5 | 2011

Es geht bergab. Aber das mit Musik.

13.5.2011

In den letzten drei Jahren bin ich gefühlt 30 Jahre gealtert. Und wenn ich „ich” sage, dann meine ich nicht nur meine Bandscheiben, mein Unterhautfettgewebe und die Monument valleys around my eyes.
So lege ich beispielsweise großen Wert darauf, abends wenigstens einmal Nachrichten im TV zu sehen („Ruhe, Rakete, Mama nimmt am Weltgeschehen Anteil!”). Ich rufe die Polizei, wenn die asozialen Nachbarn wieder Fensterdisko machen. Nichtmal beim Autofahren ertrage ich mehr Musik, nur mehr Radio mit Sprachbeiträgen. Bayern3 mag der Sender meiner Jugend gewesen sein, ich habe trotzdem lieber heruntergeschaltet und höre mir jetzt im Nachmittagsstau lieber Reportagen über Bergschulen in Hinterchina oder Interviews mit Kräuterhexen (ernsthaft jetzt: bitte unbedingt hier die Sendung mit Susanne Seethaler suchen [Strg+F] und anhören. Und bloß nicht von der kindlichen Stimme und dem langsamen Sprechen der Dame auf Naivität schließen – die hat’s faustdick hinter den Ohren! Ab Minute 18 zum Beispiel: sie hat ihr Buch über Hausmittel vorgestellt und manche hübsche Anekdote erzählt, da beginnt der Interviewer doch kritisch nachzuhaken: „Aber jetzt muß ich doch mal tadeln. Warum haben Sie solch einen Unsinn veröffentlicht – oder wenigstens weitergetragen wie ‚bei nachlassender Potenz ins Maul eines toten Hechts urinieren’?!” und sie antwortet baff: „Wieso Unsinn? Haben Sie’s schon ausprobiert?”. Sein „das habe ich doch gar nicht nötig” überhört man schnell…) an.
Ich meine, hey, was bleibt mir übrig? Die Songs meiner Jugend laufen schon auf Bayern1, dem Altherrensender meiner Erinnerung.
Immerhin bin ich doch noch nicht soweit, daß ich Politiksendungen ohne Einschlafen schaffe. Also schaltete ich heute mangels Alternativen doch wieder auf Bayern3, und da lief prompt eine meiner einzigen drei Musikentdeckungen der letzten Jahre: Jupiter Jones. Im Kommerzradio für Junggebliebene. Wollen die das wirklich? Hoffentlich machen sie wenigstens ordentlich Geld damit.

Und jetzt zu etwas fast ganz anderem: letztens beim Tanken einen ganz fiesen Ohrwurm eingerissen, eigentlich nur vierfünf Töne. Und die werd’ ich nicht mehr los, bis ich das Elend wieder ganz im Bewußtsein habe. Also, liebe Leser, ich bitte herzhaft um Hilfe: ein Hit aus den Achtzigern, gesungen von einem damals so ungefähr Sechzehnjährigen blonden Teenieschwarmbübchen, von dem man danach nie wieder etwas gehört hat, musikalisch. Auch sonst nichts. Ach ja, in dem Lied geht es vielleicht um irgendsowas wie „ich will dich”, vielleicht aber auch mehr so pathetisch „ich werd’ mich für dich nicht verbiegen”, was weiß ich denn. Das ist über zwanzig Jahre her, Mann! Oder waren’s doch die frühen Neunziger?! Jedenfalls geht das Lied so „Laaa-laaa (möglicherweise ist das „Iii am”, aber ich kann mich täuschen), laaa-la-la-la-la-la, laa-la-la-la-la-la”, und dann komm’ ich immer mit „Lena” von Pur durcheinander.
Das nur kurz zu meiner geistigen Verfassung. Sie alle werden verstehen, warum ich kaum mehr blogge.


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