Archiv vom 27.8.2015

Scham, los! Hilf, los!

27.8.2015

Ach scheiße, was ist in diesem Land los? Wo Dummheit und Angst zusammenkommen, schießt Gewalt aus dem Boden und die Kanzlerin schweigt dazu. Ich könnte kotzen.

Ich schäme mich, weil das meine Landsleute sind, die da besoffen und bewaffnet in Asylbewerberunterkünfte eindringen, die Parolen skandieren und Turnhallen anzünden.

In unserem Kindergarten hängt ein Zettel, was im neu hergezauberten Asylbewerberheim gebraucht wird: Kinderwägen, Babyschalen, Babybadewannen. Ich hole den alten Buggy aus dem Keller, mache ihn halbwegs sauber und flicke ein Löchlein.

Ich schäme mich, weil er eigentlich am Ende ist und ich doch eigentlich auch einen neuen kaufen könnte. Ich packe ein paar unbenutzte Stofftiere in eine Tasche und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nur helfe mit Sachen, die mir nicht wehtun, die ich eh nicht mehr brauche.
Ich erinnere mich, irgendwo gelesen zu haben, daß Zahnbürsten immer gebraucht werden. Ich kaufe ein paar Doppelpacks für Erwachsene und welche für Kinder, dazu Zahncreme. Und Gummibärchen und Kekse, damit sich das Putzen auch lohnt.
Ich bringe alles in der neuen Unterkunft ein paar Straßen weiter vorbei und erkundige mich, wie ich wirklich helfen kann.

Buggy und Tüte und gebrauchte Klamotten, das sind doch nur Tropfen auf den heißen Stein und überhaupt das Mindeste, was jemand tun sollte, der so privilegiert ist wie ich – gesund, versorgt, aufgefangen. Umso schlimmer, daß schon das so viele nicht auf die Reihe kriegen.

So viele Gründe, sich zu schämen.
Daß ich mal kurz den Arsch hochgekriegt habe, macht die Scham nicht kleiner. Aber schon einmal ein kleines bißchen besser zu ertragen. Jetzt nur dranbleiben…


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