1 | 2007

Als Kind habe ich geglaubt…

31.1.2007

[Kollektive Erinnerung: Zoee und Morticia haben schon ausgeglaubt, und auch sonst so manche Blogger. Ist aber auch zu schön. Wem’s gefällt – oder wem sonst ums Verrecken kein besserer Grund zum Bloggen mehr einfällt – bittesehr!]
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…daß beim Autobahnschild „Hall i.Tr.” die Abkürzung das gleiche hieß wie auf der Käsepackung beim Fett: in Trockenmasse. Das gab für mich zwar genausowenig Sinn wie beim Käse, aber den Erwachsenen machte das schließlich auch nie was aus. Ich glaubte also blind ziemlich viel, versuchte mich nicht zu wundern und kam mir irre erwachsen vor dabei.

…daß die amerikanischen Panzer (bei uns gab es oft Manöver) irrsinnig lange unterwegs gewesen waren, bis sie in Deutschland ankamen. Für Flugzeuge schienen sie mir zu schwer, an Schiffe dachte ich nicht und mein Vater hatte mich in meiner Überlegung bestärkt und vom umständlichen Landweg (nur im Winter, wenn die Behringsee gefroren ist) erzählt. Ich habe es sehr lange geglaubt. Deswegen hielt ich Harley-Davidson-Fahrer auch lange für ganz, ganz harte Kerle. Ich meine, wer bei Frost wochenlang übers Meer heizt…

…daß BMW Bayerischer MistWagen heißt.

…daß ich bei der Geburt vertauscht worden war. Mit dem Orang-Utan aus dem örtlichen Zoo, der tatsächlich am gleichen Tag geboren wurde wie ich. Jedenfalls drohten meine Geschwister so oft damit, den Fall aufzuklären und mich endlich gegen ihren echten Bruder (!) einzutauschen, daß mir nichts anderes übrigblieb als ein fürchterlich braves Kind zu werden.

…daß Servietten Serwürten gesprochen (und geschrieben!) werden.

…daß alles, was in unserem Auto zwischen Hutablage und Heckscheibe rutschte, im Kanal landete. Das jedenfalls hatte mein Vater erklärt und vermutlich irgendeinen Lüftungskanal gemeint. Nun wohnten wir ziemlich nah an einer künstlichen Wasserstraße, und dort saß ich oft stundenlang am Ufer und wartete auf vorbeischwimmende Kugelschreiber, Buntstifte, Kaugummis. Vergeblich. Und dabei überquerten doch täglich tausende Autos die Brücke (denn dabei mußte das Zeug ins Wasser fallen, soweit war mir das klar)! Da mußte doch wenigstens bei jedem zwanzigsten mal was in die Ritze gerutscht sein!
Von den Stiften, Murmeln, Stöckchen, die ich in unserem Wagen versenkt habe, will ich gar nicht erzählen. Es waren ziemlich viele, glaube ich. Möglicherweise auch der ein oder andere kleine Gegenstand aus den Taschen meiner Geschwister.

…ich hätte mit 18 einen Käfer Cabrio in rot mit schwarzer Motorhaube. Und Punkten auf den Türen. Marienkäfer eben.

…ich wäre mit 25 verheiratet. Muhahahahahaaaa! Ein Glück, daß ich weiter noch nicht dachte. Ich würde mein Kinder-Ich arg enttäuschen. Alleine das Auto.
Naja. Immerhin ein Auto. Aber kein Käfer. Dafür immerhin Punkte auf den Türen. Andere nennen es Rost.


Interna

31.1.2007

Na, Opa, was macht eigentlich die Knackarschdiät? Schon leichter geworden?
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(Bei Langeweile einfach ausdrucken und zusammenbauen. Ist dann nur minimal zu klein für Glühbirnen. Aber Streichhölzer werden reinpassen.)


unkorrekte Geschenke

31.1.2007

Wenn das Thema nicht so ernst wäre…
zweimal Schmuck von sülzkotlett.com

Also nur für den Fall, daß diese Möglichkeiten schon ausgeschöpft wären…
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aufgekocht im Häschenhause

30.1.2007

Wie man sich in den Sechzigern den Süden so vorgestellt hat:
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aus einem Kochbuch von 1963: Tiefer Süden. (Satan die Axt, was ein lecker Zeug!)

500 g Rindfleisch würfeln, anbraten, mit einem halben Liter Wasser ablöschen und 30-60 Min. lang weichdünsten. Ein Pfund Kartoffeln schälen und würfeln, ein halbes Pfund Knollensellerie schälen und in (ca. 5 mm breite) schmale Stifte schneiden und beides aufs Fleisch schichten (nicht umrühren!); salzen und zehn Minuten weiterdünsten. Jetzt die (hihi, na, auch so jemand, der gleich mitkocht statt vorher mal durchzulesen?) vorher in Wasser eingelegten 150 g Trockenaprikosen teilen und mitsamt dem Einweichwasser zugeben. Ab jetzt ist Umrühren erlaubt. Die Schale von einer und den Saft von zwei Orangen beigeben, mit Salz, Pfeffer, Zucker und dem Saft einer Zitrone abschmecken.
Wenn das Gemüse durch ist (aber nicht zerkocht!), ggf. die Flüssigkeit mit kalt angerührter Speisestärke binden.

Und dann: schmeggn lassn! (fränkisch für Guten Appetit. Höflichkeit braucht kein Mensch. Der Imperativ ist die neue Bitte.)


Mode zweipunktnull: Fleckr

30.1.2007

Mindestens einmal im Jahr, nämlich wenn ich am Messestand dieser Firma vorbeigehe, der jedesmal größer ist als im Vorjahr, denke ich zurück an dieses Vorstellungsgespräch.
Es waren Semesterferien und ich hatte gerade das Praktikum in einem großnamigen Büro geschmissen, weil ich es so nötig dann doch nicht hatte, um mir im Kasernenhofton erklären zu lassen, wie man Tee zu kochen hat. Da stand ich nun, ein weiteres Mal gestrandet in der Provinz, und dabei hatte ich mich doch gerade fast an diese skurrile WG gewöhnt, die ich mit dem alten Mann bildete.
Er war weit über achtzig und die Miete brachte ich ihm immer pünktlich montags ins Wohnzimmer, wo er tagaus, tagein in Feinrippuniform vorm Fernseher saß, der bis zum Ende des Flurs dröhnte. Dort war das ehemalige Kinderzimmer, seit vierzig Jahren unverändert, ein Schrank war das Klappbett und der andere beherbergte eine Armada an Doppelherz-Flaschen.
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Es gab nichts Günstigeres, und trotzdem verschlang das Zimmerchen die komplette Praktikumsvergütung. „Erfahrungen sind eben unbezahlbar”, hatte mein frisch gebackener Ex-Chef vor ein paar Stunden süffisant bemerkt, als ich faires Geld für faire Arbeit forderte. Ich antwortete „meine Würde auch” und verließ den Laden erhobener Nase (leider ohne meine Arbeit gelöscht zu haben – und ohne meine selbst bezahlte Kaffeedose; ein bißchen Schwund ist immer).
Ich fühlte mich großartig. Unabhängig, weltmännisch, saucool. Und weil ich gerade dabei war, ging ich einfach beim anderen namhaften Büro des Örtchens vorbei. Was sollte mir passieren? Wenn die mich nicht wollten, konnte ich einfach nachhause fahren und den Rest der Ferien vertrinken. Ich brauchte gar keinen Praktikumsschein. Ich war frei.

