12 | 2006

2006

31.12.2006

Gefeiert. Vergraben. Gesoffen. Gekotzt. Geschlafen. Wachgelegen.
Erkrankt. Genesen. Gebaut. Zerstört. Gelacht. Geheult. Gelernt. Vergessen.
Verschenkt. Verloren. Abgenommen. Zugenommen. Geschwiegen. Geschrien.
Geändert. Gelassen. Geplatzt. Ertragen. Gefreut. Gelitten.
Und wieder gefeiert.
Manche Kreise schließen sich nie.

Und die Hoffnung stirbt zuletzt: auf ein besseres 2007!

[Wunderbare wordpress-Funktion „Zeitstempel bearbeiten”. In diesem Moment bin ich weitab von Internet und Nüchternheit. Und bestimmt auf diese seltsam wehmütige Art glücklich.]


einen Toast auf…

29.12.2006

…den jungen Mann, der meinte „Immer dieses Begründungsgesuche! ‚Auf die Wand!’ haben wir mal getrunken, als uns nix mehr einfiel. Ging auch.”
gelage2.jpg
In diesem Sinne: Ich wünsche ein gelungenes 2007.
Kommen Sie dann übermorgen bitte alle gut rüber.

Auf ein Neues!


Mal eben

28.12.2006

Mal eben zwei Stunden umsonst durch die Gegend gestanden, vom Sprit und den Nerven gar nicht zu reden, um die neue Brille doch nicht abzuholen, denn Schickimicki-Fickfack-Oversampling und Qualitätsgeschwalle auf der Homepage können sie, die deutschen Designerbrillenmacher, aber mal ein Scharnier einpressen ohne daß der Bügel wackelt wie ein Kuhschwanz, das ist nicht drin.

Mal eben bei der Schnöselvertretung des Zahnarztes meines Vertrauens eben jenes verloren, mit Handschlag begrüßen müssen die Sprechstundenhilfen einen („Guten Tag, mein Name ist Cindy”, da habe ich bereits keine Fragen mehr, für jeden Scheiß braucht man bei uns einen Führerschein, eine Genehmigung, eine Eignungsprüfung; aber die Hebamme muß trotzdem jeder Kevin-Mandy-Celina-Josie-Mutter ihr Blag in die Arme drücken, ohne daß da mal nachgehakt werden könnte), ungefragt salben sie einem die Lippen mit irgendeinem Kram, wenn man sich nicht mehr wehren kann, in dieser unerträglich devoten Art kommentieren sie jeden Wimpernschlag („ich lege Ihnen jetzt eine blaue Serviette auf den Oberkörper”), aber der Doc hat’s nicht nötig, mal das Maul aufzumachen, um zu fragen, ob man überhaupt eine Spritze möchte, und was er da jetzt eigentlich gemacht hat und wielange das hält, das wirft er nur auf vehemente Nachfrage und äußerst mißgelaunt und verächtlich über die Schulter, beim Gehen.

Mal eben ein paar Stunden versucht, den vermeintlich defekten Drucker, der auf einmal streikt (exakt einen Tag nach Garantieablauf, und da soll man nicht an Verschwörungen glauben), der trotz nagelneuer (Original-!)Tinte im Gegenwert eines Kleinwagens behauptet, nicht einmal eine einzige leere Patrone zu erkennen und stattdessen wild blinkt und den Tintenwagen in Trance rüttelt, wieder auf den rechten Weg zu bringen – das volle Programm eben: Deinstallion, Neuinstallation, Suche von Garantieschein, Rechnung und Originalverpackung, Online-Selbstdiagnose-Parcours von Windows und auf der Herstellerseite, Telefonate mit den Servicehotlines von Händler und Hersteller, schließlich örtliche Deinstallation (incl. Möbelrücken wegen Kabelverlegung, gleich mal hinter dem Schrank Staubsaugen und „ach, da ist der Sozialversicherungsausweis!”), Einpacken, Zukleben, Adressieren. Gut, man hätte das Problem vielleicht vorm Einpacken googlen können. Der Tinten-Refill-Russe im Bahnhofsviertel hatte jedenfalls das passende Gerät, um die Chips auf den Patronen zu löschen, und kaum hat man mal einen halben Tag verdaddelt, schon läuft das Ding wieder, obwohl die Patronen angeblich ja gar nicht drin waren.

Mal eben für die Fahrt zum Druckrussen schlauerweise den Wagen stehengelassen. Dafür die neuen Wildlederhandschuhe ruiniert, weil’s so saublöde Vögel gibt, die nicht mal im Winter gen Süden fliehen. Daß sie einem dann noch auf den Fahradlenker kacken müssen, kann man nicht anders als persönlich nehmen. „Wir mögen nicht recht weit oben auf der Evolutionsleiter stehen, aber dafür reicht’s noch”, das und nichts anderes wollen sie einem damit sagen.

