2 | 2009

nächtliche Eingebung

28.2.2009

Man müsste jetzt eine Band haben und sie Finanzkrise nennen, man wäre in aller Munde.

[Ich weiß, ich weiß, dafür wäre jetzt Twitter da, aber woran merkt man, daß man alt wird? Wenn man über die Anschaffung einer elektrischen Parmesanreibe nachdenkt, aber sonst nicht mehr jeden Quatsch mitmacht.]


Wohnungswechselwehmut, morgens

25.2.2009

wandweiss1.jpg

Und dann scheint die Morgensonne ins Schlafzimmer und ich öffne die Augen und sehe rüber zur Wand mit dem hingestümperten Putz, in dem man so viel erkennen kann, nur keine weiße Fläche (fast hätte ich das meiner Mutter als Designer-Strukturtapete verkaufen können, aber dann mußte sie ja unbedingt mit dem Fingernagel in den feinen schwarzen Linien herumpulen und „Risse!” rufen) und stelle langsam scharf und sehe die gähnende Robbe und die schicke Insel mit dem Giraffenumriß (so viel Strand!) und fünfsechsacht andere Dinge, und später, senkrecht dann, auch die Bilder an den Nägeln.

wandweiss2.jpg

Wenigstens die werde ich mitnehmen können.


Neues aus der Faltenpflege

24.2.2009

Ist Sex im Altersheim eigentlich Greisverkehr?

[Ein schlechter Kalauer ist immer noch besser als Blogstillstand.]


XXXehrlich

19.2.2009

ehrlich.jpg

…wenigstens im Restaurant.

Und als nächstes schreiben wir dann auch im Prospekt statt „teilmassiv”:
was wir nicht aus Plastik/Papier/Pressspan nachbilden konnten, ist ausnahmsweise aus Holz
, ja?


Liebe Sonne!

18.2.2009

So langsam hab’ ich das Gefühl, Du lachst mich aus. Ist ja schön, daß Du seit Tagen scheinst, aber das machst Du doch mit Absicht, daß Du ausgerechnet im tiefsten Winter die letzten fünf Parkplätze vorm Haus dreist übergehst, links liegen- und schändlich auslässt!
Du weißt doch, wie knapp es hier eh immer ist mit parken, da kann ich doch nicht auch noch darauf achten, mein Auto bei angekündigten Minusgraden grundsätzlich auf der anderen Seite abzustellen. Zumal, und das wird Dir ja kaum entgangen sein, ich ja nicht gerade gut in dieser Manöveriererei bin und da nehm’ ich eben lieber einen einfachen, wenn er sich mir bietet. Okay, wenn das Deine Art ist, mich zum Üben zu bringen, meinetwegen, heute abend werd’ ich dran denken, Du hast gewonnen.

Aber hey, jetzt haben wir genug gelacht. Haha. Jetzt könntest Du bittebitte mal eine Ausnahme machen und in der nächsten Stunde mal kräftig auf mein Auto scheinen, Fahrerseite reicht, komm schon, spring’ über Deinen Schatten und luhr’ mal ums Häusereck. Bitte, verdammt nochmal!

Heute brauch’ ich meinen Wagen nämlich wirklich, heute ist meine Geduld am Ende, heute schlendere ich nicht einfach zur Bushaltestelle stattdessen – heute muß die Tür aufgehen, haben wir uns verstanden?
Also mach hinne, gefälligst!

Und wenn Du das nicht schaffst, oller Glühstern, dann nehm’ ich einfach einen Eimer heißes Wasser mit runter. So. Das werden wir ja wohl noch sehen, wer hier am längeren Hebel sitzt.


Nimm das, Valentin!

14.2.2009

uralt

Ach nee, das war ja damals. Heute ist süßer!

valentinsherzen.jpg

Die Idee ist leider nicht von mir, dafür aber das Rezept [Hey, in cups messen. Soweit kommt’s noch. Ihr seid doch fixiert, Ihr Amis!]: 250g Butter schaumig rühren, 250g Zucker dazu, ein Päckchen Vanillezucker, eine Prise Salz, abgeriebene Zitronenschale, 3-4 Eier, alles ordentlich verquirlen und dann 500g Mehl mit einem Päckchen Backpulver mischen und dazusieben, 100-200ml Milch dazu, bis die Konsistenz „schwer und pappig” erreicht ist. Als Füllung super: Preiselbeeren. Zum Füllungsbohren eignet sich prima ein Apfelgehäuseausstecher und wem wie mir die Buttercreme mißlingt, der nimmt einfach Zuckerguß (mit Zitronensaft wird’s nicht gar so süß). Geht auch, irgendwie.

Am Schluß kommt’s ja eh nur drauf an, das Zeug mit ordentlich Liebe zu fabrizieren, verdammtnochmal.

_______________________________________________________________________________________________________

Dazu unbedingt servieren: Züriwest mit I schänke dr mis Härz. Musikalischer Zuckerguß, gewissermaßen.

