Tips für werdende Mütter III


Wie jetzt, das soll schon alles gewesen sein letztes Mal?


Pustekuchen! Natürlich kommt noch ein Nachschlag zum Thema Klamotten für die ersten Wochen.
Ich hatte im letzten Teil von maximal fünf Komplettsätzen (Body, Shirt, Strampler), einer Jacke, einer Mütze, einer Decke und einem Schlafsack gesprochen – und die Socken vergessen! Da reichen aber ein, zwei dicke Paare oder die gestrickten Schühchen, die man gerne geschenkt bekommt; das Kind verliert sie eh andauernd, aber sie wärmen das Gewissen. Wenn die Strampler keine Füße dran haben, ist eine Strumpfhose drunter auch nicht verkehrt, jedenfalls in der kalten Jahreszeit.
Jetzt ist natürlich jedes Kind anders, die Eltern sowieso, außer dem Rat „man kann alles noch dann kaufen, wenn es fehlt!” gibt es nichts Allgemeingültiges. Unsere ganz persönlichen Lieblingsklamotten am Anfang waren:
• Ein Body aus Wolle-Seide. Ein Hauch von Öko, der dem Kind angeblich irre hilft, die Temperatur zu regeln. Soll außerdem antibakteriell sein. Kann man glauben; sicher ist: fühlt sich super an! Und bei kleinen Malheurs reicht Ausspülen (bei großen: vorher noch Gallseife). Mit zwei Stück im Wechsel kommt man aus; dann schockt auch der Preis nicht mehr so. Die Rakete trägt ihren 62er noch zwei Größen später! Gibt’s bei Öko-Versendern oder günstig bei dm.
• Die Rakete kam im September. Wir hatten im Kinderwagen einen dicken Schneeanzug für die richtig kalten Tage; drunter, vorher und nachher hat immer eine Sweatjacke mit Kapuze gereicht, eine Winterjacke in 56/62/68 hätte ihr Volumen ja verdreifacht! Plus Mützchen und Decke natürlich. Und Handschuhe! Da kann man aber auch Söckchen nehmen, Hauptsache da friert nix.
• Die ersten sechs Wochen darf man die Fingernägelchen noch nicht schneiden – wachsen tun sie aber wohl! So ein frisches Baby bewegt sich dann auch noch wie ein betrunkener Volltrottel auf Speed ein wenig unkoordiniert, Kratzer bleiben nicht aus. Dünne Baumwollhandschuhe oder dünne Söckchen sind bereits im Krankenhaus ganz nützlich.
• Statt Strampler haben wir der Rakete auch gerne eine weiche Cordlatzhose angezogen; sie hatte so eine Körperspannung, da konnte man sie (nach zwei Monaten oder so) prima am Latz aus und in den Kinderwagen legen. So, und jetzt, Gutmütter aller Länder, steinigt mich!

Apropos Kinderwagen: meine Fresse, das ist schlimmer als Wohnungssuche. Drei oder vier Räder? Kombi oder später Extra-Buggy? Softtasche oder Massivholzkiste? Schwenkbare Vorderräder oder waldwegtauglich? Babyschalenadapter? Klappmaß? Schwenkschieber? Oder doch lieber total natürlich tragen?
Da muß man sich eine Meinung hart erarbeiten und sich ziemlich genau vorstellen können, wie man in Zukunft mobil sein wird (Auto? Zu Fuß? Öffentliche?) Ich hatte mir zwei Modelle in die engere Wahl genommen und unterwegs Mütter mit diesen Wägen nach ihrer Zufriedenheit gefragt. Beide waren so überzeugend, daß auch ich jederzeit einen Werbespot drehen könnte für den unsrigen (Schwenkbare Vorderräder: topwendig in der Stadt, v.a. in öffentlichen Verkehrsmitteln. Softtasche: leicht, praktisch, geräumig – gleichgroße Kinder passten mit vier Monaten schon nicht mehr in die feste Wanne. Höhenverstellbarer Schieber: unverzichtbar bei fast 30cm Größenunterschied der Eltern!) Na gut, fast. Aber es gibt derzeit einfach keinen, der unten Platz für eine Bierkiste hat.
Übrigens: mit Zubehör kann man so einen Wagen ja gerne mal im Wert noch verdoppeln. Das meiste kann aber warten oder ist wirklich überflüssig! Eine Extra-Matratze z.B. hatte die Rakete nicht; ein Schaffell tut’s genauso und macht so einen herrlich ökigen Fuß. Von Kevin und Schackeline kann man sich nicht früh genug distanzieren.

