Und dann war da noch…


… der Krankenhausarzt, der einer meiner Freundinnen die geplante Geburt im Hebammenhaus ausreden wollte mit den Worten „Räucherstäbchen lutschen können Sie bei uns auch”.

Was ich persönlich ja für einen Supersatz halte, humor- und lebensanschauungstechnisch.
Und ich persönlich habe bei der Raketengeburt auch im Krankenhaus nichts vermisst. Ich persönlich würde wahrscheinlich auch das nächste Mal dort entbinden wollen und nicht im Geburtshaus oder gar dem eigenen Bett.

Mir persönlich könnte es also herzlich egal sein*, wenn in Zukunft nicht zuletzt wegen immer weiter steigenden Haftpflichtversicherungsbeiträgen noch weniger Hebammen überhaupt noch Geburtshilfe anbieten. Aber bei dieser E-Petition geht es nicht um mich persönlich. Es geht darum, daß Frauen wählen können müssen, wo, mit wem und wie sie ihr Kind zur Welt bringen wollen; und dieses Wahlrecht steht auf dem Spiel, wenn eine Hebamme an einer Geburt jenseits der Festanstellung nichts mehr verdient. Verdienen im Wortsinne würden diese Frauen ohnehin viel mehr, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Also: bitte unterschreiben. Auch wenn es Euch persönlich vielleicht gar nicht betrifft.

* Und da betrifft es mich doch: Auch Hebammen, die freiberuflich (also nicht fest angestellt, sonder auf selbständiger Basis) in einem Krankenhaus arbeiten, sind betroffen. In der Geburtsklinik meiner Wahl arbeiten nur solche Beleghebammen. Davon mal ganz abgesehen: ohne Geburtshaus liegen dann die schlimmsten Selbsterfahrungsweiber auf der Wochenstation, bei den normalen, vernünftigen Müttern. Wenn das überhaupt zu therapieren ist: was das dann erst kostet!


3 Näschen reingesteckt bei “Und dann war da noch…”

  1. Anja sagt:

    Sehr gut heraus hearbeitet, dass es um das Wahlrecht, also die Selbstbestimmung der Gebährenden geht, welche Umstände sie für die Ankunft des neuen Familienmitgliedes wählt.

    Auch wenn ich den Arzt-Kommentar von der Wortwahl her lustig finde, trifft er den Sinn der Wahl einer Hebamme als Geburtsbegleiterin nicht. Sie ist eine Person, die die Schwangere und ihr Baby (und den Partner) durch die gesamte Schwangerschaft und das Wochenbett begleitet, wodurch eine ganz andere Vertrauensbasis geschaffen wird, als in vielen Krankenhäusern möglich ist.

    Bei (Geburts-)Hausgeburten werden weniger – in Ihrer Wirkung nicht dosierbare chemische Geburtsbeschleuniger verwendet, es kommt zu weniger Stresssituationen für Mutter und Kind, die Geburtsverletzungen sind geringer und weniger häufig, von Infektionen der Neugeborenen durch resistente Keime in Krankenhäusern (v.a. Spätsepsis) ganz zu schweigen, und all das auch noch auf signifikantem Niveau, wenn man in Betracht zieht, dass normalerweise nur „Nichtrisikoschwangere” nicht in die Klinik gehen.

    Ich bin dafür, dass die Entgelte für (Geburts-)Hausgeburten durch die Krankenkassen erhöht werden (und auch die Kosten für die Rufbereitschaft endlich übernommen werden), denn die Kostensätze für Klinikgeburten sind deutlich höher. Und Du hast ganz Recht: verdient haben Hebammen (egal in welcher Form der Tätigkeit) sicher mehr.

    Liebe Grüße, Anja

  2. stilhäschen sagt:

    Liebe Anja, grundsätzlich widerspreche ich Dir nicht, Hebammen sind wichtig. Vor, während und nach der Geburt begleitet zu werden, ist wichtig. Mir persönlich war es aber nicht so wichtig, daß die Hebamme, die mich vor- und nachher versorgt hat, auch das Kleine zur Welt bringt. Das hat die erledigt, die gerade Dienst hatte und es war in Ordnung so, da hatte ich echt andere Sorgen.
    Wir sind uns einig: es geht um Wahlfreiheit. Und ich habe keine Ahnung von den Zahlen, mag sein, daß außerhalb von Krankenhäusern weniger Schmerzmittel gebraucht wird – deswegen ist das aber nichts für alle Frauen und es ist gut, daß es diese zwei (drei) Wege gibt. Und das sollte um Himmels Willen auch so bleiben!

    PS: Die mit den Räucherstäbchen wurde nach vielen erfolglosen Stunden Wehen im Geburtshaus doch ins Krankenhaus gebracht und sagt heute, das nächste Mal geht sie direkt dorthin. Nicht weil sie dasselbe noch einmal befürchtet – sondern weil sie sich dort ebenso gut aufgehoben gefühlt hat.

  3. stilhäschen sagt:

    Wow. Gestern mittag noch bei 16.000, jetzt schon 37.000 Mitzeichner. Geile Sache, dieses Internet. Trotzdem: bitte weiter weitersagen!

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