Produkttest Babyliteratur


Noch ist es ruhig im Häschenhause, jedenfalls, wenn die Fenster zu sind und die unseligen Drecksnachbarn nicht durchkommen mit ihrem billigen Polentechno. Drei Monate sind es noch (neu: Countdown in der Sidebar!), bis wir unser Gegenmittel haben und die Flügel wieder weit öffnen: ab September wird zurückgeschrieen.
Und vorher kann ich mit Büchern werfen.

Es gibt ja unzählig Literatur zum Thema Babies und wie man sie kriegt (die Bücher übrigens: meist geschenkt); ein breiter Querschnitt davon ziert bereits unser Bücherregal das Fensterbrett unserer Toilette und angefangen hab’ ich auch brav alles. Aber durch krieg’ ich keins nur eines*, zu abgedreht sind mir die Ansichten der jeweiligen Autorinnen, die sich nicht darauf beschränken können, Fakten und meinetwegen die ein oder andere Erfahrung niederzuschreiben – nein, ein Kind zu bekommen und das auch groß, das scheint mir mehr Weltanschauung zu sein als ich je geglaubt hätte.

viele, viele Kleinbuchstaben

Da sinniert die eine (Hebamme!), Schwangerschaftsübelkeit sei ein reines Psychoproblem, setzt vaginalen Ultraschall per se mit Vergewaltigung gleich und wenn das Baby sich nicht rechtzeitig vor der Geburt in Schädellage dreht, solle die Mutter doch bitte mal die Schuld für den Sitzstreik (sic!)  bei sich suchen.
Immerhin einmal durfte ich schmunzeln: in die drei Monate vor Termin zu packende Kliniktasche (wenn es denn wider die Natur und alle guten Ratschläge wirklich keine Hausgeburt werden soll) solle man neben Duftöl und Lieblings-CD (ist klar, darauf werde ich achten, wenn es mir vor Schmerzen den Bauch zerreißt; ganz abgesehen davon, daß sich das Kreißsaalteam bedanken wird für Sägespangeruch und ACDC auf Anschlag…) auch eine Brotzeit für den Vater stecken, die Zeit werde gerne mal lang. Eigentlich ein prima Tip soweit, nur: drei Monate alte Schnittchen, ich weiß ja nicht.

Eine andere verurteilt Gitterbettchen als Babyknast (sinngemäß: „überlegen Sie sich doch einmal, wen Sie hier angeblich vor wem schützen wollen, und Sie werden merken: sich selbst vor dem Kind und seinen Ansprüchen”) und das Familienbett für die einzige kindgerechte Wohnform. Und alle, die es anders machen, schaden ihren Kindern. Da wird nicht abgewägt, da wird verurteilt. Hach, was werde ich für eine schlechte Mutter werden! Und wißt Ihr was, Ihr Ratgeberschnepfen? Ich freu’ mich drauf.
Die Antigitterbettfanatikerin vertritt übrigens auch die Meinung, daß Kinderwägen böse sind und das Tragetuch die größte Erfindung der Menschheit. Schließlich hieße die Schwangerschaft ja auch bei den Tieren „austragen”, dabei müsse man bleiben, sonst, man ahnt: Schäden am Kind! Wichtig aber: bei größeren Geschwistern die Eifersucht eindämmen, indem das Baby nicht vorne, sondern auf dem Rücken getragen wird – das ältere Kind versteht das dann nämlich als „das Neue ist zwischen Mama und mir”. Ich frage mich bei derlei Lektüre nur: aber das Baby hat dann nicht Angst, der Mutter den Buckel runterzurutschen? Und überhaupt: wie macht man eigentlich weiteren Nachwuchs, wenn die großen Kinder im Elternbett schlafen?

Und dann kommen natürlich noch die Namensbücher, eine Unfaßbarkeit für sich. Hey, wo bitte ist der Verbraucherschutz, wenn Bücher auf dem Titel stolz mit „8000 Vornamen” werben dürfen, davon aber 7950 nicht einmal der zotteligste Mittelaltermarktschreier seinem ärgsten Feind gäbe?

