8 | 2012

Projekt Motorradführerschein: check!

13.8.2012

(Meine Fresse, diese Prüfungssituationen bin ich ja nicht mehr gewohnt. Mir hat ja schon die Theorie gereicht: ich meine, heute sind da Touchscreens, die einen mit Namen begrüßen! Heute also Praxis – am Schluß habe ich jedenfalls dem Prüfer versprochen, nie wieder so schnell zu fahren. Wie auch, mit nichtmal 12PS? Ich hätte das Kärtchen trotzdem bekommen. „Lappen” sagt man ja heute nicht mehr.)


Häuschen im Grünen

3.8.2012

Es ist nicht ganz zehn Jahre her, da hatte der Möbelschwede eine Hollywoodschaukel im Angebot und ich war verliebt. In die Schaukel und in einen Mann mit dem Garten dazu. Der zweite Job nach dem Studium hatte endlich das Geld dafür abgeworfen, da gab es das Teil nur noch in Berlin. Ich setzte hundert Hebel in Bewegung, um eine der letzten zu ergattern. Kaum stand die Schaukel, schwankte alles andere. Die Schaukel und ich flogen aus einem Garten und einem Leben, in meiner Wohnung ersetzte sie mir das Sofa. Ein neues Leben machte sich breit und breiter. Die letzten Jahre stand sie dann in Raketes Zimmer, wenig genutzt und irgendwie immer zu groß und fehl am Platz.

_________________________________________________________________________________________________

Ich stelle mich den Nachbarn vor, im Fahrradanhänger schlummert Risiko. Wie alt er sei? Ein halbes Jahr. Ach, ein halbes Jahr! So alt war ihrer auch, als sie hier anfingen. Das war vor 48 Jahren. 48 Jahre! Ich rechne nach, bestimmt hat die Frau früher angefangen mit den Kindern als wir, aber man sieht ihr kaum die Siebzig an, wie sie da steht und die Tomaten wässert. 48 Jahre. Soweit habe ich noch nie gedacht. Ich sehe das hier für die nächsten zehn Jahre, und dann werden wir sehen… (Eine Woche und sieben Abende später denke ich: es wäre nicht das schlimmste. Klar, ein spießiges Bild, aber drauf geschissen. Wir werden sehen.)

_________________________________________________________________________________________________

Es ist Sommer, es ist Abend, es ist elf und noch immer ist es brüllwarm, den Pulli habe ich umsonst mitgenommen. Der Fahrtwind kühlt meine Beine, das Blut kühlt der Hauch von Alkohol, der gerade noch geht („es können nicht alle aufs Gymnasium”), die Hände am Lenker finden den Heimweg im Schlaf. Auf den Gehsteigen sitzen Menschen, der Himmel ein Hammer, über den Dächern der riesige Mond. Mal eben mit dem Rad in die Stadt, in die Kneipe, zu Freunden: für uns nicht anders denkbar (auch wenn ich es in letzer Zeit selten nutzte: die Möglichkeit ist die Freiheit!). Ein Reihenhaus am Stadtrand, mit Carport und Garten? Bleib mir weg! Es gibt nur zwei Gründe, die mich ab und an über einen Umzug nachdenken lassen: Rakete und Risiko. Gefahren im Straßenverkehr, die hier bescheidene Schulsituation, anderswo so viel Spielraum im Grünen. Der Möhrchenprinz und ich sind beide Vorstadtkinder, haben unsere Kindheit gefühlt auf Feldern und Baustellen und im Wald verbracht, eigenständig herumstreifend. Die geteilte Coladose auf dem Discounterparkplatz scheint uns eine schwache Alternative dazu. Aber sind wir als Eltern wirklich dazu verpflichtet, eine Entscheidung zu treffen dem (vermeintlichen?) Kindeswohl zuliebe? Wir wollen nicht rausziehen an den Stadtrand und erst recht nicht weiter, wir wollen nicht aufs Auto angewiesen sein. Wir lieben diese Wohnung in diesem alten Haus. Noch 48 Jahre hier? Ich habe noch nie darüber nachgedacht. Aber warum nicht?

_________________________________________________________________________________________________

Es hat einen spießigen Ruf, aber schon längst haben schon viel jüngere und hippere Leute als wir das alles entdeckt. Wir sind keine Pioniere mehr (jedenfalls bundesweit gesehen – hier senken wir den Altersdurchschnitt noch enorm), aber darauf kommt es uns auch gar nicht an. Es wird ein Scheißhaufen voll Arbeit sein, aber wir freuen uns drauf. Vor allem auf die lauschigen Sommerabende mit Grillerei, auch wenn wir noch keine Ahnung haben, wie das Bier ohne Strom kalt werden soll.
Unser Häuschen im Grünen hat die zugelassenen 24 Quadratmeter (davon gehen 14 ab für Geräteraum und überdachter Terrasse) und ist 600 Meter Luftlinie von unserer Wohnung entfernt – oder zehn Fahrradminuten, zu Fuß eine halbe Stunde.
Es ist ein Kompromiss. Wenn der Abend still wird, hört man auf einmal doch die Stadtautobahn. Aber dann streift der Wind durch die Weinranken, und wenn man sich nah genug dransetzt, ist das lauter. Und dann muß man eh mal heim, weil die Kinder ins Bett müssen. In einer Viertelstunde sind sie das auch.
Noch. Das dauert keine 48 Jahre, bis wir länger da sitzen können. Ohne Strom. Und ohne Internet. Draußen. In unserem Schrebergarten. Wo sie hingehört, meine Hollywoodschaukel.


Unser Pfirsich. Ja, der einzige. Wieviele der wohl in 48 Jahren trägt?


%d Bloggern gefällt das: