Liebes Tagebuch,


gestern wollte ich endlich mal die russischen Zuckerkekse ausprobieren, deren Rezept bei Sabbeljan so einfach aussieht.

Ich habe also in der Küche Platz geschaffen und losgelegt.

Gut, ich wollte nicht gleich „3-4 Bleche” machen, zumal unser Ofen auch so klein ausfällt, daß daraus eher 6-8 geworden wären, also habe ich eben nur die Hälfte aller Zutaten genommen.

Gut, statt Frischkäse habe ich Quark verwendet. Erstens mußte der weg und zweitens war nichts ähnlicheres da. Die Alternative war Mettwurst.

Gut, und statt Margarine hab’ ich natürlich Butter genommen. Margarine ist für Hungerhaken.

Gut, die Hälfte von 500 Gramm Quark ist 250 Gramm. Und die Hälfte von 500 Gramm Butter? Richtig, 250 Gramm Butter. Kein halbes Päckchen, aber das fiel mir erst ein paar Stunden später ein. Man soll ja aber auch gar nicht so fett essen.

Gut, vielleicht war deswegen der Teig ein bißchen klebrig. Also hab’ ich doch mehr Mehl genommen. Immer mehr. Bis der Teig so richtig klebrig war.

Gut, dann hab’ ich halt noch Milch reingeschüttet. Bis der Teig wieder nur mehr ein bißchen klebrig war, dafür aber plötzlich ganz schön viel, mengenmäßig jetzt.

Gut, und aus der halben Stunde im Kühlschrank wurden dann zwei oder drei. Aber meine Güte, man muß sich ja nicht immer gar so penibel an Anweisungen halten. Keine Macht den Rezeptfaschisten!

Gut, der Teig war dann immer noch klebrig wie Sau, keine Chance für „eine oder mehrere lange Rollen mit 3-4 cm Durchmesser”, geschweige denn „diese in 1-1,5 cm dicke Scheiben schneiden”. Aber „tischtennisballgroße Kugeln”, ha!, die gingen. Schlecht wieder ab von den Händen zwar, aber immerhin.

Gut, das mit dem Zucker war dafür eine Spitzenidee: wo Zucker klebt, klebt sonst nix mehr. Also habe ich von dem nobelpreisverdächtigklebrigen Teigbatzen grob tischtennisballvolumig geschätzte Klümpchen abgenommen, diese direkt in die Zuckerschüssel geworfen und dort zu flachen Scheiben geformt. Jetzt war halt nach dem Falten überall Zucker (also auf genau einer Viertelkreisfläche mehr als im Rezept, der unteren nämlich), aber dafür mußte ich nicht mit in den Ofen, bloß weil meine Hände nicht abnehmbar sind.

Gut, daß am Ende trotz größtmöglicher Keksflächennutzung immer noch Zucker übrigblieb, das muß dann wohl am Rezept liegen. Ich hab’ ihn halt mit den Teigresten verbröckelt und noch großzügig über die Kekse gestreut auf die Kekse gehäuft, bevor ich die Bleche in den Ofen schob.

Gut, daß der Teig dann doch nur für zwei (kleinere als normale!) Bleche gereicht hat, mag schon auch von der ausgeklügelten Belegungstechnik kommen. Viel Platz war da nicht zwischen den Teigbatzen – aber nicht umsonst hatte ich ja das Backpulver vergessen! Da würde schon nicht soviel aufgehen, daß die Kekse zusammenbacken würden…

Aber sonst habe ich mich wirklich exakt ans Rezept gehalten, ehrlich!

Gut, ich habe die beiden Bleche auf einmal gebacken, wozu schließlich hat man Umluft? Und gut, vielleicht waren es ein paar Minütchen mehr als zwanzig, wenige nur, solange man halt braucht zum Wäscheaufhängen, Staubsaugen, Blumengießen, Badputzen und Treppenhauswienern. Jedenfalls: irgendwann roch es dann komisch und aus dem Ofen hob ich zwei große, ein bißchen löchrige Kuchen. Oben waren sie klebrig-schwarz (der Aggregatszustand von Zucker, der nach Karamell und vor gasförmig kommt) und darunter und unten waren sie verbrannt.

Aber wenn man wie beim Nüsseknacken ein bißchen hämmerte und pulte, dann fand man dazwischen durchaus ein paar Kubikmillimeter eßbares Gebäck. Und das war… echt gut. Vielleicht hätte ich mich aber auch da streng ans Rezept halten sollen und alles mit Schokolade verzieren. Naja.

Und morgen mache ich dann mal Schweinebraten mit Kartoffelklößen, aus Hammelkeule und Sellerie. Ein bißchen Improvisation sollte ja wohl drin sein!


14 Näschen reingesteckt bei “Liebes Tagebuch,”

  1. SUUUUUUPER!
    Bitte mehr backen! :-)

    Liebe Grüße,
    der Mechatroniker

  2. katha rakete sagt:

    hmm. man kann nicht alles können. ich hab mich igedwann dafür entschieden kochen zu lernen, denn so und nur so kommt man in die männerherzen (außer schlampenmäßigen klamotten und flotter frisur jetzt, ne) und das putzen lasse ich dann machen, also wenn ich mir eine putzfrau leisten kann. das kann dauern, aber der mann hat dann halt solange pech gehabt und muss warten und solange kann er ja immerhin lecker essen haben. und sich meine schlampenklamotten anschauen. das denke ICH. und ich bin schließlich altersweise, vor der zeit. ich wollte das mal nur gesagt haben, denn ich hab einmal was gekocht, und da hat einer ne erektion bekommen. gut, das war gelogen. ich hab mal gesungen, und dann hat einer ne erketion bekommen. aber das zählt auch.

