7 | 2009

Spam der Woche

28.7.2009

stilhaeschen.de muß am Bauch abnehmen!

In der kalten Jahreszeit koennen Sie Ihre Kilo, die Sie zu viel haben ja
zumindest noch verstecken, aber im Sommer mit duenner Kleidung ist das kaum
machbar. Da hilft nur eine Sache, wenn Sie endlich wieder schlank fuehlen
und die leichte Kleidung geniessen wollen. Sie muessen Ihr Uebergewicht
reduzieren.

Auch Bauch, ja.

Und da frag’ ich mich schon: woher wissen die das?


Im Schwimmbad

20.7.2009

„Hey, der Wasserspiegel sinkt ja gar nicht, wenn Du das Becken verlässt! Hätt’ ich jetzt aber drauf gewettet.”

Und ich lächle und sage nicht, daß ich penibel darauf achte, immer genau dann herauszusteigen, wenn gerade einer der örtlichen Adipositas-Selbsthilfegruppe ins Wasser geht.


Ego-Booster

17.7.2009

Sie fühlen sich wertlos? Denken, Sie können nichts? Sie sind ernsthaft davon überzeugt, niemals etwas zustandezubringen?

Aber Radfahren klappt? Dann lesen Sie doch einfach mal das hier.

Na? Auch „ich bin ein verdammtes Genie!” gedacht? Geht doch. Und jetzt ab in die Gehaltsverhandlung.

vor der Grundschule

[Unter diesem Gesichtspunkt schockt dieses Bild vor der örtlichen Grundschule umso mehr: und die sollen mal unsere Rente zahlen?]


Blick zurück nach vorn

16.7.2009

Ich war wohl um die dreizehn und ich habe es gehasst. Alles war doof uncool und ich mittendrin, die Königin derer, die immer knapp am Dazugehören vorbeischlidderten.
Die Lässigen waren in den Klassen über mir, sie trugen zerfetzte Jeans und Springerstiefel („12-Loch, drunter ist für Babies!”), rote Schnürsenkel und SLIME-T-Shirts. Und sie ließen sich von Mama lieber um die Ecke als vorm Schultor aus dem Mercedes rauslassen. Klar, daß einer von Ihnen der Traum meiner schlaflosen Nächte war – nur wie rankommen? Wie ansprechen?

Schmeicheln geht immer. Laß jemanden den Wissenden rauskehren können und du bist auf dem besten Weg. Ich also nahm all meinen Mut zusammen und fragte ihn, halb ein bißchen aus Kalkül und den Rest aus echter Unwissenheit: „Du-hu, sag mal, was heißt denn eigentlich dieses umkringelte A, das ihr überall hineddingt?”„Na, Anarchie!” – „Und was ist das, bitte?”

Und dann erklärte er mir bereitwillig, wofür er und seine struppigen Freunde so einstehen: „Anarchie ist, wenn jeder alles darf. Wenn es keine Gesetze gibt. Und keine Polizei, die sie durchsetzt.” Soweit klang das ja in meinen Ohren immer noch ganz schön klasse. Und der letzte Satz irritierte mich kaum, denn mal ehrlich: nicht viel wünschte ich mir sehnlicher. „Wenn ich dir und jedem anderen Mädchen einfach an den Arsch greifen kann und niemand kann mir was tun dafür.”

Also begann auch ich irgendwann, meine Jeans zu zerreissen, meine Haare zu verfilzen, aus Prinzip verschiedene Socken zu tragen – was man halt als behütete Jugendliche so macht, um anzuecken. Ich ließ mir von meinem neuen Idol Kassetten mit mäßig witzigem Funpunk überspielen und hütete sie wie Schätze (Kennt jemand noch die Abstürzenden Brieftauben? Mein Beileid.), aber bei alldem war ich gemäßigt as hell, und niemals prangte as eingekringelte A auf meinem abgewrackten Armeerucksack. Ging ja schließlich nicht mehr raus und warum hätte ich eigentlich Mädchen an den Hintern greifen sollen?

Schalala

Daran habe ich mich erinnert, als sich vor ein paar Tagen in meinem Viertel bei einem Straßenfest schwarz und zerrissen gekleidete Jugendliche mitten auf einer (verdammt winzigen) Straßenkreuzung niederliessen, „reclaim the streets” auf den Teer sprühten und sich irre rebellisch vorkamen dabei. Ich erinnerte mich, daß ich auch mal so war und ich ging vorbei, froh, aus dem Alter rauszusein und aus dem permanenten Protest, und vermutlich auch mit einer Art von Mitleid im Blick.

Später brannte dann ein Feuer auf der Straße, Polizei kam, es gellten „fuck the police”-Rufe und es flogen Bierkrüge und ich stand oben am Fenster, und diese Art Mitleid wurde zu einer Art Scham und zur Erkenntnis:
Heute bin ich froh um eine Polizei, die kommt, wenn es zu wild wird und heute würde ich sie sogar selbst rufen. Ich habe die Seiten gewechselt und ich hab’ es nicht gemerkt. Nicht gemerkt, weil es sich richtig anfühlt. Genauso richtig wie vor Urzeiten der mickrige Protest schien war.
Für die da unten bin ich jetzt eine von denen, die ich selbst einmal verachtet habe für ihr angepaßtes Leben, für ihre Langeweile, für ihren kleinen Kosmos. Aber ich fühle mich so gar nicht eintönig dabei, so gar nicht schal, so gar nicht arm.

Ein bißchen Angst macht das schon. Kann ich bitte einfach auf diesem Level stehenbleiben? Oder es wenigstens merken, bevor ich mir fürs Auf-die-Straße-Gucken ein Kissen auf die Fensterbank lege? Das wäre toll. Danke.

[Ach ja: der Arschgrabscher ist heute übrigens verheiratet und wohnt im Villenviertel. Bleiben offensichtlich viele nicht bei den Überzeugungen ihrer Jugend.]


Freitagstextersiegerehrung

8.7.2009

Alle Mann an Deck, Ordenverleihung!

Freitagspokal von formschub


Gute Arbeit, Jungs und Mädels, es war mir eine Ehre und ein Volksfest, aber irgendwo hat jeder SpaßKahn ein Loch und so fällt es mir nicht nur schwer, den schönen Pokal weiterzureichen, sondern auch: mich überhaupt zu entscheiden an wen eigentlich. Weia. Entscheiden, das kostet mich ja schon im Supermarkt Stunden!

Aber irgendwer muß ja übermorgen weitermachen und deshalb mach’ ich’s kurz und schmerzlos und küre die dieswöchigen Preisträger:

Sonderpreis deutsche Sagen: giardino mit „Adalbert Kurz war besessen von der Idee, eines Tages den mythischen Moseleisberg aufzuspüren.”

Interessanterweise wurde die Mosel mehrfach aufgegriffen, dabei hat Kristof das Schiffchen ja ebenfalls in Miltenberg gesehen. Lag’s an der Brücke im Hintergrund? Für deren Einbeziehung jedenfalls erhält schneck08 mit „Auch der Stadt Ochsenfurt wurde jetzt der Titel „Weltkulturerbe” abgesprochen. Die Dauercamper freuts!” den Sonderpreis richtiger Fluß.

Der Sonderpreis alberner Dialog geht an eigenart („Papi, schau mal. Das Boot, das da treibt, heißt Titanic.” – „Wo wir gerade von „Treiben” reden, mein Sohn, ich kannte mal eine Anique, die hatte verdammt viel Holz vor der Hütte. Wir nannten Sie deshalb immer Tit…” -„Guckma Papi, Pimpernelle!”) und die Douglas-Adams-Gedenkmedaille  an Eckart für „In einem Parallelluniversum waren die Pläne für die Titanic etwas bescheidener ausgefallen. Dafür hielt sie aber auch deutlich länger.”

Womit wir endlich zum Ende kämen… wenn’s nach mir ginge, könnten wir den Pokal gerne spalten, aber wo kämen wir denn da hin? Wenn’s denn wirklich nur einen geben kann, dann überreiche ich hiermit Faustus die Silbermedaille für angewandte Wissenschaft und „Die Titanic, das wurde erst in den letzten Tagen entdeckt, sank gar nicht durch die Kollision mit dem Eisberg, sondern wurde nur entsetzlich klein geschliffen.”.

Und am Freitag geht es dann bei Hendrik Neumann weiter, der die Weltregierung erschreckend brisant vertreten hat: „Deutschland übernimmt Vorreiterrolle in der Debatte um die Aufnahme ehemaliger Guantanamo-Insassen.”

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch, Gratulation und vielen Dank!


Frei! Tag! Stexter!

3.7.2009

freitagsbanner_02


Und schon wieder ist Freitag. Hoppla! Und dann habe ich auch noch drüben bei Enno (Lese- und Nachdenktip der Woche: weiter drehen als um uns selbst, Netzgemeinde!) den Freitagstexter gewonnen. Jippie!
Darum: endlich mal wieder Content ohne Kleinkram. Alleine krieg’ ich den ja kaum mehr hin. Toll!

Also, aufauf, raus mit den Über-, Unterschriften, Romanen, Kurzprosaergüssen, Gedichten oder Wortspielen. Diese Woche zu diesem Bild:

Freitagstexter

Am Mittwoch dann kürt die Jury den treffendsten/witzigsten/abstrusesten Kommentar, dessen Urheber dann nächsten Freitag den Texter – auf seinem oder einem befreundeten Blog – ausrichten darf.

Das Archiv zum Wettbewerb findet man übrigens hier.


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