Was es ebenfalls gerne passend zum Kinderwagen gibt, aber auch von anderen Herstellern unbedingt an die Eltern gebracht werden will: die Wickeltasche. Wer eine Wickeltasche braucht, nutzt auch elektrische Parmesanreiben und beleuchtete Pfeffermühlen. Denn mal ehrlich: zum Wickeln außerhalb von Zuhause braucht man eine Windel, einzwei Feuchttücher und vielleicht eine halbwegs hygienische Unterlage, z.B. ein kleines Handtuch oder eine Mullwindel. Seien wir großzügig und nehmen für den Notfall noch einen Ersatzbody, ein Tübchen Wundcreme und zwei Windeln mehr mit – macht immer noch höchstens ein Päckchen vom Volumen einer Packung H-Milch. (Okay, ich gebe zu: Flaschenkinder brauchen vielleicht noch eine Packung H-Milch extra, volumentechnisch gesehen.) Das passt entweder noch mit in den Kinderwagen oder in jede handelsübliche Frauenhandtasche – schließlich fällt jetzt eine Menge anderer Kram weg. „Aber bei der Wickeltasche ist doch diese tolle Unterlage dabei! Da klappt man die Tasche auf und alles ist wasserfest und auf der Seite ist alles so super greifbar in den Fächern!”, kräht natürlich gleich die erste Schickimami und ich antworte: Stimmt, da bin ich auch drauf reingefallen. Aber die Praxis zeigt: die Unterlage ist ruckzuck in der Wäsche und dann muß es doch wieder ein Handtuch tun (und ja, das reicht; man muß auswärts ja nicht unbedingt auf dem Sofa wickeln, wenn es auch abwischbare Flächen gibt) – und griffbereit ist der ganze Kram leider auch fürs Kind. Kauf’ Dir lieber für das Geld eine schöne große Umhängetasche, in die auch alles paßt und vor allem noch alles, wenn das Baby kein Baby mehr ist!
Nur falls mein Ärger bisher noch nicht richtig rübergekommen ist: Wickeltaschen sind der Baby-an-Bord-Aufkleber für Fußgänger. Nur noch überflüssiger. Schließlich ist so ein Nachwuchs ohne fickfoliengetönte Scheiben ja unüberseh-(und -hör-!)-bar.
Und das wichtigste Argument habe ich noch gar nicht gebracht: Wickeltaschen sehen einfach scheiße aus. (Auch wenn man in mühevoller Kleinarbeit die „Baby-Stuff”-Stickerei abpisselt. Will eigentlich jemand meine geschenkt?)

Jetzt habe ich mich schon wieder in Rage geschrieben und immer noch ein Thema übrig: Fleckentfernung. Das kommt das nächste Mal. Und noch was positives. Versprochen!


9 Näschen reingesteckt bei “Tips für werdende Mütter III”

  1. Kisha sagt:

    nicht nur das Du sowas von recht hast (endlich mal jemand meiner meinug was so alles nötig und unötig is) musste das mal gesagt werden…

    …der Aspekt das es heute so ziemlich jeden Rotz fürs Kind zu kaufen gibt… man (frau) fällt am anfang auch noch darauf rein (ja auch ich muss mich bekenen, schande über mein haupt..)sondern man hat auch immer das gefühl wenn man nicht jedesa Buch gelesen, jeden übermutterschei… mitgemacht hat sollte man sich schuldig fühlen… natürlich verwöhnen auch wir unsere Elfe aber mal ehrlich…Kinder sind auch vor 80 Jahren mit weniger großgeworden…und jedem seine eigene weltsicht

  2. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von claudine erwähnt. claudine sagte: „Wer eine Wickeltasche braucht, nutzt auch elektrische Parmesanreiben und beleuchtete Pfeffermühlen.“ http://tinyurl.com/26exwjn […]

  3. der junge Papa sagt:

    Babyausrüstung die man nicht braucht:

    Fläschchensterilisator:
    Für Eltern, die zu doof sind Wasser heiß zu machen.

