6 | 2008

Das Glück ist rund

30.6.2008

und rot und macht rechtschaffen Flecken, wenn man es zu sehr herzt.

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[Aus der Reihe Weisheiten, trunken vor Sommer]


Opferbereitschaft für den Fußballgott

26.6.2008

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Nur für’s Protokoll: das 1:1 hab’ ich geholt mit einem mutigen Sturm aufs Klo bei laufendem Spiel.
Danach mußte ich natürlich mehr trinken als ich eigentlich wollte, aber was tut man nicht alles für die Mannschaft. Aua.

[Außerdem bin ein kleines bißchen neidisch auf Ninifayes schickes Trikot. Vielleicht, weil es im Gegensatz zu meinem noch so frisch aussieht, aber wenn der Aberglauben das Waschen während des Turniers verbietet, dann muß man da durch. Und alle anderen auch.]


heiteres Berufverbraten

25.6.2008

Der großartige Harry Rowohlt soll ja einmal gesagt haben: „Dereinst wirst du dich für jeden Kalauer, den du dir verkniffen hast, vor deinem Schöpfer verantworten müssen.“
Wenn das so ist – dann raus damit, bevor die Sintflut kommt.

Ist einer, der Bilder auf Brüste sticht, eigentlich ein Tittowierer?

PR- und Marketing-Fuzzis sind ja eher so Schwatzarbeiter.

Haben schweizer Chiropraktiker eigentlich Nummern- oder Chirokonten?

Warum heißt der, der das Bier macht, nicht Brauarbeiter?

[Mehr hier oder hier.]


Deutschland vor

25.6.2008

Wozu ja übrigens so ein Deutschlandfähnchen vortrefflich taugt: um zu beweisen, daß in diesem Cabrio das Windschott für’n Arsch ungefähr gar nichts bringt. Hält man es zwischen die Sitze, so weht es schnurgerade nach vorne, mit wie ohne Schott. Windschrott. Visuell sowieso.

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[Abbildung nicht mal ähnlich. Aber nun mal auf Lager. Kann ja nicht immer alles passen.]


Fenster zum Hof, offen

23.6.2008

Absurd ist ja: man ist schon froh, wenn das Nachbarskind auf seiner Klarinette statt der ewigen Weihnachtslieder mal die Nationalhymne übt.

Immerhin singt der Bengel nicht mit seinem Kumpel zweimal 45 Minuten lang die gleiche Schlaufe, wie die beiden etwa Neunjährigen hinter mir beim letzten Clubspiel gegen Dortmund. Ja, gut, es hat geholfen, gwunna hammer, aber der Preis war hoch. Fast höher als die Stimmen. Immerhin, eisern durchgehalten haben sie, Respekt. Ich wünsch’ euch bald Stimmbruch.
[audio:http://www.stilhaeschen.de/wp-content/uploads/2008/06/aufgehtsnuernberg.mp3]

Und dann wünsch’ ich mir noch, „es wär´ wieder mal Sommer / ich spiel’ am offnen Fenster Klavier”, obwohl ich das gar nicht kann, auch die Gitarre habe ich viel zu lange nicht einmal abgestaubt, aber seit Tagen habe ich wieder diesen großartigen Song von Herwig Mitteregger im Ohr. Jetzt auch auf der Anlage, wollen wir doch mal sehen, wie das als Bastardpop mit Haydn klingt.

Direktlink


Arbeitstitel Abschied

19.6.2008

So, das war’s dann also jetzt mit uns beiden. Komm schon, keine Tränen, und bitte bloß nicht noch einen Neuanfang, den hatten wir schon oft genug. Jedes Mal wieder voller Hoffnung, jedes Mal wieder sich selbst beteuert, daß es diesmal klappen würde, alles prima, Himmel voller Geigen und all das und irgendwann dann doch wieder nur Ärger – immerhin immer wieder neuer, das wenigstens können wir uns nicht vorwerfen, wir sind immer wieder an anderen Geschichten gescheitert.

Immer wieder gleich aber war, daß irgendwann die Frustration einzog, das mußt auch du zugeben, so verstellen konnte ich mich nie, du hast meine mitgekriegt und zurückgestänkert, ein Teufelskreis, und auch wenn immer ich ging, du kamst hinterher, in neuen Klamotten, mit mehr Versprechen und jetzt ist einfach gut, weißt Du.

Sicher ist der Neue eben eines nicht: sicher. Aber wie sicher warst Du denn je? Du kippeltest auch mehrmals, bei allerhand Luftzügen, schon vergessen? Hey, die Zeiten sind vorbei, in denen man beim Allerersten blieb bis daß die Rente scheidet. Heute ist heute hier, morgen dort und warum nicht einfach mal selber strampeln statt irgendwo aufzuspringen?lichtamendeundsoweiter.jpg
Niemand behauptet, daß es leicht werden würde. Aber wenn ich nicht jetzt gehe, dann gehe ich nie. Mach’s gut ohne mich, Festanstellung.


Schlafnomaden

19.6.2008

Interessant ja auch, wie innerhalb einer Stadt die Nationalitäten Stadtteilländer bilden. Der Kollege wohnt an der Grenze Italien-Griechenland, ein paar Straßen weiter ist schon Polen, der Großteil von Gostenhof aber ist türkisch. Jedenfalls, wenn’s um’s Feiern geht.

Und so stand ich am Montagmorgen dort beim Bäcker und um mich herum Wehklagen, wie laut die Fregger wieder die ganze Nacht durch und schaunerhie, däi Aungringler, und der Dönerachmed is ja okay, aber dem sei Kumbels mäin doch aa a Zuhaus hamm.
Dann wurde ich um meine persönliche Empörung gebeten und ich fing gar nicht erst mit den polnischen 140-Dezibel-Schlagern aus dem Nachbarhaus des Möhrchenprinzen an (mitten in der Nacht. Mit Panflöte! Die hört man noch, wenn man erschöpft vom Gegen-Wände-Trampeln ein Zimmer weiter aufs Sofa sinkt. Phantompanflöte, ob das als Nervenkrankheit durchgeht?), weil ich dann doch wieder nur kein Ende finde, sondern sagte nur: „Die Türken hört man hinten nicht und naja, wenn Polen spielt, dann schlafe ich lieber bei mir zuhause in der Nordstadt”, und die müde Bäckersfrau war sichtlich neidisch auf die Möglichkeit der stadtinternen Migration im Bedarfsfall.

Gestern also gewann Rußland. Ich brauchte es mir nicht ansehen, ich hab’s die ganze Nacht gehört. So einfach geht Vermissenmachen.


Lokalrunde – aus der Reihe „abgefahren, diese Traditionen”

16.6.2008

Ecken gibt’s, die kennt man nicht. Die hier ist rund, -um grün, über hundert Jahre alt und wenn es regnet, finden dann doch keine Steherrennen statt.runde.jpg
Statt an die Sieger werden die Blumen in so einem Fall an die Zuschauerinnen verteilt und die Zeitung hat Recht, wenn drinsteht, daß man „Zuschauer auf dem Nachhauseweg trifft, da entstehen schöne Gespräche”.blumen.jpg

„Darf ich fragen, ob das die Blumen vom Europameister sind? Die bekomme nämlich sonst immer ich!” Die Dame hat schon einige Geburtstagssträuße welken sehen, aber der Schalk steckt tief in den Fältchen um Augen und Mund. „Mein Sohn ist sein Schrittmacher, wissen Sie”, sagt sie stolz und ich biete ihr den Strauß an, verdient ist verdient. Sie winkt ab, „neinnein, ich bekomme den das nächste Mal wieder; dann gehen Sie leer aus!”. Darauf freut sie sich schon jetzt, der Schalk blitzt und donnert geradezu, dann fügt sie fast erschrocken an: „Sie kommen doch auch? Wo wir ja heute schon um die hübschen Männerbeine gebracht worden sind.” Kichernd wie das junge Mädchen, das sie unter den weißen Haaren ist, steigt sie in die S-Bahn.
Klarer Fall, daß auch ich wiederkommen werde. Auch wenn ich dann ohne Blumen heimgehe.


instant delivery

12.6.2008

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Seit mehreren Wochen unbändiges Verlangen nach Leberwurst. Gebe nach, wann immer es geht. Vertrage jetzt gefühlt weitaus mehr Alkohol als vorher.

Beobachten.

(Nicht nur in diesem Zusammenhang unbedingt ans Herz zu legen: „Tagebuch eines Trinkers” von Eugen Egner. Jedenfalls für alle, für die Sätze wie „Unbekannte Frau in der Fußgängerzone verbot mir, in ihren Armen zu sterben. Wenig schöne Szene. Danach Glühwein und rücksichtslose Kirchenkritik auf dem Weihnachtsmarkt. Schürfwunden.” an Literaturnobelpreis grenzen. Sonst lieber lassen.)


Spielfeldforschung, Elfmeterschießen

8.6.2008

Ich halte ja nix von dem Genderkram, aber so ganz ohne Vorspiel? irgendeine Einleitung muß schon sein.

Als Frau schreibe ich ja nicht über Fußball, ich verarbeite nur meine Fangefühle (hihi, na, auch erst anders gelesen?). Das mit dem Ausgeklügelten und vor allem dem Objektiven, das kann ich schon rein biologisch gar nicht und überlasse es gerne denen, die es beherrschen. Verlinken kann ich’s ja grade noch trotzdem.

Bei Spreeblick wird messerscharf Thorsten Frings analysiert: „Hasst leidenschaftlich Miroslav Klose, weil der Gefühle hat. Man braucht einen Spieler wie Frings, muss dann allerdings auf abendliche Alpenwanderungen verzichten, weil ein Jäger ihn erschießen oder Frings einen Hund fressen könnte.

Im Katzenblog wird genau erklärt, warum Ballack nicht nur ein arroganter Schnösel, sondern auch vollkommen verzichtbar ist: „Durch dauernde Distanzschüsse, die das Tor i.d.R. um mindestens zehn Meter verfehlen (Maßeinheit: 1 Ballack) verleitet er Reporter zu elenden Floskeln wie ‚Ja richtig! Einfach mal abziehen und es aus der Distanz probieren! Auch wenn der Schuss 1,5 Ballack danebengeht, wie immer.’

Meine Rede. Und dann hat auch noch Hans Meyer in der Zeit die EM durchgetippt. Gehen Sie davon aus, daß wieder große Knaller dabei sind. „Luka Modrić macht Dinge mit dem Ball, da fängt mancher Trainer vor Freude an zu onanieren.” Hach, ich vermisse ihn.

Da hätten wir sie wieder, die Gefühlsduselei. Ich geh weinen, Ihr macht Euch schon mal langsam warm für heute abend. Und das Bier kalt.


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