Mal eben auf der Suche nach dem Originalkarton eines Elektrogerätes (nicht fragen) im Dachboden über allerlei Tand gestolpert (großen Zeh böse angestoßen dabei), der nach ebay oder einfach nur der Tonne schreit. Die Entscheidung darüber vertagt – aber ein paar Sachen doch mit runtergenommen, wie konnte man nur so lange ohne…?

Mal eben vom Ordnungswahn gestriffen worden und darüber nachgedacht, ein paar von den Klamotten dann doch mal… auf den Dachboden zu bringen. Sich beim Versuch, den uralten Wollpulli vorher noch mal anzuprobieren, saublöd angestellt und irgendwie die eigene Handkante ungünstig auf den Kehlkopf gedroschen. Minutenlang auf dem Boden liegend nach Luft gejapst. Überlegt, ob und wann ein Nachbar reagiert, wenn man alles, was so in Kriechnähe ist, auf den Boden drischt oder umwirft. Befunden, daß Klamotten zu wenig lärmen und Regal oder Schreibtischstuhl im Zweifelsfall zu weiteren Verletzungen führen. Vorhaben abgeblasen, aufgestanden und Tee gemacht. Nur knapp nicht verbrüht dabei.

ploet.jpg

Halt mal eben ein paar Tage frei gehabt, um Dinge zu erledigen, die man sonst so vor sich herschiebt. Mal eben festgestellt, daß es eigentlich gar nicht so schlimm ist, für derlei Scheiß eben keine Zeit zu haben und stattdessen im warmen Büro zu sitzen. Man müsste es nur endlich einsehen.

[Bild selbstgeknipst, Erzbergerstraße in Kassel]


der Wahnsinn…

26.12.2006

…nimmt bald ein Ende. Noch 24 Stunden. notausgang_weihnachten.jpg
Oder Sie nehmen einfach den Notausgang.


Ordnung muß sein…

25.12.2006

abfaelle.jpg
… auch grammatikalisch.
(Blieben noch: fallen lassen, kicken, schießen, schmeißen, stecken, stellen und tun. Vielfalt statt Einfalt.)


wer jetzt nicht wegrennt, schafft es nimmermehr

23.12.2006

Kinder haben ja eine ganz eigene Zeitrechnung.
Als ich einst klein war, manifestierte sich die Zeit des freudigen Wartens in der „wie oft muß ich noch schlafen?”-Frage.
Schon lange gehört Weihnachten nicht mehr zu den Ereignissen, die ich ersehne, mit Handkuss nähme ich die Vorspultaste über diese Tage des familiären Irrsinns, und heute frage ich mich eher, ob ich überhaupt noch schlafen darf bzw. kann.

Vielleicht ticken die Kinder in Amerika da einfach anders, vielleicht sind sie einfach nur extrem frühreif oder vielleicht wird dort die Angst vor beknackten Männern mit halbwegs Macht genetisch einfach in den ersten zehn Lebenjahren komplett abgespult und ist spätestens mit der Wahlberechtigung vorbei, man weiß es nicht. In jedem Fall gibt es da diese Seite, auf der 70 Fotos versammelt sind, eingesandt von Lesern amerikanischer Tageszeitungen und versehen mit manch launigem Kommentar*, allesamt unter dem Motto scared of Santa.

Nun fehlt uns Mitteleuropäern bislang ja glücklicherweise noch die zweifelhafte Tradition, in Shoppingcentern lebendige bärtige alte Männer in albernen Klamotten auszustellen mit dem alleinigen Zweck, auf deren Knien Kinder abzusetzen und das ganze Arrangement dann zu fotografieren.
Aber mal sehen, ob man das nicht noch in die Hartz-IV-Bedingungen einbauen kann. Und ob die kleinen Deutschen dann auch so plärren.

20872030.jpg

In diesem Sinne: Euch allen frohe Festtage und fürchtet Euch nicht.

(Und falls Kid37 mitliest: der ist für Sie.)

20854306.jpg*: „In this 1969 photo, writes mom Judi Hennessy of Oak Lawn, ‚The older children, Lisa and Todd, are holding the jacket of Amy, so she can’t run away.’”

In jedem Gesicht eine andere Angst – schöner hätte dieses Foto kein Starfotograf und kein Titanic-Redakteur stellen können.

[beide Bilder von hier]

Empfehlungen

21.12.2006

und des Herz / geht solang zum Messer / bis es stichtFalco: emotional

Und das hat jetzt nichts mit dem 80-er-Revival zu tun, das uns heimsucht, wo es kann – auch wenn das Video schon arg ist (dieses Bühnenregal!). Das hat etwas damit zu tun, daß Falco einfach Gott ist und seine Scheiben auch heute noch eine verdammte Erleuchtung, da braucht man nicht mal mit Wehmut an „Schlager der Woche” zurückzudenken und an Zeiten, wo Lieder noch einfach so verboten werden konnten und dann einfach nicht mehr im Radio gespielt wurden. Zugegeben, Zeiten, die man sich zurückwünscht, seit es Christina Stürmer gibt und Juli und Silbermond, aber was vorbei ist, ist vorbei, baby blue*.

