Der Hohlbirnen Sternstunden


Hab’ ich mich schon mal ausgelassen über die Bekloppten in öffentlichen Verkehrsmitteln? Die, die Ferngespräche nur pro forma übers Handy führen und eigentlich direkt bis Griechenland brüllen. Die Mütterchen, die meinen mir erklären zu müssen, daß ich den Kinderwagen zu stark schuckele („Dem Kind wird doch schlecht!” – „Was soll es denn kotzen, ich geb’ ihm doch nie was zu essen!”). Motorisch vollkommen intakte Menschen nehmen den Aufzug und weigern sich, ein bißchen zusammenzurutschen, damit der Wagen noch mit kann – unten am Gleis können sie dann rekordverdächtig schnell rennen und sich „Aufrutschen!”-brüllend noch in die U-Bahn quetschen. Die jugendlichen Schwerhörigen, die das Geschepper aus dem Handy für Musik halten. Und all ihre Kollegen. Schlimm sind die.

Aber die gibt es ja eigentlich das ganze Jahr über, das ist meist zu ertragen. Nur wird’s eben vor Weihnachten besonders heftig, da nimmt das wirklich überhand, da kriechen sie aus ihren Löchern (ich weiß jetzt nicht, ob das historisch belegt ist, aber angeblich soll ja seinerzeit der Strauß auf einer Rede in Wackersdorf vor lauter AKW-Demonstranten vom „Stein, den da jemand umgedreht habe” geredet haben. Falscher Mann, richtige Worte. Aber in der Oberpfalz ist das ja permanent zutreffend.) und stürmen geballt die Innenstadt, da gibt es kein Entrinnen mehr, da sollte man seine Einkäufe am besten vor September bereits fürs Restjahr erledigt haben und gemütlich zuhause bleiben bei Dörrfleisch und Bundeswehrkeksen.

Hab’ ich irgendwie vergessen dieses Jahr. Und dann darf ich ja heuer leider nicht genug Glühwein trinken, daß mir diese Synapsenwracks nichts mehr ausmachen. Aber ich summe derweil eisern weiter mein allerliebstes Weihnachtslied vor mich hin, komme was wolle.

Und wenn das dann diesmal endlich hinhaut, dann aber, Ihr Volltrottel, dann beißt Euch nächstes Jahr nicht nur die Rakete ins Knie! (Welchen Fahrschein braucht ein Nilpferd eigentlich?)


5 Näschen reingesteckt bei “Der Hohlbirnen Sternstunden”

  1. Wunderschön, das Lied!
    Wegen dem Fahrschein: das dürfte aufs aufs Bundesland ankommen. Aus den USA ist beispielsweise bekannt, dass ein Elefant an der Parkuhr wie ein Auto zu bewerten ist.

    Ich hoffe, zu dem Pferdi kommt dann auch ein Sonnencreme-Abo, denn wenn kein Nil mit ordentlich Matsch da ist (und sowas hab ich bislang noch nicht in Franken gesehen), dann kriegt das Tierchen leicht Sonnenbrand. So weiß ich zumindest aus den verschiedenen Zoosendungen im Fernsehen.
    Ein Salatkopfabo würde sich zwecks Raubtierfütterung gleich mit empfehlen.

    Besinnliche Weihnacht euch,
    viele Grüße,
    der Mechatroniker

  2. Eckart sagt:

    dann wünsche ich viel Glück mit dem Nilpferd und ein schönes erstes Weihnachtsfest mit Rakete!

  3. mq sagt:

    Mit einer Mischung aus Hass und Bewunderung bestaune ich alljährlich jene Zeitgenossen, die unerschütterlich die Auffassung vertreten, dass zur Hauptverkehrszeit in der U-Bahn noch Platz für einen 2,5m großen Weihnachtsbaum sein muss.

  4. Bei dem Lied hab ich nach wenigen Sekunden abbrechen müssen, weil sowas pack ich dann doch irgendwie net. Und auch das mit der Oberpfalz hab ich jetzt einfach mal lieber überlesen.

    Aber sonst: Sehr schöner Grant, das muss ich jetzt schon sagen. Genau sowas will man doch lesen in der staden Zeit und sich drüber freuen, dass man offensichtlich doch nicht ganz allein ist mit all der rechtschaffenen Mordlust, die einen so befällt inmitten von Glühweinkotze und Geschenkrotze.

    Danke Stilhäschen. Von Herzen. Und falls wir uns vorm großen Donnerwetter nimmer hören sollten: Eine geruhsame Weihnacht.

  5. stilhäschen sagt:

    Ein bißchen, mq, hatte ich Angst, der Satz endet mit „einen verdammten gepanzerten Kinder-Hummer sein muss”. Aber andererseits, auch damit hättest Du recht gehabt. Vielleicht sollte man das nächste Mal einfach ein Autogramm verlangen.

    Und Ratze, Eckart, Mechatroniker: Und Euch erst. Hoch die Tassen!

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