10 | 2007

Am Arsch, rotes Kreuz,

30.10.2007

laß ich dich bluten! Ihr kommt mir heute grad recht, echt mal, an manchen Tagen bin ich ein sanftes Lämmchen, mundgepflückte Pfirsichhaut kann Schmirgelpapier sein gegen mich, aber heute, heute habe ich die Faxen sowas von dicke, heute kamen mir ein paar zu viele krumm, und nicht einmal das Anschreien von Handlangern der Blödheit auf offener Straße hat geholfen, den Ärger aus dem Blut zu kriegen. Heute bin ich vielleicht erwachsen geworden, meinetwegen, könnt ihr haben, dann renn’ ich ab jetzt wegen jedem Scheiß zum Anwalt. Vielleicht finde ich ja einen gutaussehenden.

Heute also, Blutspendedienst des bayerischen Roten Kreuzes gGmbH, habt ihr mich verloren.
Verdammte Scheiße noch eins, da erbettelt ihr euch eine Ware, an deren Wiederverkauf ihr euch eine goldene Nase verdient, aber ihr kriegt das noch hin, daß die Leute sich nicht übers Ohr gehauen fühlen, sondern glücklich am faden Wurstbrötchen nagen und noch glauben, eine gute Tat vollbracht zu haben. Und damit das so bleibt, bezahlt ihr einen Riesenhaufen Kohle an Werbeagenturen, die die Anzapfstationen bei der Nadel halten sollen, anstatt das Geld vielleicht mal in den Ausbau des Rettungswesens oder die Bezahlung der Mitarbeiter zu stecken. Und dort, in den Agenturen, reiben sich solariumgebräunte Porschefahrer die manikürten Hände, ziehen noch ein paar Linien und donnern den unbezahlten Praktikanten an: „da, text ma, Mailing, los, in zwei Stunden ist Abgabe!”

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Und dann kommt sowas bei raus und fast werde ich sanft bei der Vorstellung, es könnte die Rache des Praktikanten sein, aber dann kocht auch schon wieder die Wut. Wer ficken will, muß freundlich sein, schon mal gehört, hm? Und wer etwas von mir will, der sollte, verfickt noch mal, das Wörtchen bitte kennen, der muß nicht auf Knien meine Fußmatte abschlecken, aber auf keinen Fall sollte er mir polternd in die Tür fallen und mich anherrschen, was ich zu tun hätte! „Ihre Spendebereitschaft darf nicht abnehmen”, gleich als ersten Satz, und in fettem Schnitt, geht’s eigentlich noch unverschämter? Zu toppen wäre das nur noch, indem ihr das nächste Mal die Spritze und den Fünfliterkanister gleich mitschickt (blasenfrei selberzapfen!), ohne Rückporto, oder noch besser: Hausbesuch von der dicken Tante im speckigen Weißkittel, mit Nachschlüssel des Nachts, zweimal die Woche.

Mein Blut jedenfalls, ihr habgierigen Trampel mit den schlecht erzogenen Werbern im Schlepptau, mein Blut jedenfalls kriegt ihr nicht mehr. Heute noch schicke ich Euch den Blutspendepass zurück und die blecherne Ehrennadel gleich dazu, und wenn ich jemals wieder adressierte Scheiße von euch im Briefkasten finde, dann hört ihr.
Von meinem Anwalt.
Bimbambrunzverrecknuamalnei, zefix.


wann ist genug genug?

29.10.2007

Das ist doch alles Riesenbockmist, dieses Gequatsche von nicht unterkriegenlassen und immer wieder aufstehen und weitermachen. Jaja, was uns nicht umbringt macht uns hart und der ganze Zinnober, aber irgendwann ist auch mal gut beziehungsweise eben nicht und man soll nicht nur gehen, wenn’s am schönsten ist, sondern auch wenn sich die Mühe schlicht und einfach nicht mehr rechnet.

Denn mal ehrlich, am Schluß gilt das, was übrig ist und die ganzen drecksantiken Statuen wären gar nix, wenn sie nicht wenigstens noch ihren Torso gerettet hätten durch die Zeiten. Sagt ja niemand was gegen ein paar handfeste Spuren, nicht mal ein abbes Ohr ist ein Beinbruch, meinetwegen dürfen auch ein paar Zehen fehlen, Synapsen sowieso, aber zu einem muß das Hirn immer noch reichen: man muß wissen, wann Schluß ist.

Und dann kann man Teller an die Wand werfen, rumbrüllen, türenknallen, vor Wut heulen oder nur einen Zettel auf den Tisch legen, den Schlüssel vom Bund abmachen, danebenlegen und die Tür ganz leise hinter sich zuziehen, dann kann man sich vor Freude betrinken oder vor Kummer, dann kann man das nächste Abenteuer in Angriff nehmen oder sich verkriechen und alte Platten rauskramen.


