2 | 2017

denkbar ungünstig: als Perfektionistin* Mutter werden

16.2.2017

Ich bin halt so.

Könnte ich sagen. Ich bin so eine, die will manche Sachen komplett haben. Es ist nicht so, daß es mich beruhigt, wenn ich alle Graziela-Preiser-Stoffe seit 1974 (natürlich die originalen!) zuschnittbereit im Regal liegen habe. Es beUNRUHIGT MICH NUR MASSLOS, WENN NICHT, VERDAMMTE KACKAXT NOCHMAL!!!111!!!

Neee, das war jetzt ein erfundenes Beispiel. DAS ist mir tatsächlich nicht mal sooo wichtig. (Wer zwischen den Zeilen lesen kann, kann zwischen den Zeilen lesen).

Aber leider stimmt es: ich werde unruhig, wenn manche Dinge nicht komplett sind. Sockenpaare nach dem Waschen zum Beispiel (ein Grund, warum ich lange aus Prinzip verschiedene Socken trug). Die Kiste mit den guten, teuren Buntstiften. Die Tupper-Schüsseln und die Deckel dazu. You name it. War schon immer so. Ich wache mitten in der Nacht auf und frage mich: „Habe ich letzte Woche bei der Grillparty nicht das Salatbesteck vergessen wieder mitzunehmen?” – und zack, bin ich wach und würde am liebsten hinfahren und die Gastgeber rausklingeln.
Das allein ist ja schon scheiße genug und macht das Leben unnötig schwer. Bestimmt gibt es dafür ein schickes Fremdwort (Komplettomane?) und selbsternannte Coaches, die sich von ihren Beratungsentgelten goldene Pommesgabeln kaufen, aber jeden zwölften Cent an ein Projekt für vom Klimawandel betroffene Inuit-Kinder spenden. Egal. Ich persönlich find’s für mich halt einfach scheiße.

Aber jetzt krieg dazu noch Kinder…

(Symbolbild. Stellen Sie sich weitere Symbolbilder vor: einzelne – wenn überhaupt – Kinderhandschuhe. Garderobenhaken ohne Mützen und/oder Schal. Fertige Puzzles mit je einem Loch. Mehr Playmobil. Schlimmer: LEGO! GESELLSCHAFTSSPIELE, MIT WÜRFELN UND KARTEN UND FIGUREN – BZW. EBEN OHNE!!!11! ICH ECHAUFFIERE MICH!!!)

Es ist ein harter Job, aber eine muß ihn ja machen. Ich bin halt so.

Könnte ich sagen. Nach sieben Jahren krankhaftem Schlamperkisten-Durchwühlen und Memory-Mindmapping („wo hast du die Mütze/den Fahrradhelm/das Sandspielzeug/das Lieblingsbuch zuletzt gesehen?”) frage ich mich aber langsam doch: warum eigentlich? Und vor allem: bloß weil ich so bin, muss ich denn auch so bleiben? Mein Leben wäre einfacher, müsste ich mir nicht täglich meinen Mund fusselig fragen nach vergessenen Sachen. Vermutlich wären auch meine Kinder mental gesünder ohne diese ermüdenden Fragespielchen und mitternächtliche Kinderzimmer-Durchsuchungen.
(Einzelne Rest-Teile ansehen müssen ist das eine. Sie zwanghaft aufheben zu müssen das andere. Denn das allerschlimmste ist ja: das fehlende Teil irgendwann finden und dann habe ich den ganzen ganzen Rest einfach schon weggeworfen. Waaah!)
Ach, wie gerne wäre ich cool und zuckte nur mit den Schultern, wenn wieder etwas fehlte. Ach was, am liebsten würde ich das gar nicht bemerken.

* Und hier komme ich in einem grooooßen Bogen zur Überschrift, die schlimmer klingt, als es ist. Perfektionismus relativ. Daß ich deswegen andere Sachen schlicht nicht machen kann, dürfte klar sein. Ich kann zum Beispiel Schmutz und Dreck übersehen, daß es eine Freude ist. Da bin ich sogar über-perfekt drin. Ich kann so unglaublich gut nicht-bügeln, dreckige-Töpfe-stapeln, Balkon-vermüllen, Pflanzen-vertrocknen, staubsaugen-vergessen… aber wehe, die Hose von einem Schlafanzug fehlt!
Warum also stört mich das eine null, während mich das andere nächtelang wach hält?

Vermutlich ist es einfach eine Art Kopfyoga oder autogenes Training. Das nächste Mal, wenn ich bemerke, daß die Brotbox/der Regenschirm/das lebenswichtige Dinosaurierbuch fehlt, erinnere ich mich einfach an Frozen und schmettere Elsas Lied. Auf Englisch, denn das erklärt alles viel besser: frei bin ich erst, wenn ich ordentlich geletted gone habe.
Kinder, verschmeißt euren Kram, wo ihr nur könnt. Mama ist endlich frei.


Fünferfetzen

4.2.2017

Risiko ist jetzt fünf und natürlich stolz wie Bolle. Es gab eine Party und jede Menge Geschenke – Playmobil, Lego, Kartenspiele. Glücklich lag er abends im Bett und ließ den Tag Revue passieren. „Und, was war das schönste Geschenk?” Wie aus der Pistole geschossen kam: „Der Tesafilm!”.
Es ist nicht unser erstes Kind, das mit einem eigenen Tischspender und ein paar Rollen Vorrat so glücklich ist. Wenn Sie also ein Geschenk für ein Kind in diesem Alter brauchen, denken Sie an diesen Tip.

Ach, und: Sollten Sie demnächst einen kleinen Jungen mit einem Tritthocker in der Hand alleine auf der Straße sehen: könnte sein, daß er nur alleine einkaufen gehen möchte. Den Hocker braucht er halt, um danach wieder zuhause klingeln zu können.


Wieviel Arbeit ist der Elternalltag?

2.2.2017

Vermutlich die echte Grippe hat mich zehn Tage komplett ausfallen lassen – ich lag fiebrig im Bett, wollte nix essen, meine Konzentration war komplett damit erschöpft, die schmerzstillenden Medikamente rechtzeitig zu nehmen. Ich habe jetzt auch keine große Pflege gebraucht, ich war einfach irgendwie nicht da. Zehn volle Tage.

In diesen zehn Tagen war mein Mann quasi alleinerziehend*, hat alles ohne mich gemacht (und ja, selbstverständlich selbstverständlich!): Kinder wecken, rechtzeitig in Schule schicken/Kindergarten bringen, Kinder wieder in Empfang nehmen, Essen machen, ins Bett bringen. Dazu noch jedes Kind einmal zum Turnen bringen/schicken, eine Musikstunde, und als Bonus war noch ein Kindergeburtstag abzufeiern (für den ich aber schon alles vorbereitet hatte). Beide Kinder sind übrigens von 8-16 Uhr „fremdbetreut” – man sollte also meinen, die Familienzeit ist schon weitestgehend minimiert…

Normalerweise teilen wir diese Aufgaben (irgendwie, jedenfalls bleibt normalerweise nicht alles an einem hängen). Und der Mann ist wirklich kein Jammerer, er schafft meist locker mehr als ich, bevor er sich etwas anmerken lässt. Das nur zum Unterstreichen dieser Aussage auf meine Frage, wie er diese Woche so fand:
„Das kann man schon alles alleine schaffen. Man kann halt nicht voll arbeiten. Und darf ausser der Küche nix aufräumen wollen.”

Dieser Satz beruhigt mich auf eine bestimmte Weise sehr. Ich glaube nämlich meist, ich müsse nebenher viel mehr schaffen, müsste eine noch bessere Mutter sein, müsste geduldiger sein und die Wohnung sauberer, vom Job fange ich gar nicht erst an. Dieser Satz meines Mannes zeigt mir: dieses Elternleben, der pure Alltag, ist verdammt viel Arbeit. Auch zu zweit. Und, hell yeah, er zeigt auch: mein Mann erkennt das, auch an. Dafür müsste ich ihn schon hochleben lassen, wenn ich mir da andere Beziehungen so ansehe.

*Am Schluß kommt trotzdem keine Lösung. Nur die Erkenntnis: zu zweit ist das viel eher machbar. Mein allergrößter Respekt für echte Alleinerziehende!


%d Bloggern gefällt das: