3 | 2014

Fußballfetzen

24.3.2014

Wenn Eltern von früher sprechen, dann meinen sie dieses alte Leben. Ohne Kinder. Früher waren der Möhrchenprinz und ich gerne mal im Stadion und notfalls wenigstens in der Kneipe, um uns wochenends das Clubspiel anzusehen (romantische Erinnerung: wir waren schon nach dem ersten gemeinsamen Monat verheiratet – auf dem Papier des Mitgliedsausweises der Fußballkneipe. War ein Bier billiger als zwei Singlebeiträge.).
Das Leben ist kein Ponyhof. Jetzt sind die Kinder zwei und vier und können ruhig langsam mal rangeführt werden ans Fansein. Langsam heißt: mit weniger Dezibel, vorhersehbarerem Klima und kürzeren Schlangen an Verpflegungsstand und Klo. In der Kneipe also, nicht im Stadion.
Risiko war schon zweimal mit uns dort, als seine große Schwester auswärts spielte. Gestern war sie mit dabei. Und stellte eine Menge kluger Fragen:
„Mama, warum spielen die Fußball und nicht zum Beispiel Ballett?”
„Weil sie das besser können.”
„Und wenn man gut Tore schießen kann, dann soll man Fußball spielen. Dann kann man das nämlich gut.”
„Das stimmt.”
„Und wenn man was richtig gut kann, dann macht das auch mehr Spaß. Das stimmt nämlich auch.”
Sagt’s und malt weiter.

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Jetzt hab’ ich schon insgesamt fast fünf Jahre Wickelerfahrung (auf Knien, Klodeckeln, zu hoch und zu niedrig montierten Wickeltischen…) und gestern dann doch noch ein erweckendes Erstes-Mal-Erlebnis gehabt: So ein Flipper im Klovorraum ist ja ergonomisch die allergroßartigste Unterlage! Wenn das ein Tor für den Club geholt hätte, ich hätte geschworen, bei jedem Spiel freiwillig fünfmal zu wickeln. Mindestens. Half aber nix.

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Ein Witz, den einem gestern nur ein Fürther (oder Münchner, natürlich) erzählen konnte: Die Kassierin im Supermarkt fragt den Kunden: „Sammeln Sie Punkte?” – „Nein, ich bin Clubfan.”

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Nach ungefähr einer halben Stunde Spielzeit lässt Rakete den Stift mal wieder sinken und sieht der Übertragung zu. Lange.
„Papa, macht denen das wirklich Spaß? Oder warum spielen die dann nochmal Fußball?”
”?”
„Wenn die das gar nicht können?”
”?”
„Die schießen doch nämlich ja gar keine Tore!”

Ich hatte auch keine Antwort. Nach dem Spiel habe ich nur mal wieder an Hannes, den Nachbarsjungen meiner Kindheit, gedacht.
Er reiße sich zusammen, der Depp, zefix.


Für Sie probiert (Ostertip für Übermuttis)

24.3.2014

Jaja, Bioeier gibt’s nicht in weiß. Das wissen wir jetzt.
Wenn die Kinder fürs Basteln im Kindergarten aber drei ausgeblasene weiße mitbringen sollen, dann mach’ ich das natürlich brav. Und weil mir heute nach Übertreiben ist (und ich nach dem Einkauf Wartezeit zu überbrücken hatte & das Werkzeug der Fingernägel wegen eh immer im Geldbeutel dabei): unsere sind knalleweiß und ohne Stempel!
Der Trick: 100er Schleifpapier – vor dem Ausblasen. So sieht keiner mehr gar nix – kein Stempel, keine Schublade („Aha, aus NL. Die Stilhäschens haben’s natürlich wieder nur zum Discounter geschafft.”).

Jetzt muß ich Rakete nur noch schnell von unserer neuen Tante Agathe mit den eigenen Hühnern überzeugen. Mehr Fleißsternchen gehen ja wohl nicht.


