6 | 2009

Umstandsfetzen

30.6.2009

Auf Gas kochen ist natürlich großartig. So direkt, so professionell, so ursprünglich.
Aber auch: so ganz schön heiß am Bauch! Starker innerer Protest bei Nutzung der vorderen Flammen reduziert den Speiseplan erheblich – wenn ich koche, gibt es nur noch 2-Komponenten-Essen. Oder Auflauf.

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Das IKEA-Maßband genügt nicht mehr zum Umfangmessen und sonst sind nur Meterstäbe im Haus. Und das iPod-Kabel reicht auch nur noch wenige Tage.

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Liebe Mütter, die Ihr Euch in der Öffentlichkeit von Schwangeren beobachtetangestarrt fühlt: runterkommen. Wahrscheinlich stieren sie nur auf den Kinderwagen. Gegen die Entscheidung ist Wohnungssuche übrigens ein Kinderliedchen, aber hallo. (Früher, auf langen Fahrten in die Ferien, erkannte ich Lastwagenmarken, am Rückspiegel. Heute sind es Kinderwagenmarken, meist schon am mütterlichen Schuhwerk, sonst spätestens am Gestell. Des Wagens!)

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Und dann noch einen Gruß an all jene bekloppten Moderedakteurinnen, die nicht müde werden, jede Saison aufs neue zu behaupten „Streifen machen schlank!”:

Querstreifen, von wegen die neue Magersucht

Aber wem schmecken sie schon?


nur mal so ’ne Frage…

25.6.2009

Irgendwann im Studium wurde mir klar: es gibt zwei Wege, irgendetwas zu schaffen. Entweder man sieht nicht nach links und nicht nach rechts und macht einfach und lebt damit, daß vielleicht irgendwer kommt und hämisch ruft „Gibt’s aber schon! Hat XYZ schon 1920 in Neuseeland gemacht! Ellabätsch!” – oder man forscht langelange nach, was es in dem Feld schon gab und sucht sich dann seine Nische. Gabi Gibtsschon kann dann aber immernoch kommen, die findet nämlich immer was.
Erfinder oder Archäologe, das sind die beiden Optionen.

Auf andere Gebiete übertragen ist der Archäologe einfach nur der, der weiß, wo er findet, was er nicht weiß. Oder: eine faule Sau. Wie ich.

Und ich weiß ja auch: meine Leserschaft ist klein, aber hochgebildet. Jeder ist auf irgendeinem Feld Profi, sowas muß man nutzen. Deshalb heute die Frage an allwissende HTML-Bastler, die die Antwort sicher im Schlaf herunterbeten können, während ich ein paar Stunden im Netz herumstolpern müsste:
Angenommen, man möchte eine Liste ins Internet stellen, von der jeder Betrachter (d.h. ohne Anmeldung!) jeden beliebigen Punkt streichen kann (soll aber lesbar bleiben), einen gestrichenen Punkt aber möglichst nur ich wiederherstellen kann. Wie macht man das wohl, wie sieht das (möglichst in html, das hat nichts mit dem Blog zu tun) aus?

Ich würde mich scheckig freuen, wenn jemand sein Wissen rausrückt. Aber bitte bloß keine Mühe machen, es werden nur auswendig heruntergebetene Anleitungen angenommen!
Dankeschön.


Produkttest Babyliteratur

23.6.2009

Noch ist es ruhig im Häschenhause, jedenfalls, wenn die Fenster zu sind und die unseligen Drecksnachbarn nicht durchkommen mit ihrem billigen Polentechno. Drei Monate sind es noch (neu: Countdown in der Sidebar!), bis wir unser Gegenmittel haben und die Flügel wieder weit öffnen: ab September wird zurückgeschrieen.
Und vorher kann ich mit Büchern werfen.

Es gibt ja unzählig Literatur zum Thema Babies und wie man sie kriegt (die Bücher übrigens: meist geschenkt); ein breiter Querschnitt davon ziert bereits unser Bücherregal das Fensterbrett unserer Toilette und angefangen hab’ ich auch brav alles. Aber durch krieg’ ich keins nur eines*, zu abgedreht sind mir die Ansichten der jeweiligen Autorinnen, die sich nicht darauf beschränken können, Fakten und meinetwegen die ein oder andere Erfahrung niederzuschreiben – nein, ein Kind zu bekommen und das auch groß, das scheint mir mehr Weltanschauung zu sein als ich je geglaubt hätte.

viele, viele Kleinbuchstaben

Da sinniert die eine (Hebamme!), Schwangerschaftsübelkeit sei ein reines Psychoproblem, setzt vaginalen Ultraschall per se mit Vergewaltigung gleich und wenn das Baby sich nicht rechtzeitig vor der Geburt in Schädellage dreht, solle die Mutter doch bitte mal die Schuld für den Sitzstreik (sic!)  bei sich suchen.
Immerhin einmal durfte ich schmunzeln: in die drei Monate vor Termin zu packende Kliniktasche (wenn es denn wider die Natur und alle guten Ratschläge wirklich keine Hausgeburt werden soll) solle man neben Duftöl und Lieblings-CD (ist klar, darauf werde ich achten, wenn es mir vor Schmerzen den Bauch zerreißt; ganz abgesehen davon, daß sich das Kreißsaalteam bedanken wird für Sägespangeruch und ACDC auf Anschlag…) auch eine Brotzeit für den Vater stecken, die Zeit werde gerne mal lang. Eigentlich ein prima Tip soweit, nur: drei Monate alte Schnittchen, ich weiß ja nicht.

Eine andere verurteilt Gitterbettchen als Babyknast (sinngemäß: „überlegen Sie sich doch einmal, wen Sie hier angeblich vor wem schützen wollen, und Sie werden merken: sich selbst vor dem Kind und seinen Ansprüchen”) und das Familienbett für die einzige kindgerechte Wohnform. Und alle, die es anders machen, schaden ihren Kindern. Da wird nicht abgewägt, da wird verurteilt. Hach, was werde ich für eine schlechte Mutter werden! Und wißt Ihr was, Ihr Ratgeberschnepfen? Ich freu’ mich drauf.
Die Antigitterbettfanatikerin vertritt übrigens auch die Meinung, daß Kinderwägen böse sind und das Tragetuch die größte Erfindung der Menschheit. Schließlich hieße die Schwangerschaft ja auch bei den Tieren „austragen”, dabei müsse man bleiben, sonst, man ahnt: Schäden am Kind! Wichtig aber: bei größeren Geschwistern die Eifersucht eindämmen, indem das Baby nicht vorne, sondern auf dem Rücken getragen wird – das ältere Kind versteht das dann nämlich als „das Neue ist zwischen Mama und mir”. Ich frage mich bei derlei Lektüre nur: aber das Baby hat dann nicht Angst, der Mutter den Buckel runterzurutschen? Und überhaupt: wie macht man eigentlich weiteren Nachwuchs, wenn die großen Kinder im Elternbett schlafen?

Und dann kommen natürlich noch die Namensbücher, eine Unfaßbarkeit für sich. Hey, wo bitte ist der Verbraucherschutz, wenn Bücher auf dem Titel stolz mit „8000 Vornamen” werben dürfen, davon aber 7950 nicht einmal der zotteligste Mittelaltermarktschreier seinem ärgsten Feind gäbe?

Scheißnamen mit G

Scheißnamen mit H

noch mehr Scheißnamen mit H

Aber eigentlich merke ich: je dicker mein Bauch wird, desto weniger lese ich darüber. Die meisten Informationen habe ich zu Beginn der Schwangerschaft verschlungen, als alles noch neu war und unbekannt. Jetzt schwindet die Angst und die Wissensgier, das Wichtigste scheint geklärt, es wird schon irgendwie werden. Und bevor ich aus Versehen noch irgendeine Meinung pro Familienbett, Hausgeburt oder Stillen bis zur Vorschule übernehme, lese ich wieder echte Bücher. Wer weiß, wann ich je wieder dazu komme…

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* Das einzige, das ich wirklich empfehlen kann und jederzeit guten Gewissens verschenken würde: „Schwangerschaft und Geburt” von Katharina Mahrenholtz. Trendig verpackt, eher dünn, Zielgruppe Frauenmagazinleserinnen (die Worte „Promifaktor”, „Wellness” und „Gewichtszunahme” werden in o.g. Büchern definitiv nicht benutzt, hier ausgiebig, es tut trotzdem gar nicht weh!) – aber der Schein trügt, hier herrscht keineswegs Oberflächlichkeit.
Die wichtigsten Fakten(!) werden knapp, aber verständlich und in einem – wichtig! – angenehm humorigen Ton erläutert, Fachbegriffe astrein erklärt und sogar auf den speziellen Männerseiten (nette Idee, wer’s eilig hat…) werden platte Klischees höchstens amüsant ironisch ausgewalzt (Erklärungsversuch: Wehenschmerzen zu Beginn = durchsoffene Nacht mit zu viel fettem Essen und dann kein Schlaf und Baulärm; Wehenschmerzen gegen Ende = durchsoffene Nacht etc. + Dein Fußballverein steigt ab. Auch schön: die Do’s and Don’ts und der dezente Hinweis mit der Tradition des Schmuckstücks für die Mutter nach der Geburt.). Dazu kommen noch die wirklich schönen und erfrischend ehrlichen Illustrationen (im Kreißsaal ist für den Partner jeder Ort südlich des Mutternabels: Strafraum) von Dawn Parisi – dieses Buch ist, und das ist in dem Genre selten, weltanschauungsfrei, schön und informativ. Meine absolute Empfehlung, auch und gerade als Geschenk. Wer mehr braucht, kann immernoch in die Untiefen dieser Ratgeberkategorie abtauchen.


mehr für Kinder wagen

22.6.2009

Liebe Werber,

das mit uns und der Kommunikation, das klappt ja nun nicht immer und wenigstens ich sollte mich mittlerweile dran gewöhnt haben, daß ich nicht immer ganz verstehe, was Ihr mir eigentlich sagen wollt.

Immerhin: so richtig auf die Palme gebracht habt Ihr mich wirklich lange nicht mehr. Bis heute. Aber Ihr werdet’s wieder auf die Hormone schieben.

geht's noch, mutsy?

Schieben also ab jetzt in Wurstpelle, wegen den Jungs.
Leute, geht’s noch? Meine Tage als Emanze sind echt lange vorbei, aber bei dieser Anzeige geht mir die Hutschnur hoch. Für die Kerle also soll mama sich einen überteuerten Kultkinderwagen an- und bequeme Klamotten abschaffen (Die Dame rechts trägt nichts außer einem BH und ultraknappen – aufgemalten? – Hotpants. Nach einer Geburt. Nee, is klar.)?
Verstehe ich vielleicht nur einfach den Witz (und welchen?) nicht?
Oder geht’s hier nur um den männlichen Nachwuchs, den es durch Mütter in Größe-Zero-NachtclubAbendgarderobe und trendy Strollertum ästhetisch zu fördern gilt?

Hach, dann bin ich mit Mädchenbauch ja gar nicht Zielgruppe.

Puuh. Dafür fühl’ ich mich nach dem Ausbruch wie eine hoffnungslos humorlose, altbackene Hausfrauen-Emanze. Aber ist das nicht vielleicht sowieso der nächste Trend?
Ich kauf näh’ mir dann schon mal eine Kittelschürze. Und das „Biedermeieramazonen”-Türschild töpfern wir dann gemeinsam, Hildburga-Emma und ich.


statt Stopschild

18.6.2009

Unbedingt lesenswert: der offene Brief eines 22-jährigen Noch-SPD-Mitglieds an seine Bundestagsfraktion.
Die ganze Unfaßbarkeit des geplanten Zensurgesetzes (kein Link – wer davon noch nichts mitbekommen hat: weiterschlafen!) auf den Punkt gebracht:

Wegsehen bedeutet in unserer Gesellschaft nichts anderes, als das Geschehene zu tolerieren. Ich jedoch als 22jähriger Bundesbürger sehe bei jeder gesperrten Seite, die mit einem Stoppschild verdeckt wird, das Versagen unseres Rechtsstaates, da er nicht in der Lage war, dieses Verbrechen effektiv zu bekämpfen, sondern auf ein Mittel zur Zensur zurückgreifen mußte.

