selbstgemacht


„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint” hieß ein großes Stück von Kinderzimmer Productions schon vor mittlerweile zehn Jahren und diese Weisheit wird sicher noch ewig gelten. Und dann gibt es noch den Spruch „Mach’s dir selbst, dann macht’s dir Gott”. Zwischen diesen beiden Polen liegen Welten.
„Selbstgebasteltes” sagt ja eigentlich schon alles. Millionen gelangweilter Hausfrauen tragen das Geld Ihrer Männer in „Ideenmärkte”, wo sie Seidenmalfarben, Glasperlen, Fimo und bemalbare Blumentöpfe (die im Baumarkt ein Zehntel kosten) erhalten, um diese dann streng nach Bastelbuchanleitungen in etwas ganz schrecklich Individuelles zu verwandeln. Das ganze nennen sie dann auch noch allen Ernstes kreativ – was sie natürlich immer und unbedingt mit C schreiben – und sind stolz wie Bolle auf das Familienkutschenheck voller Window-Color-Diddlmäusen und -Kindernamen, die nicht nur optisch an Körperverletzung grenzen. Das sind Frauen, die unter Serviettentechnik nicht Kochen verstehen, sondern das Bekleben von Zigarrenkisten, deretwegen sie wöchentlich im Tabakgeschäft vorstellig werden, geschenkt natürlich nur, und nie ohne vorwurfsvoll die Nase zu rümpfen, wegen des so gesundheitsschädlichen Rauches überall. Verantwortungslos, der Kerl hinterm Tresen. Und dann hat er manchmal nicht mal was für sie.
(Beispiele für derlei Verbrechen am Augenlicht z.B. hier, hier, hier, hier oder hier; das gleiche Zeug von Kindern ist per se schon mal nur halb so häßlich, das ist so, da kann Frau Kitteltier noch so bemitleidenswert sein, stellen Sie sich das mal in zehn Jahren vor, dann haben Sie Grund zur Sorge.)

Im Vergleich zu derlei hirnfrei hergestellten Creativitätsbombenmassen sind die Stücke, bei denen der Einzigartigkeitsfaktor wirklich zu bedauern ist, sehr rar gesät.
Dieses Nationaltrikot, von meinem sechsjährigen Neffen in Ermangelung eines „echten” kurzerhand selbst in die Hand genommen, gehört absolut zu den anbetungswürdigen Stücken. Ich bin begeistert und hoffe, daß dieses Werk niemals im Container landet.


6 Näschen reingesteckt bei “selbstgemacht”

  1. Morticia1 sagt:

    das ist mal ein wirklich jeckes shirt! astrein. der jaques palminger von studio braun hatte auch mal ein schönes hemd. er hatte mit edding „pelzschloss dmoch” raufgekrickelt und darunter sowas ähnliches wie ein pelztierchen gemalt. ich beneidete ihn und versuchte vergeblich, es ihm abzuschwatzen.
    meine schwester hingegen ist kreativ wie eine schweinehälfte. sie hat vorgeschnittene pelzteile für teddys gekauft und zusammengezwirnt. das ist fast so cool wie malen nach zahlen. ach was sag ich, das heißt heute „jeder kann malen!”. supersache!

  2. nilz sagt:

    das shirt ist der absolute oberhammer.

    bei den bastellinks fand ich den superpraktischen stift und zettelhalter am besten. einfach auf eine holzplatte geklebt..das leben kann manchmal so einfach sein..:) und sieht dabei noch SO gut aus!

  3. stilhäschen sagt:

    ja, ich bin auch stolz wie oskar auf den kleinen. seine mutter befürchtet zwar, er könnte sich eines tages dafür schämen, aber dafür hat er schon jetzt meine unterstützung auf lebenszeit. „sei nett zu mir, sonst hol ich meine tante” ist vielleicht eine drohung, die im zeitalter von butterflies und rütli noch ziehen könnte. hoffe ich.

  4. […] Nachtrag: unverkäuflich, aber bewunderbar. […]

  5. […] [Ur-Shirt, Zweitauflage. Und ja, diesmal hab’ ich mir die Rückennummer willentlich bestellt. Der Kerl trägt stur und stoisch eine Scheißfrisur, spielt wie ein Göttchen und ist leicht reizbar. Sympathischer kann ein Fußballer mir gar nicht sein.] […]

  6. […] ein paar Wochen lang noch schlimmere Shirts als ohnehin schon. Das muß nicht sein! Zwar geht das beste Shirt von allen immernoch nicht in Serie, aber eine  Freundin von mir hat ein ebenso Weltklasse-T-Shirt entworfen, […]

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