Scheißnamen mit G

Scheißnamen mit H

noch mehr Scheißnamen mit H

Aber eigentlich merke ich: je dicker mein Bauch wird, desto weniger lese ich darüber. Die meisten Informationen habe ich zu Beginn der Schwangerschaft verschlungen, als alles noch neu war und unbekannt. Jetzt schwindet die Angst und die Wissensgier, das Wichtigste scheint geklärt, es wird schon irgendwie werden. Und bevor ich aus Versehen noch irgendeine Meinung pro Familienbett, Hausgeburt oder Stillen bis zur Vorschule übernehme, lese ich wieder echte Bücher. Wer weiß, wann ich je wieder dazu komme…

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* Das einzige, das ich wirklich empfehlen kann und jederzeit guten Gewissens verschenken würde: „Schwangerschaft und Geburt” von Katharina Mahrenholtz. Trendig verpackt, eher dünn, Zielgruppe Frauenmagazinleserinnen (die Worte „Promifaktor”, „Wellness” und „Gewichtszunahme” werden in o.g. Büchern definitiv nicht benutzt, hier ausgiebig, es tut trotzdem gar nicht weh!) – aber der Schein trügt, hier herrscht keineswegs Oberflächlichkeit.
Die wichtigsten Fakten(!) werden knapp, aber verständlich und in einem – wichtig! – angenehm humorigen Ton erläutert, Fachbegriffe astrein erklärt und sogar auf den speziellen Männerseiten (nette Idee, wer’s eilig hat…) werden platte Klischees höchstens amüsant ironisch ausgewalzt (Erklärungsversuch: Wehenschmerzen zu Beginn = durchsoffene Nacht mit zu viel fettem Essen und dann kein Schlaf und Baulärm; Wehenschmerzen gegen Ende = durchsoffene Nacht etc. + Dein Fußballverein steigt ab. Auch schön: die Do’s and Don’ts und der dezente Hinweis mit der Tradition des Schmuckstücks für die Mutter nach der Geburt.). Dazu kommen noch die wirklich schönen und erfrischend ehrlichen Illustrationen (im Kreißsaal ist für den Partner jeder Ort südlich des Mutternabels: Strafraum) von Dawn Parisi – dieses Buch ist, und das ist in dem Genre selten, weltanschauungsfrei, schön und informativ. Meine absolute Empfehlung, auch und gerade als Geschenk. Wer mehr braucht, kann immernoch in die Untiefen dieser Ratgeberkategorie abtauchen.


18 Näschen reingesteckt bei “Produkttest Babyliteratur”

  1. Pest Krause sagt:

    Was bin ich froh, dass Sie keine der Illustrationen zeigen. Frische und Ehrlichkeit hin oder her.

  2. stilhäschen sagt:

    Neenee, Krause, so ehrlich nun auch wieder nicht, keine medizinischen Details. Mehr sowas wie die dortige Liste für die Kliniktasche:
    Illustration von D.Parisi, aus Schwangerschaft und Geburt
    Oder:
    Illustration von D.Parisi, aus Schwangerschaft und Geburt

  3. Einen Literaturtipp hätte ich auch. Zu empfehlen die Rubrik: Let’s panic about pregnancy.

  4. stilhäschen sagt:

    Oh, danke, Frau Klugscheisser! Habe sehr gelacht über die „Baby Slinger”-Werbung rechts. Hihi. Großer Slogan.

  5. textorama sagt:

    Ah, wieder ein versüßter Morgen mit Lesestoff aus St. Häschens, äh, Alltag? Leben? Nennen Sie´s wie Sie wollen.
    Stellen Sie sich auf eine etwas längere Lektüre ein. Ich hoffe Sie übeln es mir nicht.

    Ich sehe das Foto der Lektüre und denke sofort an Brehm´s Tierleben und die Folgen solcher Lektüre: hat doch tatsächlich eine schrullige Nachbarin mal behauptet, Enten würden in Bäumen (!) nisten. Sie hätte das aus Brehm´s Tierleben. Ja, meinte ich dann, in der von der Inquisition zensierten Ausgabe. Auf alle Fälle lesen sich Ihre Leseeindrücke so, als würde die ein oder andere „Ratgeberin” ähnliche Schlüsse ziehen.

