9 | 2006

Reis’rätsel

30.9.2006

Bildungsbürger sind ja auch nicht einfach so unterwegs. Müssen doch immer gleich Studienreisen sein.
Da halte ich mit und stellte meine kleinen Altweibersommerferien unter das Motto Trinkkultur- und Städtereisen. Jetzt bin ich wieder da und meine Leber schmerzt, aber hallo. Man ist halt keine zwanzig mehr, nach dem vierten aufeinanderfolgenden Abend wird Trinken Schwerstarbeit und wo soll das nur hinführen, wenn man im Anschluß an den Urlaub erstmal Erholung braucht?

prost!Aus der Reihe „deutsche Trinkbräuche” sehen Sie heute eine Übung, die ein wenig Fingerfertigkeit erfordert. Wer errät, wo hier was mit welchem Namen (vielleicht sogar warum?) getrunken wird, gewinnt irgendwas*.
Sie sehen übrigens das stilhäschen beim vermutlich letztenendes doch erfolglosen Anwerben eines äußerst talentierten jungen Mannes als Mitblogger. Aber der Kerl will ja lieber gleich den eigenen Salon statt hier erstmal den Praktikanten zu machen. Undankbar. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

*: Preis wird nachgereicht, sicher aber alkoholisch sein; Abstinenzler sind von der Teilnahme ausgeschlossen, ebenso der Rechtsweg. Wer den Brauch bereits erklärt bekam, darf gerne mit einer Alternativlösung aufwarten; bei mehreren Antworten entscheidet das Los.

[An dieser Stelle übrigens noch einmal herzlichen Dank an alle Gastgeber und Mittrinker, gerne wieder, auch andersrum, meine Pension ist offen und der Kühlschrank bestückt.]


aus dem Zusammenhang gerissen

21.9.2006

„das ausschlaggebende ist dann doch die Allergie”


schlechte Nachbarschaft

21.9.2006

schlechte Nachbarschaft
[links: vorm Goldschmied/Juwelier; rechts: am Tierfutterladen]

Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr aufrege. Ist Instanttod durch Blutüberdruck möglich?


so.

18.9.2006

In amerikanischen Filmen packt der Held seinen Kram melancholisch in einen braunen Pappkarton. Bei mir reicht die Handtasche, und das Klischee mit dem Hausmeister, der neue Buchstaben an die Tür klebt, während Du mit Tränen in den Augen das Familienfoto auf ein paar Ordnerrücken legst, fällt auch aus. Kein Hausmeister, keine Fotos, keine Ordner, nur eine CD und die Keksschachtel kommen mit. Der eklige Pflaumenwein vom Chinesen vorne an der Kreuzung nicht. Dafür auch keine Melancholie, nur als ich die 3 Gigabite Musik von der Festplatte lösche, mit der hier niemand etwas anfangen kann, wird mir weh ums Herz, genau deswegen: viel zu lange allein ausgehalten, großer Leidenswanderpokal in Gold bitte jetzt zu mir, Herr Biller, hopphopp.
Jetzt also doch noch sowas wie Wehmut. Ich bin eben schlecht im Abschiednehmen. Vielleicht ist es auch nur Angst vor der eigenen Courage, die mir die Schritte schwer macht. Aber gesprungen bin ich ja schon längst, jetzt wird ersteinmal gefallen und wie kalt genau das Wasser ist wird man dann schon sehen. Alles zu seiner Zeit, und jetzt ist Feierabend.
Unten noch den leergeputzten Kuchenteller mitnehmen („reinfressen, das ging immer” denken und der Versuch, den Groll hierzulassen, scheitert kläglich), ein letztes Mal absperren, aber diesmal den Schlüssel in den Briefkasten danach. Alles zum letzten Mal, die Blumen, der Garten, die schiefen Steinplatten, die Ritze hat mal einen Absatz gekostet, eine allerletzte Walnuss aufheben, das Tor quietscht zum letzten Mal für mich.
Und auf der Straße dann sehe ich diese hübsche rote Katze auf meinem Autodach liegen, sie blinzelt mir entgegen, steht langsam auf, dehnt sich, schubbert ausgiebig an der Antenne entlang und verschwindet im nächsten Garten.

Daher also kommen die Kratzer im Lack und der Wackelkontakt beim Radioempfang. Ich kann gar nicht anders als lächeln.
Daß ich das chinesische Glücksgebömmsel an der Schreibtischlampe vergessen habe, ist egal. Was hat es mir denn bisher gebracht?

