Süß, diese Medizin, oder?


Achtung, Verschwörungstheorien, vermutlich nicht mal für Schwangere wirklich interessant. Aber ich muß das mal runterschreiben, zu sehr beschäftigt mich das.
Vorab: ich hab’ nix gegen die moderne Medizin, aber ich habe im Laufe der Zeit wenigstens halbwegs gelernt, auf meinen Körper zu hören. Ich denke, bis zu einem gewissen Punkt können Globuli und Hausmittel genauso helfen wie Medikamente der Pharmaindustrie. Ich würde mich selbst einfach nur als kritisch bezeichnen. Vielleicht mit einer wönzigen Tendenz zur Paranoia. Geschenkt.

Und noch was: als ich mit der Rakete (also zum ersten Mal) schwanger war, war ich extrem interessiert daran, was just in dieser oder jener Schwangerschaftswoche gerade passiert, was generell passieren kann und was ich so alles für oder gegen alles mögliche tun kann – Yoga, Ernährung, Tralala.
Jetzt aber habe ich für all diese Recherche schlicht keine Zeit mehr, aber auch fast gar keine Angst mehr (oder wenigstens keine, die ein „alles okay” von Arzt oder Hebamme nicht lindern könnte); ich bin einfach wesentlich entspannter. Ich brauche nicht mehr bei jedem Arztbesuch ein unscharfes Ultraschallbild, um zu merken, daß da etwas in meinem Bauch strampelt, mir reicht eine erfahrene Hand auf dem Bauch und mein Bauchgefühl.

Habe ich eben behauptet, ich sei entspannt? Vergessen! Ich bin auf hundertachtzig, mindestens. Es ist nämlich so, daß mir bei den Vorsorgeuntersuchungen routinemäßig auch ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes (die durch die Hormonumstellung gerne so ab der 22. Woche auftritt und rechtzeitig erkannt gar kein Problem darstellen muß, soweit noch alles easy) ans Herz gelegt wurde. Gut, das habe ich bei der Rakete auch gemacht, ist ja doch ganz nett, zwischendurch ein „alles okay” mehr zu hören. Ich kam also nüchtern in die Praxis, bekam den Blutzuckerwert mit einem Tropfen aus dem Finger gemessen, trank eine ultrasüße Plörre und gab nach ein und zwei Stunden noch mal einen Blutstropfen ab. Alles easy. Die Werte waren nüchtern und nach einer Stunde relativ knapp am Grenzwert, beim dritten („dem wichtigsten” laut der Arzthelferin) aber weit drunter.
Genau wie damals bei der Rakete. Alles prima also.

