Gestern und heute


Gestern war ich jeden Abend unterwegs und schüttelte meinen (in der Erinnerung nicht ganz schlecht proportionierten) Po zur Musik, wo immer eine lief. Heute rufe ich die Polizei, weil die Nachbarn mit ihrem Polentechno wiedermal den Leiser-Knopf nicht finden und bin froh, wenn auf dem Sofa neben der Wäsche zum Zusammenlegen noch Platz für meinen breiten Hintern ist. Gestern war Halligallidrecksau, heute ist Aramsamsamgulligulligulliarabi. Gestern war Klamottenkaufen, weil die Mode wechselte. Heute ist Klamottenkaufen, weil das alte Zeug spannt. Gestern war ich ewigjung, heute droht die 35, und dann ist Schluß mit dem „Anfang-Dreißig”-in-die-Tasche-Lügen. Gestern war träumen, heute ist rechnen. Gestern war Job und Feiern, heute ist Rakete. Gestern war die Nacht groß, wenn der Sommer mit ordentlich Bier irgendwo im Freien begossen wurde, inclusive Sternenhimmel, Nacktbaden, In-die-Gitarre-Kotzen. Heute sitze ich abends um halb zehn mit einer Flasche Bier im Flur auf dem Boden, um mich herum Brezenbrösel und Reiswaffelreste, ich staple Duplo-Steine in den ollen Schuhkarton, wissend, daß mir das morgen mindestens fünf Minuten Zeit zum Kaffeemachen bringt; draußen tobt das erlösende Sommergewitter, in der ich gestriges Hippiemädchen noch barfuß getanzt hätte, und trotzdem bin ich jetzt glücklich, trockenen Fußes. So war das gestern, so ist das heute. Und um zehn bin ich heute im Bett. Ich uncoole Sau. Wenn ich das nur gestern schon geglaubt hätte.


18 Näschen reingesteckt bei “Gestern und heute”

  1. Willkommen im Club :-)

    Wobei _ich_ nicht mutig genug wäre, irgendwas öffentlich über meinen zweiten Satz Backen zu sagen…

  2. <°((( ~~< sagt:

    Du geile Sau!

    @Mechatroniker: Hamsterbacken?

  3. textorama sagt:

    Ach was! So ist das eben. Irgendwann wechselt man eben die Seiten – mit oder mitohne Raketen. Da kann man sich sonstwas in die Tasche was behaupten. Ändern tut sich daran nichts.

  4. @ <°((( ~~<:
    Yepp :-)
    Was dachtest du denn?!? :-))

  5. inFemme sagt:

    mord und kind kriegen muss man selbst gemacht haben, wenn man wissen will, wie es ist.
    und bald kommt bestimmt das ecksofa (natürlich nicht wegen dem hintern, sondern wegen der bequemlichkeit bis zum zapfenstreich um 22 uhr). herrlich und schön, dass ihr so glücklich seid.

  6. stilhäschen sagt:

    Tja, Mechatroniker. Gestern trainierte ich meinen Arsch, heute schicke ich ihn morgens zur Arbeit ist Schwerkraft. Darf doch jeder wissen. Immerhin habe ich nichts über Brüste Oberarme gesagt.

    Wertes Goldfischli, jetzt beim Drüberlesen fand ich die eigene Wortwahl etwas harsch. Aber Sie dürfen sowas natürlich sagen.

    Seitenwechsel, texto, genau das. Aber ganz ehrlich? Die Plastikklötze haben mich am meisten geschockt. Rückschritt um 30 Jahre (außer das Bier jetzt).

    Also infemme, das mit dem Ecksofa, och nöö. Erstmal ein Spiegel im Bad, Böden mit Oberflächen und Sockelleisten überall. Und trölfzig andere Baustellen schliessen. Außerdem: je bequemer, desto eher wird da eingeschlafen.

  7. textorama sagt:

    Ich spiel nach wie vor gerne mit Lego ;-)) Nur klaube ich sie mir nicht mehr so gerne aus der Fersenhornhaut.

  8. <°((( ~~< sagt:

    Oh – verdammt! Eine freudsche Fehlleistung epischen Ausmaßes! Völlig falsch! Was hat mich da bloß geritten? Ich liege im Staub am Boden vor dem Stilhasi und flehe um Vergebung… da hätte natürlich stehen sollen „Du coole Sau!”

    Die Hitze, das muss die Hitze sein.

    Oder das Bier.

