12 | 2009

Ein Jahr in Fragen

31.12.2009

Der obligatorische Blick zurück nach vorn.
(Die Liste kursiert ja überall in diesem Internet, ich bin durch Texas-Jim draufgekommen, dieses Jahr endlich einmal Revue passieren zu lassen.)

Zugenommen oder abgenommen?
Erst zugenommen, dann auf einen Schlag wieder abgenommen. Derzeit auf dem Weg in die Breite. Öfter mal was neues.

Haare länger oder kürzer?
Länger. Immer länger. Der eine Friseurbesuch 2009 konnte nicht viel dran ändern. Muß die Schwerkraft sein.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Keine neue Brille, aber immer mehr Leben im Moment. Kurzsichtiger also, so global gesehen.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Absolut: weniger. Relativ: viel mehr. Gar nicht mehr: Runden. Schade.

Der hirnrissigste Plan?
Mal eben renovieren. Das hirnrissige daran war nicht das Renovieren.

Die gefährlichste Unternehmung?
Der Glaube an den Klassenerhalt Hochschwanger im Stadion, in Dresden, als Gast. -Freundschaft geht anders, Ihr bekloppten Hooligans.

Die teuerste Anschaffung?
Da könnte man jetzt natürlich sofort „Das Kind!” krähen, aber das wurde nicht angeschafft. Zählt auch die teuerste Nicht-Abschaffung? Das Auto, definitiv.

Das leckerste Essen?
Schokopudding, Grießpudding, Gummibärchen, saure Gurken, Rote Grütze, Leberwurst. Zusammen. Und später dann endlich wieder Tiramisu.

Das beeindruckenste Buch?
Der bekloppte Stillratgeber, in dem ausnahmslos Scheiße stand. Er hat mich von der Ratgeberitis geheilt, ab jetzt wird mit dem Kind nur noch gemacht, was man ganz ohne Lektüre so für richtig hält: zu essen geben, wenn es Hunger hat. Schlafen legen, wenn es müde ist. Den Kinderwagen schuckeln, wenn es sich dadurch beruhigt. Ganz einfach eigentlich. (Wenn ich das mal aufschriebe, würde das jemand kaufen?)

Der ergreifendste Film?
Dank dieser unfaßbaren Hormone hab’ ich ja sogar bei der Sendung mit der Maus geweint, was soll also die Frage?

Die beste CD?
Schande über mich, aber dieses Jahr gab’s nur eine einzige Neuanschaffung: die neue Element of Crime. Nix neues, aber im Alter gibt einem das Bekannte eben noch am verlässlichsten das Wohlbehagen.

Das schönste Konzert?
Niels Frevert, natürlich. Auch wenn das Publikum noch verlorener wirkte als der Mann auf der Bühne.
Selten war ich froher um Bestuhlung und getanzt hat ja die Rakete für mich.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
…Bauch, Mann, Kind.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
…Bauch, Mann, Kind.

Vorherrschendes Gefühl 2009?
Hoffnung, Zuversicht, Vorfreude.

2009 zum ersten Mal getan?
Jaja, jetzt wird’s doch langsam langweilig: ein Kind gekriegt. Wuuhuuuu!

2009 nach langer Zeit wieder getan?
Keinen Alkohol getrunken. Bringt auch nix, ehrlich.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die Baustellenwohnung, die Wehenschmerzen, die 40°C Fieber im Wochenbett. Da relativieren sich Erkältungen gaaanz schnell.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Der Raketenvorname. Der Favorit des Möhrchenprinzen war noch viel weniger frankenzungenkompatibel.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Jaja, man ahnt es doch.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Jetzt wird’s langweiligredundant.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Wir kriegen dich wieder hin.”

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Schau mal. Ein Strich.”

2009 war mit 1 Wort…?
Allesneu.


latentfrei

30.12.2009

Dieter Bohlen hat das Wort wohl als erster komplett sinnverdreht; jetzt schlägt der Möbelschwede zu und macht es endgültig zum Schimpfwort:
talent
Und unten dran der „Made in China”-Aufkleber. Man sieht den Talentschuppen deutlich vor sich, eng, heiß, dreckig, die Arbeiter unterbezahlt und überarbeitet.

Möge den Guten nie mehr einer sagen, sie hätten Talent. Die anderen: einfach weiter tanzensingenschreibenmalen! Ihr seid eh nicht davon abzubringen.


Ach ja, und…

23.12.2009

weihnachtsbaum
… noch ist der Wahnsinn ja lange nicht vorbei. Ich wünsche allen, die immer wieder hiervorbeischauen, von Herzen für die nächsten 72 Stunden gute Nerven und einen noch besseren Magenbitter.
Bringt Euch gut durch die Feiertage! Ihr werdet danach noch gebraucht. Ohne Euch ist das doch alles nix hier. Kann mal jemand diese verdammte Jahresendsentimentalität abfackeln, verdammtnochmal?


Vernetzt!

23.12.2009

Da läuft ja gerade dieser Spot für irgendsoein Telefon oder vielleicht ist er auch für irgendeinen Handytarif, was weiß denn ich. Nicht erst seit der Rakete fühle ich mich manchmal unglaublich alt, neulich stand ich im Plattenladen in der CD-Abteilung eines Elektroriesen vor dem Top-100-Regal und kannte gerade mal zwei, drei Interpreten, der Rest sah für mich komplett aus wie Castingkinder. Und daß man Sting erkennt ohne den Schriftzug zu lesen (schließlich hatte man wie jeder ordentliche 90er-Twen das bekloppte Plakat in der Küche hängen), darauf braucht man wirklich nicht stolz sein.
Jedenfalls hat diese Firma mit dem Blutstropfenlogo das schon schlau gemacht, daß der Spot im Fernsehen läuft, sonst würde den ja niemand sehen, der dieses Websiebenpunktdrei oder wo wir da mittlerweile sind, noch nicht hat, sondern eben noch dringend braucht. Wahnsinnig dringend, weil heute ist Weihnachten und die Tochter muß einen Weihnachtsmann haben und man kann bei diesem Telefon so schön seine Kontakte (so heißt das nämlich heute, man hat keine Freunde und Bekannten mehr, alles wird elektrisch, also gefälligst auch die Sprache) mit Fotos durchblättern, und siehe da, der Autoschrauber! Hat einen Bart und, wichtiger: „Laut facebook hat er Zeit”, das ist ja ein Ding, angerufen wird er und sein fettes Hundchen und sie kommen und bescheren und die Tochter glaubt weiter alles was man ihr vorsetzt und alles ist wieder gut.

Liebe Kommunikationsbranche, ich danke Dir für diesen Einblick in die Zukunft, die Du so für uns vorsiehst und die Dir auch schon genug Leute abgekauft haben. Aber danke auch, die will ich gar nicht. Weil ich nicht möchte, daß die Telefone meiner Kontakte wissen, wann ich Zeit habe oder was ich gerade mache. Ich will nämlich, daß meine Freunde auch weiterhin einfach anrufen und mich das fragen. Geht das, bitte? Auch noch in zehn, zwanzig Jahren? Du würdest eine alte Frau sehr glücklich machen. Schon jetzt.


Der Hohlbirnen Sternstunden

22.12.2009

Hab’ ich mich schon mal ausgelassen über die Bekloppten in öffentlichen Verkehrsmitteln? Die, die Ferngespräche nur pro forma übers Handy führen und eigentlich direkt bis Griechenland brüllen. Die Mütterchen, die meinen mir erklären zu müssen, daß ich den Kinderwagen zu stark schuckele („Dem Kind wird doch schlecht!” – „Was soll es denn kotzen, ich geb’ ihm doch nie was zu essen!”). Motorisch vollkommen intakte Menschen nehmen den Aufzug und weigern sich, ein bißchen zusammenzurutschen, damit der Wagen noch mit kann – unten am Gleis können sie dann rekordverdächtig schnell rennen und sich „Aufrutschen!”-brüllend noch in die U-Bahn quetschen. Die jugendlichen Schwerhörigen, die das Geschepper aus dem Handy für Musik halten. Und all ihre Kollegen. Schlimm sind die.

Aber die gibt es ja eigentlich das ganze Jahr über, das ist meist zu ertragen. Nur wird’s eben vor Weihnachten besonders heftig, da nimmt das wirklich überhand, da kriechen sie aus ihren Löchern (ich weiß jetzt nicht, ob das historisch belegt ist, aber angeblich soll ja seinerzeit der Strauß auf einer Rede in Wackersdorf vor lauter AKW-Demonstranten vom „Stein, den da jemand umgedreht habe” geredet haben. Falscher Mann, richtige Worte. Aber in der Oberpfalz ist das ja permanent zutreffend.) und stürmen geballt die Innenstadt, da gibt es kein Entrinnen mehr, da sollte man seine Einkäufe am besten vor September bereits fürs Restjahr erledigt haben und gemütlich zuhause bleiben bei Dörrfleisch und Bundeswehrkeksen.

Hab’ ich irgendwie vergessen dieses Jahr. Und dann darf ich ja heuer leider nicht genug Glühwein trinken, daß mir diese Synapsenwracks nichts mehr ausmachen. Aber ich summe derweil eisern weiter mein allerliebstes Weihnachtslied vor mich hin, komme was wolle.

Und wenn das dann diesmal endlich hinhaut, dann aber, Ihr Volltrottel, dann beißt Euch nächstes Jahr nicht nur die Rakete ins Knie! (Welchen Fahrschein braucht ein Nilpferd eigentlich?)


Kleinkram

8.12.2009

Die Rakete mag derzeit keinen Schnuller. Ich hoffe, das ändert sich wieder – ständig die Daumen auszukochen ist sicher nicht gut für die Haut. Und in die Mikrowelle paßt sie jetzt schon nicht mehr.
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Morgens hat die Wiege immer Schlagseite. Unser Kind hat einen Rechtsdrall ist rechtsdrehend. Muß man da als verantwortungsvolles Elter jetzt schon eingreifen oder verwächst sich das noch? Ich dachte, ich hätte noch bis zum Krabbelalter Zeit, Klettband an die Klamotten zu nähen…
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Eine der besten Erfindungen der Neuzeit: Videotext-Untertitel 150. So versteht man den Tatort auch noch, wenn der Nachwuchs das Brüllen übt.
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Und das klingt jetzt alles, als sei die Rakete schwierig. Ganz im Gegenteil! Die meiste Zeit ist sie unkomplizierter als analoges Treppensteigen. Aber selbst wenn sie mal ein kleines Bißchen anstrengend ist: sie hat herzförmige Nasenlöcher! Hach…
Herzchen


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