    Die Sache mit der Weltanschauung, nun, das könnte man so betrachten, aber vielmehr glaube ich, dass keiner zugeben will, dass es sich um einen hormonell und evolutionsbiologisch bedingte Zwangsveranstaltung handelt. Wenn Instinkte das Kommando übernehmen ist die Weltanschauung suspendiert. Ist ja kein Schaden. Vielmehr ärgerlich ist es, dass niemand überhaupt auch nur zugibt, es könne zumindest ein Rolle spielen.

    Hebamme! ist ja auch ein interessanter Imperativ. Genauso wie Iggi Pop. Aber das ist nun wirklich was anderes.

    Babyknast und Kinderbett? Ein Babyterrarium ist ja auch viel besser. Nette Vorstellung, gnihihihi.

    Böse Kinderwagen? Zuviel Steven King gelesen? Kinderwagen namens Christine (bitte um englische Aussprache)
    Und „austragen” klingt so nach: ausbaden!

    Es ist schon ein paar Jahre her, aber irgendwie kann ich es nicht verdrängen: das saßen zwei Müsli-Muttis (man verzeihe den vermeintlichen Chauvinussmus, aber es dient hier zur besseren Illustration) mit ihren zahlreichen und lautstarken Leibesfrüchtchen, und unterhielten sich über das „Kinder kriegen”. Als dann schließlich die eine meinte, sie würde gerne noch ein Kind bekommen, nur um´s zu kriegen, hätte ich fast aufgelacht. Da muss ich mich schon fragen, Drogen? Hormone? Ein untermöbiliertes Oberstübchen? Auf Fragen in diese Richtung werden wir Kerle von unseren Mitmenschinnen gerne (nicht immer) ein wenig herablassend mit der vernichtenden Sentenz kaltgestellt: wir könnten das ja nicht nachvollziehen, da wir ja Männer seinen. Vor soviel scharfer Schlussfolgerung kann ich ja nur noch kopfschüttelnd den Hut ziehen. Immerhin hat es mich gelehrt, männertypische Aktivitäten ähnlich zu verargumentieren. Und trotzdem: soviel Schmerz und Ungemach, kann nicht lustig sein, und schon gar nicht erbaulich, obwohl meine Holde mir von erstaunlichen Adrenalinschüben (oder was da so ausgeschüttet wird) erzählte, dass direkt nach der Geburt, alles hormonell dermaßen vernebelt sei, dass man auch auf Drogenerfahrungen verzichten kann. Nun, eine lebensverändernde Erfahrung ist es mit Sicherheit – so oder so.

    Auf alles Fälle: Respekt! Als Zivi war ich schon bei einer Geburt mit dabei, als Assi, und ich muss sagen, das war ein beeindruckendes Erlebnis. Ihnen weiterhin alles Gute

  6. Jörn sagt:

    Wunderbar, beim Lesen musste ich gleich wieder an eine liebe Freundin denken, die nach komplizierter Schwangerschaft und den Umständen entsprechend erschreckend komplikationslose Geburt von einem besonderen Rückbildungskurs abgeraten bekam: „Wenn Sie Ihre Gebärmutter zum Leuchten bringen wollen, gehen Sie ruhig da hin. Und vergessen Sie Ihr Tragetuch nicht.”

  7. Pest Krause sagt:

    Na, das nenne ich wirklich erfrischend ehrlich. Sie hatten Recht und ich bin ein furchtvoreingenommenes Weichei. (Die Kant-Illu macht mich lachen.)

  8. zoee sagt:

    und vergiss’ nicht, dass du dem kind niemals und unter keinen umständen ein fläschchen geben darfst! du musst es stillen, bis es zur schule kommt. und wenn es an feste nahrung herangeführt werden muss (bleibt ja leider, leider nicht aus, sonst könnte man das abhängige kind auch noch an der uni zur pause stillen), dann musst du das machen, wie die naturvölker. du kaust und speichelst das gemüse in deinem mund und fütterst es dann aus diesem direkt in das babymündchen.

