12 | 2012

Weihnachtswunsch einer Dreijährigen

23.12.2012

Wir leben in einem Stadtteil, in dem Leute ihren Müll absichtlich neben den Abfalleimer werfen, „ey, das ist Gostenhof, das macht man hier so” rufend. Leider klar, dass hier kaum ein Hundehalter die Hinterlassenschaften seines Lieblings aufsammelt. Auf den dreihundert Metern zum Kindergarten warne ich die Rakete meist vor mindestens fünf Tretminen und frage mich jedes Mal, warum die daran schuldigen Herrchen und Frauchen eigentlich offensichtlich immun gegen Reintreten sind (oder können die wirklich nicht weiter denken als das Schwänzchen lang ist?).
Rakete hat ausserdem extremen Respekt vor allen Tieren, die sich selbstständig bewegen – wir brauchen nicht in den Streichelzoo und vermutlich nie über ein Pony diskutieren. Sogar Aquarien sind angsteinflössend für sie – obwohl wir ihr das nicht beigebracht haben. Ich muss es wohl gar nicht erwähnen: die Begegnung mit (v.a. nicht angeleinten) Hunden auf der Strasse ist… schwierig.

Heute gehen wir über unseren Spielplatz. Unter der Schaukel liegt ein grosser Hundehaufen. Ich habe noch nichts gesagt, da spricht Rakete: „Wenn ein Hund sowas macht, sollen Leute den Hund nicht haben dürfen.” Ich will gerade sagen, dass ich ihrer Meinung bin (wenn ich auch die Schuld mehr beim tütenlosen Halter sehe), aber sie überlegt weiter: „Eigentlich soll Jesus einfach keine Hunde mehr machen. Das wünsch ich mir zu Weihnachten.”
Ich bin so stolz auf meine Tochter. Ich wünsche den Leuten nur immer Scheisse in den Schuh (oder schlimmeres) und sie hat so eine pazifistische Lösung.
Unsere Schuhsohlen in Deinen Händen. Jetzt bist Du an der Reihe, Jesus!


Wortspielchen (Herr sabbeljan, der ist für Sie.)

17.12.2012

Fieberndes Kind am Tage seines ersten kirchlichen Sakramentes: Taufsieder.


Es kommt nicht auf die Größe an…

5.12.2012

…sondern auf die Länge! Und wer notfalls noch ausklappen kann, war wohl die brävste. Hohohooooooo! (Fürs dreckige Lachen muss ich dann wohl was abgeben. Seis drum. Das ist mir den Spaß wert.)


[Das ganze St.Martin-Nikolaus-Pelzmärtel-Weihnachtszeug findet die Rakete eigentlich natürlich super, aber mit den Geschenkebringern will sie nichts zu tun haben. Obwohl wir (und auch der Kindergarten) darauf geachtet haben, ihr keine Angst zu machen, nicht mit der Rute zu drohen und so, reagierte sie geradezu panisch auf den Pelzmärtel, den sie nur vom Kindergartenfenster aus auf der Straße sah. Und das Christkind ist ihr auch suspekt, wenn das immer sehen kann, ob sie brav ist (brave Kinder bekommen mehr Geschenke, von Strafen haben wir nie gesprochen!). Sie will nicht, daß das Christkind beim Zähneputzen zuschaut! Wir sollen aufpassen, daß niemand in ihr Zimmer kommt, wenn sie schläft! Der Vorhang muß zu sein, nicht daß das Christkind durchs Fenster guckt…
Jetzt ist es so, daß die Rakete eine wilde Schläferin ist. Seit sie ohne Schlafsack schläft, habe ich unzählige Fotos von unfassbaren Schlafpositionen unserer Tochter geschossen: Kopf über der Bettkante hängend, Beine senkrecht an der Wand… Eine Collage aus diesen Fotos, groß ausgedruckt über ihrem Bett, würde ihr sicher gefallen, so gerne wie sie Bilder von sich sieht. Kurz hatte ich überlegt, ihr das zu Weihnachten zu schenken.
Vermutlich aber würde ihr das ein Trauma bescheren, von dem jeder Psychologe träumt (Behandlungsdauer: ewig): das Christkind bringt den Beweis, daß es jede Nacht in ihrem Zimmer war. Gruselig, was? Ich beherrsche mich also und behalte das Poster. (Es gibt ja auch noch den Osterhasen, hihihi…)
Rakete, wenn Du das hier in zehn Jahren liest, hoffe ich, daß Du anerkennst, wieviel Vernunft es mich gekostet hat, diesen einen Witz nicht zu machen. Und nein, ich leih’ Dir auch dann meine Stiefel nicht. Vor allem nicht am 5. Dezember.]


Äbäsmack! (=Erdbeergeschmack)

5.12.2012

Das grosse Kind hatte Glück, dass ich das Kleine nicht mehr stille: nach ein paar Bieren nahm ich einst aus Versehen ihre Superduper-Öko-Waldorf-Zahncreme. Mein Mund war gefühlte Stunden taub. Am nächsten Tag kaufte ich in der Drogerie die Eigenmarke-Kinderzahncreme für ein Zehntel des Preises (für die dreifache Menge, und trotzdem noch Ökotest-erlaubt!). Das Kind flippte aus vor Freude, „Äbä-Smack! Die Zahnpasta hat Äbä-Smack!”, auf einmal war Zähneputzen ein nicht zu verpassendes Event, das ist mir die Aromastoffe wert.

Dass das Zeug dafür klebt wie Sau, weiss ich schon länger. Dass es beim Putzen schmeckt wie Barbiegedärm (gefüllt mit Erdbeeren, meinetwegen), weiss ich erst seit gestern Abend. Ein paar Biere, Sie wissen schon.
Wenn ich es heute also nicht in die Drogerie schaffe, hat Rakete zum Schuleintritt schon Zahnfäule. Obwohl, ihr schmeckt’s ja; letztens habe ich sie beim Lutschen an der offenen Tube erwischt…

Das isses! Zwei Fliegen, eine Klappe! Ab jetzt gibt’s hier nur noch Nudeln mit Zahnpasta. Äbäsmack! Die Tube kostet kaum mehr als Tomatenmark. Und ich könnte mal wirklich ein paar Kilo abnehmen.


Alle Jahre wieder…*

1.12.2012

Erster Dezember, erstes Kalendertürchen, erste Guten-Morgen-Schokoflecken an der Bettwäsche. Endlich darf ich wieder das großartigste Weihnachtslied ever trällern und trällern und trällern und trällern…

* Schön war auch letztes Weihnachten: Kindergottesdienst in der großen Kirche, am Schluß singen alle zusammen „Alle Jahre wieder”, in Raketes Gesicht arbeitet es sichtbar. Der letzte Ton ist gesungen und in die andächtige Stille krakeelt unsere Zweijährige: „aaalle Vöglein, aaaalle!”.


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