Die schönsten Gerüche der Welt (für eine Mutter)


Gemeinhin wird ja immer der Geruch von Babys als das olfaktorische Nonplusultra gefeiert; auch mir hatte die Geburtsvorbereitungskurshebamme eingetrichtert, doch ja nicht in all der Geburtsaufregung das Köpfchenschnuppern zu vergessen. Brav zog ich also das Näschen kraus, und: naja. Daß das kleine Wesen lebt und Fingerchen und Füßchen und ein Schnütchen hat, hat mich mehr überzeugt von diesem Wunderdingens.
Danach kamen ein paar Wochen, da roch das Kind tatsächlich am Kopf ganz angenehm, aber in der Gesamtheit gesehen: was nutzt das schon, wenn es unten stinkt? Nullsummenspiel.
Risiko ist jetzt kurz nach zwei und das Töpfchen juckt ihn wenig. Am Schädel trägt er mittlerweile eine veritable Matte, auf die Gottschalk bereits in dessen besten Jahren neidisch gewesen wäre. In der Matte trägt er meist eine veritable Menge Essensreste spazieren. Dementsprechend riecht er oben.
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Was untenrum an Gerüchen herausdringt und entsorgt werden will, möchte ich nicht weiter ausführen, am Ende kriegt er später deswegen keine Lehrstelle. Das Internet vergisst ja nix. Nur soviel: am Anfang dachte ich, die Umstellung von Muttermilch auf Gläschen sei schlimm gewesen. Dann kam das erste Mal Fleisch dazu und auch nach Tausenden Wickelungen schockt mich die Duftwelle täglich neu ob ihrer Intensität.
Jedenfalls, um es kurz zu machen: meine Nase kann inzwischen einiges ab. Aber dann überrascht sie mich auf einmal doch: die riecht ja auch noch schönes! Aus aktuellem Anlass (und weil immer nur motzen auf Dauer ja auch langweilt) daher meine aktuelle TOP 3 der schönsten Gerüche der Welt:

3. Wenn der Windeleimer ausnahmsweise nicht stinkt wie ein Biogastank, sondern den Duft von Raketes Bastelattacken verströmt: Spitzdreck. Welch wunderbarer Kindheitsflash. (In room-scent-Kreisen heißt das bestimmt „bunte Zeder”.)

2. Wenn das patschnasse Kissen mitten in der Nacht nicht riecht und nur aus der Wasserflasche kam.

1. Wir Eltern sind ja schmerzfrei. Ohne Kinder schockt einen der Anblick von Müttern/Vätern, die beherzt ihr Kleinkind schnappen, um ihre Nase in deren Hosenboden zu bohren, ich weiß. Dennoch tue ich das mittlerweile reflexhaft selbst, denn ich weiß, wie wenig meinem Sohn zu trauen ist, wenn ich ihn frage, ob Wickeln angebracht sei. Platz eins belegt daher:
Nach einem langen Winter im Garten sein, zum Inspektionszwecke des Windelstandes am Kindspo zu schnuppern und dann riechen: Nichts, oder noch besser: frisches Gras auf Jeans.

Annähernd gleich gut riecht höchstens ein frisches, kühles Bier, wenn die Kinder endlich schlafen.

In diesem Sinne: auf den Frühling!


2 Näschen reingesteckt bei “Die schönsten Gerüche der Welt (für eine Mutter)”

  1. Null-Spiel! Ganz klar!!!!! :-)

    Prosit!

    Ich probiere derweil, den Fidel zu entthronen…

  2. Ronnie sagt:

    Ich dachte auch schon oft: „Ohne, was müssen die Leute jetzt denken, wenn ich das Menschenlind über meinen Kopf hebe um besser bei der Kleinen im Windelbereich zu riechen und dann freudig laut feststelle, dass sie endlich mal wieder „Kaka” gemacht hat…”

    Eltern können schon komisch sein. Und jetzt schnuppere ich noch ein wenig am Augustiner rum.

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