Das hat was damit zu tun, daß ich diese Platte lang nicht mehr gehört hab’, aber heute, und damit, daß ich schon lang auf einen alten Artikel in der Süddeutschen hab verlinken wollen („Wie der Popstar Falco an sich selbst zerbrach. Erinnerungen eines Freundes”), der aber leider nicht mehr online ist, wie ich eben bemerken musste. Zusammenfassen kann ich ihn nicht, aber gut war er, das kann ich flüstern.

Und jetzt krieg’ ich die Kurve nicht mehr recht, aber vielleicht geht’s auch mal darum, an einer passenden Ausfahrt vorbeizufahren und weiterzumachen und trotzdem im Kopf zu behalten, daß es eigentlich um was ganz anderes geht.
ausfahrt.jpg

In diesem Sinne: bitte das amüsieren nicht vergessen bei dem ganzen Streß der kommenden Tage. Dankeschön.

* nur ein weiterer Göttertitel


Hallo miteinander

19.12.2006

Meeensch, ist ja ein hübsches Weilchen her, auch mal wieder hier, Würgereiz, hallo, komm rauf, weißt ja welches Stockwerk. Und von oben drückt der Schädel, hallo Dachgeschoß, hallo Gerümpel, ich weiß schon, da sollte mal wer aufräumen, aber warum in aller Welt eigentlich ich? Komm schon, wir versuchen noch mal den alten Weg, Licht ausschießen, bislang hat das immer irgendwann geklappt. Oh, und Ihr zehn! Lange nicht gesehen, Rumpelfinger, was macht Ihr denn hier, andrerseits – habt ja recht, ist Weihnachten, da kann man schon mal den Glühwein auf dem Herd anbrennen lassen, aber seid Ihr des Wahnsinns, da verdampft doch der ganze Alkohol!
Kommt schon, setzt Euch, laßt Euch nieder, fühlt Euch wie immer und wie zuhause, so jung kommen wir nicht mehr zusammen, darauf trinken wir einen und bestimmt klingelt’s gleich und der letzte Kumpel torkelt ein, da isser ja schon, Mahlzeit! There he comes, lehnt in der Tür, der Schlaf der Ungerechten, kurz, flach und anstrengend.

Wer braucht schon Feinde, wenn er Euch hat.

kaesebrot.jpg

[Klar passt das Bild nicht ganz. Aber wenn man sich das Glück einfach wegdenkt, dann geht’s.]


von wegen „staade Zeit”

17.12.2006

Durch die Stadt schiebt sich, wer im vorhergehenden Kampf erfolgreich einen Parkplatz erhupen konnte, jetzt weiter im Schneckentempo. Konsumwütige Massen erstehen (wie treffend, voran geht ja auch ohne Blechbüchsen nichts) verschissenes Plastikzeugs aus China; wahllos wird ausgesucht, in stinkendes Geschenkpapier gewickelt und in Tüten versenkt. All das so lieblos wie nur irgend möglich, aber schön unter dem Vorwand eines an den Haaren herbeigezogenen Festes der Liebe*. Die manifestiert sich nur und aufs widerwärtigste in Form von Pärchen, die den Platz zwischen sich schon lange nicht mehr mit Worten füllen können. Stattdessen stolpern sie mit zwei Armlängen Abstand nebeneinander her, blockieren den letzten Meter Durchgang und glauben fest daran, einander den kleinen Finger zu reichen sei das Sinnbild für Romantik. Man wünscht sich, Wham! hätten recht und es wäre das letzte Weihnachten.
Und dann entdeckt man diese fantastische Coverversion (erdmöbel dürfen sowas), schließt die Tür hinter sich und dreht die Anlage auf.

So könnte es gehen.

Nur über die indiehippe Horst-Tappert-Gedenkbrille müssen wir noch mal reden.

* Lied, das dazu paßt: those three words / are said too much / and not enough (snow patrol, chasing cars)


Trennung hilft

15.12.2006

- jedenfalls oft. Schon allein grammatikalisch kann so ein kleiner Strich Wunder wirken.
frische_Bauern.jpg
Aber so… und auf Bestellung? Dann hätte ich gerne einen von denen. Ach was, alle drei. Ist ja für einen guten Zweck. Für Weihnachten.
jungbauern.jpg

Auch schön ja: das schüchterne Kleinschild unter Mamas Schürze.
Was da wohl draufsteht? Frische Bäuerchen?

[untere Bilder aus dem aus dem Jungbauernkalender 2004 (tolles Foto, das), gibt’s übrigens auch für 2007…]


%d Bloggern gefällt das: