11 | 2006

so ist das nämlich

28.11.2006

Es könnte ja sein, daß sich manch treuer Leser fragt, warum meine Einträge sparsamer geworden sind. Und bevor’s ein anderer aufdeckt, rücke ich lieber selber raus damit: ja, ich habe mich verliebt.
Ich treibe mich jetzt in jeder freien Minute hier herum, lese seine hochintelligenten Texte und bewundere seinen prächtigen Körper. Und wie charmant er gucken kann!
Hach, Curd Rock, ich will ein Kind von Dir*. Höm.

* Am besten noch vor Weihnachten, meinem Elternhaus entkommt zu Heiligabend nur enterbungsfrei, wer eigene Familie vorweisen kann. Ginge das wohl?


Nein.

26.11.2006

keine_kontaktanzeige_1.jpg
Das ist keine Kontaktanzeige aus einem Handicap-Blättchen. keine_kontaktanzeige_2.jpg


Mitgehört

26.11.2006

„Ach weißte, ich kann einfach keine One-Night-Stands. Ich will ja immer gleich verstanden werden.”, sagt das junge Ding am Nebentisch zu ihrer Freundin und schiebt sich einen Löffel in den Mund.
Wow. Ich wußte gar nicht, daß es hier Weisheitssuppe gibt.


Beichte

23.11.2006

Da haben ganz andere schon vorgelegt und das Wasser reichen kann ich denen nicht, aber ich muss einfach beichten, denn ich habe gesündigt. Und ich tu es immer noch, und gern obendrein, da werden ein paar Gebete nicht reichen. Dabei beschränke ich mich noch – auf das, was ich bei anderen (Altbauwohnungseigentümerlehrerpaare! Batikblunzen! Liegeradfahrer! Gnaaaa!) besonders gerne kritisiere: Stillosig- und Spießigkeiten.

1. An meinem Handy baumelt schlimmes Gebömsel. In Glöckchenform.
2. Meine Socken wasche ich paarweise. Mit Sockenwaschklammern.
3. Zum Radfahren benutze ich Wäscheklammern für die Hosenbeine.
4. Ich habe einen Fahrradkorb – vorne.
5. Und immer eine Tüte für den Sattel dabei.
6. Ich habe ein immer bestücktes Fach mit Süßkram – nur für Gäste.
7. Zwar nur auf dem Schrank, aber ich habe ein Stofftier in meinem Schlafzimmer.
8. Ich bin eine von denen, die beim Chinesen Stäbchen bestellen.
9. Im Büro sammle ich die Papiertüten vom Frühstücksbrötchen säuberlich zusammengefaltet in einer Schublade.
10. Ich habe einen Nierengurt aus Angora. Und ich trage ihn.
11. manchmal schreibe ich der einfachheit halber alles klein, sogar mich selbst, gott und großbaustelle.
12. Anstelle der Christophorusplakette klebt in meinem Auto überall kitschiger Schießbudennippes. Oder Speisereste.
13. Ich esse Fertiggerichte.

Und:
14. Ich habe ein Podolski-Trikot.
Trikot
Jetzt ist alles vergeben und vergessen, oder?

Nachtrag: unverkäuflich, aber bewunderbar.


zum teuflisch rülpsen…

21.11.2006

Höllensprudel
…hätt’s wahrscheinlich mehr als „medium” gebraucht.


Satelliten

21.11.2006

Wie die beiden schon dastehen in der Hofeinfahrt nebenan, über ihre Räder gegrätscht markieren sie ihre Standpunkte fest und halten den Meter Abstand sicher. Es geht nur vor und zurück, seitlich ran ist aus, Annäherung nur verbal möglich, Parallelen treffen sich nicht mal in der Unendlichkeit.

Ich suche meinen Schlüssel und muß mich nichtmal besonders anstellen, die beiden würden mich nicht einmal bemerken, wenn ich zwischen ihnen Charleston tanzte.

Die Nacht ist warm und trägt den Schall gut, sie erzählen sich gegenseitig bestimmt zum x-ten Mal, wie früh sie rausmüssen und bleiben eisern stehen dabei, lächelnd. Mit den Händen in den Taschen kann niemand losfahren, das wissen sie beide und ich glaube fast, sie genießen es, dieses Spiel, das sie da spielen. Sie tanzen umeinander herum, die Füße wie einzementiert, die Körper reglos, allein mit Worten und sie bemühen sich, nur ja nicht zu deutlich zu werden.
Dabei ist die Sache klar wie Kloßbrühe, a gmahde Wiesn, das wissen sie doch beide. Oder?

Und dann endlich habe ich den Schlüssel und kurz überlege ich, ob ich ihnen irgendetwas Tantiges („das Leben ist kurz, Kinder!”) zurufen soll, lasse es, komme nachhause, nehme ein Bad, lese ein halbes Buch und als ich das Licht lösche, stehen die beiden immer noch da.

In lauen Augustnächten, wenn man mit dem dringenden Bedürfnis danach, sich sein Leben schönzuwünschen, wildentschlossen in den Himmel stiert, seinen Wunsch auf der Zunge, und man dann endlich eine Bewegung wahrnimmt und erleichtert sein Mantra flüstern will, dann ist man ja gerne enttäuscht festzustellen: das ist nur ein Satellit, der sich da unendlich zäh über den Nachthimmel schleppt.
Die beiden da unten sind keine Sternschnuppen, und ausnahmsweise finde ich das schön.


aus der Reihe…

21.11.2006

„unglücklicher Name, aber das Logo ist hübsch” heute: Beton.
hasibeton


zieh’s hoch

14.11.2006

Saublöde Ideen, eklige Lebensmittel, bescheuerte Produktgrafik – Ihr könnt Euch sicher sein, ich kauf’s, und meist reicht schon eins davon. „Ich tu’s nur für die Wissenschaft!”, rufe ich dann und warte nach dem ersten Schluck auf den gnädigen Schimmel, der mir noch immer geholfen hat, die hungrigen Kinder in Afrika beim Träumen auszulassen.
Manchmal aber ist ein Glücksgriff drunter; so zum Beispiel liebe ich heiß und innig das Plastikglas mit „Marshmallow Fluff”, einem Brotaufstrich, den Spitzenköche „reduzierte Negerkußinnerei” nennen würden. Eigentlich ist es nur wüst gezuckertes künstliches Eiweiß, mitsamt Halbliterbehältnis wiegt die Droge keine fünfzig Gramm und selbst Schimmel graust es vor der Masse mit der pattexesken Konsistenz. „Aus dem Chitin von Fliegenkörpern, mit diesem Zeug verfugt, könnte man Atombunker bauen”, meinte einst ein verhinderter Chemienobelpreisträger beim Frühstück, und deshalb fühle ich mich sicher, solange ich dieses Produkt in meinem Küchenschrank beherberge.

Diesmal also fiel ich kurz vor der Supermarktkasse auf „Sipahh – 10 Trinkhalme mit Geschmacksperlen” herein, ich wählte „Karamell-Geschmack”, zahlte für den Pack soviel wie vor ein paar Jahren noch für eine Schachtel Zigaretten und befolgte die Anleitung: „einfach in ein Glas Milch stecken – und sippen”.
sipahh
Es handelt sich um einen Kunststoff-Strohhalm, oben und unten mit einer Art Sieb ausgerüstet, dazwischen die Geschmacksperlen, die sich beim Durchziehen der Milch auflösen und ihren „Geschmack” abgeben. Nach einer Wertung gefragt, würde ich für die Perfomance 9 von 10 Punkten geben, für den Geschmack keine 2.
Aber Karamell ist auch schwer. Ich glaube, ich muß das nochmal in „Schoko” probieren.

Übrigens: bei kalter Milch braucht man 0,4l, bis die Perlen ganz weg sind, bei warmer nur 0,2. Nur für die Wissenschaft.


Etymologie

12.11.2006

Daher also kommt das „jemanden um die Ecke bringen”. Eingang um die Ecke
Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es in der Kneipe um die Ecke auch noch Happy Hour. Das nennt man wohl Business-Synergie.


Deutsch für Fortgeschrittene

11.11.2006


[Zu faul zum selberlesen? Die wundervolle Frau wort-wahl liest Ihnen gerne vor. Dann haben Sie die Hände frei…]

„Dafür muß es draußen nicht einmal Minusgrade haben, aber im Winter hat man das irgendwie häufiger… wahrscheinlich wegen der größeren Temperaturdifferenz. Wenn dir vor der Tür der Atem gefriert und auf die Schuhe fällt, spitz und hart, und du stehst innen am Fenster, die Knie an die Heizung gepresst, beide Hände umklammern die Klischeetasse Tee, das klassische Bild, der Rahmen am Fenster aus Eisblumensträußen, und unten rasen die Autos durch, als läge hinter der nächsten Kreuzung der Strand, direkt hinter der Schnellreinigung.

Und dann steigt dir dieser eklige Kokostee (warum zur Hölle hast du den nicht einfach mit weggeworfen?) in die Nase und du denkst an Strand, an Sonne, an knappe Klamotten. Kokosnüsse. Nüsse. Und dann denkst du nicht mehr an Kleider, sondern an die Haut darunter und daran, was ihr miteinander tun könntet, wäre er nur hier.
Zuallererst wäre dir die Tasse egal, und direkt danach die Kleider, die Temperaturen sowieso, innerhalb von Minuten würdet ihr die Jahreszeiten nachspielen, Frühlingsgefühle, Küsse heiß wie dampfender Teer und die Kleider fallen wie Laub, laß liegen, die verrotten, die braucht keiner mehr.

Und auf einmal glaubst du fast, es wäre wirklich, seine Haut an deiner Haut, sein Geruch in deiner Nase, eure Finger tanzen miteinander, seine Hände auf deinem Po, deine Brüste auf seinen Schenkeln, deine Lippen an seinem Nabel. Wäre sein Körper eine Landschaft, du wünschtest dir ein Haus auf dem Beckenknochen, würdest morgens die Sonne hinter seiner Brust aufgehen sehen und abends zwischen den Knien unter.
Sein Atem auf deinem Rücken, deine Hände in seinem weichen Haar. Ihr steckt unter einer Decke. Deine Beine um seine Hüften, seine Zunge an deinem Bauch, ihr macht zwei, drei, viele Reisen, ohne auch nur das Bett zu verlassen. Ihr seid einander näher als es die Physik zulässt oder Worte es erklären können, ihr seid der andere und fühlt euch selbst mit fremden Händen.
Schweißperlen rinnen über seinen Hals, über deine Schulter, das ist nur der Anfang, ihr seid beide so weich, bald werdet ihr flüssig, lang kann es nicht mehr dauern. Alles andere ist weg, die Welt, die Zeit, wenn dieser Moment der letzte wäre, egal. Du könntest verrückt werden, jede einzelne Sekunde droht dir das, gleichzeitig ist alles so schön und so schrecklich. Wenn er nicht gleich von deinen Schenkeln ablässt und dich endlich erlöst, endlich in dich reinkriecht, du könntest ihn anbrüllen dafür und kannst doch nur weiter an seinem Nacken kratzen und stöhnen, mehr geht nicht. Gelähmt vor Lust gelobst Du, solch schwülstige Sätze nie wieder albern zu finden und schaltest endlich, endlich dein Hirn ab.

Oder du denkst an diesen Sommer, an den Abend, an dem ihr euch durch die heiße Stadt habt treiben lassen, hier ein Kölsch und da ein Cocktail. Ihr saßt vor Bars und Büdchen, auf Stühlen, Mauern, Rasenstücken, ohne Pullover über den Schultern wie die anderen, es war heiß, euch war heiß und ihr redetet euch um Herz und Hände und erst auf dem Rückweg, als ihr abkürzen wolltet, als du über die Baustellenabsperrung klettertest, erst da bemerkte er die feine Spitze. Beinahe hättet ihr es hinter dem Betonmischer gemacht, euch aufgefressen, noch immer war es so wahnsinnig heiß, dreißig Grad zwischen den Häuserschluchten, zwischen euch mindestens hundert, seine Zunge an deinem Hals, seine Hände unter deinem Kleid, seine Erektion an deinem Bauch und in den Fenstern fremde Augen. Und dann endlich begann es zu regnen, seit Wochen zum ersten Mal, warmer Regen, ein Fest und ihr zogt eure Schuhe aus und ranntet barfuß wie die Hippies nach Hause, in der Wohnung war es noch immer unerträglich heiß, aber auf dem Balkon war noch der Regen, und so standest du am Geländer, vor dir die Tiefe und die Nacht und hinter dir er. Ihr tatet es langsam und lange, keine Worte, kein Flüstern und kein Stöhnen waren nötig, nur die Tropfen zerschmetterten die Stille. Und du denkst, daß ihr euch nie wieder so nahe wart wie damals, auf diesem Balkon, in dieser Sommernacht.”

All das hätte ich der spanischen Austauschstudentin erklären können, die mich in der Straßenbahn nach der Bedeutung des altmodischen Schildes gefragt hat, das an diesem kleinen Häuschen hängt, schief wie das Haus selbst, irgendwie verloren zwischen den umgebenden Mietskasernen aus Waschbeton. Wie passend eigentlich.

„Das weiß ich selber nicht so genau. Es muß so etwas ähnliches sein wie Bügeln. Auf jeden Fall macht man es zum Beispiel mit Bettwäsche, glaube ich.”

Ist aber auch ein komisches Wort:
heissmangel_gruen.jpg


[Dieser Beitrag erscheint anstelle des Stöckchens, das mir Frau Kitteltier zuwarf. Vielleicht ein andermal, mir war nicht danach. Möge es sich nehmen, wer will.]


[Nachtrag: ich habe einen schöneren Schriftzug gefunden; heißen Dank an den Knipser Soul en Couleurs für die freundliche Genehmigung. Sonst ist alles wie immer.]


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