  9. stilhäschen sagt:

    Ich widerspreche, vehement, texto. All die angeprangerten Fundamentalistinnen-Meinungen sind Philosophien und um Himmels willen nicht hormonell bedingt; schließlich gibt es auch noch die ein oder andere zurechnungsfähige Mutter. Und ich will sehr hart daran arbeiten, auch zu letzgenannter Minderheit zu gehören.
    Und mich stört der Wortreichtum keineswegs. Immer raus mit dem Kram, der keine Miete zahlt! Also Sie jetzt. Ich warte noch ein Weilchen.

    Oh, sehr schön, Jörn. „Leuchtende Gebärmutter”, muß ich mir merken. Wenn ich das demnächst im Geburtsvorbereitungskurs (Ja! Beinahe-Live-Reportagen drohen!) fallen lasse, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen (s.o.:Minderheitenmamas).

    Sehnse, Krause. Ist nicht alles so schlimm wie man fürchtet. Manches aber schon!

    Aber Zoee, selbstverständlich vergesse ich das nicht! Ich habe eigentlich schon vor, bis mindestens zur mittleren Reife die Brust zu geben, notfalls durchs gitterne Schultor. Und danach natürlich nur Gemüse, natürlich roh und ganz natürlich mit meinen Zähnen zerkleinert (Messer=böse). Müssen ja schließlich erst die alten aufbrauchen. Und statt mir dritte vom Munde abzusparen, kann sich dann ja irgendwann Adelgund-Phoebe revanchieren. Das nenn’ ich einen Generationenvertrag!

  10. textorama sagt:

    Fabelhaft. Sie haben so fürsorgliche und gute Pläne für ihre Nachkommenschaft. Nur sollten Sie mit der Brustverweigerung mindestens bis zum Stupidium warten, oder bis zu den Enkeln. Nur nichts überstürtzen. Herrlich, Ich sehen Mütter mit Ihren Nachkommen im Vorlesungssaal, die Brustgebend, oder fütternd, Hach, das erinnert an die Anfänge der Grünen: Achselhaare (ich darf das sagen, habe selbst entfernte), Vollbärte, Latzhosen und quengelnde Blagen an nackerten Brüsten.

  11. creezy sagt:

    Kleiner Tipp: Wenn Du Käsestulle in die Krankenhaustasche drei Monate vorher packst, als Brotzeit für den Papa: packe besser gleich noch mal so eine Tasche für ohne fiesen Geruch und Schimmelpilz. ;-)

  12. stilhäschen sagt:

    Och creezy, das ist doch langweilig. Ich suche stattdessen lieber bei ebay nach Bundeswehrüberlebenspaketen. So ein Dauerkeks auf der offenen Esbitflamme erwärmt sicher auch der Hebamme Herz.

  13. katha rakete sagt:

    ich hab das da oben gar nicht gelesen, aber ey:
    VERDAMMT NOCH MAL NICHTS GEGEN POLENTECHNO SAGEN
    ansonsten lese ich gleich mal und kommentiere dann auch wieder qualifiziert. oder wie ich das halt immer sonst so mache.

  14. stilhäschen sagt:

    Mädel, komm mal vorbei und bring’ den Drecksnachbarn mal Kopfhörern oder wenigstens Fensterschließen bei, kurva noch mal. Und solange sage ich Dreckspolentechno, so oft ich kann! Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno. Dreckspolentechno.

  15. (C) was down 2.80 % to $24.68. Bank of America (BAC) was down 2.07 % to $6.88. Alcoa Inc. But use of it for medical purposes is still legal, because its your health we’re talking about. Of course you could take you grandmas Weed Nose spray, put it in a pan and heat it, then inhaling the magical vapors to get high, but common, no one needs it that much. If you do, might as well read the article about Lindsey Lohan..
    folding house http://www.hbbfhouse.com

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