1 | 2008

Stöckchenalarm

29.1.2008

oder die olle „lebe deinen Traum!”-Scheiße

[Direktlink, youknow]

Und jetzt fassen wir uns alle an den Händen und versuchen uns zu erinnern, was man uns denn in frühester Kindheit versagt/verboten/ausgeredet hat. Dann können wir uns ein bißchen gegenseitig bemitleiden wegen des Feuers, das jetzt in unseren Augen fehlt; denn so brauchen wir uns dann der Salzsuppe nicht schämen, die jetzt stattdessen am Lidrand steht und springen will.

Ich hasse diese berechnenden Fernsehschaffenden, die es hinkriegen, stinknormale Spinner (wie du und ich, das Kotzen könnte einem kommen) bewußt genauso zu inszenieren, daß sausympathische Individuen rüber- und Tränen hochkommen und gleich wieder Selbstzweifel, denn offensichtlich hat man ja selbst nie hart genug an seinem Traum festgehalten, oder woher kommt sonst die ganze Scheißwehmut, die einem da gerade alles mögliche zudrückt, aber sicher nicht die Daumen?

Zuschaueridentifikation und der ganze Mist und die allergrößte Sauerei ist die, daß das Durchschauen all der Mechanismen und Tricks und abgekarteten Kommentare doch eigentlich immun machen sollte, bimbam. Aber Scheißendreck, natürlich.

Ich sollte Oma mal wieder besuchen.

[Und, hat tatsächlich wer mit einem Blogstöckchen gerechnet? Dann raus mit dem Zeug, das man eigentlich hätte weitermachen sollen, statt auf andere zu hören. Oder wie sich so ein Glitzeranzug anfühlt. Los. Tut nur weher, wenn’s einwächst.]


korrekt bezeichnet

26.1.2008

[Herr sabbeljan nennt es Fragen an die moderne Zeit und stellt die Ergüsse zur Diskussion. Ich bestimme einfach und undemokratisch die neuen Fachausdrücke. Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Menschen sind.]

Sich unförmig und unzusammenhängend zeigender Bart-, Kopf- und Brustbewuchs: Haarchipel.

Altersbedingte Berufskrankheit bei Gärtnern: Rechenschwäche.

Die bei spontanen schnupfenbedingten Eruptionen ausgeschleuderte Feuchtigkeit: Nieselregen.

Und wirklich: ich bin noch nüchtern. Aber nicht mehr lange.


Alarmstufe offroad

25.1.2008

[Nicht alles, was schnurgerade aussieht, fühlt sich auch so an.]
Alles klappt wie am Schnürchen, du klapperst all die Perlen ab in genau der Reihenfolge, die du dir ausgedacht hast, dein Leben ein Plan und eine Hand am Lenkrad reicht, um den Kurs ab und zu leicht zu korrigieren; die lange Gerade vor dir, ihr zu folgen ist das leichteste der Welt, ab und an ein Schlagloch, aber ha! vollgefedert! und bei diesem Gedanken steigt dein Bein in die Eisen, ohne dich vorher zu fragen.
Du also bist gefedert und dein Weg geteert. Er liegt schon und wartet, du fährst ihn ab, einfache Sache das und bislang schätztest du daran etwas wie Verläßlichkeit; jetzt auf einmal wird dir langweilig dabei. Nein, Langeweile trifft es nicht, es gibt trotz all der Geradlinigkeit immer noch genügend Unwägbarkeiten, da springen dir andere in die Bahn, da nimmst du wen mit oder läßt jemanden aussteigen, manchmal regnet’s, mal ist’s glatt, zum Gähnen bist du nie wirklich gekommen – nur jetzt auf einmal stellst du dir die Frage: wer sagt eigentlich, daß es diese Straße ist, dein Leben?

Niemand anderes als du selbst, aber diese Entscheidung ist schon eine ganze Weile her, das merkst du jetzt, wo du am Straßenrand stehst und die anderen scheinbar an dir vorbeiziehen. Du bleibst stehen und nimmst dir einfach die Zeit, mit der Zukunft zu spielen, kramst im Handschuhfach, findest Zigaretten, wie lange das alles her ist, und dann willst du festhalten an einem Plan, der noch viel älter ist? Wer war das eigentlich, die den gezeichnet hat? Und auf einmal kannst du wegwerfen, die Schachtel reizt dich nicht mehr im geringsten, obwohl sogar Feuer da wäre, aber das nimmst du lieber, um am Standstreifen den ganzen alten Kram zu verbrennen. Und ganz unten findest du ihn doch, den Straßenatlas, schlägst ihn auf und wieder zu, wirfst ihn mit in die Flammen, genug geplant, bei der nächsten Gelegenheit biegst du einfach mal ab.
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Wird schon gutgehen. Ankommen wird eh überschätzt.


Paoppkamerad

22.1.2008

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Ach so?! Aber womit denn, Karl-Otto*?

Prickstift? Oder vorsichtshalber gleich was zweikomponentiges – mit Härter? Ach so, du bist aufgeregt. Dann reicht wahrscheinlich Sekundenkleber. Muahahaa.

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* weil man Zitate ja angeben soll: daher kommt das. Und wie das Bild zum Thema passt…


rechts neu: Links andersrum.

9.1.2008

Alles neu macht nicht nur der Mai, übrigens. Diesmal war ich’s selbst. Auch wenn es wahrscheinlich niemandem auffiel: diese Seite hatte eine ganze Weile lang böse Löcher. Nicht nur, was Einträge angeht – auch die Sidebar war schon mal voller, aber hallo.

Jetzt ist sie wieder so komplett wie sie einst im Herbst war, bevor es losging mit dem Hirnfraß auf dem Server und bei mir. Sie hat sogar Zuwachs bekommen: unter „woher” werden jetzt die letzten Blog-Referrer gelistet. Der famose Mek nennt das bei sich „interaktive Blogroll” und hat mir nicht nur erlaubt, die Idee schamlos zu klauen, sondern auch kräftig geholfen beim Einbau. Herzlichen Dank dafür! Der 1.-Classe-Bloghilfe-Orden ist für Sie. Die Blumen auch.

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„Referrer! Schnickschnack! Edds isse völlich abgehoben! Als näggsdes bousted se blous nu aff englisch übber Dahdenbanggvariablen und Brillnglasschdärgn über Flaschnbodndigge!” mag sich der Leser denken – aber so weit wird es nicht kommen, versprochen. Habe ich doch von einem davon nicht die geringste Ahnung.

Angezeigt werden dort die Seiten, über die letzten Besucher zu stilhäschen.de gekommen sind (derzeit: in den letzten beiden Tagen); interessant finde ich das, weil es etwas hat vom Web2.0-Netzespinnding „Leute, die das mögen, mögen auch” und weil ich selber weiß, daß ich meine eigene Blogroll viel zu eng gesteckt habe. Ich freue mich über jedes Auftauchen in fremden Blogrolls – aber ich bin ein bißchen eigen mit der eigenen. Erstens lese ich mittlerweile viel zu wenig, um mich bei Gefallen zu „revanchieren” – und zweitens mißfällt mir schon der Gedanke des wiedumirsoichdir (auch wenn ich mir den nur einbilden mag) viel zu arg, um ständig die Lieblinks zu aktualisieren. Nennt es unverarbeitete Trotzphase, ich stampfe trotzdem auf. Drittens bin ich natürlich einfach stinkend faul; schieben wir’s einfach darauf.
So jedenfalls werden neben der aktiven Blogroll auch diejenigen Blogs angezeigt, die stilhäschen verlinken – sicher warten dort noch jede Menge interessante Funde. Abgefahrenes Internet!

[Suchmaschinentreffer filtere ich übrigens aus. Das Bild, das sie von mir zeichnen, gefällt mir nicht.]


hausgezeichnet!

9.1.2008

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Schön geht anders, und Besserverdiener ziehen hier nicht freiwillig her. Viel Bausubstanz ist erhalten, so nennt es der Denkmalschützer und freut sich, daß der zweite Weltkrieg wenigstens in diesem Viertel nicht viel fand zum Zerbomben. Das eine Mal hatte er Glück in der Geschichte, der kleine Arbeiter. wirtschaftzurheimat.jpg
Mittlerweile toben hier ganz andere Kämpfe, Jugendliche beschimpfen sich über Strassenecken und ihre Väter gehen abends zusammen in den Kültürverein. Und dann sind da noch die ganzen hippen jungen Dinger mit den abgefahrenen Berufen in Web und Print und Communication, weißte, und wir trugen die Röhrenjeans schon letztes Jahr, übrigens, und die dünnen Ringelschals schon vorletzte Saison. Szene und Gegenszene, alles auf so wenig Fläche, Krieg ist ein zu großes Wort, aber den jetzt überleben die Häuser nur mit Narben, schon längst rennt kein Hausbesitzer mehr jeden Samstag mit Rolle und Farbe entlang.
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Wozu auch? Am Ende steht danach nur ein weiteres „Nazis raus” dran, wie beim Nachbarn. Neenee, dann lieber individuell.
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Ein bunter Strauß an Subkulturen, und manche sind so soft (oder wankelmütig?), die nehmen nur Kreide.
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Ich hab’s schon oft behauptet: Nürnberg ist das neue Berlin (und Fürth der Osten); ein Spaziergang durch diesen Teil der Stadt ist wie ein Kurztrip in den Teil der Metropole, wegen dem man so lange den Moloch für weltoffener hielt als die eigene Provinz: viel Leben auf der Straße, kleine Läden* statt Supermarkthallen, das erste Bier im Stehimbiss vor elf Uhr morgens.

