4 | 2008

Woran man merkt, daß Frühling wird

28.4.2008

Magnolienblüte am Arsch, und geht mir weg mit den barfuß über Blumenwiesen tanzenden Turteltäubchen.
Hier
ist Frühling, wenn es vom Sofa tönt „Häschen, ich fänd’s prima, wenn das Bier langsam mal vom Balkon in den Kühlschrank zieht”.

Is okay, dann ist da endlich Platz zum Walzern. Ich zieh’ schon mal die Schuhe aus.


Wagner weiß was

26.4.2008

Liebes Stilhäschen,
kannst du wohl mit mir übereinstimmen, dass das heute ein unnützer Tag und die zwei Gegentore in der zweiten Halbzeit entschieden zuviel waren?
Was soll man mit einem solchen Tag machen, nicht Fisch nicht Fleisch?
Ich finde man sollte mal anfangen, Antworten zu geben auf Fragen, die man sich nie gestellt hat und den Tag mit unnützem Wissen füllen.
Wußtest du das Gloria Gaynor – I will survive die Nummer 1 der Karaoke Charts ist?
Ist so.
Zwanzig von hundert Menschen, die sich vor einen Karaoke-Automaten stellen, wählen diese Nummer.
Was wiederum den Schluß nahe legt, dass mindestens ein Drittel (ganz vorsichtige Schätzung) derer, die sich da hinstellen neben einer Profilneurose auch noch unter akuten oder wenigstens latenten Liebeskummer leiden und keine guten Freunde haben die sie zurückhalten könnten.
Vermutlich haben sie auch alle zuviel getrunken und warten auf ein Wunder, so als könne singen helfen, als würde so der/die Angebetete zurückkehren, als würde so der Schmerz nachlassen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich hoffe mich in solchen Situationen auf meine Freunde und den Überlebenswillen meiner Selbstachtung verlassen zu können. Sollten beide versagen, hoffe ich dass in der Playlist des Automaten wenigstens Revolverheld – Scheiß auf Freunde bleiben vorkommt. (mehr …)


stille Häme

22.4.2008

Ich hab’ ja noch nie kapiert, warum der anstrengendste Part am Wandern fürs Erfolghaben steht. Es geht bergauf! Ja bäh. Wenn’s nach mir ginge, es liefe einfach nur. Literweise. Vom Faß.

Fußballtechnisch läuft’s heuer ja nicht nur nicht annähernd so gut wie letztes Jahr, sondern eigentlich gar nicht. Also wie eben dieser Ball letztens. Aber auch wenn jetzt wieder die ganz falschen den großen Krug schwenken, eines tröstet: auch deren VIPs fette Ärsche sitzen in den Business Lounges in Clubsesseln. Höhöhö.


La Vie En Tulipe (Teil II)

19.4.2008

[Teil 1 hier]

Liebes Stilhäschen,
zugegeben: ich habe schon wieder ganz schön auf mich warten lassen, und der Cliffhanger den ich versucht hatte war nun wirklich so erbärmlich, dass man beinahe Bobby Ewing unter der Dusche erwarten könnte.
Kommt aber nicht, ich war nur einfach so furchtbar müde, dass mir quasi sekündlich der Kopf zum Schlafen auf die Tastatur gefallen ist und ich erst Stunden später mit lauter lustigen Abdrücken im Gesicht wieder aufgewacht bin.
Ich glaube so ist das Leben, manchmal hat man das Gesicht voller Wörter, die man gar nicht gedacht hat und Frühjahrsmüdigkeit ist die stärkste Droge, und die Langweiligste.

Natürlich ging es weiter, es geht ja immer weiter und sei es, dass sich nur die Stagnation fortsetzt. Es wird immer wieder neues Bier gebraut, die Erde dreht sich immer weiter wie betrunken um die eigene Achse, der Fußballgott bleibt ein Bayer, Waschmaschinen gehen kaputt und immer so weiter.

