Werbung zum Würgen.


Is’ ja so’n Ding mit dem Ekel: macht erst Spaß, wenn’s auch andere schockt. Und weil ich die Fotosammlung von Raketes schönsten Windelfüllungen, ihren dicksten Popeln und den größten Ohrenschmalzkugeln noch nicht online stellen will – wer weiß, was da noch hübsches kommt – möchte ich heute wenigstens zwei Kampagnen mit meiner Leserschaft teilen, die mich echt zweifeln lassen an einem großen Teil der Menschheit.
Ich will da gar nicht nur gegen die Werber hetzen, die so einen Blödsinn verbrechen – genauso bekloppt sind ja die Entscheider, die so einen hanebüchenen Unfug durchwinken. Und am bescheuertsten ist ja wohl die breite Masse, die die Produkte solcher Hohlschädel auch noch kauft.

[Hier kommt eigentlich ein Foto der aufgeschlagenen Zeitung mit der Anzeige, aber technische Gründe hindern mich. Nehmen Sie stattdessen bitte erstmal mit diesem Bild vorlieb, wenn Sie starke Nerven haben. Daß in meiner Anzeige die Dame duschend unterm Wasserfall steht, stellen Sie sich einfach vor.]

Über dieses Produkt will ich mich jetzt gar nicht erst auslassen („Und die Ladydusche geb’ ich nicht mehr her”, lächelt die Dame im Webseiten-Showroom, ein Schelm, wer dabei denkt…), ich rege mich schon über die Anzeige so auf, daß der Leser sich getrost schon mal ein paar Sorgen machen kann um meine Pumpe.
„Ich liebe Wasser, weil es so ist, wie es ist.”, sagt Melanie Wininger. Die mußte ich jetzt erst googeln, aber das hat nichts zu sagen. Trotzdem: muß man eine kennen, die freiwillig Werbung macht mit einem Statement, das an Leere vermutlich nicht einmal von Verona Dingenskirchen zu überbieten ist? Das Internet spuckt noch mehr aus: ach, Barbara Becker ist das zweite Gesicht der Kampagne. Nach diversen Versuchen als „Designerin” (schon wieder könnte ich abzweigen und mich noch weiter aufregen über das Schindluder, das mit dem Begriff „Design” getrieben wird, gerne von
kreativitätsbefreiten Nagelstudiotrinen oder eben Promiblunzen, die mal eben ihren Namen auf Klamotten, Tapeten, Schmuck schreiben können) ist das konsequent: sie verdient halt weiter ihr Geld mit Scheiße. Hauptsache, der Copywriter redet schön um dieses Wort drumrum.
„Wasser ist mit nichts zu vergleichen. So frisch, so sanft und trotzdem kraftvoll. Wasser, das ist natürliche Reinheit. Erleben Sie das Prinzip Wasser mit Geberit Aqua Clean.” Oben der Kopf der Dame unterm Wasserfall, dann dieser Text, alles klar, es geht ums Duschen. Erst das kleine Foto eines WCs mit dem Claim „Geberit AquaClean – das WC, das Sie mit Wasser reinigt” lässt erkennen: Duschen ja, aber da, worüber man nicht spricht. Da erzählt also der Text, wie super Wasser ist. Jau, toll, das sehen wir ja alle so, da habt Ihr den Verbraucher ja voll da abgeholt, wo er steht. Prima!
Aber hey: Wasser ist übrigens auch verdammt kostbar. Womöglich gibt es in naher Zukunft schon Kriege drum. Und Ihr nehmt’s zum Arschabwaschen und zelebriert das auch noch, als sei das nicht Deppenluxus, sondern ganz normal. Ihr seid einfach nicht zu retten.

[Luftholen. Zwischendrin luftholen. Und wieder aus-]

Und das zweite? Da geht’s nicht direkt um Kaufen, höchstens ums Abkaufen. Wähler binden will die CSU da mit einem Spot (wer sich traut: Eimer bereitstellen, Link klicken, dann das derzeit zweite Video, das grüne, ansehen), bei dem die süßliche Stimminterpretation des Sängers noch das kleinste Übel ist. Klar, hihi, das ist voll lustig gemeint, ich weiß schon, aber das ist auch Mario Bart. Humor ist, wenn man trotzdem lacht? No way. Ich schlag’ mir jetzt noch ein paar Minuten den Kopf blutig an der Schreibtischkante. Und dann kotz’ ich in die Ladydusche.


19 Näschen reingesteckt bei “Werbung zum Würgen.”

  1. Gaaaaaanz tief durchatmen, immer wieder!
    Es gibt auch durchaus Produkte, die Wasser sparen: mit der Menge, mit der eine Spülmaschine eine Ladung so ziemlich sauber kriegt, schafft selbst ein geübter Tellerwäscher nur einen Bruchteil.

    Sicher bin ich mir, dass die Umstellung der Lektüre auf zum Beispiel B!ld (in der solche Stilhäschen-verstörende Werbung vermutlich nicht abgedruckt wird), die schlechtere Wahl wäre.

    Apropos Wahl: ich persönlich finde es nett, wie sich der Urheber des Films seinen Ruf selber versaut …

    Und bitte Obacht mit der Schreibtischkante: wenn da zuvor jemand reingebissen hat, können da durchaus spitze Ecken sein, die zu ungeplanten Kollateralschäden führen können.

    • stilhäschen sagt:

      Ach (noch immer steht ja das Bild aus, Schande über mich…), die „Schöner Wohnen” ist ja auch nur die Bild der Lifestyle-Junkies. Was das über mich sagt? Daß ich mir die lieber nicht mehr aus dem Altpapier fische. Nicht gut fürs Herz.

  2. Donnawetta sagt:

    Was mich an der Geberit-Werbung am meisten beeindruckt, ist, dass die Poporeinigung die triefende ladygeduschte Dame offensichtlich von Kopf bis Fuß nässt, und, mal ehrlich, eine Werbung für integrierte Hinternwäsche, die den Effekt einer Ganzkörperdusche (angezogen auch noch!) impliziert, ist voll fürn Arsch. Wer lässt sich denn freiwillig mit Eau de Klo übergießen? Ich jedenfalls nicht. Wenn ich nach Klostein riechen will, dann rubbele ich an den Parfum-Magazinanzeigen mit Duftprobe. Das versaut mir dann auch nicht die Frisur.

    Dass sowas wie die Geberit-Werbung nicht nur ausgedacht, sondern sogar abgesegnet worden ist, ist mir unbegreiflich.

    • stilhäschen sagt:

      Meine Rede: unbegreiflich. Das mit dem Bademantel ist mir gar nicht so direkt aufgefallen, aber jetzt wo Du’s sagst… Hauptsache, man kann sich zwischendurch noch schnell die Nägel feilen. „Ladydusche”, ich komm’ nicht drüber weg…

  3. Die Parodien unter http://www.netzpolitik.org/2011/ein-landrat-steht-im-bierzelt/ und http://www.netzpolitik.org/2011/inside-csu-ein-blick-hinter-die-fassade-der-csu/ kennen Sie? Soviel besser, vor Allem die Zweite…

    Die Geberit-Nummer ist ächt übel. Bei den Japanern scheint ja sowas (die Technik, nicht die Werbung!) üblich zu sein.
    Im Übrigen, Donnawetta, kommt da FRISCHWASSER raus – in Japan auch noch temperiert.

    • stilhäschen sagt:

      Ah, danke für die Links! Kannte ich noch nicht, heißt aber auch nix. Auf jeden Fall: die bringen das zweite T zum Werbespot.

      Und ja, in Japan ist die Popodusche wohl üblich. Technisch einfacher auch in der arabischen Welt. Über Sinn oder Unsinn davon will ich auch gar nicht streiten, ich rege mich nur über die Argumentation der Werber auf. Ach so, das ist der nächste Kommentar. Sei’s drum. Ich spare heute Wasser, ich trinke Wein.

    • Donnawetta sagt:

      Und sie GLAUBEN das mit dem Frischwasser auch noch, Herr Emmerich? ;-D

  4. timanfaya sagt:

    „nie wieder fusseln am arsch!” wäre sicher einfacher gewesen. aber ich finde das vergleichsweise ( http://timanfaya.twoday.net/stories/771921/ ) harmlos …

    p.s.: ob wir hier jeden toileetengang mit fünf mal abziehen abfeiern hat mit der weltwasserknappheit leider nix zu tun, da besteht kein zusammenhang. wird aber werbetechnisch gerne für spartasten und ähnliches herangezogen. als ergebnis gehen unsere überdimensionierten abwasserleitungen und kanäle aus früheren zeiten langsam aber sicher den bach runter. um mal beim thema wasser zu bleiben …

    • stilhäschen sagt:

      Mag sein, daß das Sozialgefälle bis Afrika gar nicht so riesig ist, daß unser Sparwasser darunter liefe; mir geht es hier um die Unbefangenheit, mit der die Sorglosigkeit im Umgang mit einer kostbaren Ressource (warum hierzulande immernoch Trinkwasser ins Klo gekippt werden muß, ist da nämlich die nächste Frage) propagiert wird. Trotzdem Danke für die konstruktive Kritik am Aufregen! Und für die Relation. Sicher, es gibt immer noch schlimmeres, Sexismus zum Beispiel (nicht nur drüben bei Ihnen).
      Was ich jetzt aber noch nicht verstanden habe: unsere Kanalisation ist also überdimensioniert – und geht kaputt, weil sie nicht bis oben gefüllt wird? Ist Luft schädlicher für die Röhren als Flüssigkeit? Und was weiß ich sonst alles nicht? Würde es schon helfen, z.B. alle deutschlandweit verfügbaren Oettinger-Kisten wegzukippen?

      • Donnawetta sagt:

        Ich glaube, die zunehmende Kaputtigkeit der Kanalisation liegt an der mangelnden Verdünnung der … öhm … ausgeschiedenen Ätzsubstanzen. Ist geraten, klingt aber plausibel, finde ich.

        • stilhäschen sagt:

          Geradezu scheißplausibel. Du bist so schlau! (Hier ist übrigens grade Magen-Darm-Virus. Mit wieviel Wasser muß ich Magensäure verdünnen, damit mir die Kanalisation nicht unterm Arsch durchbrennt?)

          • Donnawetta sagt:

            Igitt, Magen-Darm-Virus. Wie gut, dass Du weit weg bist.
            Aber gute Besserung für Familie Stilhäschen. So’n Magen-Darm-Virus bockt ja wohl mal überhaupt nicht, und ich bin ächt mitleidig.

            • timanfaya sagt:

              im prinzip stimmt das mit dem verdünnen. aber anders. die kanäle sind teilweise zu trocken – und schon hat man den scheiss. dann kommt der ganz große regen und der scheißtrockene kanal hat nicht mehr den durchmesser den er haben sollte … usw. … blabla.

              ich bin ja selbst so ein wassersparer, lichtausmacher und wegschmeißgestörter lebensmittelverwahrer. wirkt geizig, hat damit aber nix zu tun. ist wohl mehr ’ne erziehungsfrage (rubrik: „und in afrika hungern ’se!”).

              p.s.: zum sexismus sage ich jetzt nicht. ich finde das thema grundsätzlich zu unterhaltsam um mich darüber noch aufzuregen. außerdem wird der bei mir zuhause verbal gepflegt.

  5. Kai sagt:

    Warum ich hier in D Wasser sparen soll, leuchtet mir (außer des Preises) wegen auch nicht ein. Ich hab’ Wasser bis zum Abwinken. Sogar im Keller! Will jemand was haben? :)

    • stilhäschen sagt:

      Eben. Spart Wasser! Trinkt Bier!
      (Vielleicht müssen wir tatsächlich nicht wirklich Wasser sparen. Aber warum muß durchs Klo Trinkwasser laufen?)

      • timanfaya sagt:

        die wahrheit: weil der erbauer / investor / vermieter eine sehr hohe investition tragen müßte, die er durch die miete auf dem freien markt nicht refinanzieren kann. gleiches gilt übrigens für regenwasserversickerungen.

  6. Herr Baron sagt:

    Das CSU-Video ist wirklich unglaublich.
    Wie viele Leute das von der Idee bis zur Fertigstellung gesehen haben müssen und trotzdem landet es in der Öffentlichkeit. Übel.

    • stilhäschen sagt:

      Ja, das ist wirklich unfaßbar. Und so daneben, daß nicht einmal der beste Marketingplapperer als „so schlecht, daß es schon wieder gut ist” hinstellen kann.

  7. Pepperstorm sagt:

    Och da gibts so viele, Hilton, Naddel etc – wo man sich fragt: WER ist das? was haben die überhaupt jemals wirklich geleistet?

    Und auch ne Barbara Becker muss schliesslich sehen wo sie bleibt man muss doch immer wieder Geld verdienen egal wie :-)

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