Der März benimmt sich wie der Mai, und bei allen explodieren die Hormone, nur nicht bei mir.
Heute nach dem Schwimmtraining schaut mich mein Trainigspartner Lars an und sagt:
„Ey Wagner, wird auch Zeit, dass du mal wieder eine Frau hast.“
Eine ziemlich kecke Aussage für jemanden, der vor 72 Stunden seine langjährige Freundin mit meiner Ex-Freundin und seiner Ex-Mitbewohnerin betrogen hat (dabei handelt es sich um eine Person, nur als Anmerkung für die Leute mit zu viel Fantasie).
Von seinem schlechten Gewissen soll aber nicht die Rede sein.
Ich habe eh genug von diesem ganzen Beziehungsgeheule, immer ist irgendwas, so richtig glücklich ist keiner, und die, die es zu sein scheinen, die sind langweilig.
Kurz angebunden, wie gesagt, es ist nicht mein momentanes Lieblingsthema: „Was? Wie kommst du denn auf so ein Unsinn?“
Lars versucht gönnerhaft, freundschaftlich, beinahe väterlich zu gucken: „Komm schon Wagner, seit jetzt bald zwei Jahren ziehen wir uns öfter voreiannder aus, als wohl vor irgendjemand Anderem, und ich habe doch auch eine ganze Menge mitbekommen.“
Okay, gut, das stimmt, wir reden ja nun auch nicht nur über Sport, und hin und wieder trinken wir auch gemeinsam zuviel Alkohol, logisch, dass es da dann auch irgendwann mal um Frauen geht, ob ihn das allerdings befähigt hier solch kühne Thesen in die verkachelte Umkleide zu stellen?
Ich trockne meine Füße ab und versuche keinen Fußpilz zu bekommen, während Lars weitermacht: „Komm schon, ich habe die Zeiten mitbekommen in denen du nichts hast anbrennen lassen, Ladykiller Wagner, Respekt, hätte ich dir gar nicht zugetraut, und dann die Zeit, in der du mit dieser Katja zusammen warst, wie lange war das noch, über ein halbes Jahr, oder?“
Ich nicke nur stumm, wringe meine Badehose aus und weiß immer noch nicht worauf er eigentlich hinaus will.
„Siehst du, ich weiß also wovon ich rede, und da warst damals immer der mit den schicksten Unterhosen hier, immer alles akkurat, schick und stylisch verpackt, und jetzt..?“
Er verzieht das Gesicht und macht eine Kopfbewegung in Richtung meines knapp bekleideten Unterleibes:
„Und jetzt so was!“
Ich sah zu, dass ich in meine Jeans kam, brummelte was von „laß den Scheiß“, wir gingen noch was Trinken und wechselten sowieso das Thema, Lars hatte genug zu erzählen.
Jetzt aber, alleine zu Hause, denke ich, dass Lars doch Recht hatte, nicht was seine These angeht, aber mit seiner Beobachtung schon.
Was soll ich mir zur Zeit auch Mühe geben bei der Wahl meiner Unterwäsche, wenn doch niemand da ist, der sie mir auszieht?
Ich vermisse nichts, was soll ich mich denn da auf jede Eventualität vorbereiten, für ein vages vielleicht heute?
Unsinn, ich fühle mich wohl, ich lasse mich doch nicht hängen, nur weil ich keine Frau habe.
Ich dusche und rasiere mich, trage meine T-Shirts nicht öfter als einmal und habe auch nicht mehr Leergut auf dem Balkon, als sonst auch.
Ich mache also einen guten Eindruck, und wen zur Hölle sollen da meine Unterhosen interessieren?
Ich bin Single, ich bin frei und ich mag es bequem, zum Teufel also mit diesem ganzen todschicken Designer-Zeug aus merkwürdigen Materialien.
Hinter jeder Erwartung einer mit Bedacht und Vorfreude ausgewählten Unterhose steckt am Ende doch nur eine noch viel größere Enttäuschung, die Erinnerung, dass es wieder mal nicht geklappt hat, dass man immer noch alleine ist.
Und Enttäuschungen braucht kein Mensch.
Man kann Alleinesein mit Einsamkeit und Bitterkeit übersetzen, oder aber mit Gemütlichkeit und Zwanglosigkeit.
Ich entscheide mich für Letzteres, auch wenn ich zugegebenermaßen wohl wirklich zu alt bin für Frotteemodelle mit Kuhmuster.
Aber was solls?
Sieht ja keiner.




So falsch ist das nicht. Aber man soll nie aufhören nach dem weißen Kaninchen zu suchen. War glaube ich aus Sofies Welt.
Und wenn ich das Bild sehe geht mir als erstes eines durch den Kopf:
Komm, hol das Lasso raus!, Cowboy! Wahlweise auch Tiger.
für den fall der fälle hat man immer etwas gutes im schrank, herr wagner. sie machen mir auch nicht den eindruck eines überstürzenden one-night-standers, also werden sie sich für ein date wohl entsprechend untenherum fein machen. und ab und an mal eventuell nicht zum zuge zu kommen sollte jeder mal abkönnen.
also tragen sie ruhig weiter bequemes unterzeug und lassen sich sich von herrn lars nicht aus der fassung bringen.
„Siehst du, ich weiß also wovon ich rede, und da warst damals immer der mit den schicksten Unterhosen hier, immer alles akkurat, schick und stylisch verpackt, und jetzt..?“
- „Na, Dir legt sie ja auch bald wieder Deine Mama raus”, hättest Du sagen müssen.
Aber über dieses Stück müssen wir noch mal ernsthaft reden, Wagner. Soviel kann eine Frau gar nicht trinken, um darüber hinwegzusehen. Ein bißchen weniger könnte das Karma vielleicht auch schon überlisten. (Demnächst in diesem Blog: Versteigerung von Wagners häßlichsten und Häschens verschlissensten Unterhosen. Mit Werbung Geld verdienen tun andere.)
@zoee: Das Wort one-night-ständer wäre doch passender ;-)
oh mann, lassen Sie sich doch von Monsieur Samenverstreuer nicht die Laune vermiesen. Alles ist cool. Wo zum Geier haben Sie das abgebildete Modell auftreiben können?
[…] – nur für Stilhäschen , als Ausgleich für das entgangene Winken am Nürnberger […]
Ich habe ja eigentlich nix gegen Kühe. Trotzdem: ein kleiner Trost für das entgangene Winken.
Dekaden her ist es. Schwerer Motorradunfall. Krankenhaus.
Hübsche Schwestern schnitten mir das lederne Beinkleid vom Unterleib.
Was war mein erster Gedanke?
„Ein Glück, daß ich meine schicken Boxershort anhabe und nicht die sonst übliche kugelsichere ‚Nato-olivgrün’.”
Ich glaube noch heute, daß mich dieses einsetzende Herzrasen hat überleben lassen.