8 | 2015

Scham, los! Hilf, los!

27.8.2015

Ach scheiße, was ist in diesem Land los? Wo Dummheit und Angst zusammenkommen, schießt Gewalt aus dem Boden und die Kanzlerin schweigt dazu. Ich könnte kotzen.

Ich schäme mich, weil das meine Landsleute sind, die da besoffen und bewaffnet in Asylbewerberunterkünfte eindringen, die Parolen skandieren und Turnhallen anzünden.

In unserem Kindergarten hängt ein Zettel, was im neu hergezauberten Asylbewerberheim gebraucht wird: Kinderwägen, Babyschalen, Babybadewannen. Ich hole den alten Buggy aus dem Keller, mache ihn halbwegs sauber und flicke ein Löchlein.

Ich schäme mich, weil er eigentlich am Ende ist und ich doch eigentlich auch einen neuen kaufen könnte. Ich packe ein paar unbenutzte Stofftiere in eine Tasche und habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nur helfe mit Sachen, die mir nicht wehtun, die ich eh nicht mehr brauche.
Ich erinnere mich, irgendwo gelesen zu haben, daß Zahnbürsten immer gebraucht werden. Ich kaufe ein paar Doppelpacks für Erwachsene und welche für Kinder, dazu Zahncreme. Und Gummibärchen und Kekse, damit sich das Putzen auch lohnt.
Ich bringe alles in der neuen Unterkunft ein paar Straßen weiter vorbei und erkundige mich, wie ich wirklich helfen kann.

Buggy und Tüte und gebrauchte Klamotten, das sind doch nur Tropfen auf den heißen Stein und überhaupt das Mindeste, was jemand tun sollte, der so privilegiert ist wie ich – gesund, versorgt, aufgefangen. Umso schlimmer, daß schon das so viele nicht auf die Reihe kriegen.

So viele Gründe, sich zu schämen.
Daß ich mal kurz den Arsch hochgekriegt habe, macht die Scham nicht kleiner. Aber schon einmal ein kleines bißchen besser zu ertragen. Jetzt nur dranbleiben…


Der große Bereit-für-Kinder?-Test

15.8.2015

Sehen immer so idyllisch aus, die Pärchen mit Kinderwagen, ne? Die strahlenden Mütter, die stolzen Väter, eisverschmierte Grinsekinder an den Händen, hüpfend im Park, sich gegenseitig Toffifee in die Münder werfend. Da kann man als Kinderloser schon neidisch werden und sich fragen, ob das dritte Cabrio wirklich die Leere füllt…

Pssst, ich verrat’ Euch was: das soll man auch. Das Fragen. Die Strahleeltern machen das nämlich extra – Werbung für Kinder. Renten sicher machen und so. Und ausserdem wollen die nicht alleine sein mit den anderen 23 Stunden des Tages, die nicht so harmonisch laufen („Aus ROTEN Bechern trinke ich nicht!”, „Mama, ich muss kotz…uärggs”, „Papa, Lisa hat in mein Puppenhaus gekackt!”).

Wenn Sie also so weit sind, über Kinder nachzudenken: es gibt einen einfachen Trick, festzustellen, ob Sie wirklich bereit sind.

Was ein Baby tatsächlich für Anfänger ziemlich gut simuliert – will auch in einer Tour irgendwas, oben was rein oder unten was raus und gefühlt übersteigt die Anzahl der Forderungen die der Belohnungen ums tausendfache: kaufen Sie sich erstmal einen Kaffeevollautomaten.
Wenn Sie dann immer noch ein Kind wollen, hilft der schon mal immens gegen den jahrelangen Schlafentzug.

Für den überlege ich noch an einer realistischen Simulation. Bleiben Sie dran. Oder machen Sie einfach schonmal Kinder. Wir sehen uns dann im Park. Vergessen Sie die Toffifees nicht.


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