Das Leben, ein anderes


„Was Du nicht kannst: mehrere Leben führen. Auf mehrere Schiffe gehen.”
Peter Licht

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Weil man ja immer nur ein Leben führen kann, steckt man auch nur in einem drin. Ein anderes ist oft ganz schön weit weg, manches kann man sich noch vorstellen, das meiste aber nicht. Pleite einen Lottogewinn? Die Vorstellung ist einfach. Überarbeitet das Einsiedlerleben auf La Gomera? Schon schwieriger. Kinderlos ein Leben mit Zwerg? Unmöglich.
Trotzdem findet man sich in so ein neues Leben ja doch immer irgendwie ein, man wächst mit den Aufgaben und das Kind von allein. Vor einem Jahr noch war ich schwer schwanger, hatte sieben Wochen bis Geburt und mein erstes Wasser in den Beinen. Niemals hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt mich selbst in auch nur einer der folgenden Situationen vorstellen können:

- Sonntagmorgen, das Kind kräht. Ein Blick auf den Wecker: 6:30 Uhr. Du jubelst: endlich mal ausgeschlafen! Vor sieben aufstehen müssen und das spät finden: früher unvorstellbar.

- Du sitzt auf dem Boden und versteckst Plastiklöffel zwischen Polsterritzen. Der Zwerg holt sie juchzend wieder raus. Und das macht Ihr nicht 10 Sekunden oder 10 Minuten lang, sondern eine Stunde.

- Du isst ungewürzten Gemüsebrei und erklärst dabei, es würde suuuuuperlecker schmecken. Und Dein Gegenüber glaubt Dir.

- Kein Witz: ich verkaufe mein Auto. Die geile Schleuder. Schweren Herzens. (Aber wem? Interesse an einer rostfreien silbernen Barchetta, wenig km, alles nötige gemacht, incl. nagelneues Verdeck? Mail an info[ätt]stilhaeschen[punkt]de.) Das hätt`ich nie von mir gedacht und eigentlich heule ich jetzt schon drüber.

- Sommersonntagsausflug. Über den Tag verteilt getrunken: zwei Flaschen Wasser, fünf Halbe Bier und zweidreifünf Longdrinks (Übrigens: ich stille nicht mehr! Vor Freude hätte ich mir fast ein „ABgestIllt 2010″-T-Shirt gemacht, fand’s dann aber doch einen Hauch zu prollig. Dieses Mal noch.). Und kein einziges Mal auf dem Klo gewesen! Vor einem Jahr hätte ich noch meinen Arsch dagegen verwettet, daß sowas möglich sein könnte.

Ach, deswegen ist der jetzt so breit. Scheiße. Wer hat jetzt meinen?


6 Näschen reingesteckt bei “Das Leben, ein anderes”

  1. timanfaya sagt:

    herjeh … so es denn wirtschaftlich geht: bloß nicht verkaufen! wir haben auch noch so ’ne zweisitzer schleuder rumstehen [für mich im tagesgebrauch zu rustikal. man hat ja im alter schnell mal rücken]. aber wir verweigern den verkauf, bringt ja eh nix rein im vergleich zur anschaffung. wird also nur noch im sommer als drittwagen angemeldet und dem troll irgendwann als oldtimer übergeben. und mit dem gerade vollzogenen wechsel des kindersitzes ist das teil eigentlich sogar schon wieder voll nutzbar. so oft sitzt der kleine ‚nu auch wieder nicht im kinderwagen …

  2. la-mamma sagt:

    familienkutsche hab ich schon, aber einen kindersitz für etwas größer könnt ich brauchen!;-)

  3. mg midget sagt:

    Auch ich rate zum Behalten der silbernen Gurke.
    Saisonkennzeichen ran und immer mal rumgurken – macht Spaß, den man später mit dem Neuerwerb einer Gurke teuer bezahlt.

    Grüne (4)-Marke geht? Wenn ja – in die Garage mit dem Ding.

    MG Midget

  4. stilhäschen sagt:

    Jaja, timanfaya, das hab’ ich mir ja auch immer gedacht. Aber wenn sich zwei so Deppen mit Unsinnsautos finden, wird’s wirklich bekloppt. Was nämlich keine Rakete kann: in mehrere Oldtimer steigen, dereinst. Außerdem scheitert’s an der Garage – womit auch midgets Kommentar beantwortet wäre. Noch aber wollte die Gurke übrigens keiner haben. Jippie!

    Ich hab’ ein wenig gebraucht, aber jetzt ist der Groschen gefallen, la-mamma. Leider auch hier: nein. Da hat die Rakete schon ihre Initialen reingebrezelt.

  5. Doktor Peh sagt:

    6:30, davon traeumt Frau Peh noch. Wenn sie mal Schlaf findet. Normalerweise passiert das mit dem Schlaf zwischen 20:00 und 2:30 Uhr. Nur neulich war es mal halb fuenf. Dafuer sind wir aber auch noch nicht soweit, dass Dinge zielgerichtet gegriffen werden. Zum Glueck.
    Ach, bei der Nahrungsaufnahme alterniert es momentan auch noch zwischen Flasche und natuerlicher Quelle. Wobei Flasche des Oefteren abgelehnt wird. Aber vehement!

  6. waldnase sagt:

    alles bleibt anders^^ is doch gut wenn sich das Leben ändert, ohne Veränderung wäre es eine Stagnation und das führt zum …

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