Dies birgt die größte Gefahr im morgen zu verabschiedenden Gesetz: Die Erklärung unseres Staates, gegen Rechtsverletzungen machtlos zu sein.
(…)
Wenn Zensur auf dem Rücken mißbrauchter Kinder durchgesetzt werden soll, wenn das Medium, das meinen Lebensalltag bestimmt und mitbestimmen wird, staatlicher Willkür ausgesetzt wird, wenn die SPD sich von meiner und von zukünftigen Generationen vollständig verabschiedet, bin ich nicht länger bereit, in dieser Partei mitzuwirken.

Hoffentlich kommt das im ein oder anderen roten Hirn an.

Letzte Hoffnung Bundesverfassungsgericht.

[via creezy]


letzter Wunsch

17.6.2009

Man macht sich ja ungern Gedanken über den eigenen Tod, jedenfalls wenn man die Cure-Phase mit 15 hinter sich und überhaupt ziemlich viel Spaß an diesem Leben hat.
Aber ein paar Dinge sollte man dann doch noch lebendig klären, bevor einem die Hinterbliebenen noch achso witzige Gartenzwerge vor den in Comic Sans beschrifteten Stein stellen.

Möge es noch ein ganzes Weilchen dauern – aber wenn es soweit ist, hätte ich bitte gern sowas ähnliches auch Wildwuchs mit Erdbeeren. Danke.

graberdbeeren

[Gesehen in Salzburg. Und nein, nicht gegessen.]


in alten Seiten

16.6.2009

Unlängst bin ich ja umgezogen, ein ordentliches Drama hab’ ich wieder draus gemacht, Millionen Kisten so lange leer vor mir hergeschoben bis schließlich die Zeit mit dem Recyclinghof drohte, aber ums Drücken geht es gar nicht, es geht ja immer nur ums Trotzdemschaffen.

Jedenfalls stand ich dann irgendwann vorm Bücherregal und packte ein und blätterte ein bißchen und packte dann doch weiter und ab und zu warf ich weg sortierte ein wenig (in „wichtig”, „nicht gar so wichtig” und „trotzdem”)  und irgendwann fiel mir auf: hey, das ist ja fast nur noch Fachliteratur, hatte ich nicht auch mal Romane? Auf Anhieb fielen mir einige Titel ein, die ich sicher einst besaß, die sich aber nicht im Regal fanden, kein einziger. Daß ich sie weggeworfen, verkauft oder alle auf einmal verliehen haben könnte, war unmöglich, ich bin Behalter durch und durch, so etwas passiert mir nicht.
Die Liste der fehlenden Bücher in meinem Kopf wurde lang und länger, es wuchs ein beinahe körperliches Bedürfnis, jetzt! sofort! zu wissen, wo die Worte lagen, die mich geprägt hatten, damals, als ich auf dem Papier schon erwachsen war, aber sonst noch gar nichts. Ich wollte jetzt! sofort! wieder die Biografie von Rio Reiser lesen, den Bericht einer Revolution von einem, der da zufällig reingerutscht war; wollte in Selim Özdogans Sätzen verreisen wie damals in der Hängematte auf dem WG-Küchenbalkon; wollte mit Kemal Kayankaya durch Frankfurt streifen und wollte sogar nochmal die ganzen Popliteraten durchblättern, nur um zu merken, daß ich tatsächlich gereift bin mittlerweile, daß ich mich nicht mehr gar so blenden lasse von Namen und Ranglisten. Sondern einfach so kaum mehr lese, Schande über mich.
Sie waren also weg, all die Bücher, um einige reute es mich ordentlich, aber zu machen war ja nichts. Nur: weiterpacken.

Der letzte Akt des großen Umzugstheaters war das Räumen des Kellers. So viel war das gar nicht: ein paar Fahrradteile, einige Möbelstückchen, eine Menge unbezeichnetes Papier, ein paar Pappkartons – das war alles direkt beim Einzug vor fünf Jahren in das Abteil gestellt und seitdem nicht mehr angerührt worden. Und vorher waren die Kartons auch schon ein Jahr in verschiedenen Garagen gestanden, mitsamt ihrem Inhalt: Schulunterlagen, schlimme Klamotten, die Kiste mit den Pumuckl-Schallplatten – und ganz im Eck stand die mit den ganzen Büchern. Sie hatte einmal Feuchtigkeit abbekommen, aber viel Platz hatten die Seiten nicht fürs Welligwerden, zu eng waren sie in die Bananenkiste gesteckt. Da also war sie, meine Vergangenheit als Leseratte, sechs Jahre verschollen und kein bißchen vermisst.

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Für sieben Tage Urlaub sollten sieben Bücher reichen, dachte ich mir und die Auswahl fiel schwer. Geschafft hab’ ich dann nichtmal das erste, aber viel frische Luft haben die leicht modrigen Seiten abbekommen.

Gruppenbild mit Plörre

2001 war Marc Fischers „Eine Art Idol” erschienen, damals hatte ich es in einem Rutsch verschlungen und die Worte sind noch heute eine wahre Freude, an mangelnder Spannung liegt es nicht, daß es oft liegenblieb – aber Anziehungskraft haben auch Essen und Trinken und Atmen und Leben, und das nicht zu knapp.
Die Sprache ist groß und die Idee brillant (und gar nicht so undenkbar, wie es zuerst klingt: ein „Schattenstaat”, eine große, unsichtbare Revolution, eine schleichende Bewegung, die die Welt verändern will), ich weiß nicht mehr, wie es ausging, aber ich weiß noch, wie ich auf einen Nachfolger fieberte, und auch im Klappentext wird Douglas Coupland zitiert mit „Dieser Autor wird uns in Zukunft noch eine Menge Geschichten erzählen.”

Eine schnelle Suche im Internet ergibt: es wurde noch genau eine (jedenfalls als Buch), „Jäger”, ich erinnere mich an gebanntes Wörterverschlingen. Dieses (Taschen!-) Buch wird heute gebraucht ab 70€ gehandelt und ich weiß, ich hatte es einst.

Nur wo, verdammt?


finde den Fehler

15.6.2009

stilvolles Reisen

Nee, is klar. „Stilvoll” ist ja wohl mal das WiewortAdjektiv, das einem zu den 80ern als letztes in den Sinn kommt…
(Aber pleite geht die andere Kaufhauskette. Die Welt ist vogelwild.)


Hochtief statt Easy Credit…

4.6.2009

Der Sommer kommt, der Depp spielt wieder erstklassig, und der letzte halbe halbe Liter Freibier ging an mich. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Rekordaufsteiger, ha!

Erschreckend nur, wie schnell so ein paar Idioten einem das ganze Fußballfest vermiesen können. So ein paar Rauchbomben und Kanonenschläge klingen in der Zeitung klein, wenn man aber gerade mal 20m davon entfernt sitzt, den Rauch abbekommt, die Böller fliegen sieht – auch aus dem Gästeblock heraus, das ist ja die Schande – den wütenden gegnerischen Mob deutlich durch die Glaswand drohen sieht, „Nürnberg Votzen”-Plakate schwenkend, dann fühlt sich das ganz anders an.

Und natürlich sind die eigenen Fans keinen Deut schlauer, skandieren Schmähgesänge (Die Grenze von lustig zu bitterböse ist schmal, wenn „keine Party, keine Stimmung – Energie” zu „keine Arbeit, keine Hoffnung” wird. Schmähgesang wird zu Fremdschämgesang.), zeigen Stinkefinger und man selbst ist mittendrin und wollte eigentlich nur Fußball sehen. Stattdessen wird man Zeuge, wie sich die einen Vollpfosten mit den anderen verabreden, sich gegenseitig ordentlich aufs Maul zu hauen, wie sich die Gegner einander ausgucken und wie man selbst immer mehr den Glauben an Sicherheit durch -skräfte verliert, wenn man zusehen kann, wie keiner eingreift. Da bekommt man schon mal ordentlich Angst vor den Massen.
Können die sich nicht einfach so irgendwo auf dem freien Feld verabreden, um ihre Aggressionen aneinander loszuwerden, muß das im Stadion sein, mit Zigtausenden friedlicher Fans, die einfach nur Fußball sehen wollen? Und wozu die Rauchbomben eigentlich? Nur um zu zeigen, daß man das Reinschmuggeln geschafft hat (und da nehme ich die Clubfans mit den Schlußpfiff-Fackeln nicht aus!)? Was für ein Armutszeugnis, ich schwanke zwischen Bedauern und Wut und trotzdem:

Ihr schafft es nicht, mir die Freude am Stadion zu vermiesen. Ich will nur nicht mehr in Eurer Nähe sitzen, nie mehr. Nie mehr.


und die Blumen gehen an…

3.6.2009

Danke!

Ja, es ist wenig los hier. Nein, das gilt nicht für das echte Leben. Ja, es ist alles gut, der Bauch wird immer dicker, der Atem immer kürzer, die Blase immer noch ein Stückchen kleiner. Alles normal also, nur daß den Aufstieg alkoholfrei begießen doch ein bißchen schal ist, aber das kriegt das Kind alles ein Leben lang vorgehalten, keine Bange.

Aber wozu eigentlich die Blumen?

Es ist ja so, daß ich unlängst um Hilfe bat, dieses Blog bzw. dessen Software betreffend, und prompt meldeten sich tatsächlich Freiwillige. Allein dafür schon: danke! Des Zweiten Hilfe konnte ich denn auch direkt dankend ablehnen – denn der erste, der hier schrie, hatte schon längst alles klar gemacht, alles vorbereitet, alles nachgeforscht, alles selbst ausprobiert, alles idiotensicher dokumentiert und mir nur noch die Quintessenz seiner Mühen zum Ausführen überlassen, und ach, was soll ich sagen – es hat mich keine fünf Minuten gekostet und vor allem: keine grauen Haare, keine Bündel voll Nerven, nicht den klitzekleinsten Heulkrampf!
Wenn man so deutlich gesagt kriegt, wie’s geht, ist es tatsächlich gar nicht sooo schwer, so ein WordPress upzudaten. Aber alleine hätte ich es nicht annähernd kapiert, geschweige denn mich überhaupt getraut. (Und daß es letztenendes doch so lange gedauert hat, bis hier wieder was passiert ist, äh, das ist einzig und allein meine ureigene Schuld, ehrlich. Im Grunde wäre der Käse zwei Tage nach dem Aufruf gegessen gewesen, spätestens. Wahnsinn, wie schnell andere arbeiten können!) Und vermutlich irgendwas böse kaputt gemacht dabei, Archive verwüstet, Sonderzeichen erzeugt, Fotos unauffindbar verlegt. Auf keinen Fall aber mal eben WordPress um siebenhundertdreizehn Versionen aufgefrischt.

Und deshalb, meine Damen und Herren, verneige ich mein Haupt in Respekt und tiefer, tiefer Dankbarkeit vor dem Mechatroniker, dessen selbstloses Zeitverbrennen am Rechner mir eine schicke, neue Blog-Oberfläche, ein sauberes Webroot und eine blitzblank gewienerte Datenbank beschert hat, die zu pflegen und zu bohnern ich gelobe – und ab und zu wieder zu benutzen auch. Haben also alle was davon. Danke!

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Nachtrag: der Dank für die picobello Datenbank geht auch an den stillen Mitleser J., der mir den geheimen Trick verraten hat, wie man Tabellen umbenennt, um zu testen, ob man sie überhaupt braucht. Großartig, Profis an der Hand zu haben. Vielen, vielen Dank!


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