Ich muß sehr böse gewesen sein. Ich weiß immer noch nicht, wann ich wem was angetan habe, aber die Strafe, das merke ich täglich, ist fürchterlich.
Handyvertrag, Telefon, DSL, technische Geräte – man vergißt ja so leicht, wieviel da kaputtgehen kann, wie verwinkelt ein vor Äonen abgeschlossenes Vertragswerk (Hey, seit elf Jahren die Handynummer nicht gewechselt, sticht! Größte Konstante meines Lebens, wenn man’s so sieht.) werden kann („äh, ich arbeite hier seit nulldrei, aber diesen Tarif habe ich noch nie gesehen”) und was so ein Firmware-Update für einen Schaden anrichten kann („nein, rückgängig machen können Sie das nicht, und die Version, die Sie vorher draufhatten, darf ich Ihnen nicht geben”).
Ich hatte in den letzten Tagen viel mit Support-Centern und Kundendiensten zu tun und ich weiß: Teufel, dein Name ist Hotline.
Das fängt ja schon mit der Warteschleifenmusik an. Bedauerlicherweise kämpft auch der Möhrchenprinz derzeit mit dem Telefonhörer gegen ein Kommunikations-Unternehmen, das so offensichtlich intern eben jene nicht beherrscht („Was soll Ihnen mein Kollege versprochen haben? Haha, das ist ja lustig. Geben Sie zu, das haben Sie sich eben ausgedacht. Das können wir doch gar nicht. Glaub’ ich.”), daß man sich sehr wundern könnte, ließe einem die Wut Elan dafür. Dort wird in Endlosschleife knisternde Fahrstuhlmusik geträllert. Anfangs schwoofte er dazu noch beschwingt durch den Raum („Hey, andere zahlen für sowas Geld! Ach, ich ja auch.”), mittlerweile reichen drei Töne aus dem Werk, und er geht an die Decke. Dummerweise übt das Kind von drunter derzeit ähnliche Sentenzen auf der Klarinette. Hausfrieden geht anders, aber hallo.
Ganz anders auch das, was bei 1&1 da derzeit in der Warteschleife läuft. Muß ein humoriger Programmchef sein, hat der Musikgott doch tatsächlich Ulla Meinecke ausgegraben, und die singt „Ich schreib dir was [hier kurz weghören, verdirbt den Sinn] und es kommt niemals an”. Genau das. Einsicht, Besserung oder nur kruder Spaß? Es wird nicht mein letzter Anruf dort gewesen sein.
Jedenfalls bin ich ein bißchen begeistert, direkt angefixt und midestens fünfzehn Jahre jünger. Ein Schritt vor und zwei zurück – sieht so aus, als ob ich den Rest des Tages bei last.fm verbringen muß. Am Ende gibt’s da auch Ambrosreiserdanzerpurpleschulz?
Hach! Wer braucht schon einen Telefonanschluß, solange das Internet noch geht?



jiha, schon wieder ich. Ja, die Telefonie, nichts was Leiden schafft wie die. Es hilft: kündigen. Peng, bekommt man die tollsten Angebote. Was die 11 Jahre Handlichnummernichtwechseln angeht: da halte ich mit. Sogar noch beim selbem Anbieter. Ha. Top! Ende der Kündigungsverhandlungen: Ich bleibe, telefoniere aber ein gutes halbes Jahr kostenfrei. Jeder Wechsel wäre da teurer geworden. Und wenn die Frist abläuft wird wieder gekündigt, hihi, ich freu mich schon drauf. bei Zusammenlegung von Haushalten wird es richtig lustig wenn man auf einmal zwei unterschiedliche Anbieter unter ein Dach bekommen muss. viel Erfolg.
Der Trick mit dem Kündigen, ständig, immer und unaufhörlich, ist mir geläufig. Anders kommt man ja zu nix.
Aber alleine das Procedere, mit dem die Anbieter das Verbot, den Kunden anzurufen, umgehen (Kündigung online, endloser Fragebogen („aber warum denn?”), Mitteilung Kündigungscode. Kunde muß Hotline anrufen, wird erneut gefragt „aber warum denn?”, erhält Gegenangebote und nach gefühlten vier Stunden „ich kündige trotzdem, bimbam!” schließlich das Versprechen, per Mail ein Formular zu erhalten. Dieses muß er ausdrucken, unterschreiben und zurückFAXen. Medienkompetenz, yeah.), alleine das stimmt mich schon ungemütlich.
Bisweilen tun mir die Hotliner sogar leid.
boah, ne, da hätt ich auch kein Bock drauf, dahabenSerecht. Vielleicht hatte ich einfach Glück: Kündigung schreiben, Faxen, Anruf von Telekommunikateur und Honig ums Maul bekommen, super Konditionen, Feierabend.
So leicht? Hier sprießt Neid. Aber hey: der Telekommunikateur darf Sie gar nicht anrufen. Sagen Sie ihm das das nächste Mal doch einfach, vielleicht wird ein ganzes Jahr Umsonsttelefonieren draus.
Es gibt übrigens ein Lied, das nur für Telefonanlagen konzipiert und komponiert wurde. „Ich bin die Warteschleife”, ich komm nur um’s verrecken nicht mehr drauf, wo ich die mal gehört habe. Aber Google ist bekanntlich mein Freund: http://www.lyricstime.com/the-beez-die-warteschleife-lyrics.html – da gibt’s den Text.
Kommt hin, Jörn. Macht’s nur auch nicht leichter.
Sie haben mein Mitgefühl. Mit Servicecentern und Hotlines eines Kommunikationsunternehmens schlug ich mich erst jetzt wieder 3 Wochen herum. Erstaunlich kurz, ich hatte auch schon 3 1/2 Monate und *trommelwirbel* 1 Jahr (man glaubt nicht, welche Probleme die Kündigung eines simplen Telefonanschlusses – ohne Internet und Tralala – nach sich ziehen kann). Dabei lernte ich eins: Weiter kommt man nur, wenn man in den Hörer blökt. Quasi wutschnaubender Monolog (aber ohne persönliche Beleidigungen). Bei technischen Störungen (war das letzte Problem) empfehle ich, sich nicht mehr mit Hotlinemenschen herumzuschlagen, sondern lautstark nach einem fähigen Menschen (Techniker) zu verlangen. Mit einer (schriftlichen) Androhung der Kündigung (nach Setzen einer Frist) kann man dem Ganzen noch Nachdruck verleihen. Tärää, ich wurde plötzlich 3x zurückgerufen. Am Wochenende schlug gar ein Techniker auf. Problem behoben… es könnte so einfach sein….