[Eddie Brickell: „circle of friends”; Direktlink für die blöden Browser] Eine Riesenscheißlüge immer, diese Durchhalteparolen. Und der Dreckshaufensupergau ist, wenn man sie durchschaut und trotzdem glaubt, es noch ein bißchen versuchen zu müssen, das Aushalten, den Stachel im Fleisch noch kurz umdrehen, vielleicht schmerzt er andersrum weniger, es könnte ja schließlich alles viel schlimmer und woanders verhungern Kinder und dann ist man selbst lieber einfach nur feige und dreht weiter an der Schraube, immer zu, immerzu, und dabei lässt sich’s prima summen. I quit, I give up, nothing’s good enough for anybody else – it seems…


noch mehr aus der Reihe Hachs im Herbst:

27.10.2007

Gebn’S doch dem Mann am Klavier
ein frisches Bier
sang’S eam, des war von mir;
für den Mann am Klavier ein Bier.
(Fredl Fesl: „Ein Pferd hat vier Beiner”)



Es ist ja beileibe nichts neues, Musik kann eine bewegende Sprache sein, und vielleicht häuft sich das hier gerade auch, weil es draussen die Blätter tun. Jedenfalls – und da könnten sich jetzt Musikfernsehfuzzis ruhig mal besinnen und bei drei Vierteln ihres Programmes den ganzen Schirm mit beknackten Teenie-SMS zupflastern, damit dafür die wenigen Goldstücke ganz zu sehen sind – kann so ein Musiker den Hachfaktor enorm steigern durch optische Zuckerl. Und da meine ich kein Bühnengehopse mit einstudiert-laszivem Blick und keine Millionenetats und textilarmes Arschgewackel, da meine ich: eine schöne Idee und Humor („Creep!”). Die Sache mit dem Hund gewinnt mein Herz eh.Doppelhach für Ben Folds und Learn to live with what you are.



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Demnächst dann vielleicht auch wieder Männer an anderen Instrumenten. Bleiben Sie dran.Bringen’S dem Mann am Baß
auch eine frische Maß
denn der Mann, der kann nix dafier
daß er Baß g’lernt hat und net Klavier.

(immer noch Fredl Fesl: „Ein Pferd hat vier Beiner”)

Geschwurbel an Bilderrätsel

25.10.2007

Und da sitzt ihr wieder in deiner Küche, klar ist Besitzdenken irgendwie scheiße, du, aber ja, dieses Possessivpronomen, wie du es immer wieder vermisst, denn keine Küche ist wie deine Küche. „Bei dir kann man wirklich vom Boden essen, Häschen – liegt ja genug rum”, meinte einst ein Verflossener grinsend, und viel hat sich seither geändert, aber einiges bleibt. Immer.

Und manches kommt wieder, das Lächeln zum Beispiel, die Erinnerung und dann die große Zufriedenheit darüber, daß sich Dinge ändern, daß Menschen kommen und gehen, gehen vor allem, stell dir nur mal vor, die blieben wirklich alle. Nicht auszuhalten. Jeden Abend Party hier zwischen Spüle und Tisch, und dann erst die vielen Gläser!

Nein, so wie es ist, ist es gut, es sollte nur nicht so viele Ersätze geben, die deine Küche eben nicht sind. Du solltest jeden Abend hier sitzen, an diesem Tisch, der so viele Umwege gebraucht hat, um endlich anzukommen, wo er ist und hingehört: die Platte hat den Krieg überlebt, aber nicht den Renovierungswahn der Neunziger. Steckte eines Tages in einem großen Haufen Sperrmüll auf der Straße vor dem Wirtshaus; für wertlos befunden, durch Plastik ersetzt. All die Geschichten weggeworfen für vermeintliche Hygiene und Modernität, aber ha, kein Grund zur Klage, es muß auch solche Leute geben, sonst stünde hier auch ein gesichtsloses Ding, dessen einzige Geschichte hoffentlich wenigstens ein Name wäre, aus dem du dir den Wert spinnen könntest.
So aber: diese Platte, damals zusammengestückelt aus Restholz, heute unbezahlbar allein deshalb, weil Arbeit drinsteckt und Wissen und Handwerkskunst. Und auch das Gestell ein Sammelsurium, idee- wie materiell. Der Entwurf von 1942, gefunden in einem Buch aus dem Antiquariat, bestechend simpel, genial! will man rufen, bis sich beim Bau herausstellt, warum dieses brillante Konzept niemals in Serie ging. Und auch das Holz in anderer Augen Abfall (Splinteinschlüsse, mehrfarbig) – heute Trend und teuer, hach, diese Wildheit, wie natürlich! Aber bitte Hochglanzlack drüber, ne? – der ganze Tisch nichts als ein Haufen Wohlstandsmüll, verwurstete Vergangenheit, Recycling. Heute hier, morgen fort: früher kostete das Holz, und das heftig, dafür die Arbeit kaum und ein Stück aus Resten war nur wenig wert; heute ist das Material der kleinste Posten, die Kosten stecken in Arbeit, Innung, Maschinen und Erfahrung, wie die Zeiten sich doch ändern!