  9. timanfaya sagt:

    ich habe mit 40 ins heute-lager gewechselt und freue mich jeden tag mehr, dass ich / wir da mit hinblick auf „einschränkung der lebenskwalität” keinen nicht wieder gut zu machenden fehler gemacht habe. wären wir 30 würde da wahrscheinlich noch einen handvoll trolle folgen. also so viele, wie ins auto passen.

    mit anderen worten: scheiß auf gestern! (o;

  10. Bernd B sagt:

    alles zu seiner zeit…

  11. stilhäschen sagt:

    Irgendwo las ich ja mal, texto, daß wahre Schmerzen nur kennt, wer einmal nachts barfuß in einen Legostein getreten ist. Und ich bin froh wie Sau, daß wir noch bei Duplo sind.

    Danke, Du bist ein Goldfisch! Und: weitertrinken. Gerade bei den Temperaturen.

    Klar ist auf gestern geschissen, timanfaya. Aber bevor ich vergesse, wie’s mal war, schreib’ ich’s lieber noch schnell auf. Damit die Rakete in 15 Jahren was gegen mich in der Hand hat – der Gerechtigkeit wegen. Ich sitz’ mit den bislang geschossenen Fotos eh schon ewig am längeren Hebel.

    Genau, Bernd. Und das Bier am besten kalt dabei. Wenigstens eine Konstante.

  12. mq sagt:

    Bei allem Frust sollte man die Erkenntnis berücksichtigen, dass die Situation morgen insgesamt nicht besser wird. (Beruht auf persönlichen empirischen Forschungsergebnissen, nix für ungut.)

  13. dass sie mir aber auch alle illusionen nehmen müssen.

  14. Ich hab ja keine Ahnung, weil meine Stieftocher ist schon sieben, hat heut ein großartiges Fussballspiel im strömenden Regen hingelegt und wir kaufen zusammen im Lottoladen dieses großartige Schleimzeugs, dass es fantastischerweise immer noch gibt – und treiben damit die arme Mutter in den Wahnsinn.

    Aber wenn ich mich recht erinnere, dann muss das doch statt „Aramsamsamgulligulligulliarabi” vielmehr „Aramsamsamaramsamsamgulligulligulligulligulliramsamsamarabiarabigulligulligulligulligulliramsamsam” heißen. Oder lieg ich da etz total falsch?

  15. stilhäschen sagt:

    Danke dafür, mq, daß es mich jetzt schon schaudert. Oder noch. Denn vorgestern war Heute-ich ja noch mehr Feindbild als das von gestern… wie tief man sinken kann in so einem Leben. Nicht nachdenken. Trinken. Prost!

    Tut mir leid, Monique. Aber so schlimm ist es gar nicht, wirklich. Wie gesagt: mir graut vor morgen. Die Legos werden kleiner.

    Das war jetzt aber dezent, Ratze. Endlich weiß ich, warum Du keine Zeit für Biere hast. Recht haste natürlich trotzdem mit dem, haha, Songtext. Früher hatten Songs Texte. Heute sind Kinderlieder.

  16. textorama sagt:

    @Rationalatürmer:
    ja immer wieder beliebt und gehasst gleichermaßen. 5 Stockwerke tiefer im Innenhof des Bürogebäudekomplexes in dem ich meine Tag so verbringe sind diverse Klein- und Kleinstkindergruppen. Und wenn die Kinderanimatörinnen anfangen zu singen, dabei stereotyp ins Falsett fallen, um dem Gesang einkünstlerische Gepräge zu verleihen, dann fallen mir hier die Plomben raus. Ohrwürmer wachsen und gedeihen hier ohne ende. Und wenn auch dieses Gulligullidingensramsamsamgedöhns die Kinderchen immer höchst erfreut, ist es doch für einen adulten Menschen eine schwere Probe.

  17. @ Hasimausi:
    Neinnein, keine Zeit für Biere hab ich ja, weil ich immer bis spätnachts in dem Scheißbüro hock. Was auch lustig sein kann. Neulich hab ich zum Beispiel die CD gehört, die eine Kollegin vom Kinderarzt gekriegt hat, weil ihr Büberl net gscheit kacken kann. Großartige Kinderlieder übers Scheißen sind da drauf!

    @ Texto:
    Immerhin versuchen die Kinder bei dir zu singen. Die vom Jugendzentrum bei mir gegenüber schrein immer nur Sachen wie „Isch tret dir Fresse ein, Moruk!” Da lob ich mir Aramsamsamaramsamsamgulligulligulligulligulliramsamsam.

  18. stilhäschen sagt:

    Und so hat jeder sein Packerl zu tragen Liederl zu ertragen. Hier sind’s ja vorrangig Rammstein, Polentechno, Italoschnulzen und ganz neu: Tschechenschlager. Ich könnt’ kotzen, nur leider nicht weit genug.

    Die CD brauch’ ich dann auch mal, Ratze. Und ein Bier. Und übernächsten Sonntag ist Hofflohmarkt, übrigens!

%d Bloggern gefällt das: