Der Wöchnerinnen-Report, Teil 1


Heute Gestern Vorvorgestern vor zwei Wochen kam sie also und wären dazwischen nicht Berge von Dreckwäsche, die ersten zu knappen Unterziehbodys, säckeweise volle Windeln und Trillionen von Hebammenbesuchen gewesen – ich könnte schwören, es waren nur ein paar Stunden. Zeitweise anstrengende Stunden, aber eben: als wäre es gestern gewesen.

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Nein, ich werde hier keinen Geburtsbericht posten, nur so viel: Wehen heißen nicht umsonst so. Und: sicher, eine Viereinhalbstundengeburt ist wahrscheinlich nicht besonders bedauernswert – aber die Nächste, die dazu „toll, sei froh, bei mir war’s viel schlimmer” sagt, bekommt den Sessel weggezogen. Jedenfalls: vier Stunden mächtige Schmerzen werden nicht besser, wenn man die ganze Zeit glaubt, das ginge jetzt noch mindestens 12 Stunden so. Immerhin kam nach der Geburt die Hebamme, die mich davor ständig auf Station schicken wollte („Ich besorg’ Ihnen dann mal ein Bett” – „Also ich weiß ja nicht, ich finde das hier schon ziemlich heftig, an schlafen ist nicht zu denken, ich stöhn’ Ihnen da oben nur die Bude wach!”), noch mal zu uns und meinte „hm, daß das so schnell geht bei Ihnen, hätte ich ja wirklich nicht gedacht”. Tatsächlich? Genau so kam’s auch rüber.

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Und nein, am Wahlergebnis waren wir nicht schuld, jedenfalls nicht als Nichtwähler, noch mit Bauch habe ich die Briefwahlunterlagen geholt und gefragt, ob der als wichtiger Verhinderungsgrund gelte. Der Beamte hatte genickt und entgegnet, den Grund müsse man jetzt ja eh nicht mehr angeben. Ach so, ob ich das Kissen jetzt wieder rausnehmen könne? Und da mußte er doch lächeln.
Trotzdem habe ich selten so wenig Interesse am Wahlausgang gehabt – hey, da liegt jetzt jemand auf mir und dem Sofa, und die ist spannender als jedes Fernsehen. Ist Politikverdrossenheit am Ende ein Hormon?

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Ich wage ja zu behaupten, daß die häufigsten Flecken auf Stillkinderklamotten nicht etwa von Milch, Pipi oder Kacke kommen – sondern vom Essen der Eltern, das zwangsweise auf dem Weg zum Mund herunterfällt, wenn so ein Zwerg auf dem Schoß liegend randaliert. Und irgendwann muß man ja selbst auch mal futtern, damit füttern wieder geht.
Überhaupt: Flecken! Ein bislang komplett ignoriertes Thema im Häschenhaus, jetzt Neueinsteiger, von null auf Platz drei, über Nacht. Tinte auf Bettlaken, roter Strampler in der Weißwäsche, Muttermilch auf Designersesseln, Blut auf Duschvorhängen – ich entdecke ein ganzes neues Regal im Drogeriemarkt. Dafür interessiert jetzt Shampoo nicht mehr die Bohne; Muttermilch ist immernoch das beste für Ihr KindHaar.

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so geht Ruhe

Ach, und: Durchschlafen wird überschätzt. Wir halten es jetzt wie mit dem gesünderen Essen: viele kleine Portionen statt einer großen.


5 Näschen reingesteckt bei “Der Wöchnerinnen-Report, Teil 1”

  1. Warum wundert mich das jetzt eigentlich nicht, dass das Stilhäschen tapfer stillt?! :-)

    Das Fleckenentstehungsverhältnis wird sich noch verschieben, soviel kann ich schon vorweg nehmen. Wobei: Tinte auf Bettlaken hatten wir jetzt noch nicht. Filzstift auf Holztisch ist in dem Alter hoffentlich auch noch kein Problem. Oder war da die Kleine gar nicht dran schuld?!?

    SCNR und Glückauf,
    der Mechatroniker.

  2. stilhäschen sagt:

    Lieber mechatroniker,

    vor ein paar Wochen hätte ich mich über das „tapfer” noch gewundert. Jetzt ist einiges klarer. Könnten die ganzen Ratgeberbücher ihr euphemistisches „zu Beginn kann das Stillen etwas unangenehm sein” bitte mal klarstellen? Zerbeissen möchte man sie, die ganzen Schreiberlinge.
    Da sind die Flecken echt Kinderkram gegen.

  3. creezy sagt:

    Das klingt doch alles sehr gesund nach nur zwei Wochen Welt aus den Angeln gehoben, darf Rakete bleiben oder wird sie doch noch ein Fall für die Babyklappe bei dem Schlafraub?

    Na falls Ihr Euch doch für behalten entschieden habt, ruhig öfter mal mit der ollen Klappe drohen, hilft bestimmt!

  4. zoee sagt:

    shampoo wird sowieso total überschätzt. ein kurzhaarschnitt hilft über die erste zeit sehr gut hinweg. spart auch haargummis.

  5. textorama sagt:

    Kurzhaarschnitt. Ist nicht nur praktisch sondern auch praktisch. auch wenn die Rakete anfängt zuzupacken ;o))

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