Archiv vom 30.8.2013

„stilhäschen” – was’n bekloppter Name!

30.8.2013

Unlängst bekam ich eine Mail, in der mich jemand fragte, wie ich meine Kinder Rakete und Risiko nennen konnte und warum das Standesamt da nichts dagegen habe (das habe ich jetzt sachlicher formuliert als die Mail es war).

Die Antwort möchte ich aus verschiedenen Gründen öffentlich (bzw. so öffentlich mein privates Blog eben ist) geben:

Lieber Unbekannter, Ihre Frage ist in meinen Augen absolut berechtigt. Ja, auch ich würde mich ordentlich aufregen, käme in meinem Bekanntenkreis jemand auf die Idee, seinen Kindern derart außergewöhnliche Namen zu geben, die sie immer und überall erklären müssen. Ich persönlich glaube nämlich auch, daß Eltern da das eigene Individualitätsdefizit ihrem Kind zum Ausbaden geben. Ich kann Ihre Empörung also vollkommen verstehen.
Jedoch kennen wir uns nicht persönlich, weswegen Sie mir gegenüber auch nicht persönlich werden sollten.
Und nun zur Sache. Dies ist ein privates Weblog, in dem ich, die ich mich hier „stilhäschen” nenne (dazu weiter unten mehr), von Dingen berichte, die mich so beschäftigen. Das lesen im Idealfall Menschen. Solche, die sich ähnliche oder ganz andere Gedanken machen. Menschen, die so etwas aus irgendeinem Grund gerne lesen und solche, die sich (meist stillschweigend, zum Glück für mich) darüber aufregen möchten. Ich würde lügen wenn ich behauptete, die Leser seien mir egal – dann könnte ich nämlich die ganzen Buchstaben einfach irgendwo auf meine Festplatte schaufeln, ohne „veröffentlichen” zu drücken. Ich bin mir bewusst, daß es Leser gibt, und genau deswegen habe ich mich entschieden für diese Form des Bloggens: unter einem (zugegeben fragwürdig bis bescheuerten) Pseudonym nämlich. Einer von vielen Gründen dafür ist, daß ich unterscheide zwischen meiner Person und dem, was ich im Internet davon preisgeben möchte. „stilhäschen” ist gewissermassen (und geschwollen ausgedrückt) eine Kunstfigur. Ich kann es sogar noch geschwollener: ein „lyrisches Ich”! Und das heißt nicht wie ich, weil ich nicht will, daß davon auf mich geschlossen wird. So einfach ist das. Und des langen Exkurses kurzer Schluß: meine Kinder und mein Mann tragen demnach in meinem Blog eben auch Pseudonyme, schon allein der Konsequenz wegen. Von Persönlichkeitsrechten ganz zu schweigen.

Ja, tatsächlich: „Rakete” heißt in echt nämlich gar nicht Rakete. Und „Risiko” nicht Risiko. Beide tragen „normale” (in meinem und des Möhrchenprinzen – der übrigens auch gar nicht so heißt! – Weltbild; d.h. sie werden geschrieben wie gesprochen und des Lesens Kundige haben sie bereits in anderen Zusammenhängen gelesen und als Vornamen identifiziert) Namen. Das ist ein Ding, was?
Und nun zu etwas mir eher unangenehmen – obwohl Sie danach gar nicht gefragt haben: würde ich mir heute ein Pseudonym suchen, es wäre eher etwas wie „Frau/Mama” oder „Liese Müller”. Sogar „bf_123″ oder „sternchen99″ wären mir mittlerweile lieber als der bekloppte Diminutiv eines Wortspieltieres, das suggerieren will zu wissen was schön ist (ich, die ich mehr Wert auf noch ältere Dinge lege als auf mein eigenes Spiegelbild!). Das Pseudonym „stilhäschen” ist aus einer Schnapslaune heraus entstanden, ich hatte noch eine Gratisdomain zu benennen frei, es musste schnell gehen und immerhin fand ich’s nicht alleine witzig. Heute (mehr als zehn Jahre nach Domainsuche) finde ich den Namen nichtmal nur albern, sondern hochgradig doof. Aber wie andere mit ihren Jugendsünden-Tattoos leben, versuche ich das zu verdrängen* und hoffe, daß die, die hier gerne lesen, den Namen gnädig ignorieren.
Den anderen habe ich es eben versucht zu erklären.

*Möglicherweise nenn’ ich das alles hier einmal um. Möglicherweise schläft es aber auch vorher ein. Wer weiß das schon…


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