Archiv vom 4.11.2012

Auszeit

4.11.2012

Mit Risiko mache ich kein Pekip und kein Babyschwimmen, aber immerhin treffen sich noch fünf Muttis aus dem Beckenbodenkurs halbwegs regelmäßig. Dann liegen die Kinder am Boden und ignorieren sich, während wir kaffeetrinken und mamajammern. Wir sind ziemlich verschieden, die Kinder sowieso. Nur eine von uns hat „erst” ein Kind, sie ist ein eher ruhiger, schüchterner Typ und erscheint oft sehr unsicher (verständlicherweise; sie will alles richtig machen, aber es gibt zu allem so viele Meinungen…). Umso mehr hat mich letztens ihr „Geständnis” beeindruckt.
Wir sprachen über Nächte, über Schlafmangel, über Hilflosigkeit gegenüber dem schreienden Kind und über die Papas, die sich umdrehen und weiterschnarchen (zum Glück ein Thema, zu dem ich kaum etwas sagen kann, Halleluja!). Sie schaute durch die Runde, zögerte kurz, fasste sich dann ein Herz und fragte, ob sie uns etwas erzählen darf. Man sah ihr an, daß sie sich überwinden musste; was zum Himmel wollte sie uns beichten, von dem sie glaubte, wir anderen kannten es nicht oder würden es mißbilligen? Daß man sein eigenes Baby zum Mond wünschen kann? Daß es Momente gibt, in denen beinahe so etwas wie Verständnis keimt für die Zeitungsmeldungen von Müttern, die ihre Babys schütteln? Daß man vielleicht schon bungeegesprungen ist und auf einem Bein durch die Sahara getrampt, aber dieses kleine Wesen, das bringt einen zum ersten Mal so richtig an seine Grenzen?
„Also, das hab’ ich noch niemandem erzählt. Außer meinem Mann weiß das keiner, vor allem nicht meine Schwiegermutter”, fing sie an und wir hingen an ihren Lippen. „Ich hab’s bis jetzt zweimal gemacht: alleine ins Hotel gehen und eine Nacht durchschlafen.” Kein Städtetrip, kein Reisebüro, Urlaub kann schon dreihundert Meter Luftlinie weiter liegen.
Was für eine großartige Idee! Und wie schade, daß es so viel Mut kosten kann, davon zu erzählen…


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