Fußballfetzen


Wenn Eltern von früher sprechen, dann meinen sie dieses alte Leben. Ohne Kinder. Früher waren der Möhrchenprinz und ich gerne mal im Stadion und notfalls wenigstens in der Kneipe, um uns wochenends das Clubspiel anzusehen (romantische Erinnerung: wir waren schon nach dem ersten gemeinsamen Monat verheiratet – auf dem Papier des Mitgliedsausweises der Fußballkneipe. War ein Bier billiger als zwei Singlebeiträge.).
Das Leben ist kein Ponyhof. Jetzt sind die Kinder zwei und vier und können ruhig langsam mal rangeführt werden ans Fansein. Langsam heißt: mit weniger Dezibel, vorhersehbarerem Klima und kürzeren Schlangen an Verpflegungsstand und Klo. In der Kneipe also, nicht im Stadion.
Risiko war schon zweimal mit uns dort, als seine große Schwester auswärts spielte. Gestern war sie mit dabei. Und stellte eine Menge kluger Fragen:
„Mama, warum spielen die Fußball und nicht zum Beispiel Ballett?”
„Weil sie das besser können.”
„Und wenn man gut Tore schießen kann, dann soll man Fußball spielen. Dann kann man das nämlich gut.”
„Das stimmt.”
„Und wenn man was richtig gut kann, dann macht das auch mehr Spaß. Das stimmt nämlich auch.”
Sagt’s und malt weiter.

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Jetzt hab’ ich schon insgesamt fast fünf Jahre Wickelerfahrung (auf Knien, Klodeckeln, zu hoch und zu niedrig montierten Wickeltischen…) und gestern dann doch noch ein erweckendes Erstes-Mal-Erlebnis gehabt: So ein Flipper im Klovorraum ist ja ergonomisch die allergroßartigste Unterlage! Wenn das ein Tor für den Club geholt hätte, ich hätte geschworen, bei jedem Spiel freiwillig fünfmal zu wickeln. Mindestens. Half aber nix.

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Ein Witz, den einem gestern nur ein Fürther (oder Münchner, natürlich) erzählen konnte: Die Kassierin im Supermarkt fragt den Kunden: „Sammeln Sie Punkte?” – „Nein, ich bin Clubfan.”

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Nach ungefähr einer halben Stunde Spielzeit lässt Rakete den Stift mal wieder sinken und sieht der Übertragung zu. Lange.
„Papa, macht denen das wirklich Spaß? Oder warum spielen die dann nochmal Fußball?”
”?”
„Wenn die das gar nicht können?”
”?”
„Die schießen doch nämlich ja gar keine Tore!”

Ich hatte auch keine Antwort. Nach dem Spiel habe ich nur mal wieder an Hannes, den Nachbarsjungen meiner Kindheit, gedacht.
Er reiße sich zusammen, der Depp, zefix.


3 Näschen reingesteckt bei “Fußballfetzen”

  1. alasKAgirl sagt:

    Fußballkneipe mit Kindern klingt großartig. Wären wir nicht ins Fussballfeindesland (KSC-Fans im VfB-Land) gezogen, hätten wir das auch mal machen können. So gibt’s Fussball nur im Stream, im Ticker oder selten mal im Fernsehen und da interessiert es die Brut wenig. Immerhin hat der große Sohn sich schon begeistert erkundigt, ob die KSC-Bettwäsche für ihn wäre (klar, wenn er will!). Man muss früh anfangen mit der Fussballerziehung, sonst werden die Kinder am Ende noch Bayernfans!

    • stilhäschen sagt:

      Um Himmels Willen, bitte malen Sie den Teufel nicht an die Wand! Mit nichts könnten uns unsere Kinder so schocken wie mit dem Bayernlogo.
      Daß es Fußballspiele auch im Stream gebe, hat mir unlängst ein Kindergartenvater erzählt (der erwähnte jedoch auch die Popp-up-Fenster dazu mit den nackten Damen, die er seiner Tochter erstmal erklären musste – scheint also nicht ganz koscher zu sein, oder?) , jetzt höre ich schon zum zweiten Mal davon. Ich Oldie! Wo gibt’s das denn zum Beispiel?
      (Vorteil Fußballkneipe: positive Belegung des Themas Fußball über Pommesverzehr.)

      • alasKAgirl sagt:

        Da muss ich erst mal fragen, weil ich die Streams nie raussuche. Ja, nervige Werbung (mit und ohne nackte Frauen) ist da immer dabei. Dazu kommt dann noch, dass der Stream sich manchmal einfach aufhängt oder abgeschaltet wird, was in spannenden Situationen sehr nervig ist. Ich würde die Fussballkneipe vorziehen, aber die gibt’s hier eben leider nicht.

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