Ich zucke also mit den Schultern als Antwort auf Katharinas Frage, was ich denn jetzt vorhabe.
Ich kann mich ja schlecht in ihrem Laden vor ihr auf die Knie schmeißen und ihr das Blaue vom Himmel versprechen, oder mir die Klamotten vom Leib reißen und „alles deins!“ schreien, oder eine Demo organisieren oder so, alles total filmreif aber eben auch extrem lebensuntauglich.
„Einer Blumenverkäuferin Blumen bringen ist ja nun total sinnlos“, sage ich, „das ist so wie Bier in eine Brauerei schleppen.“ (mehr …)


Gedanken auf Spielplatzbänken

8.4.2008

Wenn auch nur bei jedem zehnten kleinen Marvin die Eltern ein kleines bißchen an Mr. Gaye gedacht haben – dann nehm’ ich meinen Haß zurück und glaube an das Gute.


Edds reiß di zamm, Debb!

4.4.2008

schneefreunde.jpg

Er war zwei, drei Jahre älter als ich und sein Stoffaffe hieß Saddad, weil dieser Name damals immer in den Nachrichten fiel. Das verlieh seinem Kuschelfreund so was prominentes, meinte er, wenn sicher auch in anderen Worten. Ich war neidisch und zum ersten Mal sowas wie verliebt.
Mein allererster Freund war einer, wie Frauen ihn sich noch heute in Kontaktanzeigen wünschen: er muß mich zum Lachen bringen, hihi. Unvergessen sein Rollschuh-Stunt über den Gullideckel. Die Panik kam immer erst mit dem Blut, vorher war immer alles ganz großer Zirkus.
Als er den Affen später in Mubarak umbenannte, tadelte mein Vater seine Inkonsequenz. Man müsse auch mal zu Entscheidungen stehen und so. Die erste Schwiegersohnkrise eskalierte dann noch ein paar Jahre später, als ich beim Abendessen meinen Immernochschwarm zitierte mit den Worten „lieber der beste in der Anfängergruppe als der schlechteste bei den Fortgeschrittenen”. Ich glaube es ging um Skikurse. Verständlich, daß Hannes sportlich lieber kleine Brötchen buk, zu genau kannte er den Weg ins Krankenhaus, unsere Kindheit war reich an Verletzungsmöglichkeiten: Kettcar (die Füße vor die Pedale legen und damit bremsen; schmerzhaft, wenn’s umschlägt), Schlitten (auch hier erst mit den Füßen und dann mit dem Gesicht bremsen), Roller (anschieben, draufspringen, abrutschen, Krankenhaus), Stelzen (Der Gullideckel des Schreckens. Gibt’s den Film schon?). So entstand die Generation Autofahrer. Noch Fragen?

„Kein Ehrgeiz, der Junge, und das schon in dem Alter”, bitter wehten die Wehklagen durchs Viertel, von schlechtem Umgang wurde gesprochen und das wurde nicht besser, als er später die Musik entdeckte.
Heute soll er übrigens trotz allem glücklich sein, was man so hört.

In letzter Zeit denke ich häufig an den damaligen Nachbarsjungen und an seinen Satz mit der bescheidenen Gruppenhierarchie. Und daß die anderen Nachbarn vielleicht absichtlich immer wieder den Aufstieg vergeigen. Lieber groß auf dem kleinen Rasen, als am Ende noch die Nürnberger um das bundesligataugliche Stadion anbetteln müssen. Komplett verständlich. Aber daß jetzt andersherum droht, demnächst zu Auswärtsspielen mit der U-Bahn fahren zu können, das ist nicht nur erschreckend, das ist eine Katastrophe. Allerhöchste Zeit, sie abzuwenden!

Es gibt eine Menge Wettbewerbe, bei denen man mit dem achtzehnten Platz zufrieden sein kann. Der Ironman auf Hawaii zum Beispiel oder das Ranking der reichsten Deutschen. Die Bundesliga, meine Herrschaften vom Valznerweiher, die Bundesliga gehört nicht dazu.

Deshalb also trägt das Häschen da oben jetzt Schal. Nicht weil’s so kalt wäre, sondern weil’s so verzweifelt ist. Und ich würd’ sogar eine Dankestat leisten, wenn der Depp den Klassenerhalt schafft. Allein, mir fällt noch keine ein. Mit dem Kettcar nach Fürth trau ich mich nicht.


aus der Reihe „erstaunliche Leistungen”:

3.4.2008

Im Dunkeln betrunken eine Katze fangen. Aber für sowas gibt’s wieder keine Orden.


La vie en tulipe (Teil I)

3.4.2008

Liebes Stilhäschen,

du weißt ja, ich glaube immer noch nicht, dass ich zum blogschreiben tauge, und wenn ich erstmal etwas nicht glaube, dann ist es schwer mich vom Gegenteil zu überzeugen.
Allerdings habe ich auch nie geglaubt ich würde mich mal in eine Blumenverkäuferin verlieben und ihr Pralinen kaufen.
Aber manchmal überrascht man sich.
Ich hatte doch dieses Jahr schon wieder Geburtstag und hatte überraschend gute Laune. Normalerweise bin ich ja nicht so ein Geburtstagsfreund.
Sich für etwas feiern lassen, an dem man selber den denkbar geringsten Anteil trägt, finde ich ja nun doch etwas absurd.
Das ist genau wie Silvester, kalendarisch verordnete gute Laune, so gar nicht meine Angelegenheit, man soll die Feste feiern wie sie fallen, und nicht wie sie im Kalender stehen.
Wie dem auch sei, dieses Jahr war das alles ein bisschen anders; es schien die Sonne, ich war ausgeschlafen, hatte eine bemerkenswerte 10km-Zeit durch das hiesige Naherholungsgebiet gezaubert, die ganzen gutmeinenden Menschen hielten sich zurück und gingen mir mit ihren Aufmerksamkeiten nur sehr begrenzt auf die Nerven.
Kurzum, es war ein guter Tag, ich konnte keinen übermäßigen Haarausfall feststellen und so weiter. (mehr …)


Freitagstexter, die Siegerehrung

2.4.2008

Leute, ich bin begeistert. 63 erstklassige Einsendungen gingen innerhalb der Abgabefrist ein. Die Nachbarschaft bittet bereits um Eierkartontapezierung (Habe ich schon erwähnt, daß ich der größte Prust-Experte der Vereinigten Staaten bin? Wer das Zitat erkennt, gewinnt. Den nächsten Freitagstexter hier Zwei bis sieben Schnäpse. Je nach Sympathie. Prost-Experte bin ich übrigens weltweit. Und nein, google hilft gilt nicht.).
Na gut, ich versuche es kurz zu machen: öh.

Und weil es wirklich so himmelschreiend schwierig ist, da eine Entscheidung zu fällen, habe ich meine Superfavoriten extrahiert und dann gewürfelt bin ich noch mal in mich gegangen.

Die Preise sind verteilt.

(mehr …)


das wird ein langer Abschied

1.4.2008

„Was machst du denn da für einen unsinnigen Scheiß?!”, belfert mich mein Nachbar an. Ich tauche den Lappen in die schwarze Brühe, antworte „er steht morgen in der Zeitung” und habe prompt eine Träne im Augenwinkel.

Was für ein sentimentaler Blödsinn. Heulen, wo sind wir denn? Meine Güte, vier Jahre hatten wir miteinander, ab und zu hat es geknirscht, mal hat er gezickt und jetzt eben ich, und was ist schon für die Ewigkeit? Nur Brigitte- und Lisa-Leserinnen bauen eine Beziehung zu ihrem Auto auf! Das kriegt dann einen Namen und drin-Essen ist tabu und pünktlich zum Quartalsende geht’s in die Waschanlage.
Nein, sowas hatten wir beide nicht. Zum Glück! Aber mit jedem ausgewischten Türfalz wird mir klarer, was die Kerle da jeden Samstag eigentlich wischeln und wascheln und polieren an der Tankstelle. Und dabei haben die noch Spoiler und Alufelgen und Innenspiegelgebömmsel! So viele Dreckfänger-Kanten! Von wegen Männer mögen’s pur und es werde schlicht. Die Geschichte der Geschlechter ist eine Geschichte voller Mißverständnisse muß dringend umgeschrieben werden.

„Aber ich krieg’ ihn eh nicht los.” War da so etwas wie Hoffnung in meiner Stimme? „Bullshit, wieso denn?” „Ich verlang’ zu viel.” Das ist Taktik, Jungs. Vergeßt Poker und Risiko und Krieg.

„Wieso? Das ist doch prima. Jeden Tag steht ein Dummer auf”, nimmt er mir den Wind schon wieder aus den Segeln. „oder ein Blinder”, denke ich, lasse den Innenraum Innenraum sein und gehe mit hoch, sonst wird das Bier schlecht.


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