Edds reiß di zamm, Debb!


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Er war zwei, drei Jahre älter als ich und sein Stoffaffe hieß Saddad, weil dieser Name damals immer in den Nachrichten fiel. Das verlieh seinem Kuschelfreund so was prominentes, meinte er, wenn sicher auch in anderen Worten. Ich war neidisch und zum ersten Mal sowas wie verliebt.
Mein allererster Freund war einer, wie Frauen ihn sich noch heute in Kontaktanzeigen wünschen: er muß mich zum Lachen bringen, hihi. Unvergessen sein Rollschuh-Stunt über den Gullideckel. Die Panik kam immer erst mit dem Blut, vorher war immer alles ganz großer Zirkus.
Als er den Affen später in Mubarak umbenannte, tadelte mein Vater seine Inkonsequenz. Man müsse auch mal zu Entscheidungen stehen und so. Die erste Schwiegersohnkrise eskalierte dann noch ein paar Jahre später, als ich beim Abendessen meinen Immernochschwarm zitierte mit den Worten „lieber der beste in der Anfängergruppe als der schlechteste bei den Fortgeschrittenen”. Ich glaube es ging um Skikurse. Verständlich, daß Hannes sportlich lieber kleine Brötchen buk, zu genau kannte er den Weg ins Krankenhaus, unsere Kindheit war reich an Verletzungsmöglichkeiten: Kettcar (die Füße vor die Pedale legen und damit bremsen; schmerzhaft, wenn’s umschlägt), Schlitten (auch hier erst mit den Füßen und dann mit dem Gesicht bremsen), Roller (anschieben, draufspringen, abrutschen, Krankenhaus), Stelzen (Der Gullideckel des Schreckens. Gibt’s den Film schon?). So entstand die Generation Autofahrer. Noch Fragen?

„Kein Ehrgeiz, der Junge, und das schon in dem Alter”, bitter wehten die Wehklagen durchs Viertel, von schlechtem Umgang wurde gesprochen und das wurde nicht besser, als er später die Musik entdeckte.
Heute soll er übrigens trotz allem glücklich sein, was man so hört.

In letzter Zeit denke ich häufig an den damaligen Nachbarsjungen und an seinen Satz mit der bescheidenen Gruppenhierarchie. Und daß die anderen Nachbarn vielleicht absichtlich immer wieder den Aufstieg vergeigen. Lieber groß auf dem kleinen Rasen, als am Ende noch die Nürnberger um das bundesligataugliche Stadion anbetteln müssen. Komplett verständlich. Aber daß jetzt andersherum droht, demnächst zu Auswärtsspielen mit der U-Bahn fahren zu können, das ist nicht nur erschreckend, das ist eine Katastrophe. Allerhöchste Zeit, sie abzuwenden!

Es gibt eine Menge Wettbewerbe, bei denen man mit dem achtzehnten Platz zufrieden sein kann. Der Ironman auf Hawaii zum Beispiel oder das Ranking der reichsten Deutschen. Die Bundesliga, meine Herrschaften vom Valznerweiher, die Bundesliga gehört nicht dazu.

Deshalb also trägt das Häschen da oben jetzt Schal. Nicht weil’s so kalt wäre, sondern weil’s so verzweifelt ist. Und ich würd’ sogar eine Dankestat leisten, wenn der Depp den Klassenerhalt schafft. Allein, mir fällt noch keine ein. Mit dem Kettcar nach Fürth trau ich mich nicht.


7 Näschen reingesteckt bei “Edds reiß di zamm, Debb!”

  1. Das wäre ja noch schöner: Erst die Eintracht gegen alle Gewohnheit abfiedeln und dann nix draus machen, die Herrn Nürrnbercher.

    Nix da! Knapp wirds, aber am Schluß reichts wg. Cottbus, Bielefeld und noch einem.

    „Mit dem Kettcar nach Fürth trau ich mich nicht” hat alles, um ein spitzenmäßiges geflügeltes Wort (ja, issn Satz, ich weiß) zu werden. Da macht Jens Friebe einen Songtitel daraus :o)

  2. Was für eine Geschichte!

  3. denken sagt:

    Nichts da! Da Cottbus und Rostock drin bleiben müssen (Ost-West-Ausgleich und so!), muss es wohl Nürnberg treffen. Und Duisburg. Und Bielefeld.

  4. schneck06 sagt:

    wenns nuernberch nicht schafft, dann wird der kollege ungenießbar. also muss es nuernberch schaffen, sonst ist mein jahr am arsch.

  5. stilhäschen sagt:

    Ihr Wort in Gottes Ohr, lordfoltermord. Wer der dritte ist, ist mir auch egal. Bayern und Stuttgart werden’s ja leider kaum mehr schaffen. (Und meinen Segen hat der Herr Friebe. Gebongt.)

    Sie meinen wegen der Sprünge, Frau Klugscheisser? Ach. (Ich habe diese Handschuhe noch richtig vor den Fingerspitzen. Gelbes Wuschelfell. Hach.)

    Entschuldigen Sie bitte, Frau(?) Denken, aber Fußball und Solidaritätszuschlag sind zwei paar Stiefel. Als nächstes kommen dann die Klimaschützer und beschränken die Liga auf den Pott, damit die Mannschaftsbusse nicht so weit fahren müssen? Neinnein, lassen wir den Ball mal schön im Stadion. Klimaschutzmäßig ist mir egal, ob Cottbus oder Rostock dran glauben…;-)

    Eben, schneck, eben. So einfach ist das! :-)

  6. So! Mehr kann man als Franken-Furter ja nun echt ned dun, oder? Die 6 Punkte hätten wir dann aber gerne in der nächsten nürnberghaltigen Erstligasaison zurück, sonst wird man ein wütendes Kettcar auf der Autobahn vorfinden…

  7. […] kein Modenturnen!*) glänzt. Und so wie früher für gute Ernten wallgefahren wurde, habe auch ich unlängst eine Dankestat für den verpaßten Abstieg versprochen, allein – ich wußte noch keine. Jetzt bin ich nicht schlauer, aber rufe nichtsdestotrotz […]

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