Hier in Gostenhof sähe selbst ein eingefleischter Kreuzberger den Unterschied nicht. Man hört ihn nur, beim Gemüsehändlergruß: Merhabbaserwusswasbrauchmern?

Niggs, dangge, iech schau bluuß a weng.

__________________________________________________________________________* * und schöne! Zum Beispiel „Fachmarie – die Glücksboutique” – schicker Laden, in dem Künstler/Kunsthandwerker/Designer ein Fach mieten und ihre Kleinserien verkaufen lassen können. Hier gibt’s u.a. Schmuck, Klamotten, Taschen – und original umhäkelte Kleiderbügel. Von einer 85-jährigen. Da zeigt mal wer den jungen Hüpfern, wie Kult geht!


anders entschieden

5.1.2008

[Ich hatte keine Kamera dabei – bitte Bild vorstellen:]

Ablegsel im Drogerieregal: auf den Babynahrungsgläschen liegt eine Packung Kondome. Doch die Familienpackung genommen, was?


Vorsatz für 08:

4.1.2008

Mehr Kryptik!

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Nee, is klar.


Jahreswendfetzen und der erste Kalauer 2008

3.1.2008

Jaja, das alte Jahr ist vorbei, das nächste wartet nur darauf, dir alles um die Ohren zu hauen, was ihm so einfällt. Rückblick fällt schwer, da war kaum Abschied, weggeschlichen hat sich 2007, während du nur kurz schlummertest, „nur ein halbes Stündchen, ehrlich”, und auf einmal war es kurz vor Mitternacht. Ganz langsam und ruhig stapfte das alte hinter dir über die Berge, während vorne das neue kam, still – aber lächelnd.

Tatsächlich, da ist etwas wie Optimismus, kaum zu glauben, aber es sieht gut aus, trotz allem. Da ist eigentlich viel zu viel Unsicherheit, an allen erdenklichen Ecken, aber nennen wir sie einfach Möglichkeitspool, das klingt dann schon viel positiver. Eines ist klar: es wird eine Menge passieren in diesen 12 Monaten, vielleicht nicht gleich, aber es werden neue Wege gegangen, neue Gipfel entdeckt und sicher auch ein paar stinkende Tümpel. Sei’s drum. Hauptsache, danach wird wieder gelacht.

___________________________________________________________________________________________Da

Da helfen auch die Begleitumstände Wartezimmer und Schlag auf den Kopf wenig – es ist bedenklich: Brigitte lesen.

Noch bedenklicher: ein Dreiviertelheft brauchen, bis man merkt, daß man diese Ausgabe schon kennt.

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Der junge Arzt wedelt aufgeregt mit einem Bilderbogen herum. „Herr Kollege, kommen sie mal her! Das müssen Sie sich mal ansehen!”, er kriegt sich kaum mehr ein vor Begeisterung, „Hochinteressant ist das! Eine junge Frau! Und dann sowas! Sehen sie nur! Da!”, er zeigt auf eine der CT-Aufnahmen von meinem Schädel, der Kollege kommt zaghaft näher, interessiert, aber mit skeptischer Miene, zu jung ist ihm der Aufgeregte. Was soll der ihm schon zeigen können, was er noch nie gesehen hat. „Da! Schauen Sie mal hin! Eine junge Frau!”

„Ich habe ein Gehirn! Ich! Eine junge Frau!” rufe ich stolz dem zweiten Arzt entgegen. Er beschleunigt seinen Schritt merklich.

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Aus der Reihe Sätze, die mir nicht einfallen wollen heute: „daß nicht alle Menschen, die ich gern habe, einfach auf einem Haufen um mich herum wohnen können, das tut mir ganz schön weh, Welt.” Mannmannmann. Groß.

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Das größte Geschenk, das sich Menschen machen können: willkommen sein.

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Apropos Geschenk: für Weihnachten zu spät, aber schenken sollte man ja bekanntlich immer dann, wenn sich die Gelegenheit bietet – die frängische Dasdaduur. Edzadla.

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Apropos zu spät: schon wieder verpaßt, das hier noch vor Weihnachten zu posten.



[Direktlink]
Es gab auch keine Sägen. Aber Muskelkater in den Aaaamen hab’ ich trotzdem. Ein Meilenstein der Unterhaltung, auch wegen der Nichtzünder.

___________________________________________________________________________________________Apropos

Apropos Kalauer:

„Haste den gesehen vorhin an der Bergstation? Ein Zimmermann in voller Kluft. Mit Hut!”
- „Ich glaub, der ist auf Pistenwalze.”

In diesem Sinne: fröhliches neues Jahr. Es werden noch viel schlimmere kommen. Kalauer jetzt.


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