Archiv vom 23.5.2012

Was raus muß, muß raus.

23.5.2012

Ich platze bald vor Wut. Wegen Euch. Überall lauft Ihr mir über den Weg, auf dem Spielplatz, in der U-Bahn und beim Spazierengehen. Und wenn ich die Wohnungstür hinter mir und den Meinen zumache, ist Euch erst recht nicht zu entkommen: in diesem Internet wimmelt es von Euch, in Euren Blogs zeigt Ihr der Welt die siebenstöckige Geburtstagstorte für den Dreijährigen, die mal eben selbstgenähten T-Shirts für die ganze Fußballmannschaft und erzählt, wie lockerflockig das Osterbuffet für die 30köpfige Verwandtschaft vorbereitet war.

Ihr geht mir ganz gehörig auf die Eierstöcke, Ihr Supermuttis! Ihr mit dem immerwährenden Sonnenschein im Gesicht und der Engelsgeduld und den vierfarbigen Rohrzucker-Cupcakes in der Design-Lunchbox passend zum Bugaboo. Ihr mit Euren flachen Bäuchen drei Wochen nach der Geburt, die Ihr locker den Alltag mit drei Kindern und Hund und vielleicht sogar noch Job dazu wuppt und stolz nach außen posaunt, wie easy das alles ist. Geht scheißen!

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich Euch das alles nur einfach nicht glauben soll oder ob es doch an mir liegt, daß ich mit zwei Kindern schon rotiere und dabei habe ich mit der Arbeit noch gar nicht wieder richtig angefangen und den wahrscheinlich emanzipiertesten Mann der Welt!
Obwohl der Säugling den Großteil des Tages nur herumliegt oder schläft und die „Große” für eine Dreiviertel-Dreijährige recht verständig ist, gehe ich nach einem Tag allein mit den beiden auf dem Zahnfleisch. Ich komme nämlich genau zu gar nix anderem als Kinderbetreuung, und das nervt einfach unfaßbar, wenn gleichzeitig tausend kleine Baustellen darauf warten, erledigt zu werden.
Ich müsste mal einen Zahnarzttermin ausmachen. Aber jetzt ist Mittagspause und später, wenn ich dran denke, muß ich die Rakete davon abhalten, das Bad zu fluten.
Die Spülmaschine könnte man mal ausräumen. Bevor die Nerven endgültig reissen: lieber erst dem Quengeln nachgeben und endlich das versprochene Buch vorlesen (Deal war: Buchvorlesen gegen drei Minuten Ruhe auf dem Klo).
Das Altpapier sollte endlich mal weg. Mach ich, wenn ich eh runtermuß. Ich stelle den Karton vor die Wohnungstür, zum Biomüll, den zwei Tüten Altglas und den drei Müllsäcken.
Dringend nötig wäre Blitzgassi mit dem Staubsauger: im Bad rotten sich schon wieder Wollmäuse-Armeen zusammen und lauern hinter der Türe darauf, daß einer das Fenster öffnet und sie Ihre Kumpels im Rest der Wohnung besuchen flitzen können. Die Chance! Die Kleine ist beschäftigt mit ihrer Bastelschere. Dafür ist der Kleine wieder eingeschlafen. Lieber nicht mit dem lauten Staubsauger wecken, sonst will er gleich wieder Milch. Immerhin schaffe ich die Spülmaschine.
Zwei Ladungen Wäsche warten seit Stunden aufs Aufgehängtwerden. Sollen sie halt einen Termin machen. Ich sollte besser mal verhindern, daß noch ein Geldschein zerteilt wird. Ich bringe die Große ins Bett zum Mittagschlafen. Damit wäre Staubsaugen wieder unmöglich. Der Kleine hat Hunger.
Manchmal würde ich mir gerne einen Arm ausreissen. Ich weiß nur nicht, wann.


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