  3. creezy sagt:

    Hauptsache ist doch, es ist was aus dem Ofen gekommen. Soll Leute geben, die ihr Handwerk schon vorher dem Boden anvertrauen!

    Ich sehe durchaus Hoffnung.

  4. Uwe sagt:

    „…der Aggregatszustand von Zucker, der nach Karamell und vor gasförmig kommt)…”

    You made my day, mir läuft jetzt noch Pipi aus den Augen.DANKE.

  5. textorama sagt:

    Gnä´je Frau, Sie sind in bester Gesellschaft. Die größten Erfindungen und Entdeckungen wurden gemacht, weil einer sich nicht an den Plan gehalten hat, rumpanschte oder einfach nicht nach dem Weg fragte. Heureka!

  6. Eckart sagt:

    Ich habe dieses Christfest das Selbstgebackene des vorigen Jahres in der Weihnachtsdeko bei meiner Schwester wiederentdeckt. Mit ein bisschen Tipp-Ex verziert sah das ganz hübsch aus! (Hmm, vielleicht ist Pottasche doch was anderes?)

    Dafür verwende ich ihren Christstollen jetzt als Türstopper.

    Ist halt alles immer das, was man draus macht!

  7. stilhäschen sagt:

    Mal sehen, mechatroniker, ob ich weitermache. Dieses Erlebnis würde ich doch unter „entmutigend” abheften – zumal das Rezept ja wirklich einfach war…

    Aber hallo zählt das, Katha! Ist dann der Trick singen beim Kochen? Ach, das gilt wieder nur für Dich, menno. Wo bleibt die Platte, Kindchen? (Ach ja, und: nimm bitte Kinderlieder auf, mit nauka. Bittebitte! Ihr dürft das Feld nicht Rolf und seinen Geriatriefreunden überlassen.)

    In diesem Fall (sic), creezy, wäre der Boden nicht die schlechteste Alternative gewesen. (Ich hab’s auch tatsächlich nochmal versucht, dieses Rezept. Aber die Schilderung ist total unspektakulär, das ist nämlich schon das Gebäck. Wirklich ein Hammer! Und so einfach. Theoretisch.)

    Bitte, Uwe, gern geschehen. Für irgendwas mußte es ja gut sein, das Desaster.

    Und wenn es nur die Entdeckung war, daß sich manche Leute schon was bei denken, wenn sie etwas aufschreiben, texto. Aber wie soll man die von der Spreu trennen, wenn nicht durch eisenharte wissenschaftliche Ãœberprüfung der Ingredienzenthese? Eben.

    Tipp-Ex, großartiger Tip, Eckart. Endlich fällt das Gipsanrühren weg! Ich erinnere mich vage ans Pottaschenerforschen und könnte jetzt die Geschichte erzählen, wie ich unlängst in der Apotheke Wasserstoffperoxid erwarb zum Zwecke des Entfernen einer versengten Stelle an einem Babyhemdchen. Fragen Sie nicht. Der Fleck ging übrigens prima raus. Mitsamt dem Gewebe.

  8. sabbeljan sagt:

    Gut, das könnte mir jetzt ein wenig leid tun, dass du um den Genuss gekommen bist. Aber mal ehrlich, wenn Du weiter solche Texte hinlegst, poste ich noch ein paar Rezepte!

  9. Joe sagt:

    Lecker – jetz’n Keks!
    Bei mir wird nichtmal ein Fertigkuchen was, selbst wenn ich mich an die Anleitung halte. Mit dem Backofen stehe ich einfach auf Kriegsfuß.

  10. Jekylla sagt:

    *ROFL* Entweder Sie haben mir bei meinem letzten Backversuch heimlich zugesehen oder Sie sind tatsächlich auch genauso eine experimentelle Backdiva. Köstlich, die Rezeptfaschisten!!!

    (dank an Frau creezy für den Tip, habe sehr gelacht!)

  11. creezy sagt:

    Frau Jekyllinde hat vergessen DEN Link zu posten.

  12. Markus sagt:

    @Jeky: „experimentelle Backdiva” ;-)

    @creezy: Gut, dass der Insider durch Angabe des Links aufgelöst wurde.

    @stilhaeschen: Respekt!

  13. Papagena sagt:

    Was bin ich froh, wieder mal auf dieser Seite vorbei gesehen zu haben!
    Was habe ich eben laut gelacht!
    Was hätte ich bloß verpasst, wenn ich nicht diesen herrlichen Text eben gelesen hätte!

    Vielen Dank, das ist spitzenmäßig!

    Gruß, Papagena

  14. kekstesterin sagt:

    Man kann gar nicht genug improvisieren. Stellen Sie sich nur vor, was man (Sie selbst und wir, Ihre Leser) sonst alles verpassen würde!

Auch kurz das Näschen reingesteckt:

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