Archiv vom 23.3.2011

Kackerlakack

23.3.2011

Vor allem für Nichteltern unterhalten sich Paare mit Kindern ja gefühlt ausnahmslos über Windelinhalte. Da werden Konsistenz und Farbe bilderreich besprochen, Mengen verglichen und Duftnoten beschrieben, und den Sprechenden fällt nie auf, wie sich andere angeekelt zur Seite drehen.
Letzten Sonntag lief im ZDF eine Tierdoku und mich persönlich beruhigte sehr, mit welcher Leidenschaft und Begeisterung da jemand Elefantendung nicht nur mit Worten zerpflückte (ab Minute 23; vermutlich nur bis nächsten Samstag zu sehen):
Großaufnahme Elefantenscheiße, fußballgroß. Ehrfürchtig kniet der Mann daneben nieder, umkreist den Haufen mit den Händen und erklärt: „Dieser Elefantendungballen hier muß sehr frisch sein, vielleicht eine Stunde alt. Er glänzt nämlich noch an der Oberfläche, das heißt, er ist noch feucht. Und die Fliegen sitzen nur deshalb drauf, nicht wegen den Nährstoffen, sondern wegen der Feuchtigkeit, die sie hier ablecken. ” Das alles in einem Ton und mit einem Blick so voller Begeisterung, daß man beinahe erwartet, er würde jetzt selbst gleich dran schlecken wie an einem übergroßen Schokoladeneis. Da! Jetzt hält er es nicht mehr aus, er ergreift die Kugel mit beiden Händen, schwer atmend. „Wenn ich ihn auseinandermache,”, voller Hingabe teilt er die Masse, „ist er wahrscheinlich noch warm.” Er befühlt das Innere sanft, nickt: „Ja, ist innen noch warm. Das heißt, die Elefanten sind vielleicht ein bis eineinhalb Stunden vor mir.” Enttäuscht geht der Blick in die Ferne. Plötzlich erinnert er sich wieder an seinen Schatz, greift beidhändig hinein und zerlegt den Haufen, wieder ganz verzückt. „Man kann an diesem Dung auch sehr gut erkennen, daß es junge Tiere sind, die diesen Dungballen hinterlassen haben. Alte Elefanten, die sehr flache Zähne haben, sind gar nicht mehr in der Lage, das Holz, das Gras, die Blätter so fein zu zerkauen. Da sind meistens sehr, sehr lange Fäden in den Dungballen drin.” Er zieht Fasern heraus, voller Bewunderung. „Aber dieses Tier hat es perfekt zerkaut, zerrieben und auch gut verdaut.” Fast so etwas wie Stolz schwingt mit in seiner Stimme. „Es ist ein jüngerer Elefant.” Er legt das braune Zeug wieder hin, klopft sich die Hände ab und steht auf. Schnitt.
So viel Begeisterung für Ausscheidungen macht Mut. Vielleicht der Grundstein zur Salonfähigkeit? Auf jeden Fall großartig, Andreas Kieling, Sie haben viel für die Integration von Menschen mit Behinderungen Kindern getan. Vielen, vielen Dank!


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