Auf zu neuen Katzen.
kratzzzzzzzz
[Abbildung ähnlich und von hier]


Und du wartest auf gar nichts mehr

18.9.2006

/ auf den Sommer nicht und nicht auf längeres Haar / und darauf daß einer dein Herz repariert / schon gar nicht / auf ein Zeichen von ihr.
[Element of Crime]

Warten. Sinnlose, zerreibende Tätigkeit mit sechs Buchstaben, aus ganz schlechtem Hause. Der große Bruder Er-Warten toppt den Unsinn noch. Die ganze Wortfamilie ein großer alter Arsch.

Erwartungen sollte man sich einfach komplett abgewöhnen und sich stattdessen ein Loch in den Bauch freuen für alles, was zufällig klappt. Hosianna für jedes Mal, das die Gabel den Mund trifft und nicht das Auge. Mit tausenden anderen jubelnd auf die Knie fallen vor allen, die zusammenhängende Sätze an Menschen zu sprechen in der Lage sind. Das Leben könnte so einfach sein.
Aber nein, solange man glaubt, an ein „machst Du mir Tischkärtchen” käme ein ”,bitte” dran, solange steht vermutlich Panzerglas zwischen einem selbst und der Zufriedenheit. Solange man dem Wahn erliegt, die Höflichkeit geböte wenigstens einen Handschlag zum Abschied, ein abgepreßtes „schade” vielleicht sogar, egal wie falsch es sei – solange kann man sich genausogut NAIV aufs Stirnband sticken.
Dann wissen wenigstens die anderen, was sie von Dir erwarten können.


Blogbefehl

14.9.2006

Es gibt tatsächlich da draußen noch Leute, die Ihre Fundstücke noch old-school-mäßig persönlich per Mail versenden, statt sie öffentlich-lieblos auf irgendeine Seite zu knallen.
„Äs gibb södanna un södanna”, sagt meine Oma da und läßt jedem seinen Willen.
Ich aber sage: B., bitte, sowas darf nicht nur in meinem Postfach verschimmeln. Ich zitiere sonst in loser Folge immer wieder aus Deinen Mails:

wegen unglaublichkeit, aber hätten die Libanesen, Israelis & sonstige Kojoten solche Hobbies – es wäre sicher friedlicher in der welt! Schwerter zu Milchschäumern! LKW-Reifen zu Heißluftballons!
und noch einer: haha, die feist geschminkte Kopftuchbarbie als Pendant. sehr schön. Für islamische Länder typische blaue Augen. Nee stimmt gar nicht, lila! Na wenn das nicht wieder Ärger gibt.”


wow.

13.9.2006

Ohne Neobazi hätte ich’s vermutlich noch länger gar nicht mitgekriegt: das Rennen um das erste jetzt.de-Blogstipendium ist gelaufen – und stilhäschen hat es unter die Empfehlungen geschafft!

Und schon den ganzen Post versaut. Pointe verraten, zu unverhohlen gefreut statt erstmal den echten Gewinnern zu gratulieren (dabei hab’ ich mich letzte Nacht noch so für Nilzenburger gefreut und glatt überlesen, daß es weiter unten auch Siegerurkunden gab…), Ego-content gleich zum Einstieg. Na, das wird nix mehr mit mir und blogospherical correctness.
Sei’s drum! Das erste Bier ist alle, vom Unterbalkon duften glasige Zwiebeln, die Sonne kratzt noch ganz knapp über den First, aus den Boxen schlägt die großartige neue Blumentopfplatte und irgendwer meint, ich wäre relativ weit vorne unter den besten deutschen Jungbloggern unter 35. „Jung” allein ist schon Grund genug zu feiern, wie ich finde. Danke!

PS: „Gewonnen” oder nicht, medienjunkie hat das prima ausgedrückt: „[…] die Abstimmung habe ich zwar verloren, habe aber dadurch festgestellt, dass diese Blogs [ein paar Links] richtig nett sind. So hatte das doch alles wieder was Gutes.” Eben. Und außerdem hat es glücklicherweise nicht die falschen getroffen. Rundumgratulation, dann doch noch. Und ich freu mich. Für alle. Prost.


Der Surfer Wege…

12.9.2006

… sind unergründlich. Pustekuchen!
Ich weiß, es ist ein uralter Hut, aber mich machen viele Suchanfragen grinsen, die Leute auf meine Seite führen.
Da frage ich mich dann gerne: Was, um Himmels Willen, suchen die? Und: Konnte ich da helfen? Habe ich schon ohne mein Wissen Leben gerettet, Beziehungen gekittet, gepflegtes Viertelwissen in die Welt getragen?

Aber auch: wie zur Hölle komme ich dazu, als Experte für sowas zu gelten? Das lasse ich mir ja noch eingehen, und auch hier und hier bin ich unermüdlich am Forschen, aber Kastrationsgerät? Gefunden? Erfolg gehabt?

