Archiv vom 6.11.2012

Eins, zwei, fertig.

6.11.2012

Im Suff des Frisch-Verliebtseins planten der Möhrchenprinz und ich bereits unser Leben als Familie: zwei Kinder sollten es sein, erst ein Junge, dann ein Mädchen. Sogar die Namen standen fest.
Der Kater blieb aus, und sogar nüchterner schien der Plan noch plausibel. Gut, einen kleinen Kurswechsel gab es dann noch: das Mädchen kam zuerst. Aber vielleicht hatten wir uns einfach unbewusst an den Rat des älteren Nachbarn gehalten?
Man sollte das zweite Kind vor dem ersten kriegen.
Ein sehr weiser Ratschlag, den einzuhalten vielen unmöglich scheint. Wir haben es geschafft und vermutlich kam es nur deswegen letztendlich auch zur Planerfüllung. Denn nach drei Jahren Rakete und neun Monaten Risiko kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: wäre Risiko zuerst gekommen, er wäre wohl unser einziges Kind geblieben. Schlafmangel ist einfach die Hölle, da kann das Kind tagsüber noch so niedlich lachen, glucksen und durch die Wohnung mäandern.

Alles läuft also nach Plan, und bevor mich jemand fragt, ob wir nicht vielleicht doch noch ein drittes (der Möhrchenprinz und ich haben ja auch beide zwei Geschwister) möchten, schreie ich NEIN!NEINNEINNEINNEIN!, mit Fußaufstampfen und Kopfschütteln bis zur Gehirnerschütterung. Und damit ich dereinst, wenn ich eine selig lächelnde Mutter mit Säugling im Arm, nicht einmal anfange, über eine Planänderung nachzudenken, schreibe ich mir mal schnell (haha) auf, warum für uns zwei Kinder dicke reichen:

Der Elch ist voll.
Der Elch ist voll. Und auch alle Windelkartons.

Natürlich könnte ich es einfach auf die unruhigen Nächte schieben (die Schwangerschaft mitgerechnet, habe ich in den letzten eineinhalb Jahren vielleicht dreimal durchgeschlafen), aber das wäre zu kurz gegriffen.
Es ist schon auch die aktuelle Phase („Es ist alles nur eine Phase” – die Überlebensphrase aller Eltern. Könnte man nicht Hoffnung haben, daß es vorbeigeht, man wäre permanent versucht, sich am Wickeltischmobile aufzuknüpfen.) der „Großen”: Ohren auf Durchzug, dafür kommen aus dem Mund permanent 130 Dezibel. Haben eigentlich auch andere Eltern einen Gehörschutz in der Küche hängen?
Die aktuelle Familienpolitik tut ihr Möglichstes dazu; wobei wir, hätte die Einfluß auf unsere Entscheidung gehabt, erst gar nicht die Verhütung hätten bleiben lassen. Über Kita-Garantie lache ich mal kurz, über die Kinderbetreuungsgebühren sowieso und zum Betreuungsgeld hat Frau Karnick schon so viel Wahres gesagt. Nein, ich jammere nicht, wir haben es ja so gewollt. Aber es könnte leichter sein. Und auf anderen Ebenen mag es so sein, daß ein drittes Kind einfach mitläuft (diesem Irrglauben war ich leider bereits beim zweiten aufgesessen), finanziell sicher nicht; zumal man ja nicht nur die direkten Kosten rechnen kann, sondern vor allem die Zeit rechnen muß, in der man eben nicht mehr Geld verdienen kann.
Bestimmt spielt auch die langsam reifende Erkenntnis eine Rolle, daß das Leben davor endgültig vorbei ist. Denn auch der olle Spruch „ein Kind ist kein Kind” ist übrigens einfach nur wahr. Mit einem Kind kann man noch prima in Kneipen gehen oder mal eben irgendwohin fahren. Mit dem zweiten wird der Aufwand dafür überproportional größer. Mein altes Leben also ist vorbei – und dazu zähle ich bereits die goldene Zeit, als die Rakete noch alleine war. Wir glaubten noch an Pekip, Babyschwimmen und stundenlanges Vorlesen – und hatten trotzdem noch Zeit für uns! Ich kann es heute nicht mehr glauben. „Zwei Arme, zwei Kinder”, habe ich letztens irgendwo gelesen. Ich möchte ergänzen um „Zwei Eltern”. Ehe zu dritt ist für keine Option. Und damit auch kein drittes Kind.

Das klingt jetzt alles ganz schön leidend? I wo! Kinder sind der Quell ewiger Freude. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für den Möhrchenprinz und mich: der Spruch als Tattoo auf dem Handrücken. Damit wir’s nicht vergessen.


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