakete viermal die Woche dort „fremdbetreut”, und genauso sagen das viele andere Muttis anklagend, deren Lebensentwürfe anderes vorsehen.
Ich überspringe jetzt mal das Thema „Krippenplatz finden”, das ist ein Kapitel für sich und schwieriger als im Kopfstand mit Skistiefeln an den Händen rohe Eier zu schälen (und ob das ab 2013 tatsächlich kein Thema mehr ist, wage ich zu bezweifeln, aber hallo). Wir haben das geschafft und tatsächlich gedacht, das wäre das schlimmste gewesen, ab jetzt alles easy. Man ahnt: Pustekuchen! Mir persönlich hat erstmal das Getrenntsein vom Kind schier das Herz zerissen – damit hätte ich nie gerechnet, habe ich mich doch sogar gefreut aufs Wieder-Arbeiten, auf Zeit ohne Klötzchen am Bein. Aber Mutterhormone können gnadenlos sein, ich habe eigentlich zwei Wochen nur am Schreibtisch geheult. Ich! Dabei wusste ich doch genau, daß die Kleine sich in der Krippe pudelwohl fühlte, daß ich ihr zuhause nicht im Ansatz so viel Abwechslung und Anregung bieten könnte und, ganz ehrlich: auch gar nicht mehr wollte. (Kurzer Exkurs: So ein Neugeborenes ist schon auch eine Aufgabe, aber es muß einen nicht vollzeit beschäftigen. Da sind immer ein paar Stunden, in denen es schläft oder zufrieden ist, vom Boden aus zuzusehen, was die Großen machen. Um den ersten Geburtstag herum bzw. die ersten Schritte – bei uns mit etwa zehn Monaten – wurde das deutlich anders: dann ist nix mehr mit Putzen/Kochen/Schreiben/Lesen, dann will das Kind beschäftigt sein. Oder wenigstens beobachtet bei seinen Kletter- und Erkundungstouren. Da ist Vollzeitbetreuung angesagt, jedenfalls war’s so bei uns. Und da hat mir am Ende des Tages schon gerne mal ein persönliches Erfolgserlebnis gefehlt.)

Aber Hormone sind nicht das einzige Problem… mitnichten nämlich kann man auf einmal planen, wann man arbeitet, auch wenn das Kind zu festen Zeiten betreut wird. Uns zum Beispiel hat das erste halbe Jahr mit Krippenkind ein ordentliches Stück Gesundheit gekostet. Zu guten Zeiten triefte mal nur eine Nase, zu schlechten Zeiten lagen wir alle drei flach. Es gab, ungelogen, in diesem halben Jahr keine einzige Woche, in der alle gesund gewesen wären! Die Kleine hat das noch am besten weggesteckt, sie konnte meist mit rotziger Nase in die Kita, um dort die nächsten Bazillen einzufangen und uns zuzustecken. Meist war einer der großen mächtig krank. Viel war da nicht mit geregelter Arbeit…

Ja sicher, immerhin haben wir einen Krippenplatz, und gottseidank ist die Rakete gesund, das alles könnte man also reinen Gewissens Jammern auf hohem Niveau nennen, aber so ist das ja gar nicht gemeint. Es ist halt nur alles so viel anders als ohne Kind! Wie oben schon erwähnt: ich schreibe das auf, um mich dran zu erinnern.
Und nächstes Jahr dann, wenn da noch ein Kind mehr ist, das Aufmerksamkeit braucht („Rakete! Playmobil raus aus dem Toaster!”) und den Lebensorganisationsaufwand verquadrupelt, dann lese ich das mal und lache kurz. Um anschließend zu heulen und nicht dazuzukommen, die neue Situation mal kurz niederzuschreiben, vermutlich. Noch 90mal durchschlafen stündlich nur zum Pinkeln aufstehen. Drei Monate Entspannung.