Archiv vom 2.9.2013

Gleich am Platzen: ungleich berechtigt – zwei langweilige Anekdoten (und ein langatmiger Nachtrag als Appell für mehr Toleranz). Und der Artikel ist sogar noch länger als die Überschrift.

2.9.2013

Olles Thema, aber solange sie nicht erreicht ist, muß aufs Fehlen immer wieder hingewiesen werden: Gleichberechtigung.

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Martina Schwarzmann erhielt im Mai 2013 den Radiokabarettpreis „Salzburger Stier”. Bei der Verleihung stellt ihr der Moderator Christoph Süß die scheinbar bei Frauen unvermeidliche Frage „Sie sind auch Mutter – wie bekommen Sie Beruf und Karriere unter einen Hut, äh, ich meine natürlich Muttersein und Beruf?” und sie antwortet „Das ist eine diskriminierende Frage. Ich habe noch nie gehört, wie ein Kollege gefragt wird, wie er das unter einen Hut kriegt.”
Leider habe ich die Gesichter dabei nicht gesehen, nur im Podcast gehört und auch ein wenig schade finde ich, daß Frau Schwarzmann nach dieser Parade (und dem kurzen Applaus dafür) die Frage einfach beantwortet (sie nimmt die Kinder mit auf Tour, in den Hotels gibt es ja immer Gummibärchen), aber es ist ja verständlich, daß sie lieber einen Preis annimmt als Radau zu machen. In jedem Fall verneige ich mich vor ihr für diese kurze Verwirrung, in denen sie vielleicht bei manchem Radiohörer mehr angestossen hat als manche von langer Hand geplante Feministinnen-Aktion.

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Samstagnachmittag im Max-Morlock-Stadion, Halbzeit, 37000 Leute stehen an der Toilette an. Falsch, geschätzte 30000 werden hurtig hinein, die Pinkelwand entlang und wieder hinausgespült, da ist kein Stillstand, das ganze dauert keine zwei Minuten. Die übrigen 7000 stehen in langen, langen Schlangen vor den Damenklos.
Ich auch. Hinter mir steht ein vielleicht sechsjähriges Mädchen, begleitet von ihrem Vater, der ihr immer wieder versichert, er ginge schon mit. Da ich mir vorstellen kann, daß ihm dabei ein bißchen komisch ist, biete ich ihm an, sie mitzunehmen, aber sie will ihn. Ist ja okay – finde ich. Eine Frau weiter hinten in der Schlange findet das nicht und beginnt: „Sie dürfen da aber nicht rein als Mann. Vielleicht zieht sich da gerade eine Frau um!” In diesem Moment bin ich weit genug vorne in der Schlange, um in den Vorraum linsen zu können und berichte, in bemüht neutralem Ton: „Da sind drei abgeschlossene Kabinen! Davor ein Waschbecken mit Spiegel! Keine nackte Frau in Sicht!” Die Dame schweigt zum Glück. Der Vater dankt mir für die Schützenhilfe. Ich ärgere mich noch, als der Ball schon längst wieder rollt, über diese bekloppte Prinzipienreiterei*. Und über die Unfähigkeit der Toilettenplaner in öffentlichen Gebäuden. Vermutlich wäre klotechnisch Gleichberechtigung ja zu erlangen mit Unisex-Toilettenkabinen (meinetwegen mit Schüssel und Pissoir). Aber wo sollen dann die Mädels blankziehen, die sich bislang immerimmerimmer im Vorraum umziehen?

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* Natürlich hätte sie mit Papa einfach zu den Kerlen gehen können. Wäre prinzipientechnisch auch nicht okay gewesen, da hätte das die Lady aber nicht gestört. Wollte die Kleine aber nicht. Da sie trotzdem aber nicht alleine gehen wollte, war Papas Verhalten ja wohl echt emanzipatorisch: des Kindes Willen respektieren.
Meine Tochter besteht wohl manchmal (so sie die Türen auseinanderhalten kann, je nach Symbol also) auch aufs „richtige” Klo, sagt der Möhrchenprinz. Er kennt also auch schon einige Damentoiletten. Und die scheelen Blicke der Prinzipienreiterinnen.
Wenn mir die Schlange bei den Damen zu lang ist, gehe ich schon auch mal zu den Kerlen (zumal die Erfahrung lehrt, daß die dortigen Kabinen meist leer sind, Pinkelrinne ist eben schneller). Dort habe ich übrigens noch nie wem was weggekuckt und bin nie auch nur blöd angesehen worden. Auf mein entschuldigendes Lächeln und den Hinweis auf die Schlange bei den Mädels kam gar nix oder ein freundliches „bassd scho”.
Eine Sache also, bei denen Männer offensichtlich toleranter sind als Frauen. Nimm das, meckernde Warterin.


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