Als die Hebamme dann zwei Wochen später Zucker im Urin fand, war ich immer noch weit von der Panik entfernt; das hatte ich in der ersten Schwangerschaft auch schon mal, damals hatte ich eben kurz vorher noch ein Stück Kuchen gegessen, der nächste Urintest war wieder prima. Diesmal aber sei der Wert viel höher, und gerade wegen der grenzwertigen Blutwerte sei ihr gar nicht wohl, das deute eben doch auf einen Diabetes hin. Prompt fand dann auch der Arzt im spontan anberaumten Ultraschall, ich habe zuviel Fruchtwasser und das Kind sei zwei Wochen zu groß. Also bitte ab zum Diabetologen!
Ich kann verstehen, daß Frauenarzt und Hebamme da kein Risiko eingehen wollen, je früher man so einen Diabetes feststellt, desto besser. Angeblich sind Kinderärzte später oft genug sauer auf schlechte Vorsorge durch Gynäkologen, die Zucker übersehen.
Geschenkt. Ich bleibe immer noch cool und gehe zum Diabetologen, als ob es auf drei Stunden mehr oder weniger im Wartezimmer ankäme…
Der erklärt mir, daß ich jetzt eine Woche täglich siebenmal, gerne öfter, meinen Blutzuckerwert protokollieren möge: morgens nüchtern und jeweils vor und eine Stunde nach den Mahlzeiten. Und gleichzeitig schon mal die Ernährung umstellen: keine Fruchtsäfte, wenig Zucker, wenig leere Kohlenhydrate aus Weißmehl, Nudeln und Stärke. Am wichtigsten aber sei der Nüchternwert, und der sei bei mir ja schon beim Test vor drei Wochen so hoch gewesen (83, der Grenzwert ist bei 90), wenn der so bliebe, kann ich mich schon mal auf Insulinspritzen einstellen, früher oder später. Gewöhnlich wird der durch die Schwangerschaftshormone bedingte Dosierfehler der Bauchspeicheldrüse mit jeder Woche schlimmer.
Jetzt wurde mir doch langsam mulmig. Noch sieben Punkte bis zum Grenzwert, aber hier wurde schon von einem Diabetes gesprochen, das ging mir zu schnell. Ich wollte immer noch erstmal wissen, ob ich das jetzt habe oder nicht, ich wollte erst einmal den Verdacht untersucht haben statt einfach eine Diagnose zu bekommen.
Immerhin, jetzt also erstmal eine Woche Protokollieren, ich war mir immernoch sicher, daß sich alles als Irrtum herausstellen würde. Mein Bauchgefühl nämlich sagte: alles okay, immer langsam mit den dicken Babys. Die Rakete war laut Ultraschall auch immer ein paar Tage größer als der Durchschnitt und schließlich misst der Kindsvater fast zwei Meter, das beunruhigte mich kein Stück (Zumal eine Meßmethode mittels zweier Mausklicks auf einem Schwarzweißbild, das genausogut die Milchstraße darstellen könnte, sicher auch nicht die allergenaueste ist. Der Computer rechnet das sicher ordentlich, keine Frage – aber wo genau setzt ein Mensch denn einen Meßpunkt an, wenn er keine scharfen Konturen erkennen kann? Ich zeichne am Computer – und ohne Vielfachzoom treffe ich da Punkte im allgemeinen nur ungenau…).
Ich ließ mir also erklären, wie ich messen solle, die Diätassistentin holte ein nagelneues Blutzuckermeßgerät mit Etui, Batterien, Tagebuch, Kugelschreiber und Broschüren, alles schön in einer schicken Tasche verpackt, überreichte es mir („das ist jetzt Ihres”) und da stutzte ich dann doch: wie jetzt, das bekomme ich bereits, ohne daß die Diagnose überhaupt gesichert ist? Da zahlt die Krankenkasse nicht einmal den ersten Dreifachtest beim Frauenarzt, aber jetzt bekomme ich ein nagelneues Gerät mit allem Pipapo? Umsonst? „Keine Bange, das bekommen wir ja selbst geschenkt, das muß auch nicht Ihre Kasse zahlen.” – ”?!?”
Dann noch Rezepte für Teststreifen und Pieksenadeln („Man sollte eigentlich nach jedem Pieks die Nadel wechseln, die sind ja steril. Aber es macht auch nix, wenn Sie eine mal zwei-, drei- oder viermal verwenden…”) und bis nächste Woche.
Ich war gespannt auf die Ergebnisse, ich habe mir eine Woche brav täglich mehrmals die Fingerkuppen angestochen, ich wollte wissen, welche Auswirkungen Nudeln und Zucker auf meine Blutzuckerwerte haben. Ich habe – entgegen dem ärztlichen Rat – nicht gleich die Ernährung umgestellt, denn immernoch wollte ich ja wissen: habe ich denn nun wirklich diesen Drecksschwangerschaftszucker oder einfach nur hohe Werte?
Meine Werte waren hoch, morgens nüchtern erreichte ich nicht annähernd den angepeilten Durchschnittswert von 80 („einmal über neunzig und Sie haben sicher Zucker! – bei meiner Frau war ich mit 75 immer sehr zufrieden, alles darüber hätte mich beunruhigt”), die Werte schwankten zwischen 82 und 95, egal, wie hoch der Wert am Abend zuvor gewesen ist. Die Drohung „Insulin spritzen” klang mir im Ohr. Die Werte tagsüber und nach dem Essen waren größtenteils in Ordnung, nur Süßspeisen schlugen tatsächlich ein, Nudeln und Brot dagegen waren nicht wirklich problematisch. Ich musste also gar nicht total umstellen! Ein bisschen Verzicht auf zuviel Süßes würde sicher reichen. Ich war immer noch entspannt – zumal ich einmal nach ein paar Stunden ohne Nahrungszufuhr das in dieser Schwangerschaft gerne auftretende Gefühl der Unterzuckerung (Hibbeligkeit, Heißhunger, Gereiztheit) hatte und 75 maß. Dann hatte ich eben einfach einen um ca. 10-15 verschobenen Blutzuckerspiegel, die Kurven aber schienen mir in Ordnung.

Aber was weiß denn ich schon? Viel zu wenig, also habe ich einfach mal in diesem Internet geschaut, wie denn so eine Kurve aussehen sollte. Und fand heraus, daß moderne Blutzuckermeßgeräte auf Plasma geeicht sind (das heißt nicht, daß sie nicht stimmen, sie benutzen nur eine andere Skala, die um ca. 11% höher ist als sog. Vollblutwerte), ich aber nicht wußte, welche Skala meine vom Arzt genannten Maximalwerte meinten. Dürfte ich die also um 11% überschreiten? So einige Seiten im Internet gaben nämlich 90 nüchtern und 140 eine Stunde nach dem Essen als Vollblutwerte an… das wären auf Plasma umgerechnet 100 und 153! Ich wäre also sehr wohl noch im Rahmen mit meinen 93!
Aber ich fand noch mehr heraus: um zugelassen zu werden, müssen diese Meßgeräte lediglich eine Genauigkeit von +/-15 (bei Werten unter 75) bzw. 20% (bei Werten über 75) aufweisen (und das auch nur bei 95% der Messungen)!
Das heißt: wenn ich einen Wert von 100 habe, darf das Meßgerät alles zwischen 80 und 120 anzeigen. Und andersherum: ein gemessener Wert von 100 kann in Wirklichkeit alles zwischen 83 und 125 sein; eine gemessene 140 alles zwischen 117 und 175. 58 Punkte!
Jetzt war ich angefixt von der Idee, daß vielleicht nicht meine Werte das Problem waren, sondern das Meßgerät. Ich kaufte extra eine Testlösung (die ist dafür gedacht, ein Gerät z.B. bei Zweifeln oder nach einem Sturz zu prüfen; Kostenpunkt: 9€), um festzustellen, das Gerät sei in Ordnung, wenn es „einen Wert zwischen 102 und 138″ messe. Ja danke auch! Übrigens erkennt das Gerät sogar, daß es sich um Kontrolllösung und nicht um Blut handelt – aber eine genauere Messung soll nicht möglich sein? Ich maß an zwei verschiedenen Fingern, ich maß zweimal am gleichen Finger – jedes Mal mit bis zu 12 Punkten Unterschied. Hallo?!
Warum hatte ich eigentlich dieses Gerät und keines der Konkurrenz? Weil ich es geschenkt bekommen habe. Weil es der Arzt von einem Vertreter geschenkt bekommt. Ich internetapothekte kurz den Preis für das Gerät: 50€. Nicht schlecht für geschenkt. Ich internetapothekte den Preis für 100 Teststreifen und 100 Einmalnadeln: 73+15=88€. Die zahlt die Krankenkasse. Für eine Woche! Ohne Diskussion! Im Fernsehkrimi fragt der Rechtsanwalt ja gerne cui bono – wem nützt es?
Das frage ich mich jetzt auch. Natürlich stellt die Meßgerätefirma neben Geräten und Teststreifen auch Insulinzubehör her – wenn nicht sogar Insulin selbst. Wenn aber die Messungen so ungenau sind und die Zielwerte möglicherweise von vielen Ärzten noch in der falschen Skala angegeben werden: wievielen Menschen wird eigentlich bundesweit so eingeredet, sie seien krank wieviele Menschen werden eigentlich bundesweit so verunsichert? Wäre das alles in meiner ersten Schwangerschaft gewesen, ich hätte mich verrückt gemacht (jetzt bin ich eben schon paranoid, das ist ein feiner Unterschied). Wieviele Schwangere sind darunter?
Und wie kann ein Arzt im Wissen um die Ungenauigkeit trotzdem daran festhalten, daß ein bestimmter Grenzwert gilt, ab dem von Diabetes zu sprechen sei? Wenn ein Raser geblitzt wird, wird Meßtoleranz abgezogen, aber beim Blutzucker wird eine Meßtoleranz von 20% ignoriert?!

