Auszeit


Mit Risiko mache ich kein Pekip und kein Babyschwimmen, aber immerhin treffen sich noch fünf Muttis aus dem Beckenbodenkurs halbwegs regelmäßig. Dann liegen die Kinder am Boden und ignorieren sich, während wir kaffeetrinken und mamajammern. Wir sind ziemlich verschieden, die Kinder sowieso. Nur eine von uns hat „erst” ein Kind, sie ist ein eher ruhiger, schüchterner Typ und erscheint oft sehr unsicher (verständlicherweise; sie will alles richtig machen, aber es gibt zu allem so viele Meinungen…). Umso mehr hat mich letztens ihr „Geständnis” beeindruckt.
Wir sprachen über Nächte, über Schlafmangel, über Hilflosigkeit gegenüber dem schreienden Kind und über die Papas, die sich umdrehen und weiterschnarchen (zum Glück ein Thema, zu dem ich kaum etwas sagen kann, Halleluja!). Sie schaute durch die Runde, zögerte kurz, fasste sich dann ein Herz und fragte, ob sie uns etwas erzählen darf. Man sah ihr an, daß sie sich überwinden musste; was zum Himmel wollte sie uns beichten, von dem sie glaubte, wir anderen kannten es nicht oder würden es mißbilligen? Daß man sein eigenes Baby zum Mond wünschen kann? Daß es Momente gibt, in denen beinahe so etwas wie Verständnis keimt für die Zeitungsmeldungen von Müttern, die ihre Babys schütteln? Daß man vielleicht schon bungeegesprungen ist und auf einem Bein durch die Sahara getrampt, aber dieses kleine Wesen, das bringt einen zum ersten Mal so richtig an seine Grenzen?
„Also, das hab’ ich noch niemandem erzählt. Außer meinem Mann weiß das keiner, vor allem nicht meine Schwiegermutter”, fing sie an und wir hingen an ihren Lippen. „Ich hab’s bis jetzt zweimal gemacht: alleine ins Hotel gehen und eine Nacht durchschlafen.” Kein Städtetrip, kein Reisebüro, Urlaub kann schon dreihundert Meter Luftlinie weiter liegen.
Was für eine großartige Idee! Und wie schade, daß es so viel Mut kosten kann, davon zu erzählen…


4 Näschen reingesteckt bei “Auszeit”

  1. jpr sagt:

    Eine prima Idee, die ich mir fuer frisch verelterte Bekannte in den Koecher stecken werde. Hotelgutscheine und zwar jeweils einzelne. Kommt man tatsaechlich nicht drauf, wenn man nicht selbst direkt betroffen ist.
    (Ausserdem bestaerkt eine breitere Menge vielleicht auch eher in der gegenseitigen Bestaetigung und offenen Bekenntnis, das Kinder grossziehen durchaus anstrengende Arbeit ist).

  2. stilhaeschen sagt:

    In der Tat, das ist DAS Geschenk zur Geburt. Fußballclub-Strampler in die Tonne! (Vermutlich werden viele Eltern erst nach Wochen den Wert erkennen…)
    Wichtig: Einzelzimmer. Sonst meint der Papa noch, er dürfe mit…

  3. AnJu sagt:

    Beeindruckend, dass sie das kann. Also emotional. Die meisten Mütter sind doch permanent der Meinung, das Kind könne nicht ohne die Mama (dabei kann meistens die Mama nicht ohne Kind). Ich bin in zwei Wochen das erste Mal für zwei Tage unterwegs und auch zwei Nächte nicht zuhause. Ich grübel schon seit einiger Zeit, wie das Baby das wohl wegstecken wird und ob es nicht besser wäre die ganze Familie einfach mitzunehmen. (Aber ich freu mich auch aufs Ausschlafen. Da kann ich schlafen bis acht oder halb neun!)

    • stilhäschen sagt:

      Ja, vermutlich glauben die meisten Mütter, daß ihr Kind nicht ohne sie könne. Ging mir nicht anders – jedenfalls solange ich stillte. Danach fiel (bei beiden Kindern) ein Druck von mir ab, den ich mir fortan nur noch selber wieder machen konnte… Ich bin sehr froh darüber, daß der Möhrchenprinz und ich für beide Kinder wirklich „gleichberechtigt” sind – es gibt ja tatsächlich Paare, bei denen sie glaubt, nur selbst das Kind ins Bett bringen zu können… da fehlt mir dann aber ein bißchen das Mitleid.
      So ist es bei Euch ja sicher nicht, AnJu, also aufhören mit dem Grübeln und Vorfreuen!

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