Archiv vom 13.3.2014

Frühlingsfetzen

13.3.2014

Elternabend im Kindergarten. Angeblich gibt’s da schon Bücher über die Grundsatzdiskussionen, die man auf viel zu kleinen Stühlen führen muss. Kein Buch könnte mir so helfen wie die Ansage des Mitvaters, der den Zettel „bitte was zum Knabbern/Naschen mitbringen” kurzerhand mit einem Sixpack Bier beantwortete. Seither sind Elternabende erträglicher.
Gestern entgleiste mein Gesicht aber wohl doch kurz. Eine Erzieherin wies aufs kommende Osterfest hin, die Kinder dürfen wieder Eier zum Aufhängen gestalten, für jedes Kind solle man doch in den nächsten Tagen mal drei ausgeblasene weiße Eier mitbringen, bitte. Und die Mutter, die mir bislang ganz sympathisch war, warf ein: „Aber Bio-Eier gibt es nicht in weiß!” (Die anschließende Diskussion habe ich nicht mitgekriegt, ich musste mich so konzentrieren auf meine Atmung.)
Ich glaube, ich fahre die Woche mal in die Metro und kaufe drei Paletten weiße Eier, puste die aus (geht das auch mit Druckluft?) und bring sie in den Kindergarten. Damit die anderen Kinder „Ausgrenzung” erst in der Grundschule erfahren müssen.

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Wie gesagt, die genaue Diskussion dazu habe ich nicht mitgekriegt, aber sie war kurz, wenn überhaupt.
Das Feiern des Osterfestes immerhin muss man ja in einem kirchlichen Kindergarten nicht diskutieren… aber erstaunlich eigentlich, daß da keiner aufstand und Eier generell in Frage stellte. Werdet vegan, Euren Kindern zuliebe und so. (Ein fantastischer Artikel zu Missionierung und Toleranz drüben bei nutriculinary, übrigens. Leider zu lange fürs T-Shirt.)
Eine Freundin von mir hat ihre Kinder in einem alternativeren Kindergarten, da wäre das sicher passiert. Beim nächsten Elternabend aber hat sie ein Ass im Ärmel: bei einem Mädelsabend fielen wir letztens nach Mitternacht noch in eine Currywurstbude. Dort begrüsste sie herzlich und breit grinsend einen Mann, der genüsslich kaute. Keine Pommes. „Die ganze Familie lebt vegan, übrigens”, raunte sie mir zu.
Sie wird sicher nichts sagen beim nächsten Elternabend. Nur still lächeln.

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Still lächeln durfte auch ich, unlängst in unserem Schrebergarten. Da war ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr und über den Winter habe ich ein paar Kilo und ordentlich Haarlänge verloren. Die Gartennachbarin grüßte freundlich zurück und krähte dann zu ihrem Mann, bei uns im Garten sei eine Fremde, „a jungs Maadla!” (=ein junges Mädchen). Dem war’s wurscht.
Mein Mann übrigens reagierte auf den praktischen Kurzhaarschnitt (ich nenn’s beim Namen, wozu drumrumeiern a la „moderne Trendfrisur”?) ganz lapidar mit „jetzt siehst Du wirklich aus wie eine Kindergartenmutti”. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen, gell, Frau Nachbarin?

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Apropos Selbstwahrnehmung:
Ich komme ins Bad, um Rakete noch die Zähne zu putzen; sie hat schon selbst angefangen und mit der Zahnbürste im Mund beginnt sie ihren heutigen Philosophie-Exkurs. „Mama, ich bin gar nichts zum Putzen.” (Meine Tochter!) – „Soso, was bist du denn dann?” – „Was zum Sitzen.” – „Aha.” – „Ach nein, ich glaube, ich bin einfach der liebe Gott.” – „Das glaube ich nicht, den gibt’s nämlich nur einmal.” – „Aber ein Drache kann ich ja nicht sein. Die sind alle schon tot. Wie die Dinosaurier. Also: lieber Gott. Völlig klar.”
Total klar. Ich bin ja auch nichts zum Putzen. In diesem Sinne: fröhliches Frühjahr!


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