Restaurantkritik für Anfänger


Meine Kinder sind das, was Großeltern „gute Esser” nennen.
Genau so hatte ich ja schonmal angefangen!

Risiko und Rakete essen gerne und gut. Dank des väterlich ererbten Stoffwechsels sieht man das zwar nicht, aber die Häufigkeit, in der nach Nachschub verlangt wird, ist offensichtlich.
Und wenn man den ganzen Tag über im Stundenrhythmus in sich hineinschlingt, was sich bietet, wundert es mich nicht, daß abends der Hunger nicht mehr sooo groß ist. Abends bleiben die Kinderteller meist mindestens halbvoll. Es würde mich nicht groß stören – behaupteteten sie nicht, es läge an mir!

Ich koche nicht besonders gerne, aber abends stelle ich mich meist an den Herd, um wenigstens eine gemeinsame Mahlzeit zu machen. Das Abendessen ist mir als Familienritual wichtig. Und so schnipple und brate und koche und rotiere ich dann so vor mich hin, während die Kinder sich gegenseitig mit Kettensägen zerschneiden oder von vierfachen Stuhltürmen in die Badewanne springen. Sie kennen das vielleicht. Ganz entspannt, immer, alles.
Dann kommt der Möhrchenprinz von der Arbeit, der Tisch deckt sich in Windeseile schnell selbst, alle sitzen, die große Schüssel kommt auf den Tisch, Bilderbuchfamilie, es könnte so schön sein – da quäkt es von einer Seite „Mama, das schmeckt mir nicht!” und von der anderen „Iiiihgittibäh, will Nudeln.”
Noch bevor die Quatschbirnen überhaupt probiert haben! Es nervt! Mich! Ungemein! Ich bin sehr oft sehr knapp davor, die ganze Schose einfach sein zu lassen und für mich alleine beim Asiaten zu bestellen. Dann folgen meist ein paar Tage oder gar Wochen, in denen es nur Abendbrot gibt (oder ein langer Urlaub, in dem der Möhrchenprinz kocht. Leckere Sachen für uns und blanke Nudeln für die Kinder. Das ist so ein Good-Cop-Ding, für das ich zuhause zu sehr Bad Cop Nährstoff-Mutti bin). Aber irgendwann habe ich dann selbst wieder Lust auf Warm (oder der Alltag hat uns wieder) und der Mist geht von vorne los.

Das letzte erste Koch-Mahl nach langer Pause kommentierte Risiko mit einem traurigen Blick zu mir und der herzzerreissend dargebrachten Bitte „Mama, bitte nicht mehr kochen”, es folgte eine lange Pause, „das.” Der Möhrchenprinz wies auf das „das” hin: „er meint ja nur diesen Auflauf, nicht alles!”. Ich kann aber nicht viel mehr!

(Und dann waren da die paar Tage, in denen ich allein mit den Kindern war und als Vermeidungstaktik vor dem Horrorabendtisch ohne Papaunterstützung einfach abends mit den Kindern in die umliegenden Wirtschaften und Biergärten stiefelte. Rakete dankte es mir am letzten Abend mit einem Extra-Kuss: „Und der ist für Dich, dafür, daß Du jeden Abend mit uns in die Kneipe bist!” So geht’s also auch. Das Good-Cop-Ding. Warum nochmal bin ich das nicht immer?)

Ein paar Wochen und viele Enttäuschungen am Abendessen-Tisch gingen seither ins Land. Risiko hat seinen Wortschatz erweitert. Und kann jetzt auch Lob!

Gestern musste alles noch viel schneller gehen als sonst. Trotzdem stand abends Warmes auf dem Tisch.
Risiko ruft „Gut kocht hast, Mama. Lecker!” und schaufelt die Fertiglasagne aus der Kühltheke (immerhin selbst in den Ofen gestellt…) in sich hinein.

Ich mag nicht mehr.


8 Näschen reingesteckt bei “Restaurantkritik für Anfänger”

  1. Anna sagt:

    Wir lassen das abends warm essen (wobei Kind2 nix gegen warmes Essen hatte), aber ich kotze auch, wenn Kind1 mein Gekochtes an die Decke schmeißt und versucht, unter den Tisch zu rutschen, um dem Essen zu entgehen.
    Also gibts Schnütte…die klebt zwar auch an der Decke, aber da kostet wenigstens die Zubereitung nicht so viel Mühe.
    Außer die Schwiegermutter is zu Besuch, die kocht dann für uns, aber leider erst gegen 19 Uhr, wenn meine Kinder schon im Bett sind…irgendwann wird auch sie es begreifen :)

    Halt die Öhrchen steif, irgendwann erzählt zumindest Risiko seiner Freundin, wie gut seine Mama kochen kann :D

    • stilhäschen sagt:

      Ja, Risikos Freundin wird nie an meine Lasagne-Kochkünste rankommen, soviel immerhin ist klar…:-)
      Stimmt, die Zeit ist auch ein Problem. Hier ist Essen um Punkt 18 Uhr, sonst ist der nächste Tag schon gelaufen wegen Morgentheater.
      Den Kindern würde ja kalt eh reichen, da aber sind mal wir Eltern das „Problem”. Haben wir nämlich beide den ganzen Tag noch nix Ordentliches gehabt. Es ist jetzt schon ein Kreuz…

  2. Shhhhh sagt:

    Ich bin auch für Schnitte am Abend. Warm gibt es in der Kita. Manchmal, so alle zwei Wochen gibt es dann einen Milchreis oder einen Griesbrei mit Apfelmus oder Kirschen. Alles darüber hinaus wird einfach nicht gewürdigt.
    Manchmal schaffen wir es sogar zum Abendbrot genauso wenig zu essen wie unsere Kinder, und wenn die dann im Bett sind, kochen wir uns einfach noch was, nur für uns.

    • stilhäschen sagt:

      Das mit dem später „richtig” kochen hat was – allein, ich wär’ wohl schon verhungert bis dahin. Und Griesbrei/Milchreis/Fertigpizza/Nudeln/Pfannkuchen gehen natürlich immer, hier auch. Sind aber schon wieder so Good-Cop-Geschichten. Es muß doch auch mal mit Gemüse gehen, zefix!

  3. Schöner Rant!

    Man kann zur Verbesserung der Essquote die Kids aber auch in den Kochprozess mit einbeziehen. Ich weiß, ich weiß, das ist schwierig, aber es gibt durchaus Dinge wo selbst Kleine großen Spaß haben und hinterher auch Hunger drauf. Wie zum Beispiel das hier: http://blog.strempfer.de/?x=entry:entry121027-135753
    Bei Freunden von uns gibt’s die strikte Regel, dass jeder von allem wenigstens ein bisschen essen muss. Komischerweise funktioniert das bei denen, wohl auch, weil immer „Buntes” auf den Tisch kommt. Also Salat/Gemüse, Kohlenhydrate in Form von Nudeln/Brot/Reis sowie was Eiweißhaltiges. Ich bin aber noch nicht darauf gekommen, wie die die Kids so dressiert haben…

    • stilhäschen sagt:

      Spaghetti-Spinnen, wie großartig! Vollkommen richtig, helfen hilft. Allein, manchmal geht’s halt nicht…
      Das „immer alles probieren” hat bei uns lange auch nicht funktioniert. Wir haben’s gelassen und seitdem haben beide immer mehr Lust aufs Versuchen. Risiko z.B. ist total scharf auf Miesmuscheln. Abgefahrene Welt…

  4. Modeste sagt:

    Wir kochen auch jeden Abend. Mit Salat oder Gemüse brauche ich da auch nicht aufzuwarten. Immerhin isst der F. meistens noch ein wenig Obst hinterher. Ich mache mir dann vor, Nudeln mit Käse und ein Apfel danach seien auch so etwas wie eine vollwertige Mahlzeit.

    • stilhäschen sagt:

      Nudeln mit Käse und ein Apfel sind natürlich unter keinen Umständen eine vollwertige Mahlzeit für ein Kind. Wo sind Eis oder Gummibärchen?
      Für die erwachsene Weltsicht allerdings habe ich da keinerlei Zweifel. Kohlehydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine – was fehlt denn da?

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