Ich war heute nach einer Woche Protokollieren wieder beim Arzt. Der hat sich meine Zweifel zwar angehört, ist aber der Meinung, ich solle Insulin spritzen, der Nüchternwert sei einfach zu hoch, meine Bauchspeicheldrüse schafft das nicht selbst. Es ginge hier nicht um mich, sondern um mein Kind. Dieses Killerargument hat mich das Prozedere erlernen (haha! „tut weniger weh als das Fingerpieksen” – und gleich mein erster Versuch unter Aufsicht, „ja, genau so, richtig”, führt zu einem Mordshämatom…) und die Insulinspritze mitnehmen lassen. Ganz überzeugt aber war ich nicht, und das habe ich auch mehrfach erklärt (ich kann da natürlich nichts garantieren, aber einem Labortest mit abgenommenem Blut würde ich vermutlich eher glauben). Schließlich bat er die Diätassistentin, mir ein anderes Meßgerät mitzugeben, damit ich endlich Ruhe gebe mit dieser Ungläubigkeit. Ich möge nur bitte nicht einfach abwechseln, man solle sich immer nur auf eines verlassen (Ach, gibt es da wohl Unterschiede?). Und hier noch ein Rezept für mehr Meßstreifen für das erste Gerät und für Insulinnadeln.

Dem zweiten Gerät lagen zehn Teststreifen bei. Ich habe heute zweimal dreimal mit beiden Geräten gemessen. Beide Alle drei Male lag das zweite unter dem ersten. Jeweils Zweimal um 20! Das dritte Mal nur um einen Punkt. Menno. Heute jedenfalls werde ich sicher nichts spritzen. Acht Sieben Streifen habe ich noch. Ob mich diese Testreihe endlich beruhigt?

Ja, vermutlich hätte ich als Königin im Mittelalter auch den Boten der schlechten Nachrichten eingekerkert… dennoch behaupte ich: ich würde nicht diskutieren, wenn meine Werte konstant über 100 wären bei einem Grenzwert von 90. Aber so bleibt der Zweifel. An der Pharmaindustrie. Am Arzt. Am System.


15 Näschen reingesteckt bei “Süß, diese Medizin, oder?”

  1. Sehr interessant. Ich bin zwar kein Mediziner, aber von der technischen Seite ist jedes Gerät fehlerbehaftet und kann einem nie den tatsächlichen Wert anzeigen. Den kann man mit dem Gerät nur eingrenzen. Damit ist der Mediziner aber wahrscheinlich überfordert … er mag zwar wissen, was Diabetes ist und was ein Messwert ist, aber eine Messfehlerbetrachtung hat er bestimmt noch nie gemacht …
    Wie sagte mein Lehrer (E-Technik) in der Schule: Wer misst misst Mist!

    • stilhäschen sagt:

      Ja, wegen Meßfehlern macht man ja eine Betrachtung über einen längeren Zeitraum, das sehe ich ja ein. Die zwei Punkte, über die ich mich aufrege, sind aber:
      1. Wenn eine Meßtoleranz bekannt ist, warum wird sie nicht bei den Grenzwerten miteinbezogen und im Zweifelsfall mit einer genaueren Meßmethode (Laboruntersuchung des Venenblutes) nachgeprüft?
      2. Ist es tatsächlich nicht möglich, die Meßtoleranz geringer als 20% zu halten? Das kann ich nicht glauben. Zumal diese Toleranz sogar nur in 95% der Messungen erreicht werden muß!