Okay, gut, klar (immer!), meinetwegen, auch das, aber Ihr glaubt doch nicht wirklich, ich würde so Creativkack gutheißen, oder? Woher soll ich wissen, ob Ihr zu Eurem Schwarm passt oder „was kommt nächste woche an Lottozahlen”?
Überhaupt, was bringt Leute dazu, auch noch Fragezeichen einzugeben? Ist Google am Ende vielleicht doch nur ein Callcenter voller fremdsprachentrainierter Inder: Erkläre das Spiegelbild? Sehr kryptisch. Auch ohne Satzzeichen. (Bei dem Weg: schon mal bei IKEA die flotte Anna gebeten, sich auszuziehen? Oder einen Drink bestellt? Hilft bei akuter Langeweile ca. drei Minuten.)

Tja, und ganz zum Schluß kommen dann die unerfreulichen Anfragen.
reife häschen. Danke auch. Sehr charmant. Hier gelandet?
Keine Ahnung, wo man das findet, aber bei mir wird ACHSELNAESSE nicht groß geschrieben. Bittesehr.
Und nein, ich will es nicht wissen.

Danke der Nachfrage. Jetzt sind die Fragen bei mir offen.


dilemma5000

12.9.2006

„ey könnt ihr mir eine maschine sagen, die z.b. eine zigarette einklemmen kann und die gaaaanz schnell (mehrere 1000 mal pro sekunde) nach oben und unten bewegen kann ? ich brauch das weil ich will eine maschine bauen.”
Tolles Tool für Schwerentschiedene. Und erstklassiger Selbstmotivator („solche Sorgen möcht ich auch mal haben!”). Uneingeschränkte Empfehlung.


Möbelgeschichten

9.9.2006

Der Tisch war nichts besonderes, als ihn das junge Paar Anfang der sechziger Jahre in irgendeinem Kleinstadtmöbelhaus kaufte. Er war schlicht aber modern, und das Furnier sah zumindest aus wie irgendetwas teures. Vor allem aber war er pflegeleicht (Die klaren Linien! Keine staubsammelnden, gedrechselten Tischbeinhüften! Ein Hausfrauentraum!)
und ausziehbar, falls Gäste kamen. Mit einem Wort: praktisch.

An diesem Tisch wurde gegessen und getrunken, gestritten und gelacht. Als Kinder dazukamen, auch gekleckert, gespielt und gemalt. Und immer lagen Sets aus Bast oder buntem Plastik unter den Tellern. Deswegen war der Tisch auch noch tiptop in Schuß, als die Stühle schon längst aus dem Leim gegangen waren. Endlich durfte wieder was neues gekauft werden! Die Zeiten hatten sich schließlich geändert. Und daß der Tisch nicht mehr zu den schönen neuen Stahlrohrstühlen paßte, mußte nicht aus Sparsamkeit hingenommen werden. Er wanderte in den Keller, später in die Studentenbude des Sohnes. Da durfte er sich nochmal beweisen und Flaschen tragen bis kurz vorm Durchbrechen. Er zog noch ein paarmal um, wurde wieder mit Spinat bespuckt und wieder durch einen moderneren ersetzt. Eigentlich wäre das schon ein erfülltes Leben gewesen und die meisten aus seiner Charge waren sicher schon längst auf dem Sperrmüll gelandet. Trotzdem fing er wieder von vorne an, das dritte Mal jetzt als Erstausstattung einer ersten eigenen Wohnung. Gestell und Auszugsplatten waren gezeichnet, aber die Spuren auf der Deckplatte waren doch zu tief, um als Patina zu gelten. Mit neuer Platte versah er seine Dienste wie all die Jahrzehnte zuvor, trug Bierpfützen und Partybuffets, sah Gäste kommen und gehen, war Zaungast und Grundlage von gemeinsamen Frühstücken und Trennungsgesprächen. Er wechselte die Standorte und blieb doch immer selbst ein Fixpunkt.

Und mit weit über vierzig erlebt er immernoch Abende, an denen er der Mittelpunkt ist. Er trägt Töpfe und Teller, Gläser und Ascher und manchmal hört er zwischen all den Diskussionen über die Welt da draußen unvermittelt ein gelalltes „Meine Fresse, dieser Tisch ist so schön. So zeitlos, so elegant, schau mal, wie diese Platte schwebt! Ach, sowas macht ja heute keiner mehr. Ist ja nur das wesentliche.”

Hoffentlich reicht ihm das als Motivation, nicht kaputt und in Rente zu gehen.


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