10 | 2012

Kleine Katastrophen

13.10.2012

Kinder, der Quell ewiger Freude. Haha, ich muß mich kitzeln zum Lachen.

Der eine bekommt seinen dritten Zahn und leidet wie ein Großer, die Nacht ist noch zerhackter als sonst und als ich dann endlich mal wieder zehn Minuten schlafen kann, werde ich wach vom Weinen der Dreijährigen: „Mamaaaaa! Der Bauch schaut raus!” Schlaftrunken wanke ich ins Kinderzimmer, beschäftigt mit der Frage, wie sie das schafft in einem einteiligen Schlafanzug, da werden die Worte klarer: es ist der Baum, der herausschaut, das geht natürlich gar nicht, ich bin eine Rabenmutter. Habe ich doch tatsächlich meiner Tochter die Bettdecke mit dem Bild (ein Baum) nach oben zugedeckt! Für das Verständnis des Dämchens also falschherum. Ich drehe die Decke um, das Geschrei hört sofort auf, die Augen der Kleinen fallen zu, ich tapse zurück in mein Bett, da quäkst ein kleiner Fieberzwerg, dem ich noch stundenlang hellwach beim Jammern zuhöre. Fünf Minuten vorm Weckerklingeln endlich döse ich weg.

Immerhin kann die Rakete derlei Fehltritte mittlerweile astrein in Worte fassen und damit zu einer schnelleren Lösung des Problems beitragen. Trotzdem frage ich mich nach solchen Nächten schon, warum einem sowas keiner vorher sagt. Vermutlich weil man sich nach Monaten unterbrochenen Schlafes nichts mehr merken kann, geschweige denn drüber reden.

War was? Was wollte ich sagen? Ich hab’s vergessen. Gute Nacht, die nächste. Haha.


Statt Stadt Land/Fluß?

13.10.2012

Lieber Risiko, ich weiß, das war nicht das Bild der besten Mutter, das ich im Sommer manchmal bot, als ich mit Dir von unserem Schrebergarten nachhause lief, mit einer Bierflasche in der Hand Deinen Wagen schiebend. Aber nach der Schwangerschaft mit Dir und dem halben Jahr Stillen, glaub mir, ich bin einfach (immer noch!) schwer unterhopft. Und dann ist da noch Deine Schwester, damals noch kurz vor drei, die mich da gerade den ganzen Tag ordentlich gefordert hat (Kindergartenferien – eine Hölle, von der Kinderlose nichts ahnen). Zwar machst Du das ganz toll, daß Du eigentlich meistens nur dann etwas von mir möchtest, wenn sie gerade Ruhe gibt, aber wenn ich den ganzen Tag zu gar nichts komme außer Euch zwei im Zaum zu halten, dann nervt mich das kolossal.
Und so habe ich den halbstündigen Spaziergang durch unser Viertel mit Dir so manchen Abend wirklich sehr genossen. Du schliefst so schön, die Luft war lau und das Bier kalt, auf der Strasse sassen die Leute und genau das ist der Punkt, der mir leider Sorgen macht. Denn die einen Leute sitzen da und reden in vielen Sprachen und lassen ihre Kinder spielen und irgendwann stehen sie auf, räumen die Plastikstühle in die Einfahrt und gehen hoch in ihre Wohnungen. Und die anderen Leute sitzen vor Restaurants, geniessen die Atmosphäre, trinken tollen Wein und wenn sie aufstehen, gehen sie zu ihren großen Autos und fahren nachhause in die besseren Viertel. Es ist so schön lebendig hier, so wild urban und so herrlich subkulturell, aber wohnen wollen hier nur wenige Familien wie wir.

Denn dies ist nicht die beste Gegend. Und bei aller angeblichen Gentrifizierung (die hier eigentlich nur die Ultralinken sehen, deren „Gegenmaßnahmen” aus Farbbomben, Graffitis und der Zerstörung der Spielplätze bestehen – danke auch!) wird es die auch sicher niemals; zu nah sind Bahn und Stadtautobahn, zu gewachsen das Glasscherbenviertel. Es ist aber auch nicht die zweit-, dritt- oder wenigstens viertbeste Gegend, hier wird man auf der Straße schon mal sehr blöd angemacht, die Spielstrasse ist Autorennstrecke und jede zweite Baumscheibe eine Müllhalde. Bisher konnten wir damit leben, dafür wohnt man charmant (Altbau, unverbastelt) und günstig; in einer besseren Gegend bliebe weit weniger Geld für Lebensqualität. Aber wenn ich daran denke, daß die beiden sich auch einmal alleine hier bewegen können sollten, komme ich doch ins Grübeln: ginge es ihnen nicht in der gesichtslosen Stadtrandsiedlung besser, wo man auf dem Spielplatz auch spielen kann und nicht nur um Hundescheiße hüpfen und Schimpfworte lernen?

Die Suche nach einem Kindergartenplatz für Rakete ging gerade nochmal gut, aber mit der Schule wird der Stress von vorne losgehen, ach, ich will gar nicht daran denken. Dazu ein andermal. Und bis dahin inhaliere ich das Zeit-Interview mit Rike Drust, bis ich es auswendig kann, das Innenstadt-Mantra. Und ihr fantastisches Buch bekommt weiterhin jede Neumama im Freundeskreis von mir zur Geburt. Wir sollten nämlich alle mehr entspannen.

Scheißherbst. Die Gartensaison ist zuende und mit ihr die Meditations-Heimläufe (während die Rakete mit dem Papa im Auto heimfährt). Trotzdem, kleiner Mann, will ich nochmal auf den Anfang zurückkommen: ich mag nicht das Bild der besten Mutter abgeben, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Aber ich will, daß Ihr beide, Du und Deine Schwester, wißt, daß… ach, Ihr wißt schon, der ganze Hollywoodscheiß. Wir, Euer Papa und ich, wollen, daß es Euch gutgeht. Und weil wir den Hals nicht vollkriegen und auch noch wollen, daß es uns dabei gutgeht, bleiben wir hier wohnen. Solange das für alle die beste Lösung ist. Abgemacht? Prost.


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