  2. unsichtbar sagt:

    Also alle medizinsstudent*innen die ich kenne wissen sehr wohl, was eine messtoleranz ist. das fängt ja schon beim beschriebenen ultraschall an. mein kind war bei zwei messungen im zehn minuten abstand um ca. 200g verschieden schwer. wenn mensch so ne länge aufs volumen hochrechnet geht das schnell. haben die ärztinnen aber auch ganz klar so gesagt.
    soweit ich weiß sind mediziner*innen menschen die ein naturwissenschaftliches studium abgeschlossen haben, und sollten dazu in der lage sein auf solche berechtigten nachfragen zu antworten. und wenns ein „ich weiß es nicht, aber so ist es sicherer.” wäre, statt mit der babykeule zu kommen. es geht ja auch nicht nur um das baby sondern auch um dich.
    das mit der messtoleranz bei den kleinen geräten kann aber sehr gut sein, die sind dafür gebaut, möglichst klein und günstig zu sein, ach messen sollen sie auch, aber bei den anderen anforderungen kann da schon mal die messqualität auf der strecke bleiben. meine tante, die medizinische fachangestellte bei einer gynäkologin ist, hat mir erzählt dass die eisenmessgeräte die sie hatten, irgendwelche zahlen ausgespuckt haben an denen mensch ablesen konnte, ob der wert steigt oder fällt, aber niemals wie hoch der auch nur mit annehmbarer fehlerquote ist. (und die ist arzthelferin, nicht studiert, und weiß sowas einzuordnen, verdammt)
    wenns dir hilft, dann geh doch, falls in der nähe vorhanden, zu einer zweiten diabetologin? weil verunsicherung ist ganz sicher auch nicht gesund…

    • stilhäschen sagt:

      Liebe unsichtbar,
      danke für Deine Meinung. Wenn man einmal anfängt, über solche Wertemessungen nachzudenken…(Mist, und mein Eisenwert war letztens super – oder war nur das Meßgerät gütig?)
      Ja, darüber ärgere ich mich auch, daß da kein „…aber so ist es sicherer” kam. Und eben kein Angebot, das Ergebnis mal mit einer sichereren Meßmethode zu überprüfen. (Klar, wenn da jede so käme… aber wie viele scheinbar ohne Nachfragen solche „Diagnosen” akzeptieren, da schaudert mich…)
      Ich werde jetzt übers Wochenende immernoch nicht spritzen, sondern den Nüchternwert mit beiden Geräten messen und den Arzt am Montag anrufen mit dem zweiten gemessenen Durchschnittswert, der, so wie es aussieht, nur knapp über 80 ist. Und ihn um eine „ordentliche” Blutuntersuchung bitten (die übrigens viele Diabetologen im Netz für unabdinglich halten) – es gibt z.B. wohl auch einen Wert, der den Blutzuckerspiegel der letzen Monate abbildet. Wenn das Labor dann „Diabetes” sagt, lasse ich mich wohl vom Insulin überzeugen. Wenn er den Test verweigert, gehe ich zu einem anderen Arzt.
      Blöd bloß, daß das alles recht schnell passieren sollte. Ich hab’ ja sonst nix zu tun mit Bauch, Kind und Job…

  3. Behalte Deine Zweifel – höre auf Deinen Bauch.

    Uns hat ein Augenarzt damals gesagt: „Also, wenn sie ihr Kind nicht innerhalb der nächsten 2 Wochen operieren

  4. dann wird es blind.

    Wir haben eine zweite (und dritte) Meinung eingeholt! Mit dem Ergebnis, dass unser Sohn heute wenigstens noch ein wenig gucken kann.

    Bleib kritisch – und alles Gute für Dich und Dein Baby.

  5. Ach Mist – den nächsten Kommentar schreibe ich wieder am Rechner und nicht am Handy! Ich wollte doch noch drauf hinweisen, dass wir extra NICHT operieren lassen haben.
    Ach ja.

  6. stilhäschen sagt:

    Das hab’ ich schon auch so rausgelesen, Frau Spätlese. Danke für die Unterstützung. Vorerst reicht mir ja als zweite Meinung die eines Labors… Eure Entscheidung war ja weitaus schwerwiegender. Ich möchte Ärzten ja gar keine Bosheit unterstellen, aber dieser drohende Unterton mit dem „Sie sind dann halt Schuld an der Krankheit ihres Kindes” geht wirklich gar nicht. Den könnten sich viele mal gepflegt verkneifen.

  7. AnJu sagt:

    Ich habe auch den Zuckertest bei meinem Frauenarzt gemacht und sowohl der Nüchternwert als auch der 2h-Wert lagen leicht über den Grenzwerten. Gemessen hat er mit einem Handgerät. Da weder Fruchtwassermenge, Größe des Kindes oder meine Gewichtszunahme auf Diabetes hindeuteten, wollte ich es auch nicht glauben. Beim googeln kam ich auch drauf, dass die Handgeräte ungenau sind und auch mein übermäßiger Süßkramkonsum die zwei Tage vor dem Test durchaus Auswirkungen gehabt haben könnten. Trotzdem hat mein Arzt mich zum Diabetologe geschickt, der den Test wiederholen sollte (man hat ja sonst nichts zu tun, als morgens nüchtern stundenlang in Wartezimmern zu sitzen). Der hat auch Blut aus der Fingerkuppe genommen, hat am Handgerät gleich gemessen und ein Röhrchen ins Labor geschickt. Gestern habe ich dann die Laborwerte gesehen: Nüchternwert 73, am Handgerät war er bei 96. Auch die anderen beiden Laborwerte lagen 20 bis 30 Punkte unter den am Handgerät gemessenen. Ich kann also Deine Skepsis völlig nachvollziehen. Leider hab ich auch so einen Arzt, der auf Nachfragen immer nur mit der emotionalen Keule antwortet, so a la „Es wäre eben schon besser für das Kind.” Das ist echt ätzend. Irgendwie meint man doch ein Gefühl dafür zu haben, wann was nicht in Ordnung ist. Und manchmal hat man auch den Eindruck, da möchte einem nur jemand die Risikoschwangerschaft aufschwatzen um mehr abrechnen zu können.

    • stilhäschen sagt:

      Ist ja interessant, dass es nicht nur mir so geht! Wobei ich (als Medizinlaie) mir den wesentlich niedrigeren Laborwert durch die 11-13% Unterschied zur Plasmamessung erklären würde, und ich meine, in den letzten Wochen Internetrecherche nochmal irgendwo was von 6 weiteren % zwischen venösem und kapillaren Blut gelesen zu haben. Macht aber trotzdem noch keine 20!
      Ich verstehe also Deine Zweifel wie kein Arzt… Und frage mich, wie ich in der ersten Schwangerschaft reagiert hätte. Vermutlich ziemlich unkritisch, ich hätte wohl gespritzt, ist ja schließlich für’s Kind. Ich glaube aber, daß es dem Diabetologen wurscht ist, ob ich risikoschwanger* bin oder nicht. Ich bin halt auf jeden Fall eine neue Patientin, ist doch auch was!

      *Risiko wär’ ja schon auch ein Superjungenname, v.a. passend zu seiner Schwester Rakete Regenauer (Name leicht geändert, aber ähnlich).

      (Übrigens, fürs Protokoll: nach einigen extremen Wertausrutschern nach Süßkram und einer trotz Messungenauigkeiten erkennbaren Tendenz zu steigenden Werten habe ich mich mit der Diagnose Gestationsdiabetes arrangiert (bei mir war der Laborwert laut Doc nüchtern 89, wo die Handmeßgeräte 93-98 anzeigten; ich gehe davon aus, daß er den Wert bereits auf kapilläres Plasma umgerechnet hat). Noch lange nicht aber mit dem angeblich unbedingt nötigen abendlichen Spritzen, jedenfalls nicht, solange ich es mit Drecksdisziplin – nichts mehr nach 20Uhr – auf regelmässige Werte unter 90 schaffe. Vermutlich wird der Doc mich morgen trotzdem schimpfen. Dann hau ich ihm eine rein. Schließlich hab ich Hormone!)

  8. timanfaya sagt:

    achtung, hier spricht der „profi”: ich habe als mann eine schwangerschaftsdiabetis „hinter mir”. das wichtigste: den zuckerwert von einem DIABETOLOGEN messen lassen!!!!! dazu hat uns unsere erstklassige frauenärztin sofort verdonnert, die hat da nicht lange selber rumgekaspert. und dieser sollte den befund auch deuten. das ist wohl ein ziemlich kompliziertes thema, nix für den hobbydoktor. die untersuchungen werden dann regelmäßig weiter geführt. alles andere ist kaffeesatz. wenn es denn so sein sollte (bei „uns” war es halt so)bekommt man das mit sehr viel disziplin oft auch ohne insulin hin (hat funktioniert). Essgewohnheiten überprüfen und vor dem schlaf lange schnelle spaziergänge (ich sweiß nicht mehr warum, war aber wichtig).

    abgesehen vom essen: keine fruchtsäfte (o-saft ist bspw. der der absolute blutzuckerhorror)

    p.s.: als ergebnis gab es ein völlig normalgewichtiges kind, typ „schlanker hase”. ist er bis heute geblieben.

    p.p.s.: es gab vor ein paar monaten einen sehr guten spiegel artikel zum thema, ich glaube, es ging jedoch um das thema anlagen zum dicksein oder so ähnlich. oder auch zucker, ich weiß es nicht mehr. fakt: eine nicht richtig behandelte schwangerschaftsdiabetis ist neben den geburtsrisiken so mit das schlechteste was man einem kind für seine zukunft in die wiege legen kann.

    • stilhäschen sagt:

      Danke für die Tipps! Der Doc, der mir den Diabetes bereits diagnostiziert hat durchs pure Auf-die-Werte-beim-Frauenarzt-Schauen (die nicht nur knapp UNTER den Grenzwerten waren), IST Diabetologe. Danke auch, Herr Doktor. Immerhin kam er nach eindringlicher Diskussion meinem Wunsch nach einem Laborwert nach (der, wie von mir vermutet, knapp unterhalb des Grenzwertes war – während die Handmeßgeräte bis 10% darüber zeigten).
      Der Diabetes-Beraterin in seiner Praxis vertraue ich da weit mehr; heute habe ich dankend auf einen Besuch beim Chef verzichtet („Also, die Werte sind doch alle ganz in Ordnung. Sie haben das im Griff. Wollen Sie noch zu ihm rein?” – „Wegen mir nicht. Am Ende werde ich noch ausfällig. Der wird doch trotzdem wieder damit anfangen, daß ich spritzen soll, ist ja nicht mehr weit bis zum bösen Grenzwert morgens. Nee, ich geh’ lieber nicht rein.” – „Stimmt, da haben Sie recht.”)
      Vermutlich wäre ein Spaziergang nach dem Essen tatsächlich optimal – allein: die Kälte, das Wetter, der dritte Stock… aber ich behalte es im Hinterkopf!
      (Wie ich im übrigen die Gefahren eines Diabetes durchaus nicht herunterspielen will, sondern ernst nehme – was mir nur so sauer aufstößt, ist die Panik, die in diesem Fall MIR gemacht wird. Mir, die ich mich noch immer unterhalb der gefährlichen Werte befinde und deren erstes Kind überdurchschnittlich groß, aber pumperlgsund auf die Welt kam. Wie übrigens auch Vater und Großvater… warum sollte dann der kleine Bruder auf einmal der Norm entsprechen?)

  9. timanfaya sagt:

    „wir” waren insulinmäßig immer etwas auf kante, aber im durchschnitt doch noch klar drunter (ich erinnere mich, dass der langzeitwert der wichtigste ist, dieses zuckerkörpererinnerungsdingens). die diabetisberaterin ist übrigens trumpf, die weiß meistens mehr als der arzt, was das tägliche handling damit angeht. wie gesagt, heraus kam ein völlig normales (naja, aus der heutigensicht würde ich das „normal” nocjh mal überdenken … (o; ), eher sehr schlankes kind (aufgrund der „strengen” ernährungsweise der mutter). die grundsätzlich größere „gefahr” ist die, ich glaube über- oder unterzuckerung des kindes (ich habe es vergessen) direkt nach der geburt, die bei einer nachlässig behandelten s-d droht. da geht’s gleich ganz hektisch zur kinderklinik. und das will man nicht wirklich mit erleben.

    aus meiner erfahrung: keine panik, alles wird gut. auch wenn die werte mal zeitweise und kurzzeitig jenseits der sonne liegen. das passiert einfach. solange das nicht dauerhaft der fall ist besteht da im nortmalfall kein grund zur unruhe.

    (haha, das wissen wir HEUTE. das war damals natürlich völlig anders, als wir uns hyperventilierend auf ein 6kg kind eingestellt haben. naja, es war dann etwas mehr als die hälfte …)

  10. Ich sagt:

    Ich, unverhofft zum ersten Mal schwanger, habe den Diabetestest auch machen lassen. Wurde sogar, oh Wunder, von meiner Kasse bezahlt. Der Nüchternwert war leicht erhöht, die beiden anderen waren prima. Daraufhin Überweisung zum Diabetologen, mit der Aussage „wahrscheinlich ist nichts, nur zur Sicherheit”.., welche ich dann aber nicht genutzt habe. Grund: Kräftiger Nutellakonsum am Vorabend (tja, wenn einem nicht gesagt wird dass man sich auch am Abend vorher mit solchen Speisen zurückhalten soll) und einfach das Gefühl „och nee, das nun nicht auch noch”. Ausserdem die Aussage dass Kind eher zu klein als zu groß ist, Diabetes somit unwahrscheinlich.
    Letzte Woche nun Vorstellungstermin zur Geburt im Krankenhaus, mit schnippischer Hebamme die sofort meinte der Test wäre ja sowieso hinfällig, weil nur mit gemessenem Blutzucker via Testgerät ja völlig wertlos…
    Tja, danke…

    • stilhäschen sagt:

      Verständlich, daß sich der Frauenarzt absichern will und zum Diabetologen schickt – unverständlich, daß das oft (bei Dir offensichtlich glücklicherweise nicht) mit Panikmache verbunden wird. Alles Gute Euch weiterhin!

      Ich habe ja übrigens nochmal selbst so einen Zuckertest aus der Apotheke geholt und zuhause gemacht, rein aus Interesse. Da steht auch in der Packungsbeilage, daß nur Laborwerte zählen, keinesfalls Handmessgeräte! Und dann steht da noch, daß mindestens zwei der drei Werte erhöht sein müssen, um die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes zu stellen.
      Meine beiden Meßgeräte schwankten mal wieder um bis zu 25 Punkte (interessanterweise zeigt mal das eine, mal das andere den höheren Wert). Ergebnis: mit dem einen bin ich einmal knapp und einmal deutlich über dem Grenzwert, also eher diabetisch – mit dem anderen nur einmal, also gesund. Sicherheit brächte hier wohl nur ein kompletter Labortest, aber ich habe keine Lust mehr auf den Hickhack. Ich passe einfach beim Essen auf und verlasse mich auf die Untersuchungen beim Frauenarzt, die keine Auffälligkeiten mehr zeigen. Zum Diabetologen gehe ich, damit Frauenarzt und Krankenkasse beruhigt sind, aber „nur” zur Diabetesberaterin und nicht mehr zum Arzt selbst. Die Aufregung wäre nämlich Gift, das ahne ich.

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