[Ich schenke dir mein Herz / mehr hab’ ich nicht / du kannst es haben wenn du’s willst es ist ein gutes / und es gibt noch ein paar andere, die’s nehmen würden / aber dir würd’ ich’s geben”]

_______________________________________________________________________________________________________

Damit man wenigstens weiß, wovon man heute kotzt.


please hold the ohrwurm

5.2.2009

Ich muß sehr böse gewesen sein. Ich weiß immer noch nicht, wann ich wem was angetan habe, aber die Strafe, das merke ich täglich, ist fürchterlich.

Handyvertrag, Telefon, DSL, technische Geräte – man vergißt ja so leicht, wieviel da kaputtgehen kann, wie verwinkelt ein vor Äonen abgeschlossenes Vertragswerk (Hey, seit elf Jahren die Handynummer nicht gewechselt, sticht! Größte Konstante meines Lebens, wenn man’s so sieht.) werden kann („äh, ich arbeite hier seit nulldrei, aber diesen Tarif habe ich noch nie gesehen”) und was so ein Firmware-Update für einen Schaden anrichten kann („nein, rückgängig machen können Sie das nicht, und die Version, die Sie vorher draufhatten, darf ich Ihnen nicht geben”).

Ich hatte in den letzten Tagen viel mit Support-Centern und Kundendiensten zu tun und ich weiß: Teufel, dein Name ist Hotline.

Das fängt ja schon mit der Warteschleifenmusik an. Bedauerlicherweise kämpft auch der Möhrchenprinz derzeit mit dem Telefonhörer gegen ein Kommunikations-Unternehmen, das so offensichtlich intern eben jene nicht beherrscht („Was soll Ihnen mein Kollege versprochen haben? Haha, das ist ja lustig. Geben Sie zu, das haben Sie sich eben ausgedacht. Das können wir doch gar nicht. Glaub’ ich.”), daß man sich sehr wundern könnte, ließe einem die Wut Elan dafür. Dort wird in Endlosschleife knisternde Fahrstuhlmusik geträllert. Anfangs schwoofte er dazu noch beschwingt durch den Raum („Hey, andere zahlen für sowas Geld! Ach, ich ja auch.”), mittlerweile reichen drei Töne aus dem Werk, und er geht an die Decke. Dummerweise übt das Kind von drunter derzeit ähnliche Sentenzen auf der Klarinette. Hausfrieden geht anders, aber hallo.

Ganz anders auch das, was bei 1&1 da derzeit in der Warteschleife läuft. Muß ein humoriger Programmchef sein, hat der Musikgott doch tatsächlich Ulla Meinecke ausgegraben, und die singtIch schreib dir was [hier kurz weghören, verdirbt den Sinn] und es kommt niemals an”. Genau das. Einsicht, Besserung oder nur kruder Spaß? Es wird nicht mein letzter Anruf dort gewesen sein.

Jedenfalls bin ich ein bißchen begeistert, direkt angefixt und midestens fünfzehn Jahre jünger. Ein Schritt vor und zwei zurück – sieht so aus, als ob ich den Rest des Tages bei last.fm verbringen muß. Am Ende gibt’s da auch Ambrosreiserdanzerpurpleschulz?
Hach! Wer braucht schon einen Telefonanschluß, solange das Internet noch geht?


4Wändepunkt, wieder

3.2.2009

Aus der Sidebar ist die Weihnachtsdeko immerhin schon raus, im echten Wohnzimmer lohnt sich das Aufräumen schon kaum mehr, zu drohend steht der Umzug im Raum. Fünf Jahre, und jedes Frühjahr wieder habe ich es geschafft, das Fensterputzen zu verschieben, hätte ja schließlich dieses Jahr endlich die neuen Fenster geben können, lohnt doch alles die Mühe nicht.

Fünf Jahre her, eine Ewigkeit, was alles passiert ist seitdem, mehrere Leben könnte man füllen. Und doch weiß ich es noch, als wäre es gestern gewesen, der Neuanfang in der alten Heimat, der erste richtige Job, die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe und dann der traurige Zufall, der für mich die Traumwohnung bedeutete. Jedenfalls nach Entrümpeln und Renovieren.
Das waren harte Wochen, tagsüber im schlimmen Büro, dann erstmal Überstunden und abends diese Räume bewohnbar machen. 60 Quadratmeter Leben sortieren, für die sich nicht einmal die eigene Tochter interessierte, gibt es etwas traurigeres? Immerhin mußte ich die Sachen nicht selbst wegbringen, aber der Anblick von ekligen Details (ich sage nur: ungereinigte Gerätschaften zur Partnerlosigkeitskompensation) reichte, um mehr als einmal auf der schmutzstarrenden Klofußumpuschelung zu knieen.

Als wäre es gestern gewesen. Und irgendwann saß ich rauchend auf einem Eimer in der leeren Küche in der endlich leeren Wohnung und es war immer noch so viel zu tun, daß an wohnen nicht zu denken war und in dem Moment fiel eine Bahn Tapete wieder von der Decke. Rotz und Wasser habe ich geheult, ein paar Minuten lang, dann machte ich mich wieder über die Türstöcke.

Das Rauchen habe ich ja mittlerweile aufgegeben, smoke gets in your eyes und so, man muß die Risiken minimieren.

chiliconvista.jpg

Ein paar Flüsse werde ich trotzdem heulen, wenn die Küche wieder leer ist.


%d Bloggern gefällt das: