9 | 2007

Ãœbrigens:

29.9.2007

metrosexuell wird man nicht, indem man immer mit der U-Bahn kommt.


Wendepunkte

26.9.2007

Daß manche die Klischees immer so zweihundertprozentig erfüllen müssen. Lehrerehepaare, Biomütter, Skodafahrer – wenn es gut läuft, erinnere mich bei solchen Begegnungen an diesen fantastischen Professor, der in seinen Vorlesungen immer von Hütchen auf Stöckchen kam und bei dem jede verdammte Dreiviertelstunde spannender und lehrreicher war als ein Jahr Tatort mit der Maus. Wahrnehmungspsychologie stand im Vorlesungsverzeichnis und Lebensklugheit war drin. „Ich weiß nicht, ob Sie Humor haben. Ich habe keinen”, sagte er einmal und ein andermal: „manche Menschen behaupten, Schubladendenken wäre schlecht. Das ist ja mal kompletter Quatsch. Im Gegenteil! Wenn Sie keines haben, wenn Sie jedem Menschen auf der Welt unvoreingenommen begegnen, dann müssen Sie sich – und das stellen Sie sich mal bitte kurz vor – mit jedem unterhalten! Mit jedem einzelnen Menschen auf der Welt, schließlich könnte er ein Freund werden. Von der Langeweile ganz abgesehen – da kämen Sie ja zu gar nix mehr. Schon gar nicht zur Arterhaltung! Also bitte, gehen Sie jetzt raus und pflegen Ihre Schubladen. Sorgfältig.”

Fast hätte ich diese Lektion wiedereinmal vergessen. Und dann sitze ich da auf meiner ollen Picknickdecke zwischen lauter biodynamisch-verhärmten Körnerfresserinnen auf ökologisch korrekten Kirschkernmatten, schließe die Augen nur zu gern und schiebe meine Knochen wie Schubladen hin und her. Kann ja Yoga nix dafür, daß so viele Ferngesteuerte drauf stehen.

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Einatmen, ausatmen. Das Leben nichts anderes als eine Turnübung. Festhalten, loslassen. Der Sommer war keiner und ist trotzdem vorbei. Anspannen, lockerlassen. Ihr hattet bald ein halbes Jahr miteinander, jetzt wird Abschied genommen. War doch von Anfang an klar, da wird jetzt nicht geheult, es ist besser so, für beide. Stehenbleiben, weitergehen.

Fast`n`live von der Abschiedstournee:


[Direktlink zur Herbsttournee hier; Premiere war damals.]

Wie Arsch auf Eimer – bis zur Spitzkehre: The Blood von St.Burnster; nach der Schleuderei: Let go von Frou Frou.

Der Trick ist übrigens: weiteratmen.


Fehlkauf

26.9.2007

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Und dann verkaufen die Ganoven das noch als Feature!
(Ja, meine Haare würden einen heben, wenn man sie nur liesse! Bimbam!)


Der Herbst wird golden.

24.9.2007

Vor allem nach der Pleite mit dem Sommer. Versprochen.
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Können diese Beine lügen?


fuckin’ bezeichnend

23.9.2007

Der große Elektroladen, in dessen Haushaltsabteilung („weiße Ware”, die Brautmodenabteilung der Lebensanschaffungen: der Besuch ein deutliches Zeichen dafür, daß man dort angekommen ist, wo man über 30 Jahre lang nie hinwollte) neben Kochen und Waschen und Trocknen die Sektion Single winkt.
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Unter dem Schild nur Mikrowellen und Bierkühlzapfkombinationen.

Reality bites.


Wochenfetzen, Teil 2: Vier Jahreszeiten

21.9.2007

Ach, dafür ist dieses Fach! Und fast fühlt es sich an wie Sommer. Nur Strickjacke und Schal trüben das Bild. Gewaltig.
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Denn in Wirklichkeit ist schon längst Herbst.
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Hin lag er noch im Spießerkörbchen. Zurück mußte er ran, zusammen mit Mütze und Handschuhen. Klarer Fall von Winter.
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Und dann bist du wieder da, wo die Luft so Heimat brüllt, und es gibt nicht einmal die Plörre, die sie sonst Bier nennen, sondern nur gefärbtes Wasser und die Karten waren teurer als deine letzten Schuhe und alle anderen haben schon wieder Sitzkissen. Und dann tut sich was in der Nordkurve und dir wird ganz warm ums Herz. Frühling, innerlich.nordkurve.jpg