Wenn man sich vornimmt, cool zu sein, funktioniert es nicht. Es klappt nur, wenn es einem egal ist. Und so saß ich dort vor dem schicken Schreibtisch und erzählte von meinen Qualitäten. Wo ich schon war und was ich dort tat, was ich kann und wieviel ich dafür will. Er wollte gerade mal die Hälfte zahlen, und in diesem Moment kroch es mir die Nase hinauf. Ich hatte kein Taschentuch einstecken, und in den Kragen wollte ich dann doch nicht niesen. Ich war ja cool und ließ es einfach raus.
Der haselnußgroße Rotzbrocken auf meinem linken Ärmel irritierte ihn sichtlich. Mich schon auch, aber was hätte ich tun sollen? Hätte ich ein Taschentuch gehabt, es wäre nicht so weit gekommen, oder aber ich hätte es jetzt wenigstens abwischen können. So blieb mir noch meine rechte Hand und die Hose, aber die Höflichkeit gebot schließlich einen Handschlag zum Abschied.
Noch heute kann ich kaum glauben, wie cool ich eben nichts tat und auf meiner Forderung bestand. Ich ging sogar so weit, ihm und mir Bedenkzeit zu geben, stand auf, gab ihm die Hand und verließ ein zweites Mal an diesem Tag einen Schreibtisch mit einem perplexen Chef dahinter.

Das Ende vom Lied? Zwei Wochen später klingelte mein Telefon und ich hatte den Job. Und nahm ihn nicht. Weil ich nicht zurück wollte in diese gelbe Hölle. Weil zuhause das Bier leckerer schmeckte. Weil Freunde nicht aufzuwiegen sind mit Namen im Lebenslauf.

Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wo ich jetzt wäre, hätte ich damals die Arschloch-Nummer nicht zu Ende gespielt. New York, Amsterdam, London vermutlich. Vielleicht aber auch nicht; jedenfalls bereue ich die Geschichte nicht.
Höchstens wünsche ich mir manchmal, ich hätte den Schlüssel zu diesem Ego noch.

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Wenn man nicht anfangen will zu koksen, bleibt einem für das/den nächste/n Vorstellungsgespräch/Date/Banktermin nur eines übrig: die Brosche Kotztierchen (hihi, bzw. Rotztierchen) ein- bzw. anstecken.

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[Bild von hier: zwei Weimarer Designerinnen, die sich selbst Miss Geschick und Lady Lapsus nennen, haben eine schicke kleine Kollektion für alle Lebenslagen entworfen; bitte ansehen!]


kochen mit Haribo

29.1.2007

Man nehme: weiße Mäuse und ein Messer.
Die Zehe vorsichtig heraustrennen und unten zusammendrücken. Rest aufessen. knoblauchmaus2.jpg
Nie mehr Vampire. Schaumgummiknoblauch aufheben bis Halloween.


Held der Woche

28.1.2007

„Ich hoffe wir sehen uns nochmal wieder”, das ist fast so gut wie „ich will Dich wiedersehen”, und das hört man ja schon erstmal gerne, das ist Bauchpinselei, das ist fast ein Kompliment, das kann man so annehmen und sich drüber freuen, daß die Welt doch nicht ganz so schlimm sein kann wie man meistens fürchtet.

Der Wirt hat seine besten Jahre hinter sich, der, euphemistisch ausgedrückt, zeitlose Freizeittreff mit Entertainmenttechnik auch. Für mich ist es halt nichts weiter als ein rustikaler Spielsalon mit Theke, an der schon nachmittags die verkrachteren Existenzen der sauberen Kleinstadt stranden. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, mich führt die Hoffnung auf WLAN-Anschluß her, und immerhin werde ich nicht enttäuscht.
Der kleine Dicke hinterm Tresen wirft die Internetmaschine an, verrät mir bereitwillig das Paßwort (eine Biermarke, wie sympathisch), bringt mir Kaffee und Zigaretten (wie ich früher als Bedienung diese Snobs gehasst habe, die zu faul waren, zum Automaten zu gehen – aber in Zeiten der Altersidentifizierung stehe ich hilflos vor diesen Dingern, wenigstens meine ec-Karte hält mich für sehr viel jünger als ich bin, mir bleibt also nichts anderes übrig) und später noch ein Schnitzel.
Aber nicht deswegen ist er mein Held der Woche.