Du streichst über die Platte, dieses Holz war schon immer wertlos, aber zusammen, zusammen ist all das hier ein Vermögen. Für den, der es zu schätzen weiß.

Und das bist du und du bist genauso angekommen wie all die Einzelteile um dich herum, die jetzt deine Küche sind, als wäre es ihre Bestimmung gewesen, ein schönes Gefühl ist das und du hörst auf mit dem Schwadronieren, holst Gläser und schenkst ein und als du wieder sitzt und dein Blick auf den Herd fällt und den Stapel wartenden Abwasch, da deutest du darauf und lachst und sagst: „Filmtitel!” und die Antwort kommt prompt. Angekommen, sag ich doch.
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[Hilfe zum Filmquiz in den Kommentaren; mehr Möbelgeschichten hier]


mehr aus der Reihe Hachs im Herbst:

23.10.2007

Bodo WartkeWas ich gerade denke.
Ganz besonders schön dabei: das grüne Hemd paßt so wunderbar ins Layout, daß ich mir alle weiteren Worte sparen kann. Obwohl ich auch das nachmittägliche Trinken nicht ungelobt lassen will. Hach.


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[via gefunden hier]


Schenkbefehl

21.10.2007

Schon längst stehen wieder Spekulatius und Schokonikoläuse vor den Supermarktkassen, die Heizung bollert und das Teewasser pfeift sein trauriges Lied von der kommenden Kälte, es ist die Zeit, in der man wehmütig den Sommer wegräumt.

Und wenn man dabei Schätze findet*, kann man den Kaufbefehl in Geschenktips verpacken, das passt zwar zeitlich prima zu den Spekulatius, aber bloß nicht warten bis Christkind, ich finde ja: die Zeit zu schenken ist immer jetzt.

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Wer jetzt kein Kartenhaus hat, baut sich keines mehr… – wunderschönes „Taschenquartett für traurige Mädchen” von Julia Landsiedl, zu bekommen hier.
Und wehe, auch nur ein trauriges Mädchen muß sich das selber kaufen!
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* Das schöne am Chaos ist ja: man freut sich mehrfach über schöne Dinge – jedesmal, wenn sie wieder auftauchen aus den Tiefen. Diese Karten machen mir jetzt zum mindestens dritten Mal Freude. Hach.


Enthüllung

19.10.2007

„Wo hat die nur immer die üblen Kalauer her?” – das fragen sich nicht nur Leser, das fragen sich auch echte Menschen. Täglich.
Die Wahrheit: ich hab’ da so’n SMS-Abo.
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Oder werde nachts um drei angerufen („Hihi, Häschen, wo wohnen die Katzen?” – gähnend: „Hä?” – „Na, die Katzen! Wo wohnen die Katzen?!” – „Hääää? Was willst Du, Mann? Es ist drei! In der Nacht!” – „Na, hihihihi, im Miez-Haus! Hihihi! Schlaf gut!”). Danke. Schönes Gefühl, nicht alleine bescheuert zu sein.


klarer Fall

19.10.2007

Wenn in beiden Hosentaschen münzgroße Löcher klaffen und du hinter dir her eine hänselundgreteleske Spur aus Zehnerlen (hach!) ziehst, scheppernd und klingelnd, dann hast du astrein die Spendierhosen an.


Scheiß-Herbst.

17.10.2007

So ein Wi Ar Ka Blödmann. Sieht aus wie ein Engel und bricht einem dann doch nur eiskalt das Lebkuchenherz.
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Ich hab’ eine Rechtsschutzversicherung. Wo kann ich klagen?


Freitagstexter, die Siegerehrung

17.10.2007

Schön war’s, grün war’s, aber das letzte Blatt ist gefallen. Viel war’s auch, eine Freude, und ein breiter Querschnitt von Herangehensweisen, für’s Lehrbuch geradezu, ach, man könnte glatt…

Wie, kürzer? Och menno. Ich entscheide mich heute nur schwer. Die Kletterwand ist im Finale, und das grünere Gras, und vielleicht noch Rahn (wie war das? vier Kisten Bier?), aber ach, am prägnantesten den Weg der absurdifizierten Metapher™ beschritten hat sabbeljan: „Karneval beim Schneckenrennen”. Klar. Was sonst.

[Oh, und der Sonderpreis fürs kranke Auge geht an chief of biermarathon. Wer ihn einmal fand, für den ist das Bild nie mehr ein anderes.]
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Dennoch: Ab Freitag also bitte hier. Weiter mit Getränk.


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