Wochenfetzen, Teil 1

21.9.2007

A jehds schlechds hadd sei guhds sagt meine Oma oft und ab und zu verstehe auch ich den Sinn und halte inne im Schimpfen.
Nennt mich Eso-Häschen, aber Beschränkung kann auch Möglichkeit sein, Scheitern als Chance, Nichts-Haben als Freiheit, Loslösen als Erlösung – die Schiene, Ihr wißt schon.
Kleinheit als Vorteil, mobil statt statisch, ab mit dem Miniding ins Bad mit den gesprungenen Kacheln. Tatort aus der Badewanne, ein ganz neues Erlebnis.
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Das Schöne an der Pampa: die Weite. Das Gute an Fotos: die Geruchsfreiheit.
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100 Kilometer Landstraße jenseits jeder Stadt, wildromantische Alleen zwischen sanften grünen Hügeln, ab und zu Bauernhöfe aus rotem Backstein, malerisch as hell, aber dich jagt die Zeit und vor Dir schleichen LKWs und Trecker. Auf der Gegenspur zuckeln Rentner mit Hüten auf jeder Geraden und du bist gefangen in dieser lahmen Kolonne und wartest nur auf den Radfahrer im rechten Rückspiegel, der euch alle feixend überholt. Die Uhr tickt, der Traktor tuckert und schwankt, der LKW im Spiegel ist Dir zu nah, Unwohlsein trifft die Sache nicht, es ist eine aggressive Kribbeligkeit, die dich gleich brüllen lässt; wieder um eine Kurve gezuckelt, und am Beginn der nächsten Allee steht ein großes altes Steinkreuz, baumhoch, und auf dem schweren Sockel nur ein Wort, in Versalien: GEDULD.
Und auf einmal verpufft deine Anspannung und du schneckst gelassen weiter und nimmst dir vor, auf der Rückfahrt ein Foto zu machen, für den Geldbeutel und die Schlafzimmerwand und den Meditationskalender 2008.
(Warum kein Foto da ist? Weil das Ding sich auf der Rückfahrt versteckt hat, bimbam. Und das Internet spuckt auf die Schnelle nichts aus, auch hier nicht. Wenn aber einer der geschätzten Leser irgendwann mal dieses Bild für mich machen könnte – irgendwo an der B252 zwischen Warburg und Blomberg, in Fahrtrichtung links – ich wäre entzückt.)


Theken, Tresen, Temperamente

15.9.2007

Zig Gründe hätte ich zum Jammern: Hotelzimmer mit Bibel im Nachttisch und nur daumennagelgroßem Fernseher ohne Abschaltautomatik, das langsamste WLAN der Welt und vor allem einen traurigen demolierten Aufsteckpenis (schon gut, Leute, der übertragene Sinn!), aber ich trage mich mit Heiratsgedanken.

Nicht nur, daß Norberts Bauch jetzt mitanimiert ist; die Männer an der Bar sind verliebt oder durchblicken das Leben. Volker Strübing, ich will ein Kind von Dir!

Besser, ich geh runter an die Hotelbar und halte es wie Kloß: „Ich trink nur Bier und warte, daß es aufhört.”


Aus der Reihe „woran man merkt, daß man alt wird”, Teil 495

12.9.2007

An der Ampel dank der schicken Abendsonne sicher hinter großen dunklen Gläsern im Rückspiegel den Hintermann betrachten, sich am Anblick freuen (wie selten, daß da überhaupt ein Blick lohnt) und an der langen Rotphase, sich irgendwann fragen, ob der Glanz an den Schläfen blond oder grau ist – und dann bei der klaren Hirnansage ertappen, man fände grau sexier.
Hoppla.


Spring nicht, kleiner Bär

9.9.2007

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Ich weiß, manchmal scheint es, als sei nichts irgendetwas wert, jede Anstrengung schon zunichte noch bevor der Puls wieder runter ist. Der Sommer ein Arschloch, kein einziges Mal unterm Sternenhimmel geschlafen. Keine Sternschnuppe, nirgends, und die Wünsche verblassen im Hirn, werden immer unleserlicher und weg sein das nächste Mal, wenn dringend einer hermuß, wenn dir jemand eine Wimper abstreichelt und dich bla pusten läßt und Zeitlupe und Geigen und Magie und all das. Dann wird dein Hirn leer sein, kein Wunsch mehr da und kein Gedanke, und hoffentlich merkst du es dann und weißt: Hoppla, das ist dann wohl Glück.

Also bitte, dreh um, spring nicht, laß mich den Schnaps ohne dich kippen. Bald gibt’s wieder Glühwein, bis dahin kannstes dir ja noch mal überlegen.


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