2 | 2007

Instantverliebt

27.2.2007

Das Schöne am Stadtleben ist ja: wenn man um 19:50 Uhr noch Hunger hat, kann man Pizza bestellen. Oder, weil man auch noch Wein möchte, von dem einem nicht mitten in der Nacht der Schädel aus dem Bett rollt, sondern erst am Morgen: noch schnell zu Aldi rennen.

Dort kann man dann Ewigkeiten vorm Bananenregal stehen (Bio oder konventionell? 1,69/kg zu 1,29, ach, scheiß der Hund drauf, essen wir halt mal die Schale mit. Bio.), während die Lady an der Kasse rhythmisch mit der Geldlade klopft. Aber schließlich steht auch noch wer an der Kühltheke, und das ist weiter weg. Die Bananen sind eingeschweißt und es gibt sie nur im Doppel oder Dutzend. Ich möchte drei. Oder fünf.

Und dann zieht die Gute die Flasche über den Scanner und die Pizza und die Bananen und nochmal die Bananen und nochmal. Schaut dann hoch, grummelt „kababberladran” (Babberla = Etikett; selten genug, daß fränkisch charmant klingt) und man wähnt schon wieder einen Teufel im Spiel und versucht zu erklären, wie schwer es war eine Fünfertüte zu finden und überlegt, ob man den ständigen Griff ins Klo auch noch zum Thema machen soll und die Vermutung, es könnte genetisch sein und da hört man sie „psssst, fünfzig Cent, psssst?” zischen. Und man sieht sie an, und sie lächelt und hat Grübchen und flüstert schelmisch „dann brauch’ ich nicht aufstehen und die müssen ja eh weg” und man antwortet „psssst, gut” und „schönen Abend noch, pssst” und sie lächelt noch mal und zuhause (the spießer in me is the spießer in you) legt man die Dinger auf die Waage und es ist mehr als ein Dreiviertelkilo, aber viel wertvoller war dieser Moment und das erste Lächeln des Tages um 20 Uhr.

Wenn es einen Gott gibt, dann soll er mich lesbisch machen und diese charmante Frau mir verfallen. Oder ist das, verdammt noch mal, schon wieder zuviel verlangt?


Rauchtumspflege

24.2.2007

schweinsfussbutton.gifNee, ist klar. Generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Ausnahmslos, sonst gilt das nicht.
Am besten ab morgen, hopphopp, Aktionismus!
Überhaupt, rauchen ganz verbieten, auch unter freiem Himmel, in Wohnungen sowieso, und im Auto erst.

Und in den nächsten Jahren dann einfach genauso überrascht sein über die entgangene Tabaksteuer wie sich jetzt noch gefreut wird über die ach-so-unerwarteten Steuermehreinnahmen. Hätte ja auch keiner mit rechnen können, daß 3% Mehrwertsteuer irgendetwas ausmachen.

Mannmannmann. Da fehlen mir echt die Worte.

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(Ehrlich: ich fühle mich da selbst als Gelegenheitsraucherin nicht einmal so sehr in meiner Freiheit eingeschränkt – es ist die Vehemenz, mit der da gewachsene Gewohnheit eingerissen wird, von Menschen, die keinen Zentimeter weiter denken als der eigene Atem reicht. Wie wäre es denn stattdessen mal mit Bedacht, mit der Förderung von Nichtraucherlokalen oder meinetwegen einer Strafsteuer für die anderen, mit Vernunft statt Verboten? Oder erst mal mit dem Testlauf der geplanten Maßnahmen, anstatt gleich rumzuheulen, das sei zu wenig?)


Invasion der Vernunft

24.2.2007

Nachts um zwei klingelt es und der Kerl im Anzug torkelt herein, erwischt noch knapp die Tür zur Küche, greift zum Schrank, es sieht aus, als wolle er sich festhalten, aber da schleudert der hohe Auszug heraus. „War noch Licht”, lallt er, und mit den Worten „vergiften wirst du dich!” zieht er Tüte um Dose heraus, kräht „sechszweitausendfünf”, „zwölfnullsechs” oder „Märznullsiebennadannaberfix” und lässt alles einfach auf den Boden fallen. Meine Frage, was an Trockenzeug denn schlecht werden soll, ignoriert er, erst als das Verhältnis Boden-Schrank ausgeglichen ist, läßt er sich durch einen Schnaps beruhigen, holt wieder Luft, grummelt „einer muß sich ja mal kümmern” und stapft davon.
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Und ich bin saufroh, daß der Kühlschrank verschont blieb, das wäre peinlich geworden.
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Möglicherweise habe ich’s ja beiläufig schon mal erwähnt: ich bin so schlecht.
Vor allem im Wegwerfen.


Technikcontent

23.2.2007

In fremden Blogs langweilt mich ja wenig so sehr wie die Liveberichte von der Administrationsfront. Ich bin da simpel gestrickt: ein Auto muß fahren, eine Schnapsbuddel muß ausschenken. Warum das geht, wie es soll, mag Tag- oder Wochenwerk Mancher sein, aber interessiert mich nur, wenn es muß. Wenn also entweder der Ofen aus ist oder der Kerl lecker. Oder wenn Gernstl einen Handwerksgreis erzählen läßt.

Deswegen einfach nur die Kurzfassung: WordPress-Update, daher kurzzeitig fehlende Bilder und kaputte Kommentarfunktion. Auf letzteres hat mich netterweise Dagger per Mail aufmerksam gemacht (ich hätte mich ja noch zu Weihnachten über die Stille gewundert), und das Update und die Reparatur hat einer gemacht, der weiß, was er tut.
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Und allen anderen: bitte Fehler* einfach per Mail melden. Ich bin ein dankbares Ding und habe erschreckend viele Herzchenbilder auf der Festplatte. Ich schäm’ mich auch.

*also welche auf dieser Seite. Persönliche Dachschäden bitte einfach weiter zuhause bloggen…


Am Arsch.

20.2.2007

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Hihi…

(Am Arsch derzeit übrigens leider auch die Kommentarfunktion. Bitte oldschool auf Zettel aufschreiben und nachreichen. Danke.)


wenn man nicht alles selbermacht…

20.2.2007

„Du spinnst schon auch gscheit laut” hat er geschrieben, der Rationalstürmer, als ich ihn fragte, ob ich darf, was folgt. Man muß ja ordentlich vorsichtig sein heutzutag, wie fix ist man verklagt wegen weit weniger, deswegen wollt’ ich lieber vorher Absolution von ganz oben, und nichts weniger hat er damit erteilt, der Ratzinger. Also glaub ich.
Er ist halt nicht nur der Schweinsfußfetischist unter den Bloggern, sondern irgendwie auch das Orakel von Delphi. Und wenn er dereinst zum zweiten Mal wiederaufersteht, hat er auch Jesus weit hinter sich gelassen, zweihundertprozentige Leistung erbracht, blöd isser so gar nicht.
Aber Lobhudelei ist ja eigentlich das ganz falsche Stilmittel zum Thema. Eigentlich geht’s ja drum, im Sinne dessen zu schreiben, der ordentlich reinhaut. Und der jetzt einfach fehlt.

Draufgebracht hat mich der Opa, bloß weil ich mal ein bißchen herumfatalisiert habe. Dabei war noch nicht mal Blut im Spiel!

schweinsfussbutton.gifBlutleer ist also jetzt auch sein Blog. Er wird wiederkommen, daran herrscht kein Zweifel, die Welt kann sich nicht auch noch um 180° drehen, das geht schon rein technisch gar nicht, es wird immer genügend Gründe geben sich ordentlich zu echauffieren.

Und solange der Gute sich also zurückzieht, um seine Säbel und Macheten zu wetzen und die Schimpfmuskulatur zu stählen, solange müssen wir eben den Job selbst machen.

Also, Stempel kopiert und reingehauen*. Ordentlich!


* Auf Liebe schimpfen und ekliges Essen fotografieren übernähme notfalls ich. Blieben immer noch Politik, Soziales, Kuschelblogs, Nachtfernsehen und Florian Silbereisen.


Und ich darf wirklich?!

20.2.2007

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Nichts wirkt so echt wie ein Profimodel.


Eins-A-Kinderstube

18.2.2007

Das Wartezimmer ist voll und die Frau mit dem Prada-Täschchen und der quengeligen Achtjährigen ist schon mindestens eine Stunde da. Die Kleine nervt, aber wer könnte es ihr verdenken, wir hätten alle gern wen zum Anblöken (Notiz an mich: einreichen beim nächsten Nachwuchs-Philosophie-Wettbewerb: der vielleicht kleinste gemeinsame Nenner der Menschheit).
Als der Enddreißiger im Anzug aufgerufen wird, steht er auf, geht vor der Kleinen in die Hocke, nimmt ein Knäuel Papier und pustet hinein. Dann überreicht er ihr lächelnd einen Origamivogel, gefaltet aus dem Mittelteil seiner Wirtschaftszeitung. Weder sie noch ihre Mutter würdigen ihn eines Blickes. Sein Lächeln wird betreten, er legt den Vogel auf den Sitz neben ihr und geht.

Als er wieder herauskommt, startet er tatsächlich noch einen Versuch und zeigt ihr, daß sich die Flügel bewegen lassen und wie man ihn zusammenklappt. Wieder erntet er stiere Blicke und keine Spur eines Lächelns.
Er versucht, sich nichts anmerken zu lassen, nimmt seinen Mantel, verabschiedet sich und geht.