Frühlingsfetzen

13.3.2014

Elternabend im Kindergarten. Angeblich gibt’s da schon Bücher über die Grundsatzdiskussionen, die man auf viel zu kleinen Stühlen führen muss. Kein Buch könnte mir so helfen wie die Ansage des Mitvaters, der den Zettel „bitte was zum Knabbern/Naschen mitbringen” kurzerhand mit einem Sixpack Bier beantwortete. Seither sind Elternabende erträglicher.
Gestern entgleiste mein Gesicht aber wohl doch kurz. Eine Erzieherin wies aufs kommende Osterfest hin, die Kinder dürfen wieder Eier zum Aufhängen gestalten, für jedes Kind solle man doch in den nächsten Tagen mal drei ausgeblasene weiße Eier mitbringen, bitte. Und die Mutter, die mir bislang ganz sympathisch war, warf ein: „Aber Bio-Eier gibt es nicht in weiß!” (Die anschließende Diskussion habe ich nicht mitgekriegt, ich musste mich so konzentrieren auf meine Atmung.)
Ich glaube, ich fahre die Woche mal in die Metro und kaufe drei Paletten weiße Eier, puste die aus (geht das auch mit Druckluft?) und bring sie in den Kindergarten. Damit die anderen Kinder „Ausgrenzung” erst in der Grundschule erfahren müssen.

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Wie gesagt, die genaue Diskussion dazu habe ich nicht mitgekriegt, aber sie war kurz, wenn überhaupt.
Das Feiern des Osterfestes immerhin muss man ja in einem kirchlichen Kindergarten nicht diskutieren… aber erstaunlich eigentlich, daß da keiner aufstand und Eier generell in Frage stellte. Werdet vegan, Euren Kindern zuliebe und so. (Ein fantastischer Artikel zu Missionierung und Toleranz drüben bei nutriculinary, übrigens. Leider zu lange fürs T-Shirt.)
Eine Freundin von mir hat ihre Kinder in einem alternativeren Kindergarten, da wäre das sicher passiert. Beim nächsten Elternabend aber hat sie ein Ass im Ärmel: bei einem Mädelsabend fielen wir letztens nach Mitternacht noch in eine Currywurstbude. Dort begrüsste sie herzlich und breit grinsend einen Mann, der genüsslich kaute. Keine Pommes. „Die ganze Familie lebt vegan, übrigens”, raunte sie mir zu.
Sie wird sicher nichts sagen beim nächsten Elternabend. Nur still lächeln.

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Still lächeln durfte auch ich, unlängst in unserem Schrebergarten. Da war ich gefühlt eine Ewigkeit nicht mehr und über den Winter habe ich ein paar Kilo und ordentlich Haarlänge verloren. Die Gartennachbarin grüßte freundlich zurück und krähte dann zu ihrem Mann, bei uns im Garten sei eine Fremde, „a jungs Maadla!” (=ein junges Mädchen). Dem war’s wurscht.
Mein Mann übrigens reagierte auf den praktischen Kurzhaarschnitt (ich nenn’s beim Namen, wozu drumrumeiern a la „moderne Trendfrisur”?) ganz lapidar mit „jetzt siehst Du wirklich aus wie eine Kindergartenmutti”. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen, gell, Frau Nachbarin?

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Apropos Selbstwahrnehmung:
Ich komme ins Bad, um Rakete noch die Zähne zu putzen; sie hat schon selbst angefangen und mit der Zahnbürste im Mund beginnt sie ihren heutigen Philosophie-Exkurs. „Mama, ich bin gar nichts zum Putzen.” (Meine Tochter!) – „Soso, was bist du denn dann?” – „Was zum Sitzen.” – „Aha.” – „Ach nein, ich glaube, ich bin einfach der liebe Gott.” – „Das glaube ich nicht, den gibt’s nämlich nur einmal.” – „Aber ein Drache kann ich ja nicht sein. Die sind alle schon tot. Wie die Dinosaurier. Also: lieber Gott. Völlig klar.”
Total klar. Ich bin ja auch nichts zum Putzen. In diesem Sinne: fröhliches Frühjahr!


Endspurt!

4.3.2014

Zur Not geht’s auch mit Wasserbomben. Hauptsache, man erkennt die Zähne.
faschingshasen
Püh, zum Glück ist der Kindergarten morgen wieder offen.


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