12 | 2017

Sprungchance Schule

21.12.2017

DISCLAIMER: Ja, das hier ist öffentlich – aber ein privates Blog, nix mit journalistischem Anspruch. Was ich schreibe, gibt meine ganz persönliche Sicht der Dinge wieder und ist kein neutraler Bericht.
Wenn jemand die Welt anders siehst als ich, ist das nicht schlimm. Vielleicht habe ich auch einen Aspekt übersehen? Dann tritt bitte in Kontakt. Fruchtbare Diskussionen entwickeln sich nur, wenn man auch seine Sicht der Dinge sagt. Als Kommentar, in einer Mail oder persönlich.
Du möchtest etwas genauer wissen, z.B. über welchen Laden ich schreibe? Dann frag mich. Ich unterhalte mich gerne.
Gerade, wenn man bereits mehr über mich weiß, als ich hier je preisgegeben habe, sollte das doch kein Problem sein.

Das hier ist zwar im Internet, aber wir beide sind Menschen.
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Es hört nicht auf, es bleibt hier wohl das letzte Thema, das dieses Blog am Leben hält: Schule.
Rakete geht jetzt in die 3. Klasse der Nachbarsprengel-Schule, Risiko ist nächsten Herbst dran. Unsere persönliche Vorgeschichte hier.

Gerade weil wir mit Rakete gesehen haben, wie es an der Sprengelschule abgehen kann, versuchen wir ein weiteres Mal, die Aufnahme an der kirchlichen Privatschule zu erreichen, damit Risiko etwas mehr „unter seinesgleichen” lernen kann. Ich bin ein Riesenfan von Diversität, aber das ist geschrieben um so viel einfacher als in echt! Vor allem gibt es die nämlich nicht. Nicht an der Sprengelschule, wo die einen nahezu unter sich bleiben – und an der Privatschule sowieso nicht, da bleiben die anderen unter ihresgleichen.
Constanze von Bullion nennt es in einem sehr lesenswerten Artikel, der auch in der aktuellen SZ Familie abgedruckt ist, sogar „Bildungs-Apartheid”. Krasser Ausdruck, aber genau so ist das echte Leben.

Und das ist nicht nur in Berlin so, in mittlerweilen sieben Jahren Krippe/Kindergarten/Schule/Hort in Nürnberg habe ich deutlich gesehen:
1. Die Kinder, die auf Privatschulen gehen, fehlen bitterlich in der Regelschule. Trotzdem darf ich es Eltern nicht krummnehmen, wenn sie für ihr Kind eine andere Vorstellung von Schule leben wollen. Das fällt mir scheißschwer, es ist einfacher, die Privatschuleltern zu verurteilen, als unsozial und elitär abzustempeln.
Aber ich möchte ihnen etwas zurufen, eintrichtern, hineinreiben in ihr behütetes Fahrradhelmfamilienleben: „Hey, Ihr gutmenschelnden Finkideltern, die ihr schön darauf achtet, daß die Kinderbücher politisch korrekt sind und Hassan am Spielplatz mitspielen darf und zu Weihnachten etwas ans Flüchtlingsheim gespendet wird – verdammt noch mal, geht doch mal raus aus Eurer Blase, LEBT mit den anderen, MIT ihnen, nicht daneben und darüber!”

2. Und gleichzeitig sehe ich Kinder, die in kaputten Familien aufwachsen, denen Geld oder Liebe oder beides fehlt, deren Eltern Bildung egal ist – und dabei blutet mein Herz. Denn wenn die nicht wahnsinnig Glück haben und sie jemand unter die Fittiche nimmt (ein besonders engagiertes Hortteam z.B. ), dann ist deren Zukunft vorprogrammiert. Wenn vom Elternhaus nichts kommt und die staatlichen und städtischen Hilfen nicht ausreichen (und das ist die Regel), dann ist da nichts mit sozialem Aufstieg. Chancengleichheit am Arsch.

Hallo, Dilemma! Wir sitzen zwischen den Stühlen. Auch mir ist mein Kind etwas wichtiger als das des Nachbarn. Und deshalb will ich ihm möglichst lange ersparen, im Schulhof verprügelt zu werden, bloß weil es bei uns nicht das Prügeln gelernt hat. Denn so deutlich in der Unterzahl, wie „Familien wie wir” hier an der Sprengelschule sind, können wir dort leider kaum etwas am System ändern. Und so bleibt uns nur, die Ungerechtigkeit aufrechtzuerhalten – oder im Falle der Nichtaufnahme an der privaten Schule: ein weiteres Mal durchhalten. Und die Kinder stärken, stärken, stärken.
Ich wünschte, es gäbe einen dritten Weg: das echte Miteinander.


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