    Thermabags für Fläschchen:
    Sinnlos, weil der Inhalt der Flasche sowiso immer zu heiß oder zu kalt ist. Gibts auch in Neopren, kann man sich dann an den Taucheranzug hängen, für den Fall, das man mit dem Zwerg tauchen geht.

    Luftbefeuchter:
    so muss man nicht mehr das Kinderzimmer lüften, dafür muss man dann das Teil immer auffüllen und reinigen.

    Digitale Wetterstation: Als ob man das Wetter und den Luftdruck beeinflussen könnte

    Windeleimer:
    Am besten noch mit Vakuumschleuse. Die Nachfüllpatronen kosten ein Vermögen. 5l Mülltüten die dann mit Inhalt zugeknotet werden und in den normalen Hausmüll wandern tuns auch. Das ist sogar noch gesünder für Kind.

  4. stilhäschen sagt:

    Da ist ordentlich Wahres dran, kisha: das mütterliche Schuldgefühl ist unabschüttelbar. Ich wünsche mir heute noch häufiger als früher, ein bißchen blöder zu sein und mir nicht so viele Gedanken machen zu müssen. (Aktuelles Beispiel: Beikost. Da hält man sich penibel dran, wöchentlich nur eine Zutat neu einzuführen, achtet auf Bio und gluten-, salz- und zuckerfrei, liest hier und da und wird schlau wie Bolle – und die Nachbarin füttert Leberwurstbrot und Gläschen ab dem 8.Monat und der Kleine lacht auch. Ich warte immernoch auf die elterliche Gelassenheit. Die haben sie hier vergessen mitzuliefern.)

    Danke, junger Papa, für die sinnvollen Ergänzungen! Mit fast allem gehe ich konform, außer: wir haben so einen ultrabilligen Sterilisator, der ist mir einfach lieber als der Kochtopf, denn da schmurgelt nix ein, wenn ich ihn vergesse. Und das kommt oft vor.
    Und warum gehst Du mit Deinem Zwerg nicht tauchen? :-) Aus der Neoprenserie gibt es allerdings auch Lätzchen, und die sind die Wucht in Dosen (für uns). Saugstark und undurchnäßbar, unentbehrlich fürs Trinkenlernen.

  5. nib sagt:

    nochn Tipp für gewordene Mütter:
    Kuhstall vs. Desensibilisierung ^^

  6. nib sagt:

    .. und Werdenden empfehle ich auch, öfters mal die Milch selber zu melken, is gut für’s Kind!

  7. Wickeltasche? Ich/Wir haben sogar einen Wickelrucksack.

    Benutze ich seit knapp acht Jahren mit vollster Zufriedenheit als ständig vorgepackten Unterwegs-Kleiderschrank (etc.) für Minimadame und meine eigenen Sachen. Beim Kauf hörte das Ding von Tatonka auf den Namen Baby Break (oder so). Für vergessliche Eltern ist so eine Mischung aus halber Wohnung, Kleiderschrank, Apotheke, unerschöpflicher Taschentüchervorrat und Kopfkissen empfehlenswert.

    Die mit gelieferte Unterlage ist ein prima Papasitz am Spielplatz im Winter :)

  8. stilhäschen sagt:

    Prima Link, nib, danke! Ab jetzt sehe ich die Hundescheiße vorm Haus mit ganz anderen Augen – als Misthaufen und Allergieprävention. Jeeha!

    Und Ihr habt keine elektrische Pfeffermühle, Markus?! :-)
    Klar ist so ein vorgepacktes Allroundset praktisch, dagegen sage ich ja gar nichts. Ich verstehe nur nicht, warum es ab Fabrik das Wickel-Präfix (und meist eben auch noch irgendein Bärchen) tragen muß…

  9. […] du volle Windel! Die letzte Folge ist ja schon wieder ein Vierteljahr her! Nicht daß ich ernsthaft glaubte, da wartete noch wer auf […]

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