Die dumme Nuß kommt rein, brüllt nach Internet, schickt mich raus zum Kippenautomaten (wie ich diese Snobs hasse!), trinkt, ißt, raucht und surft, klaut sich auch noch Strom und glaubt, ich merke nicht, wenn sie einfach den Fernseher ausstöpselt. Darf ich später wieder die Programme neu einspeichern. Olle Kuh.
Und als es dann ans Zahlen geht, sucht sie hektisch in ihrer Riesenhandtasche und hat den Geldbeutel vergessen. Ist klar. Gut, peinlich war es ihr sichtlich, aber was hört man nicht ständig von den seltsamen Unterrichtsmethoden auf Schauspielschulen? Daß die in U-Bahnhöfen zur Übung Geld oder Hilfe erschnorren sollen von Passanten! Gut, hier ist keine öffentliche Kamera, und eine Schauspielschülerin nähme ich ihr nicht ab, aber dann ist Tarnung doch gerade gut, oder?
Und nicht genug, daß sie Ihre Rechnung nicht bezahlen kann, sie braucht auch noch Kleingeld fürs Parkhaus. Das ist schon so dreist, ach, was soll’s.

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Als Pfand konnte ich ihm gerade mal eine Visitenkarte anbieten, meine Handschuhe wollte er nicht. Er gab mir sogar noch drei Euro fürs Parkhaus („dann ist der Betrag wenigstens rund”). Noch nie habe ich in einer Kneipe fürs Zechen Geld bekommen statt zu zahlen.

Wenn dieser Mann also auf ein Wiedersehen hofft, dann meint er nicht mich, sondern sein Geld (und daß seine Frau nicht Recht behält wegen seiner naiven Vertrauensseligkeit).
Ich brauche mir also gar nichts einbilden auf den Satz. Ehrensache, daß ich ihn trotzdem nicht enttäusche. Das Geld schulde ich ihm schließlich. Dazu endlos Dank. Langsam sollte ich das mit der schlimmen Welt vielleicht überdenken.

Und daß er einer Wildfremden einfach so Vertrauen schenkt, das bekommt er eines Tages woanders zurück.
Karma, Baby.


schöne deutsche Sprache

25.1.2007

Und dann war da noch die lustige kleine Spanierin, deren Zigarette vorm Aschenbecher schlappmachte: „Hoppla, da hab’ ich mich eingeäschert!”


EmpfBefehlung

21.1.2007

Sollte in einem Kino in Ihrer Nähe noch little miss sunshine laufen: Ankündigungstext mit Mißwahl-Hintergrund vergessen und u n b e d i n g t reingehen. Ich empfehle nicht oft, aber dieser Film hat mich zu Tränen gerührt. Dafür muß man gar nicht mal einen VW fahren, ehrlich. Aber auch des Lachens, ja.
Und meiner Meinung nach geht es gar nicht so sehr um den Schoß der Familie, sondern vielmehr um den der Freaks. Aber das diskutieren wir dann später.
Hätte ich noch meine alte Ganzkörperbrille, ich würde sie ab morgen wieder aufsetzen. Und den Bauch rausstrecken.

[Schönere Worte fand schon vor längerem St. Burnster. Nein, auch da keine Handlungswiedergabe, die doppelte Empfehlung muß reichen. Und wehe, einer verpaßt den. Der kriegt eine verpaßt.]


relativ

20.1.2007

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Hubert hatte sich beim Geburtstagskerzenauspusten einen Job gewünscht, in dem er kreative Lösungen realisieren und Verantwortung tragen würde. Und daß mal wieder jemand auf ihn stünde.
Da hatte er noch nicht geahnt, wie vorsichtig man mit seinen Wünschen sein sollte.
Sie könnten in Erfüllung gehen.


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