Und dann sagt diese *** zu ihrer Nachbarin „tja, sie redet halt nicht mit jedem” und streicht der Kleinen stolz übers Haar. Daß sie dem Wildfremden vielleicht wenigstens ein Lächeln hätte schenken können, ein „Danke, nett gemeint, aber sie ist heute launisch” vielleicht sogar, anstatt ihn so kalt auflaufen zu lassen mit dieser poetischen Geste, kommt ihr gar nicht ins sinnabgesaugte Hirn.

Und dann werden sie und Naomi aufgerufen.

Keine Fragen mehr.


Frühjahrsputz

17.2.2007

Der Winter wird schon noch mal zurückkommen, da braucht man sich nichts vormachen, geschweige denn den dicken Schal auftrennen. Aber manchmal gibt es im Februar Tage, da täuscht die Sonne gekonnt schon mal den Frühling an.

Wo zur Hölle kommt eigentlich Staub her? Man muß schon Morricone auflegen, damit die Flusenbälle den Flur stilecht queren können.
Ich glaube, es war Axel Hacke, der einmal hobbypsychologisch die Menschheit aufteilte in Behalter und Wegschmeißer, erkennbar angeblich bereits als Kind auf dem Topf, wo die einen sich bereitwillig trennen von Ihrem Scheiß und die anderen ein Riesentheater machen.
Ich bewundere Menschen, in deren Wohnung Klarheit und Schlichtheit herrschen, wo kein Nippes von Jugendsünden zeugt, wo nur das Nötigste und das Schönste miteinander arrangiert sind, Halbgötter sind solche Leute für mich, mindestens. Mich nannten meine Liebsten Hamster oder Atomschlag.

Heute beim Aufräumen hinter einem großen, dreckigen Fenster einen Balkon gefunden.

arbeitsplatz.jpg

[Abbildung ähnlich. Die Zeiten sind dann doch vorbei – der Rechner braucht längst nicht mehr so viel Platz.]


Jein!

16.2.2007

Ich stecke in einem Dilemma. Einem Luxus-Dilemma, zugegeben. Aber nichtsdestotrotz Dilemma. Dilemmadilemmadilemma, schönes Wort eigentlich. Ich bin kurz davor, Dr. Erlinger anzuschreiben, soweit isses schon mit mir.

Ich kämpfe also mit mir, oder frei nach Adenauer gegen mein Geschwätz von gestern. Und weil man selbst sich ja gern der fieseste Gegner ist, ist der Kampf hart und unfair.
Da hat mir also ein Freund etwas geschenkt, weil ich ihm einen Gefallen getan habe und ums Verrecken kein Geld dafür wollte. Und als ich das Päckchen öffne, liegt da die vielleicht schönste Verpackung, in der man Musik verschenken kann.
Und material girl das ich bin, sehe ich den schieren Kaufwert, greife zum Hörer, werde fast ein wenig ausfallend und kündige die Rückgabe an.

Denn erstens nimmt man kein Geld von Freunden und zweitens habe ich so ein Ding ja schon. Und drittens auch. Und ich kann mich nicht mal damit rausreden, daß die anderen beiden unpraktisch wären. Oder kaputt, oder häßlich, oder uncool oder zu alt. Oder zu dick.
Die reine Funktion, die reine Vernunft und nichts weniger als die reine Genügsamkeit also sprechen gegen das Behalten und auch der Schenker versteht meine Bedenken, wenn er auch ins Feld führt, daß es ihn ohne den Gefallen teurer gekommen wäre. Dann sagt er etwas wie „naja, jetzt schaust Du Dir das erstmal an und dann reden wir nochmal drüber”, in einem Tonfall, in dem Gert Fröbes kleinen Mädchen Schokolade anbieten, mit einem irrsinnig langen Hebel im Unterton.
Tatsache – die Musik, die da drauf war, hatte ich in meiner blinden Bescheidenheit glatt übersehen.

Tja, und dann habe ich das Ding doch noch ausgepackt. Und nicht nur, daß ich mich sofort in die inneren Werte verlieben mußte (Wie in drei Teufels Namen konnte The Streets so lange an mir vorbeiführen? Wie konnte ich so lange ohne Absynthe Minded ausnüchtern? Und warum stolpere ich nie über solche Radiosendungen?), hach. Er liegt halt so gut in der Hand. Stellt keine Fragen. Und leuchtet so niedlich. Ist so ordentlich und so schlau. Zeigt mir die Hüllen und alles drunter.

Kurz und gut: ich glaube, ich kann ihn nicht mehr hergeben. Das sind solche Schweine im Obstladen.


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